Multinationale Unternehmen (MNU) haben die Globalisierung vorangetrieben und stark von ihr profitiert. Die Vermögenswerte und Umsätze einzelner MNU entsprechen dem BIP wirtschaftsstarker Staaten.
Die Vermögenswerte von VW und Toyota lagen im Jahr 2024 mit 657 bzw. 626 Mrd. US$ nur leicht unterhalb des BIP von Belgien bzw. Argentinien. Und die Vermögenswerte der sieben größten MNU entsprachen etwa dem BIP Deutschlands.
Knapp vier Fünftel der Vermögenswerte der Top 100 MNU entfielen 2024 auf nur vier Branchen: Energie/Bergbau, Technologie, Kraftfahrzeuge sowie Chemie/Pharmazieprodukte.
Fakten
Multinationale Unternehmen (MNU) haben die Globalisierung vorangetrieben und stark von ihr profitiert. Durch ihre organisatorischen, technischen und finanziellen Ressourcen konnten die MNU ihre Marktmacht immer weiter ausbauen. Die Vermögenswerte und Umsätze einzelner MNU entsprechen inzwischen dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) wirtschaftsstarker Staaten. Zwischen 1995 und 2024 hat sich das Gesamtvermögen der – nach Vermögenswerten im Ausland – 100 größten MNU auf 19,7 Billionen US-Dollar nahezu verfünffacht (Faktor 4,7). Der Umsatz der Top 100 MNU lag im Jahr 2024 bei 12,1 Billionen US-Dollar und war damit knapp dreimal so hoch wie 1995 (Faktor 2,9).
Um die Höhe der Vermögen der MNU etwas einordnen zu können, wurden sie hier dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) ausgewählter Staaten gegenübergestellt – auch wenn dabei Bestandsgrößen (Vermögenswerte der MNU) Flussgrößen (BIP der Staaten) gegenübergestellt werden. So entsprachen im Jahr 2024 beispielsweise die Vermögenswerte des chinesischen Energiekonzerns State Grid Corporation of China mit 778 Milliarden US-Dollar dem BIP Taiwans mit 781 Milliarden US-Dollar. Die Vermögenswerte der Kraftfahrzeughersteller VW und Toyota lagen mit 657 bzw. 626 Milliarden US-Dollar nur leicht unterhalb des BIP von Belgien und Argentinien mit 666 bzw. 633 Milliarden US-Dollar. Und die Vermögenswerte von Amazon (625 Mrd. US$) und Microsoft (512 Mrd. US$) entsprachen etwa dem BIP von Schweden (606 Mrd. US$) bzw. Österreich (523 Mrd. US$) im Jahr 2024.
Selbst das BIP der – nach den USA und China – drittgrößten Ökonomie der Welt entsprach im Jahr 2024 den Vermögenswerten von nur sieben MNU: Während das BIP Deutschlands nach vorläufigen Angaben der UNCTAD 4.526 Milliarden US-Dollar betrug, lagen die Vermögenswerte der sieben größten MNU bei 4.473 Milliarden US-Dollar.
Im Jahr 2024 entfielen knapp vier Fünftel der Vermögenswerte der Top 100 MNU auf lediglich vier Branchen: Energie und Bergbau (33,8 Prozent), Technologie (19,2 Prozent), Kraftfahrzeuge (17,8 Prozent) sowie Chemie und Pharmazieprodukte (8,7 Prozent). Beim Gesamtumsatz lag der Anteil der vier Branchen sogar bei 82,2 Prozent und bei den insgesamt Beschäftigen bei 74,4 Prozent. Besonders dynamisch ist die Entwicklung der Technologiebranche: Die Zahl der Tech-MNU unter den Top 100 MNU erhöhte sich allein zwischen 2015 und 2024 von 9 auf 15.
Trotz der insgesamt zunehmenden Transnationalisierung der MNU bleibt die ökonomische Bedeutung des jeweiligen Heimatmarktes bei den meisten Unternehmen groß. Der Hauptgrund hierfür ist, dass sich die Auslandsvermögenswerte, der Auslandsumsatz und die im Ausland beschäftigten Personen in der Regel auf eine Vielzahl von Staaten verteilen. Im Jahr 2024 hatten von den 100 größten MNU 52 ihren Hauptsitz in Europa, 27 in Asien und 20 in Nordamerika. Bezogen auf die einzelnen Staaten hatten die meisten ihren Hauptsitz in den USA (18). Darauf folgten Frankreich und das Vereinigte Königreich mit 13 bzw. 11 MNU sowie Japan, Deutschland und China mit jeweils 10 MNU.
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Die Größe der Multinationalen Unternehmen (MNU) leitet sich hier von den jeweiligen Vermögenswerten im Ausland ab. Bei Auswahl eines anderen Kriteriums – zum Beispiel Vermögenswerte im In- und Ausland oder Anzahl der Beschäftigten – würde sich die Rangfolge der Top 100 MNU entsprechend ändern. Die MNU bestehen aus einem Mutterunternehmen und den dazugehörenden Tochterunternehmen.
Zu den Vermögenswerten eines Unternehmens gehören immaterielle Vermögensgegenstände (Konzessionen, Lizenzen, Patente, Marken), Sachanlagen (Grundstücke, Gebäude, technische Anlagen, Maschinen, Betriebs- und Geschäftsausstattung), Finanzanlagen (Unternehmensanteile, Beteiligungen, Wertpapiere des Anlagevermögens), Vorräte (Rohstoffe, Waren), Forderungen, Wertpapiere, Barreserven und andere liquide Mittel.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das BIP ist gegenwärtig das wichtigste gesamtwirtschaftliche Produktionsmaß.