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Jüngere Reformen der Gesundheitspolitik in Großbritannien: New Labour (1997 bis 2010)

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Jüngere Reformen der Gesundheitspolitik in Großbritannien: New Labour (1997 bis 2010)

Thomas Gerlinger Kai Mosebach

/ 3 Minuten zu lesen

Das britische Gesundheitssystem befindet sich seit Ende der 1980er-Jahre im Umbruch. Noch unter der konservativen Premierministerin Margaret Thatcher geplant und unter ihrem Nachfolger John Major realisiert wurde 1989 die Einführung von Marktelementen in den bis dahin staatlich organisierten nationalen Gesundheitsdienst beschlossen (sogenannte "internal market").

Ein Hausarzt (General Practitioner) vor seiner Praxis in einem Supermarkt. Um die Versorgung der Bevölkerung mit medizinischen Leistungen zu verbessern, wurde 2008 u. a. in Manchester ein sechsmonatiger Versuch mit einer Arztpraxis in einem Supermarkt durchgeführt. (© picture-alliance/dpa)

Kontinuität und Wandel unter New Labour (1997 bis 2010)

Trotz vielfältiger Kritik von der Opposition hat die 1997 nachfolgende Labour-Regierung unter der Führung von Tony Blair die organisatorische Einrichtung eines internen Marktes im National Health Service (NHS) beibehalten, aber stärker auf die kooperative Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen im nationalen Gesundheitsdienst gedrängt.

In anderen Bereichen jedoch hat die Regierung neue Akzente gesetzt, was insbesondere für die Initiierung zahlreicher Programme zur Bekämpfung sozial bedingter gesundheitlicher Ungleichheit gilt, deren Bedeutung von der konservativen Vorgängerregierung geleugnet wurde. Zudem setzte die Labour-Regierung auf eine konsequente staatliche Strategie zur Verbesserung der Qualität der Gesundheitsversorgung, wobei sie eine ganze Reihe von neuen (quasi)staatlichen Behörden gründete.

"The NHS Plan" – ein Zehnjahresplan zur Neuerfindung des NHS

Der demografische Wandel moderner Gesellschaften, medizinisch-technologische Innovationen und höhere Versorgungsansprüche der Patientinnen und Patienten und Bürger an den NHS machen es nach Auffassung von New Labour unerlässlich, den nationalen Gesundheitsdienst grundlegend umzubauen. Im Mittelpunkt der gesundheitspolitischen Strategie von New Labour steht die Stärkung der primären Gesundheitsversorgung ("Primary Care") gegenüber dem traditionellen stark durch Krankenhäuser geprägten nationalen Gesundheitsdienst. Im Jahr 2000 legte die britische Regierung – legitimiert durch zahlreiche, sich häufende Gesundheitsskandale und die medial skandalisierten Auswirkungen der Grippewelle mit überfüllten Krankenhausfluren und Krankenhauszimmern im Winter 1999/2000 – mit dem NHS-Plan ("The NHS Plan – A Plan for Investment, A Plan for Reform") einen ambitionierten Zehnjahresplan vor, mit dem der englische nationale Gesundheitsdienst grundlegend modernisiert werden sollte. Die zentralen Eckpunkte der Modernisierungsstrategie von New Labour sind:

  1. die Bekämpfung des Wartelistenproblems durch die Vergrößerung der Versorgungskapazitäten und eine Erhöhung vor allem der Anzahl von Ärztinnen, Ärzten und Krankenpflegepersonal im englischen NHS

  2. die Verbesserung der Qualität der gesundheitlichen Versorgung, der klinischen Ergebnisse und des Gesundheitszustandes der Bevölkerung

  3. eine stärkere Verzahnung von gesundheitlicher und sozialer Versorgung von älteren Menschen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels

  4. eine intensivere Nutzung der Kapazitäten des privaten Sektors zum Abbau von Wartelisten und zur Erhöhung der Wahlmöglichkeiten für Patientinnen und Patienten und

  5. die Etablierung einer stärkeren Patientenorientierung und Patientenmitsprache im nationalen Gesundheitsdienst durch neue Repräsentationsstrukturen und mehr Wahlfreiheiten

Um dieses Reformprogramm zu erreichen, verpflichtete sich die Regierung von Tony Blair, die öffentlichen Ausgaben für Gesundheit nachhaltig zu erhöhen, um die chronische Unterfinanzierung des NHS zu beenden und Strukturreformen zu ermöglichen. Die Steigerung der öffentlichen Gesundheitsausgaben ist in der Tat beträchtlich. Nach Angaben des britischen Finanzministeriums stieg das Budget für Gesundheitsausgaben nominal von 56 Milliarden Pfund (circa 92 Milliarden Euro) im Jahr 2001 auf 80,8 Milliarden Pfund (circa 119 Milliarden Euro) im Jahr 2007. Dies ist eine Steigerung um 28 Milliarden Pfund in sechs Jahren, was einer jährlichen Wachstumsrate von über acht Prozent entspricht. In den letzten Jahren hat sich der Ausgabenzuwachs wieder etwas abgeschwächt.

Im internationalen Vergleich wuchs damit der Anteil der öffentlichen Gesundheitsausgaben an den Gesamtgesundheitsausgaben in Großbritannien seit Verkündung des NHS-Plans deutlich an und stellte sich gegen den Trend einer abnehmenden Bedeutung von öffentlichen Gesundheitsausgaben in Deutschland, den Niederlanden und in Schweden (siehe Abbildung "Öffentliche Gesundheitsausgaben im Landesvergleich").

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Antwort a) ist richtig: Die Gesundheitsausgaben in England sind stärker gestiegen als in Deutschland.

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Antwort a) ist richtig: Die Gesundheitsausgaben in England sind stärker gestiegen als in Deutschland.

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Prof. Dr. Dr. Thomas Gerlinger ist Professor an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld, AG 1: Gesundheitssysteme, Gesundheitspolitik und Gesundheitssoziologie.

Geb. 1970, Politik- und Gesundheitswissenschaftler, Vertretungsprofessor am Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen der Gochschule Ludwigshafen am Rhein.