Zahlen und Fakten: Europa
8.8.2019

Wanderungssaldo pro Jahr

Personen in absoluten Zahlen, ausgewählte europäische Staaten, Durchschnitt 2010 bis 2015

Wanderungssaldo pro Jahr

Quelle: United Nations – Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2019). World Population Prospects: The 2019 Revision
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Werden Zu- und Abwanderungen zusammen betrachtet, lag der Wanderungssaldo in Europa in den Jahren 2000 bis 2010 durchschnittlich bei plus 1,8 Millionen Personen pro Jahr. In den Jahren 2010 bis 2015 waren es jährlich 1,4 Millionen Personen – dabei war Deutschland der Staat mit der höchsten Zuwanderung (+388 Tsd. pro Jahr). Darauf folgten Russland (+360 Tsd.), die Türkei (+353 Tsd.) und Italien (+327 Tsd.). Auch im Zeitraum 2015 bis 2020 wird Deutschland laut UN/DESA der Staat mit der höchsten Nettozuwanderung (+544 Tsd. pro Jahr) – relativ zur Gesamtbevölkerung ist die Nettozuwanderung in diesem Zeitraum allerdings in den Staaten Luxemburg und Österreich am höchsten. Insgesamt wird Europa auch in Zukunft eine Einwanderungsregion sein: Laut UN/DESA wird die Nettozuwanderung im Zeitraum 2020 bis 2050 bei 24,2 Millionen liegen – also bei einem Plus von gut 800.000 zugewanderten Personen pro Jahr.

Fakten

In keine Region der Welt sind im Zeitraum Juli 2000 bis Juli 2015 so viele Menschen eingewandert wie nach Europa – die Differenz zwischen Zu- und Abwanderung lag insgesamt bei 24,7 Millionen Personen. Allerdings war der Wanderungssaldo nach Angaben des UN Department of Economic and Social Affairs (UN/DESA) in den Jahren 2000 bis 2010 mit plus 1,78 Millionen Personen pro Jahr deutlich höher als in den Jahren 2010 bis 2015 mit jährlich 1,38 Millionen Personen. Nordamerika stand in beiden Zeiträumen an zweiter Stelle. Hier lag der Wanderungssaldo in den Jahren 2000 bis 2010 bei durchschnittlich plus 1,31 Millionen Personen und in den Jahren 2010 bis 2015 bei plus 1,24 Millionen Personen pro Jahr.

Auch für die Jahre 2020 bis 2050 nimmt das UN/DESA für Europa einen positiven Wanderungssaldo von rund 800.000 Personen pro Jahr an (Nordamerika: +1,3 Mio. Personen). Der Wanderungssaldo bezieht sich dabei auf zu- und abwandernde Personen, die im Ausland geboren sind sowie auf einheimische Personen, die ihre Heimat verlassen oder in sie zurückkehren. Zu Letzteren gehören Personen, die nach einem temporären Aufenthalt im Ausland in ihre Heimat zurückkehren – zum Beispiel Studenten, Rentner, Techniker, Manager, Kaufleute, Wissenschaftler oder deren Angehörige.

Ausgehend vom weiten Europa-Begriff der Europäischen Kommission liegen für 45 europäische Staaten Daten vor: Laut UN/DESA war im Zeitraum 2010 bis 2015 Deutschland der Staat mit der höchsten Zuwanderung in Europa. Der Wanderungssaldo lag bei plus 388.000 Personen pro Jahr. Darauf folgten Russland (+360 Tsd.), die Türkei (+353 Tsd.), Italien (+327 Tsd.) und das Vereinigte Königreich (+260 Tsd.). Dabei gehörten Russland, das Vereinigte Königreich und Italien bereits in den Jahren 2000 bis 2010 zu den TOP 5 unter den Zuwanderungsländern.

Auch im Zeitraum Juli 2015 bis Juli 2020 wird Deutschland laut Schätzungen des UN/DESA der Staat mit der höchsten Nettozuwanderung sein. Mit einem Wanderungssaldo von durchschnittlich plus 544.000 Personen pro Jahr liegt Deutschland dabei weit vor der Türkei (+284 Tsd.) und dem Vereinigten Königreich (+261 Tsd.). Relativ zur Gesamtbevölkerung und bezogen auf die Staaten mit mehr als 500.000 Einwohnern wird nach Angaben des UN/DESA die Nettozuwanderung im Zeitraum 2015 bis 2020 bei den Staaten Luxemburg, Österreich, Deutschland, Schweiz und Norwegen am höchsten sein.

Allerdings sind nicht alle europäischen Staaten Einwanderungsländer. Von den 45 europäischen Staaten, für die dem UN/DESA Daten vorliegen, hatten sechzehn im Zeitraum 2000 bis 2015 einen negativen Wanderungssaldo. Mit einem Wanderungssaldo von jährlich minus 103.000 Personen wanderten aus Rumänien dabei mit Abstand die meisten Menschen aus. Darauf folgten Polen (-46 Tsd. pro Jahr), Albanien (-35 Tsd.), Griechenland (-28 Tsd.), Litauen (-26 Tsd.) sowie Armenien (-25 Tsd.). Relativ zur Gesamtbevölkerung waren laut UN/DESA im Zeitraum 2010 bis 2015 die Staaten Bosnien und Herzegowina, Litauen, Albanien sowie Lettland am stärksten von der Abwanderung betroffen.

Spanien hat sich innerhalb weniger Jahre vom wichtigsten Zuwanderungsland zum wichtigsten Auswanderungsland gewandelt: Im Zeitraum 2000 bis 2010 lag der Wanderungssaldo noch bei plus 518.000 Personen pro Jahr. Im Zeitraum 2010 bis 2015 wanderten hingegen jährlich 104.000 Personen netto aus Spanien aus. Auch Irland (+40 Tsd./-22 Tsd.) und Portugal (+27 Tsd./-28 Tsd.) sind in auffälliger Weise von Einwanderungs- zu Abwanderungsländern geworden. Ebenso war Griechenland jahrzehntelang ein Einwanderungsland und wurde erst im Zeitraum 2005 bis 2010 zu einem Abwanderungsland (-74 Tsd. pro Jahr). Ein wichtiger Grund für den Wandel vom Zuwanderungs- zum Abwanderungsland ist die Verschlechterung der ökonomischen Lage der vier EU-Staaten durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 bzw. die sich anschließende europäische Schuldenkrise. Dafür spricht auch, dass das UN/DESA für Spanien und Irland für den Zeitraum 2015 bis 2020 wiederum eine Nettozuwanderung annimmt.

Genau entgegengesetzt verlief die Entwicklung in der Türkei: Während im Zeitraum 2000 bis 2010 pro Jahr noch 9.000 Personen netto abwanderten, war die Türkei 2010 bis 2015 das drittwichtigste Zuwanderungsland (+353 Tsd. pro Jahr). Deutschland war in beiden Zeiträumen ein Einwanderungsland. Allerdings erhöhte sich der durchschnittliche Wanderungssaldo von 87.000 Personen in den Jahren 2000 bis 2010 auf 388.000 Personen pro Jahr im Zeitraum 2010 bis 2015 (von Rang 6 auf Rang 1). Beide Staaten haben in den letzten Jahren viele Flüchtlinge und Asylsuchende aufgenommen.

Auch in Zukunft werden einzelne Staaten Europas zu den wichtigsten Einwanderungsländern weltweit gehören. Nach Prognosen des UN/DESA wird die Nettozuwanderung in die ökonomisch entwickelten Staaten in den Jahren 2020 bis 2050 bei insgesamt 69 Millionen Personen liegen – das sind durchschnittlich 2,3 Millionen Personen pro Jahr. Von diesen 2,3 Millionen Personen werden laut UN/DESA rund 800.000 auf Europa entfallen – insbesondere auf das Vereinigte Königreich (162 Tsd.), Deutschland (153 Tsd.), Russland (95 Tsd.), Italien (90 Tsd.) und Frankreich (67 Tsd.).

Datenquelle

United Nations – Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2019). World Population Prospects: The 2019 Revision

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Der Wanderungssaldo ist die Differenz zwischen Zu- und Abwanderung. Der Saldo ist positiv, wenn mehr Personen zuwandern als abwandern und negativ, wenn die Abwanderung überwiegt. Aus dem Wanderungssaldo können jedoch keine abschließenden Aussagen über das Ausmaß der Zu- und Abwanderung abgeleitet werden, da beispielsweise ein niedriger Wanderungssaldo auch das Ergebnis von sehr hohen Zu- und Abwanderungsströmen sein kann.

Zusammen mit der natürlichen Bevölkerungsentwicklung (Differenz Lebendgeburten/Sterbefälle) bestimmen die Wanderungsbewegungen den Bevölkerungsstand insgesamt. Der Anteil beider Faktoren hat sich im Zeitverlauf erheblich verändert und unterscheidet sich zudem von Land von zu Land. Informationen zu diesem Thema finden Sie hier...

Weiterführende Informationen zu den Wanderungen über die Grenzen Deutschlands finden Sie hier...

Informationen zu den weltweiten Migrationsbewegungen finden Sie hier...

Im Gegensatz zur Europäischen Kommission zählt das UN Department of Economic and Social Affairs (UN/DESA) Armenien, Aserbaidschan, Georgien, die Türkei und Zypern nicht zu Europa. Eine Übersicht zu diesem Thema finden Sie hier...

Zum Teil weichen die Daten des UN/DESA von denen anderer Institutionen ab. Eine kurze Erläuterung hierzu finden Sie hier: https://esa.un.org/unpd/wpp/General/FAQs.aspx

Eine detaillierte Darstellung der wissenschaftlichen Methoden des UN/DESA finden Sie hier: https://population.un.org/wpp/Methodology/

Wanderungssaldo pro Jahr

Personen in absoluten Zahlen, europäische Staaten, Durchschnitt 2000 bis 2010 / 2010 bis 2015 / 2015 bis 2020 (Schätzungen)

jährlicher Wanderungssaldo,
in Tsd. 1
2015-2020 2010-2015 2000-2010
Europa 2 1.361 1.378 1.782
Deutschland 544 388 87
Russland 182 360 410
Türkei 284 353 -9
Italien 149 327 272
Vereinigtes Königreich 261 260 318
Frankreich 37 85 137
Schweiz 52 79 53
Österreich 65 53 33
Belgien 48 52 51
Schweden 40 51 40
Norwegen 28 44 23
Ukraine 10 26 10
Dänemark 15 21 13
Finnland 14 16 9
Belarus 9 14 6
Niederlande 16 13 21
Tschechien 22 12 30
Luxemburg 10 10 6
Ungarn 6 6 9
Serbien 4 6 -40
Zypern 5 5 12
Slowenien 2 3 5
Malta 1 3 1
Slowakei 1 2 -1
Aserbaidschan 1 2 9
Kanalinseln 1 1 1
Island 0 0 1
Montenegro 0 -1 -1
Moldau, Republik -1 -1 -6
Nordmazedonien -1 -2 -2
Estland 4 -2 -3
Bulgarien -5 -5 -17
Armenien -5 -6 -34
Kroatien -8 -8 -1
Lettland -15 -17 -16
Georgien -10 -19 -27
Irland 24 -22 40
Albanien -14 -27 -39
Portugal -6 -28 27
Litauen -33 -29 -25
Griechenland -16 -32 -26
Bosnien und Herzegowina -22 -52 -7
Rumänien -74 -60 -124
Polen -29 -64 -36
Spanien 40 -104 518

1 Differenz zwischen Zu- und Abwanderung; jeweils ab/bis 01. Juli

2 im Gegensatz zur Europäischen Kommission zählt das UN/DESA Armenien, Aserbaidschan, Georgien, die Türkei und Zypern nicht zu Europa. Eine Übersicht zu diesem Thema finden Sie unter: http://www.bpb.de/70675


Quelle: United Nations – Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2019). World Population Prospects: The 2019 Revision


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