Arbeitsmarktpolitik Dossierbild

1.9.2020 | Von:
Frank Oschmiansky

Ausbildungsvermittlung

In Deutschland werden die Berufsberatung und die Ausbildungsvermittlung vor allem durch die Arbeitsagenturen und Jobcenter erbracht. Daneben sind die Kammern wichtige Ansprechpartner für Betriebe und Ausbildungssuchende. Von eher geringer Bedeutung sind private Agenturen, die ihre Leistungen gegen Bezahlung anbieten.

"Azubi-Speed-Dating" der IHK Frankfurt/Main. Schülerinnen und Schüler, die noch keinen Ausbildungsplatzhaben haben, haben die Möglichkeit, sich innerhalb von 10 Minuten bei Unternehmen ihrer Wahl vorzustellen."Azubi-Speed-Dating" der IHK Frankfurt/Main. Schüler/-innen haben die Möglichkeit, sich innerhalb von 10 Minuten bei Unternehmen ihrer Wahl vorzustellen. (© picture-alliance/dpa)

Wer ist wofür zuständig?

Mit der sozialen und beruflichen Integration junger Menschen beschäftigen sich seit Anfang 2005 drei Sozialgesetzbücher (SGB) mit unterschiedlichen Handlungslogiken: SGB II (Grundsicherung für Arbeitsuchende), SGB III (Arbeitsförderung) und SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfe).

Im Regelfall ist die Arbeitsagentur für die Arbeits- und Ausbildungsstellenvermittlung von Jugendlichen zuständig. Allerdings liegt die Zuständigkeit bei Beziehern der Grundsicherung ("Hartz IV") teilweise bei den Grundsicherungseinrichtungen (Jobcentern) und ist kompliziert geregelt. Die Berufsorientierung und die Berufsberatung sind Aufgabe der Arbeitsagentur. Sie wird von den dortigen Berufsberatern durchgeführt und koordiniert.

Die Arbeitsagenturen sind auch für die Durchführung von berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BvB) und für sonstige Leistungen der Förderung der Berufsausbildung sowie für die berufliche Ersteingliederung von jugendlichen Rehabilitandinnen und Rehabilitanden zuständig. Alle anderen integrationsfördernden Leistungen des SGB III, z.B. die assistierte Ausbildung, Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE) oder Aktivierungshilfen, erbringen die Jobcenter.

Die Jobcenter können die Arbeitsagentur gegen Kostenerstattung mit der Ausbildungsvermittlung aller oder Teile der jugendlichen SGB II-Leistungsberechtigten beauftragen, wenn sie diese Aufgabe nicht selbst übernehmen wollen. Egal wie die Variante vor Ort ausfällt, eine gute Kooperation zwischen Jobcenter und Agentur für Arbeit ist hoch relevant. Um diese zu befördern forciert die Bundesagentur für Arbeit seit Beginn der 2010er Jahre die Gründung von so genannten Jugendberufsagenturen. Hier sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeitsagenturen, der Jobcenter und auch der Jugendämter (insbesondere Jugendberufshilfe) die Jugendlichen umfassend beraten und durch Informationsbündelung zur Transparenz des Ausbildungsmarktes beitragen. Die Gestaltung der Jugendberufsagenturen ist nicht verbindlich vorgeschrieben. Auch die Zielgruppe, also welche Personen genau die Jugendberufsagenturen in Anspruch nehmen können, soll vor Ort nach den lokalen Gegebenheiten entschieden werden.

Seit 2019 baut die Bundesagentur für Arbeit mit der so genannten Lebensbegleitenden Berufsberatung ihr Dienstleistungsangebot in diesem Bereich weiter aus. Dabei unterscheidet sie „Berufsberatung vor dem Erwerbsleben“ und „Berufsberatung im Erwerbsleben“. Mit der Beratung vor dem Erwerbsleben will sie Impulse setzen, mehr junge Menschen frühzeitig in ihrem Berufs- und Studienwahlprozess zu begleiten, um sie zu einer eigenständigen, realisierbaren und so zu einer stabilen Erwerbsbiografie beizutragen.

Ausbildungsberatung ist auch eine zentrale Aufgabe der Kammern. Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) schreibt vor, dass die Kammern zur Durchführung und Überwachung der Berufsausbildung sowie der Beratung der Ausbildenden und Auszubildenden Ausbildungsberater bestellen müssen. Insbesondere die Betriebe aber auch Ausbildungssuchende und Auszubildende können sich an die Ausbildungsvermittler oder Ausbildungsberater der Kammern wenden. Auf der IHK-Lehrstellenbörse sind nach Angaben der IHK ständig um die 40.000 offene Ausbildungsplätze und duale Studiengänge gelistet.

Das Berufsinformationszentrum (BiZ)

In jeder Agentur für Arbeit ist ein Berufsinformationszentrum (BiZ) eingerichtet. Das BiZ wendet sich mit seinen Angeboten nicht nur an Jugendliche vor der Berufswahl, sondern zunehmend auch an erwachsene Rat- und Arbeitsuchende. Im BiZ kann man sich über alles, was mit Ausbildung und Studium, beruflichen Tätigkeiten und Anforderungen, mit Weiterbildung, Umschulung und Entwicklungen am Arbeitsmarkt zu tun hat, selbst informieren. Zu diesem Zweck wird dort eine Vielzahl berufskundlicher Informationsmittel vorgehalten, u.a. rund 450 Info-Mappen. In den Mappen werden Antworten auf eine Vielzahl von berufskundlichen, studienkundlichen und berufswahlbezogenen Fragestellungen zu Ausbildungsberufen, Berufsfachschulberufen, Fachschulberufen und Hochschulberufen gegeben. Ergänzend werden zunehmend Informationsmaterialien auf der Webseite des BiZ zur Verfügung gestellt.

Daneben bietet die Bundesagentur für Arbeit noch weitere Internetportale an, auf denen sich Interessierte über Berufswahl und verschiedene Berufe informieren können. BERUFENET informiert mit Texten, Filmen und Bildern über die Vielfalt der Ausbildungsberufe in Deutschland. Das Portal www.planet-beruf.de ist eine weitere Internetseite der Bundesagentur für Arbeit mit Informationen rund um das Thema Ausbildung, Berufswahl und Bewerbung.

Aktuelle Förderprogramme und Initiativen

Eine Übersicht über die Programmvielfalt zur Förderung der beruflichen Erstausbildung findet sich in den jährlich erscheinenden Berufsbildungsberichten.

Weitere Programme können den entnommen werden Webseiten des Europäischen Sozialfonds. Die achte Förderperiode umfasst die Jahre 2014 bis 2020. Mit der 9. Förderperiode ab 2021 werden sowohl auf Ebene des Bundes wie auch der Länder neue Maßnahmen und Programme initiiert werden, die auf den entsprechenden Internetseiten abrufbar sein werden.

Daneben unterstützt die Initiative „Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss“ (www.bildungsketten.de) Jugendliche dabei, ihren Schulabschluss zu schaffen, einen Ausbildungsplatz zu finden und die Berufsausbildung erfolgreich abzuschließen. Gegründet wurde die Initiative Bildungsketten im Jahr 2010 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Ziel ist es, möglichst jedem ausbildungsreifen und ausbildungswilligen jungen Menschen eine betriebliche Berufsausbildung zu ermöglichen. Durch eine Kooperation aller am Prozess Beteiligter soll der Übergang von der Schule in die Ausbildung besser gestaltet werden. Der Bund, die Bundesagentur für Arbeit und die Bundesländer sollen sich im Sinne einer kohärenten, zusammenhängenden Förderung abstimmen. Im Rahmen der Initiative stehen verschiedene Förderinstrumente zur Verfügung:
  • Potenzialanalysen
  • Berufsorientierung
  • Berufseinstiegsbegleitung
  • Ehrenamtliches Coaching (Initiative VerA)
  • Maßnahmen im Übergangsbereich
Seit 2006 unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit den Programmen JOBSTARTER und JOBSTARTER plus bundesweit die Ausbildung in kleinsten, kleinen und mittleren Unternehmen. Hierzu wurden und werden aus berufsbildungspolitischer Sicht relevante Themen aufgegriffen und von den geförderten Projekten neuartige bzw. an veränderte Bedarfslagen angepasste Ausbildungsmodelle entwickelt und praxisnah erprobt.

Das Ende 2014 gegründete Bündnis „Allianz für Aus- und Weiterbildung“ (www.aus-und-weiterbildungsallianz.de) setzt sich dafür ein, die Attraktivität, Qualität und Leistungsfähigkeit sowie die Integrationskraft der beruflichen Bildung weiter zu stärken.

Zum Weiterlesen

Becker, C. / Leopold, E. (2020): Begleitende Evaluation der Ausbildungsstrukturprogramme JOBSTARTER und JOBSTARTER plus 2015-2018. Kurzfassung des Gesamtabschlussberichtes im Auftrag des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Borchers, A. / Rödiger, L. / Seidel, S. / Ebach, M. / Kaps, P. / Kowalczyk, K. / Oschmiansky, F. / Popp, S. (2017): Evaluation der Initiative „Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss“: Erfolgreiche Übergänge in die betriebliche Ausbildung.

Bosch, G. (2018): Die duale Berufsausbildung - das Geheimnis der deutschen Wettbewerbsfähigkeit. Duisburg: IAQ-Report Nr. 2018-05.

Bundesinstitut für Berufsbildung: Berufsbildungsbericht (erscheint jährlich)

Bundesinstitut für Berufsbildung: Datenreport zum Berufsbildungsbericht (erscheint jährlich)

ISR / infas / WZB (2008a): Evaluation der Experimentierklausel nach § 6c SGB II – Vergleichende Evaluation des arbeitsmarktpolitischen Erfolgs der Modelle der Aufgabenwahrnehmung "Optierende Kommune" und "Arbeitsgemeinschaft". Untersuchungsfeld 2: Implementations- und Governanceanalyse. Abschlussbericht Mai 2008 an das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Popp, S. / Kowalczyk, K. / Oschmiansky, F. / Borchers, A. / Kukat, M. / Seidel, S. / Bennewitz, H. / Muhl, L. / Siebert, J. (2014): Externe Evaluation der BMBF-Initiative „Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss“. Endbericht.

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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-SA 4.0 - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International" veröffentlicht. Autor/-in: Frank Oschmiansky für bpb.de

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