Zahlen und Fakten: Europa
1.9.2021

Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf

In Kaufkraftstandards (KKS), Index (EU-27 = 100), ausgewählte europäische Staaten, 2020

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in Kaufkraftstandards (KKS) (Stand: 07/2021)
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Der Lebensstandard in den einzelnen Staaten der Europäischen Union ist sehr unterschiedlich. Bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (in KKS) reicht die Spanne von der Hälfte des EU-Durchschnitts in Bulgarien bis zum zweieinhalbfachen des EU-Durchschnitts in Luxemburg. Allerdings zeigt sich laut Eurostat insgesamt eine Annäherung zwischen den Staaten. Insbesondere bei den ost- und südosteuropäischen EU-Staaten erfolgte die Annäherung an den EU-Indexwert in den letzten zwei Jahrzehnten kontinuierlich. Bei einem Vergleich der Jahre 1995 und 2020 haben sich aber auch neun der 27 EU-Staaten vom durchschnittlichen Lebensstandard in der EU entfernt.

Fakten

Bei einem Vergleich des Lebensstandards in einzelnen europäischen Staaten ist es sinnvoll, einen Indikator zu nutzen, der nicht durch die absolute Einwohnerzahl der Staaten beeinflusst wird. Daher wird hier nicht das gesamte Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Staaten betrachtet, sondern das BIP pro Kopf. Zudem wird das BIP pro Kopf von Euro in Kaufkraftstandards (KKS) umgerechnet – somit werden die Unterschiede beim Preisniveau herausgerechnet bzw. die Kaufkraft der einzelnen Währungen berücksichtigt.

In keinem Staat Europas lag das BIP pro Kopf in KKS im Jahr 2020 so hoch wie in Luxemburg, wo der Indexwert mit 266 gut zweieinhalbmal so hoch war wie in der Europäischen Union insgesamt (EU-27 = 100). Laut Eurostat lässt sich dieser hohe Wert zum Teil durch die hohe Zahl an Grenzgängern aus Belgien, Deutschland und Frankreich erklären. Innerhalb der EU folgten auf Luxemburg Irland (211), Dänemark (136), die Niederlande (133), Österreich (124), Schweden (123) und Deutschland (121). Deutlich unterhalb des EU-Durchschnitts lag das BIP pro Kopf in KKS im Jahr 2020 in Lettland und Rumänien (72), der Slowakei (71), in Griechenland und Kroatien (64) sowie in Bulgarien (55). Außerhalb der EU lag das BIP pro Kopf in der Schweiz (160), in Norwegen (142) und Island (125) klar über dem EU-Durchschnitt. In Albanien (31) sowie in Bosnien und Herzegowina (33) betrug das BIP pro Kopf in KKS rund ein Drittel des EU-Durchschnitts. Das BIP pro Kopf in KKS in Nordmazedonien (38), Serbien (43), Montenegro (46) sowie in der Türkei (64) lag ebenfalls deutlich unter dem EU-Durchschnitt.

Bezogen auf das BIP pro Kopf in KKS zeigt sich laut Eurostat insgesamt eine Annäherung beim Lebensstandard in der EU. Bei einem Vergleich der Jahre 1995 und 2020 war von den Staaten, deren Indexwert 1995 unter dem EU-Durchschnitt lag, die Annäherung an den EU-Durchschnitt in den baltischen Staaten Litauen, Estland und Lettland sowie in Rumänien relativ am stärksten. Darauf folgten Polen, die Slowakei, Ungarn und Kroatien. Gleichzeitig näherten sich sechs EU-Staaten dem EU-Indexwert von der anderen Seite der Skala an – was nicht heißen muss, dass das jeweilige BIP pro Kopf in KKS gesunken ist, sondern auch daran liegt, dass das BIP pro Kopf der EU gestiegen ist. In Italien, Frankreich, Deutschland und Belgien sind dabei die einzelnen Indexwerte relativ am stärksten gesunken – in Italien sogar so stark, dass der Indexwert Italiens 1995 über dem EU-Indexwert lag und 2020 darunter (126/94).

Auf der anderen Seite haben sich neun der 27 EU-Staaten vom EU-Durchschnitt entfernt: In Griechenland fiel der Indexwert im Zweijahresvergleich 1995/2020 von 87 auf 64, in Zypern von 96 auf 87 und in Spanien von 92 auf 86. Schließlich lag in Portugal der Indexwert 2020 vier Punkte niedriger als 1995 (81/77). Auch Irland und Luxemburg entfernten sich vom Indexwert der EU – allerdings lagen dort die Indexwerte bereits 1995 über dem EU-Durchschnitt und haben sich bis 2020 weiter erhöht (107/211 bzw. 223/266). In Dänemark und Finnland lag der Indexwert 2020 acht bzw. fünf Punkte höher als 1995; in den Niederlanden war es nur ein Punkt (132/133).

Insbesondere bei den ost- und südosteuropäischen EU-Staaten erfolgte die Annäherung an den EU-Indexwert in den letzten 20 Jahren kontinuierlich. Aber auch bei vielen anderen EU-Staaten verlief die Entwicklung stetig – jedoch nicht bei allen: So war der Indexwert Irlands 2020 deutlich höher als 1995 (211 gegenüber 107), zwischen 2006 und 2011 war er allerdings von 152 auf 131 gefallen. Weiter wird das Ausmaß der Krise in Griechenland und Zypern erst deutlich, wenn nicht die Werte der Jahre 1995 und 2020 betrachtet werden, sondern bei Griechenland die Jahre 2006 und 2020 (98/64) und bei Zypern die Jahre 2008 und 2014 (107/81). Schließlich lagen in Spanien und Finnland die jeweiligen Indexwerte sowohl 1995 als auch 2020 klar unter den Werten Mitte der 2000er-Jahre. Generell ist dabei zu beachten, dass die Indexwerte der einzelnen Staaten Jahr für Jahr in Beziehung zum jeweiligen Durchschnittswert der EU gesetzt werden. Das Verhältnis zum EU-Wert wird zum einen durch die Entwicklung des BIP pro Kopf in KKS der einzelnen Staaten beeinflusst, zum anderen durch die Entwicklung des EU-Werts selbst (siehe Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen).

Von den 31 europäischen Staaten, für die sowohl für das Jahr 1995 als auch für 2020 Daten von Eurostat vorliegen, machte Irland in Bezug auf das BIP pro Kopf in KKS und die Positionierung der Staaten untereinander den größten Sprung – und zwar von Rang 15 auf Rang 2. Darauf folgten Litauen (von Rang 29 auf Rang 19) und Estland (von Rang 28 auf Rang 21). Malta und Tschechien erhöhten ihre Position jeweils um 5 Ränge, Dänemark, Slowenien, Lettland und Rumänien lagen jeweils vier Ränge höher als 1995. Hingegen rutschte Griechenland von Rang 18 auf Rang 29 und Italien von Rang 10 auf Rang 16. Für Bulgarien (von Rang 26 auf Rang 31) und Deutschland (von Rang 5 auf Rang 10) verschlechterte sich die Position jeweils um fünf Ränge.

Datenquelle

Eurostat: Online-Datenbank: Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in Kaufkraftstandards (KKS) (07/2021)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist ein Maß für die wirtschaftliche Tätigkeit in einer Volkswirtschaft. Es ist definiert als Wert aller neu geschaffenen Waren und Dienstleistungen, abzüglich des Wertes aller dabei als Vorleistungen verbrauchten Güter und Dienstleistungen.

Der Volumenindex des BIP in Kaufkraftstandards (KKS) pro Kopf wird relativ zum Durchschnitt der Europäischen Union, hier: EU-27 (ab 2020) = 100, ausgedrückt. Ist der Indexwert eines Landes größer als 100, so hat dieses Land ein BIP pro Kopf über dem EU-Durchschnitt (und umgekehrt). Die zugrunde liegenden Zahlen sind in KKS ausgedrückt, einer einheitlichen Währung, die Preisniveauunterschiede zwischen Ländern ausgleicht und damit aussagekräftige BIP-Volumenvergleiche erlaubt. Dabei ist zu beachten, dass der Index auf der Basis von KKS primär für Vergleiche zwischen Ländern beziehungsweise für den Vergleich mit der EU und nicht für Periodenvergleiche gedacht ist.

Die EU-27 (ab 2020) entspricht der EU-28 nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union ("Brexit").

Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf

In Kaufkraftstandards (KKS), Index (EU-27 = 100), ausgewählte europäische Staaten, 2020

EU-27 (ab 2020) 1 100
Euroraum (19 Länder) 105
Luxemburg 266
Irland 211
Schweiz 160
Norwegen 142
Dänemark 136
Niederlande 133
Island 125
Österreich 124
Schweden 123
Deutschland 121
Belgien 117
Finnland 115
Frankreich 103
Vereinigtes Königreich 102
Malta 97
Italien 94
Tschechien 94
Slowenien 89
Litauen 87
Zypern 87
Estland 86
Spanien 86
Portugal 77
Polen 76
Ungarn 74
Lettland 72
Rumänien 72
Slowakei 71
Griechenland 64
Kroatien 64
Türkei 64
Bulgarien 55
Montenegro 46
Serbien 43
Nordmazedonien 38
Bosnien und Herzegowina 33
Albanien 31

1 die EU-27 (ab 2020) entspricht der EU-28 nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union ("Brexit").


Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in Kaufkraftstandards (KKS) (Stand: 07/2021)


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