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Öffentlicher Schuldenstand

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Öffentlicher Schuldenstand

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In Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), ausgewählte Mitgliedstaaten der Europäischen Union, 1996 bis 2021

In Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), ausgewählte Mitgliedstaaten der Europäischen Union, 1996 bis 2021

In Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), Europäische Union, 2000 bis 2021

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten (Stand: 05/2022)
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

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Vor allem Krisen wie die globale Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 oder die Corona-Pandemie seit 2020 führen zu einer Erhöhung der öffentlichen Schulden der Mitgliedstaaten der EU. Hingegen sanken die öffentlichen Schulden der EU bezogen auf das BIP sowohl von Mitte der 1990er- bis Anfang der 2000er-Jahre als auch nach 2014. Zwischen 2014 und 2019 ging der Schuldenstand EU-weit fünf Mal in Folge zurück – insgesamt in 24 von 27 EU-Staaten. Die Corona-Pandemie hat diese Entwicklung schlagartig beendet.

Fakten

In Artikel 126 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) ist festgelegt, dass die Mitgliedstaaten der EU übermäßige öffentliche Defizite vermeiden sollen. Dabei überprüft die Europäische Kommission die Entwicklung der Haushaltslage und die Höhe des öffentlichen Schuldenstands. Insbesondere zwei Kriterien stehen im Mittelpunkt der Überprüfung. Erstens darf das jährliche öffentliche Defizit nicht mehr als 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entsprechen. Zweitens darf der gesamte öffentliche Schuldenstand nicht mehr als 60 Prozent des BIP betragen. Allerdings bestehen für beide Kriterien Ausnahmen. So darf der öffentliche Schuldenstand mehr als 60 Prozent des BIP entsprechen, wenn er hinreichend rückläufig ist und sich rasch genug dem Referenzwert nähert.

Bezogen auf das BIP sanken die öffentlichen Schulden der Mitgliedstaaten der Europäischen Union von Mitte der 1990er- bis Anfang der 2000er-Jahre. Im Euroraum – für den genaue Daten vorliegen – reduzierten sich die Schulden zwischen 1996 und 2002 stetig von 73,5 auf 68,0 Prozent. In der EU-27 lag der Schuldenstand im Jahr 2002 bei 65,4 Prozent. Nachdem sich der Schuldenstand der EU-27 von 2007 auf 2008 moderat von 62,2 auf 65,0 Prozent des BIP erhöhte, stieg der entsprechende Wert – vor allem bedingt durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise – auf 75,7 Prozent im Jahr 2009 bzw. auf 80,4 Prozent im Jahr 2010.

Auch wenn die Entwicklungen in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten unterschiedlich waren, hat sich der Schuldenstand in den Jahren 2008 bis 2010 in allen EU-Staaten erhöht. Am stärksten in Irland (+43,7 %-Punkte), Griechenland (+38,1 %-Punkte), Lettland (+29,2 %-Punkte) und Portugal (+24,6 %-Punkte). In den Folgejahren weitete sich die Schuldenkrise Europas weiter aus: Zwischen 2010 und 2014 erhöhte sich der Schuldenstand der EU-27 von 80,4 auf 86,8 Prozent des BIP – ein Plus von 6,4 Prozentpunkten. In diesem Zeitraum stiegen die öffentlichen Schulden im Verhältnis zum BIP in 22 der heutigen 27 EU-Staaten.

Zwischen 2014 und 2019 ist der relative Schuldenstand der EU-27 fünf Mal in Folge gesunken. 2019 lag er bei 77,5 Prozent des BIP. In diesem Zeitraum war der Schuldenstand im Verhältnis zum BIP in 24 EU-Mitgliedstaaten rückläufig – lediglich in Frankreich (+2,5 %-Punkte) sowie in Luxemburg und Griechenland (jeweils +0,4 %-Punkte) nahm er moderat zu. Bezogen auf das BIP verringerten sich die Schuldenstände zwischen 2014 und 2019 am stärksten in Irland (-47,1 %-Punkte), Malta (-21,4 %-Punkte), den Niederlanden (-19,4 %-Punkte), Zypern (-18,0 %-Punkte) und Deutschland (-16,4 %-Punkte).

Trotz der positiven Entwicklung in den Jahren 2014 bis 2019 war die Schuldenkrise in Europa auch vor der Corona-Pandemie nicht vollständig überstanden – im Jahr 2019 verfehlten immer noch elf Staaten die 60-Prozent-Marke. Und um die ökonomischen Folgen der Corona-Pandemie im Jahr 2020 zu mildern, wurden zahlreiche Investitionen getätigt bzw. Hilfsprogramme finanziert. Der Schuldenstand im Verhältnis zum BIP stieg von 2019 auf 2020 in allen 27 Staaten der EU. Auch im Jahr 2021 war der relative Schuldenstand in 26 von 27 EU-Staaten höher als im Jahr 2019. EU-weit erhöhte sich der Schuldenstand von 2019 auf 2020 sprunghaft von 77,5 auf 90,0 Prozent des BIP und nahm dann 2021 leicht auf 88,1 Prozent ab. In absoluten Zahlen nahm der Schuldenstand der EU-27 von 2019 auf 2020 von 10.856 auf 12.066 Milliarden Euro zu und stieg dann bis zum Jahr 2021 weiter auf 12.741 Milliarden Euro.

In Griechenland lag der öffentliche Schuldenstand im Jahr 2021 bei 193,3 Prozent des BIP. Darauf folgten Italien (150,8 Prozent des BIP), Portugal (127,4 Prozent), Spanien (118,4 Prozent), Frankreich (112,9 Prozent), Belgien (108,2 Prozent) und Zypern (103,6 Prozent). Weitere sieben Staaten verfehlten die 60-Prozent-Marke ebenfalls: Österreich, Kroatien, Ungarn, Slowenien, Deutschland, Finnland und – knapp – die Slowakei. Im Jahr 2021 lag der Schuldenstand in Deutschland bei 2.476 Milliarden Euro – 69,3 Prozent des BIP. 2019 entsprach der Schuldenstand in Höhe von 2.046 Milliarden noch 58,9 Prozent des BIP und er lag damit 2019 das erste Mal seit 2002 unterhalb der 60-Prozent-Marke. In Estland lag der Schuldenstand im Jahr 2021 bei lediglich 18,1 Prozent des BIP. Darauf folgten Luxemburg (24,4 Prozent), Bulgarien (25,1 Prozent), Schweden und Dänemark (36,7 Prozent), Tschechien (41,9 Prozent) sowie Litauen und Lettland (44,3 bzw. 44,8 Prozent).

Durch die Schuldenstände entstehen vor allem dann Probleme, wenn Staaten trotz hoher Schuldenquote zusätzliche Kredite aufnehmen. Laut der Deutschen Bundesbank gehören dazu "die potenzielle Verdrängung privater Investitionen, Unsicherheiten und Verzerrungen durch erwartete oder tatsächliche künftige Erhöhungen der Abgabenlast oder merkliche Risikoprämien auf den Kapitalmärkten infolge verstärkter Sorgen um die Zahlungsfähigkeit des Schuldners. Darüber hinaus dürfte bei hohen Schuldenquoten die Wirksamkeit gezielter kreditfinanzierter Maßnahmen zur Abwehr von besonders schweren Krisen zunehmend begrenzt sein. Zudem erhöht sich die Gefahr von Konflikten zwischen Finanz- und Geldpolitik, die gravierende gesamtwirtschaftliche Kosten zur Folge haben, während umgekehrt solide Staatsfinanzen eine stabilitätsorientierte Geldpolitik erleichtern" (Deutsche Bundesbank: Monatsbericht April 2010). Weiter führt die Staatsverschuldung zu Zinsausgaben und damit zu einer Verengung des staatlichen Handlungsspielraums.

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Informationen zum öffentlichen Finanzierungssaldo erhalten Sie Interner Link: hier...

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das BIP ist gegenwärtig das wichtigste gesamtwirtschaftliche Produktionsmaß.

EU-27 (ab 2020) bezieht sich auf die Zeit nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäische Union ("Brexit"). Zur EU-27 (ab 2020) gehören: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn und Zypern. Soweit nicht anders erwähnt, ist im Text und bei der Grafik mit EU-27 die EU-27 (ab 2020) gemeint.

Euroraum (19 Länder): Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien und Zypern.

Weitere Informationen zur Entwicklung des Euroraums erhalten Sie Externer Link: hier…

Öffentlicher Schuldenstand

In Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), Mitgliedstaaten der Europäischen Union, 1996 bis 2021

2012 2014 2016 2018 2019 2020 2021
in Prozent des BIP
EU-27 (ab 2020) 1 85,0 86,8 84,2 79,6 77,5 90,0 88,1
Euroraum (19 Länder) 91,0 93,1 90,4 85,8 83,8 97,2 95,6
Griechenland 162,0 180,3 180,5 186,4 180,7 206,3 193,3
Italien 126,5 135,4 134,8 134,4 134,1 155,3 150,8
Portugal 129,0 132,9 131,5 121,5 116,6 135,2 127,4
Spanien 90,0 105,1 102,8 100,5 98,3 120,0 118,4
Frankreich 90,6 94,9 98,0 97,8 97,4 114,6 112,9
Belgien 104,8 107,0 105,0 99,8 97,7 112,8 108,2
Zypern 80,3 109,1 103,1 98,4 91,1 115,0 103,6
Österreich 81,9 84,0 82,8 74,1 70,6 83,3 82,8
Kroatien 69,4 83,9 79,8 73,3 71,1 87,3 79,8
Ungarn 78,1 76,5 74,8 69,1 65,5 79,6 76,8
Slowenien 53,6 80,3 78,5 70,3 65,6 79,8 74,7
Deutschland 80,7 75,3 69,0 61,2 58,9 68,7 69,3
Finnland 53,6 59,8 63,2 59,8 59,6 69,0 65,8
Slowakei 51,9 53,7 52,4 49,6 48,1 59,7 63,1
Malta 66,6 62,1 54,7 43,7 40,7 53,4 57,0
Irland 119,7 104,3 74,3 63,1 57,2 58,4 56,0
Polen 54,4 51,1 54,2 48,8 45,6 57,1 53,8
Niederlande 66,2 67,9 61,9 52,4 48,5 54,3 52,1
Rumänien 37,1 39,2 37,3 34,7 35,3 47,2 48,8
Lettland 42,4 41,6 40,4 37,1 36,7 43,3 44,8
Litauen 39,7 40,5 39,7 33,7 35,9 46,6 44,3
Tschechien 44,2 41,9 36,6 32,1 30,1 37,7 41,9
Dänemark 44,9 44,3 37,2 34,0 33,6 42,1 36,7
Schweden 37,5 45,0 42,3 38,9 34,9 39,6 36,7
Bulgarien 16,6 27,0 29,1 22,1 20,0 24,7 25,1
Luxemburg 20,9 21,9 19,6 20,8 22,3 24,8 24,4
Estland 9,8 10,6 10,0 8,2 8,6 19,0 18,1
1996 1999 2002 2005 2008 2009 2010
in Prozent des BIP
EU-27 (ab 2020) 1 65,4 67,1 65,0 75,7 80,4
Euroraum (19 Länder) 73,5 71,6 68,0 70,4 69,7 80,2 85,7
Griechenland 101,3 98,9 104,9 107,4 109,4 126,7 147,5
Italien 119,1 113,3 106,4 106,6 106,2 116,6 119,2
Portugal 63,3 55,4 60,0 72,2 75,6 87,8 100,2
Spanien 65,4 60,8 51,2 42,4 39,7 53,3 60,5
Frankreich 60,0 60,5 60,3 67,4 68,8 83,0 85,3
Belgien 129,0 115,4 105,4 95,1 93,2 100,2 100,3
Zypern 50,3 55,8 60,5 63,4 45,5 54,3 56,4
Österreich 68,3 66,7 66,7 68,6 68,7 79,9 82,7
Kroatien 25,1 28,8 36,5 40,9 39,1 48,4 57,3
Ungarn 71,4 60,4 55,6 60,5 71,7 78,0 80,0
Slowenien 21,6 23,7 27,4 26,4 21,8 34,5 38,3
Deutschland 57,8 60,4 59,9 67,5 65,7 73,2 82,0
Finnland 55,3 44,1 40,2 39,9 32,6 41,5 46,9
Slowakei 30,6 47,1 45,3 34,7 28,6 36,4 40,8
Malta 38,5 61,7 63,1 69,9 61,8 66,3 65,5
Irland 69,9 46,6 30,9 26,1 42,5 61,8 86,2
Polen 42,3 38,9 41,7 46,6 46,7 49,8 53,5
Niederlande 71,4 58,6 48,8 49,8 54,7 56,8 59,2
Rumänien 10,6 21,7 24,8 15,9 12,3 21,8 29,6
Lettland 13,2 12,1 13,0 11,9 18,5 36,7 47,7
Litauen 13,9 22,7 22,2 17,6 14,6 28,0 36,2
Tschechien 11,6 15,2 25,8 27,7 28,1 33,4 37,1
Dänemark 2 69,4 58,1 49,1 37,4 33,3 40,2 42,6
Schweden 69,1 60,5 49,8 48,7 37,5 40,7 38,1
Bulgarien 75,3 51,0 26,6 13,0 13,7 15,3
Luxemburg 10,0 8,1 7,5 8,0 14,6 15,3 19,1
Estland 7,5 6,4 5,7 4,7 4,5 7,2 6,7

Fußnote: 1 EU-27 (ab 2020) bezieht sich auf die Zeit nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäische Union ("Brexit"). Öffentlicher Schuldenstand = Bruttoschuld des Staates (konsolidiert).

Fußnote: 2 Abweichende Quelle bis einschließlich 1999: Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten [gov_dd_edpt1] (Stand: 07/2013).

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten (Stand: 05/2022)

Quellen / Literatur

Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten (Stand: 05/2022), abweichende Quelle bei Dänemark bis einschließlich 1999: Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten [gov_dd_edpt1] (Stand: 07/2013); Amtsblatt der Europäischen Union: Konsolidierte Fassung des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (26. Oktober 2012); Deutsche Bundesbank: Monatsbericht April 2010; Statistische Bundesamt: www.destatis.de

Fussnoten

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