Zahlen und Fakten: Europa
24.6.2021

Öffentlicher Schuldenstand

In Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), Mitgliedstaaten der Europäischen Union, 1995 bis 2020

Öffentlicher Schuldenstand

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten (Stand: 05/2021)
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Zwischen 1996 und 2007 sanken die öffentlichen Schulden der EU deutlich. In den Jahren 2008 bis 2010 erhöhte sich infolge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise in allen EU-Staaten der Schuldenstand. Insgesamt stiegen in der heutigen EU-27 die Schulden innerhalb von nur zwei Jahren von 65,0 auf 80,5 Prozent des BIP und bis 2014 weiter auf 86,6 Prozent. Zwischen 2014 und 2019 ging der Schuldenstand EU-weit fünf Mal in Folge zurück – dabei war der Schuldenstand im Verhältnis zum BIP in 25 von 27 EU-Mitgliedstaaten rückläufig. Die Schuldenkrise in Europa war 2019 jedoch noch nicht überstanden und von 2019 auf 2020 sind die Schuldenstände in allen EU-Staaten stark gestiegen – EU-weit von 77,5 auf 90,7 Prozent des BIP.

Fakten

In Artikel 126 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) ist festgelegt, dass die Mitgliedstaaten der EU übermäßige öffentliche Defizite vermeiden sollen. Dabei überprüft die Europäische Kommission die Entwicklung der Haushaltslage und die Höhe des öffentlichen Schuldenstands. Insbesondere zwei Kriterien stehen im Mittelpunkt der Überprüfung. Erstens darf das jährliche öffentliche Defizit nicht mehr als 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entsprechen. Zweitens darf der gesamte öffentliche Schuldenstand nicht mehr als 60 Prozent des BIP betragen. Allerdings bestehen für beide Kriterien Ausnahmen. So darf der öffentliche Schuldenstand mehr als 60 Prozent des BIP entsprechen, wenn er hinreichend rückläufig ist und sich rasch genug dem Referenzwert nähert.

Bezogen auf das BIP sanken die öffentlichen Schulden der EU-27 (2007-2013) von 69,9 Prozent im Jahr 1996 auf 58,2 Prozent im Jahr 2007. Nachdem sich der Schuldenstand von 2007 auf 2008 leicht auf 61,4 Prozent des BIP erhöhte, stieg der entsprechende Wert – vor allem bedingt durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise – auf 74,1 Prozent im Jahr 2009 bzw. auf 79,7 Prozent im Jahr 2010. Gegenüber dem Jahr 2008 war das auf EU-Ebene ein Plus von 18,3 Prozentpunkten. Auch wenn die Entwicklungen in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten unterschiedlich waren, hat sich der Schuldenstand in den Jahren 2008 bis 2010 in allen EU-Staaten erhöht. Am stärksten in Irland (+43,6 %-Punkte), Griechenland (+38,1 %-Punkte), Lettland (+29,3 %-Punkte), dem Vereinigten Königreich (+25,2 %-Punkte) und Portugal (+24,6 %-Punkte). In den Folgejahren weitete sich die Schuldenkrise Europas weiter aus: Zwischen 2010 und 2014 erhöhte sich der Schuldenstand der EU-27 (ab 2020) von 80,5 auf 86,6 Prozent des BIP – ein Plus von 6,1 Prozentpunkten. In diesem Zeitraum stiegen die öffentlichen Schulden in 22 der heutigen 27 EU-Staaten.

Zwischen 2014 und 2019 ist der relative Schuldenstand der EU-27 fünf Mal in Folge gesunken. 2019 lag er bei 77,5 Prozent des BIP. In diesem Zeitraum war der Schuldenstand im Verhältnis zum BIP in 25 EU-Mitgliedstaaten rückläufig und lediglich in Frankreich sowie in Griechenland nahm er moderat zu (+2,7 bzw. +0,3 %-Punkte). Bezogen auf das BIP verringerten sich die Schuldenstände zwischen 2014 und 2019 am stärksten in Irland (-46,8 %-Punkte), Malta (-19,6 %-Punkte), den Niederlanden (-19,2 %-Punkte), Portugal (-16,1 %-Punkte) und Deutschland (-16,0 %-Punkte).

Trotz der positiven Entwicklung in den Jahren 2014 bis 2019 war die Schuldenkrise in Europa auch vor der Corona-Pandemie nicht überstanden – immer noch elf Staaten verfehlten die 60-Prozent-Marke. Um die ökonomischen Folgen der Corona-Pandemie zu mildern, wurden zahlreiche Investitionen getätigt bzw. Hilfsprogramme finanziert. Der Schuldenstand im Verhältnis zum BIP ist 2020 in allen 27 Staaten der EU gestiegen. EU-weit erhöhte er sich von 2019 auf 2020 von 77,5 auf 90,7 Prozent des BIP bzw. von 10.838 auf 12.078 Milliarden Euro.

In Griechenland lag der öffentliche Schuldenstand im Jahr 2020 bei 205,6 Prozent des BIP. Darauf folgten Italien (155,8 Prozent des BIP), Portugal (133,6 Prozent), Spanien (120,0 Prozent), Zypern (118,2 Prozent), Frankreich (115,7 Prozent) und Belgien (114,1 Prozent). Weitere sieben Staaten verfehlten die 60-Prozent-Marke ebenfalls: Kroatien, Österreich, Slowenien, Ungarn, Deutschland, Finnland und – knapp – die Slowakei. In Deutschland entsprach der Schuldenstand im Jahr 2020 69,8 Prozent des BIP (2.325 Mrd. Euro). 2019 lag der Schuldenstand noch bei 59,7 Prozent des BIP und damit das erste Mal seit 2002 unterhalb der 60-Prozent-Marke (2.058 Mrd. Euro). In Estland lag der Schuldenstand im Jahr 2020 bei lediglich 18,2 Prozent des BIP. Darauf folgten Luxemburg (24,9 Prozent), Bulgarien (25,0 Prozent), Tschechien (38,1 Prozent), Schweden (39,9 Prozent) und Dänemark (42,2 Prozent).

Durch die Schuldenstände entstehen vor allem dann Probleme, wenn Staaten trotz hoher Schuldenquote zusätzliche Kredite aufnehmen. Laut der Deutschen Bundesbank gehören dazu "die potenzielle Verdrängung privater Investitionen, Unsicherheiten und Verzerrungen durch erwartete oder tatsächliche künftige Erhöhungen der Abgabenlast oder merkliche Risikoprämien auf den Kapitalmärkten infolge verstärkter Sorgen um die Zahlungsfähigkeit des Schuldners. Darüber hinaus dürfte bei hohen Schuldenquoten die Wirksamkeit gezielter kreditfinanzierter Maßnahmen zur Abwehr von besonders schweren Krisen zunehmend begrenzt sein. Zudem erhöht sich die Gefahr von Konflikten zwischen Finanz- und Geldpolitik, die gravierende gesamtwirtschaftliche Kosten zur Folge haben, während umgekehrt solide Staatsfinanzen eine stabilitätsorientierte Geldpolitik erleichtern" (Deutsche Bundesbank: Monatsbericht April 2010). Weiter führt die Staatsverschuldung zu Zinsausgaben und damit zu einer Verengung des staatlichen Handlungsspielraums.

Datenquelle

Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten (Stand: 05/2021), abweichende Quellen: EU-27 (2007-2013) und Dänemark jeweils bis einschließlich 1999: Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten [gov_dd_edpt1] (Stand: 07/2013) sowie EU-27 (2007-2013) ab einschließlich 2000: Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten (Stand: 05/2021); Amtsblatt der Europäischen Union: Konsolidierte Fassung des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (26. Oktober 2012); Deutsche Bundesbank: Monatsbericht April 2010; Statistische Bundesamt: www.destatis.de

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Informationen zum öffentlichen Finanzierungssaldo erhalten Sie hier...

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das BIP ist gegenwärtig das wichtigste gesamtwirtschaftliche Produktionsmaß.

Als EU-27 (2007-2013) werden die Staaten bezeichnet, die vom 1. Januar 2007 bis zum 1. Juli 2013 die Europäische Union bildeten: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich und Zypern. Diese Bezeichnung wird auch verwendet, wenn Daten dieser Staatengruppe vor oder nach dieser Zeit betrachtet werden. Zur EU-28 gehört neben der EU-27 (2007-2013) noch Kroatien (Beitritt am 01.07.2013). Die EU-27 (ab 2020) bezieht sich auf die Zeit nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU-28 ("Brexit"). Soweit nicht anders erwähnt, ist im Text und bei der Grafik mit EU-27 die EU-27 (ab 2020) gemeint.

Euroraum (19 Länder): Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien und Zypern.

Weitere Informationen zur Entwicklung des Euroraums erhalten Sie hier…

Öffentlicher Schuldenstand

In Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), Mitgliedstaaten der Europäischen Union, 1995 bis 2020

2010 2012 2014 2016 2018 2019 2020
EU-27 (ab 2020) 80,5 84,8 86,6 84,0 79,5 77,5 90,7
EU-27 (2007-2013) 79,7 84,4 87,0 83,8 80,4 79,4
Euroraum (19 Länder) 85,8 90,7 92,8 90,1 85,7 83,9 98,0
Griechenland 147,5 161,9 180,2 180,8 186,2 180,5 205,6
Italien 119,2 126,5 135,4 134,8 134,4 134,6 155,8
Portugal 100,2 129,0 132,9 131,5 121,5 116,8 133,6
Spanien 60,5 86,3 100,7 99,2 97,4 95,5 120,0
Zypern 56,4 80,3 109,1 103,1 99,2 94,0 118,2
Frankreich 85,3 90,6 94,9 98,0 98,0 97,6 115,7
Belgien 100,3 104,8 107,0 105,0 99,8 98,1 114,1
Kroatien 57,7 70,1 84,8 80,8 74,3 72,8 88,7
Österreich 82,7 81,9 84,0 82,8 74,0 70,5 83,9
Slowenien 38,3 53,6 80,3 78,5 70,3 65,6 80,8
Ungarn 80,2 78,4 76,7 74,9 69,1 65,5 80,4
Deutschland 82,5 81,2 75,7 69,3 61,8 59,7 69,8
Finnland 46,9 53,6 59,8 63,2 59,7 59,5 69,2
Slowakei 41,0 51,8 53,6 52,4 49,6 48,2 60,6
Irland 86,0 119,9 104,2 74,1 63,0 57,4 59,5
Polen 53,5 54,4 51,1 54,2 48,8 45,6 57,5
Niederlande 59,3 66,3 67,9 61,9 52,4 48,7 54,5
Malta 65,3 65,9 61,6 54,2 44,8 42,0 54,3
Litauen 36,2 39,7 40,5 39,7 33,7 35,9 47,3
Rumänien 29,6 37,1 39,2 37,3 34,7 35,3 47,3
Lettland 47,9 42,2 41,6 40,4 37,1 37,0 43,5
Dänemark 42,6 44,9 44,3 37,2 34,0 33,3 42,2
Schweden 38,1 37,5 45,0 42,3 38,9 35,0 39,9
Tschechien 37,1 44,2 41,9 36,6 32,1 30,3 38,1
Bulgarien 15,4 16,7 27,1 29,3 22,3 20,2 25,0
Luxemburg 20,2 22,0 22,7 20,1 21,0 22,0 24,9
Estland 6,6 9,8 10,6 9,9 8,2 8,4 18,2
1995 1998 1 2001 2004 2007 2008 2009
EU-27 (ab 2020) 65,5 66,9 62,2 65,0 75,7
EU-27 (2007-2013) 66,4 59,9 61,7 58,2 61,4 74,1
Euroraum (19 Länder) 71,4 72,6 68,1 69,7 66,0 69,7 80,3
Griechenland 99,0 97,4 107,1 102,9 103,1 109,4 126,7
Italien 119,4 114,1 108,9 105,1 103,9 106,2 116,6
Portugal 62,2 55,6 57,4 67,1 72,7 75,6 87,8
Spanien 61,5 62,3 54,0 45,4 35,8 39,7 53,3
Zypern 49,0 55,7 57,3 64,8 54,0 45,5 54,3
Frankreich 56,1 61,3 58,3 65,9 64,5 68,8 83,0
Belgien 131,3 119,2 108,2 97,2 87,3 93,2 100,2
Kroatien 22,4 22,8 36,9 40,3 37,5 39,3 48,7
Österreich 68,3 63,9 66,7 65,2 65,0 68,7 79,9
Slowenien 18,2 22,7 26,1 26,9 22,8 21,8 34,5
Ungarn 84,1 60,5 52,3 58,9 65,7 71,8 78,2
Deutschland 54,9 59,5 58,2 65,2 64,2 65,7 73,2
Finnland 55,2 46,8 40,9 42,6 33,9 32,6 41,5
Slowakei 21,6 33,9 51,1 41,7 30,3 28,6 36,4
Irland 78,6 51,5 33,6 28,1 23,9 42,4 61,7
Polen 47,5 38,4 37,3 45,1 44,5 46,7 49,8
Niederlande 73,1 62,7 49,5 50,3 43,0 54,7 56,8
Malta 34,2 50,7 64,9 71,3 61,9 61,8 66,3
Litauen 11,5 16,5 22,9 18,7 15,9 14,6 28,0
Rumänien 6,6 16,8 25,9 18,9 11,9 12,3 21,8
Lettland 13,9 9,0 13,8 14,6 8,5 18,6 36,8
Dänemark 72,6 61,4 48,5 44,2 27,3 33,3 40,2
Schweden 68,7 65,8 51,9 48,5 38,9 37,5 40,7
Tschechien 13,6 14,0 22,7 28,4 27,3 28,1 33,4
Bulgarien 67,5 64,5 35,7 16,3 13,0 13,7
Luxemburg 9,8 9,1 7,7 7,9 8,2 15,4 16,1
Estland 8,0 5,9 4,8 5,1 3,8 4,5 7,2

1 öffentlicher Schuldenstand entspricht Bruttoschuld des Staates (konsolidiert). Abweichende Quellen: EU-27 (2007-2013) und Dänemark jeweils bis einschließlich 1999: Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten [gov_dd_edpt1] (Stand: 07/2013) sowie EU-27 (2007-2013) ab einschließlich 2000: Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten (Stand: 04/2020).


Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Defizit/Überschuss, Schuldenstand des Staates und damit zusammenhängende Daten (Stand: 05/2021)


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