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Zahlen und Fakten: Europa
7.5.2021

Arbeitslosigkeit 2020

Ausgewählte europäische Staaten, Arbeitslosenquote im Jahr 2020 in Prozent, Veränderung der Arbeitslosenquote 2019/2020 in Prozentpunkten

Arbeitslosigkeit 2020

Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Arbeitslosendaten nach Geschlecht und Alter (Stand: 04/2021)
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung gehören nach wie vor zu den großen sozialen Problemen der Europäischen Union. Im Jahr 2020 waren 14,9 Millionen Personen arbeitslos, darunter 2,9 Millionen unter 25-Jährige bzw. 5,3 Millionen Langzeitarbeitslose. Hinzu kommen 6,4 Millionen Teilzeitbeschäftigte, die gern mehr Stunden arbeiten würden, und weitere 10,4 Millionen Personen der sogenannten Stillen Reserve (Nichterwerbspersonen mit einer gewissen Bindung an den Arbeitsmarkt). Zwischen 2013 und 2019 sank die Arbeitslosenquote der EU-27 sechs Mal in Folge und erreichte mit 6,7 Prozent den niedrigsten Wert der letzten 20 Jahre. Im Zuge der Corona-Pandemie stieg die Arbeitslosenquote der EU-27 bisher nur leicht – auf 7,1 Prozent im Jahr 2020.

Fakten

Hinweis: Nach gegenwärtigem Stand wird die Corona-Pandemie erheblichen Einfluss auf die Zahl der Arbeitslosen haben. Die zuletzt veröffentlichten Monatsdaten finden Sie hier...

Zwischen 2004 und 2008 reduzierte sich die Arbeitslosenquote der Europäischen Union (EU-27) vier Mal in Folge und sank von 9,9 auf 7,2 Prozent. Durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise wurde diese Entwicklung jedoch schlagartig beendet: 2009 lag die Arbeitslosenquote bei 9,1 Prozent und stieg dann weiter auf 11,4 Prozent im Jahr 2013. Zwischen 2013 und 2019 sank die Arbeitslosenquote der EU-27 sechs Mal in Folge und erreichte mit 6,7 Prozent den niedrigsten Wert der letzten 20 Jahre. Noch sind die Folgen der Corona-Pandemie nicht voll auf den Arbeitsmarkt durchgeschlagen – im Jahr 2020 lag die Arbeitslosenquote der EU-27 mit 7,1 Prozent nur leicht höher als 2019 (Männer: 6,8 Prozent / Frauen: 7,3 Prozent).

Insgesamt waren im Jahr 2020 in der EU-27 14,9 Millionen Personen arbeitslos. Das waren deutlich weniger als 2013 (23,7 Mio.), aber auch weniger als 2008 (15,0 Mio.) – dem Jahr, in dem die aufkommende globale Finanz- und Wirtschaftskrise noch keine größeren Auswirkungen auf den europäischen Arbeitsmarkt hatte. Zwischen 2008 und 2013 stieg die Zahl der Arbeitslosen um 58,1 Prozent. Zwischen 2013 und 2020 sank sie um 37,3 Prozent.

2020 gehörten 5,3 Millionen Menschen zur Gruppe der Langzeitarbeitslosen (12 Monate oder mehr), 2017 waren es noch 8,0 Millionen und 2013 sogar 11,4 Millionen Menschen. Die Langzeitarbeitslosenquote lag 2020 bei 2,5 Prozent, der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen lag bei 35,4 Prozent. 2008 waren die Werte mit 2,8 beziehungsweise 38,3 Prozent auf einem ähnlichen Niveau, 2014 lagen sie mit 5,5 beziehungsweise 50,4 Prozent klar über den Werten von 2020.

Die Arbeitslosenquote der EU-27 setzt sich aus den sehr unterschiedlichen Quoten der EU-Mitgliedstaaten zusammen. Im Jahr 2020 lagen innerhalb der EU die Arbeitslosenquoten in Griechenland (16,3 Prozent), Spanien (15,5 Prozent) und Italien (9,2 Prozent) bei mehr als neun Prozent. Die niedrigsten Arbeitslosenquoten mit Werten von weniger als vier Prozent hatten im selben Jahr Tschechien (2,6 Prozent), Polen (3,2 Prozent), Deutschland und die Niederlande (jeweils 3,8 Prozent).

Von 2016 auf 2017 hatte sich die Arbeitslosenquote in allen EU-Staaten reduziert. Von 2017 auf 2018 galt dies in 26 der 27 EU-Staaten – lediglich in Luxemburg stieg die Arbeitslosenquote minimal um 0,1 Prozentpunkte von 5,5 auf 5,6 Prozent. Und auch von 2018 auf 2019 erhöhte sich die Quote in lediglich zwei EU-Staaten – jeweils moderat in Litauen und Schweden (plus 0,1 bzw. 0,4 Prozentpunkte). Ganz anders war die Entwicklung von 2019 auf 2020: In 23 der 27 EU-Staaten stieg die Arbeitslosenquote – dabei in acht Staaten um mehr als einen Prozentpunkt. Am stärksten war die Zunahme in den baltischen Staaten Estland (plus 2,4 %-Punkte), Litauen (plus 2,2 %-Punkte) und Lettland (plus 1,8 %-Punkte).

Im Jahr 2020 waren in der EU-27 2,9 Millionen 15- bis 24-Jährige arbeitslos (1,6 Millionen Männer und 1,3 Millionen Frauen) – 2013 waren es noch 4,7 Millionen. Die Jugendarbeitslosenquote – also der Anteil der Arbeitslosen an der Erwerbsbevölkerung bei den 15- bis unter 25-Jährigen – lag 2020 EU-weit bei 16,8 Prozent. Die höchsten Quoten innerhalb der EU verzeichneten auch hier Spanien (38,3 Prozent), Griechenland (35,0 Prozent) und Italien (29,4 Prozent). In Schweden und Luxemburg war im selben Jahr etwa jeder vierte Jugendliche aus der Erwerbsbevölkerung arbeitslos (23,9 bzw. 23,2 Prozent). Auf der anderen Seite hatte Deutschland mit 7,5 Prozent die niedrigste Jugendarbeitslosenquote, gefolgt von Tschechien (8,0 Prozent) und den Niederlanden (9,1 Prozent).

Zur Beurteilung der Arbeitsmarktsituation sollte neben der Arbeitslosigkeit auch die Unterbeschäftigung betrachtet werden. Im Jahr 2020 waren in den 27 EU-Mitgliedstaaten 37,2 Millionen Personen teilzeitbeschäftigt. Nach Angaben von Eurostat würden 17,2 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten gern mehr Stunden arbeiten und wären dafür auch verfügbar. Die höchsten Anteile von teilzeitbeschäftigten Personen, die den Wunsch haben, mehr Stunden zu arbeiten und dafür auch verfügbar wären, fanden sich im Jahr 2020 in Griechenland (62,2 Prozent), Zypern (48,8 Prozent), Spanien (43,1 Prozent) und Portugal (35,7). Auf der anderen Seite der Skala standen Tschechien (3,9 Prozent), Estland (7,9 Prozent), die Niederlande (8,1 Prozent) und Deutschland (8,8 Prozent).

Neben den unterbeschäftigten Teilzeitbeschäftigten zählt Eurostat auch die "Stille Reserve" zu den Unterbeschäftigten. Die Stille Reserve, also das Potential an zusätzlichen Erwerbspersonen, bestand 2020 EU-weit aus knapp 1,8 Millionen 15- bis 74-jährigen Personen, die Arbeit suchen, jedoch dem Arbeitsmarkt nicht kurzfristig zur Verfügung stehen (beispielsweise Studierende, die einen Arbeitsplatz für die Zeit nach ihrem Abschluss suchen) und gut 8,6 Millionen Personen, die für eine Arbeit verfügbar sind, jedoch nicht nach Arbeit suchen (beispielsweise Personen, die sich entmutigt von der Suche auf dem Arbeitsmarkt zurückgezogen haben).

Laut Eurostat handelt es sich bei beiden Gruppen um Nichterwerbspersonen, die trotzdem eine "gewisse Bindung an den Arbeitsmarkt" haben. Zusammengenommen bildeten diese zwei Gruppen 2020 eine Stille Reserve von 10,4 Millionen Personen. Bezogen auf die 15- bis 74-jährige Bevölkerung der EU-27 entsprach das einem zusätzlichen Erwerbspersonen-Potential von 3,1 Prozent. Zwischen den Mitgliedstaaten variiert dieser Prozentsatz erheblich und reichte im Jahr 2020 von 0,5 Prozent in Tschechien bis 7,1 Prozent in Italien (Deutschland: 2,5 Prozent – rund 1,55 Mio. Personen). Dabei umfasst die Stille Reserve in allen EU-Mitgliedstaaten außer in Litauen in erster Linie Personen, die für eine Arbeit zur Verfügung stehen, aber nicht suchen.

In 20 von 24 EU-Staaten, für die Eurostat Daten bereithält, stellten Frauen den größeren Anteil an der Stillen Reserve – am höchsten war ihr Anteil in Zypern (63,6 Prozent), Griechenland (63,3 Prozent), Tschechien (60,9 Prozent) und Spanien (60,1 Prozent). In Bulgarien (48,1 Prozent), Litauen (48,3 Prozent) und Finnland (48,7 Prozent) stellten Frauen etwas weniger als die Hälfte der Stillen Reserve, in Österreich genau die Hälfte.

Datenquelle

Eurostat: Online-Datenbank: Arbeitslosendaten nach Geschlecht und Alter, Langzeitarbeitslose nach Geschlecht, Ergänzende Indikatoren zur Arbeitslosigkeit, Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung nach Geschlecht, Alter und Bildungsabschluss (Stand: 04/2021)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Informationen zu dem Thema Arbeitslosenquoten nach Bildungsstand erhalten Sie hier...

Informationen zu dem Thema Arbeitslosenquoten nach Staatsangehörigkeit erhalten Sie hier...

Die Arbeitslosenquote entspricht dem prozentualen Anteil der Arbeitslosen an der Erwerbsbevölkerung. Die Erwerbsbevölkerung setzt sich aus den Erwerbstätigen und den Arbeitslosen zusammen. Zu den Arbeitslosen zählen hier alle Personen von 15 bis 74 Jahren,
  • die während der Berichtswoche ohne Arbeit waren,
  • die in den zwei auf die Berichtswoche folgenden Wochen für eine abhängige Beschäftigung oder eine selbständige Tätigkeit verfügbar waren und
  • die innerhalb der letzten vier Wochen (einschließlich der Berichtswoche) spezifische Schritte unternommen haben, um eine abhängige Beschäftigung oder eine selbstständige Tätigkeit zu finden oder die einen Arbeitsplatz gefunden haben, die Beschäftigung aber erst später, das heißt innerhalb eines Zeitraums von höchstens drei Monaten aufnehmen.
Erwerbstätige sind Personen im Alter von mindestens 15 Jahren, die in der Berichtswoche (der EU-Arbeitskräfteerhebung) gegen Entgelt, zur Gewinnerzielung oder zur Mehrung des Familieneinkommens mindestens eine Stunde gearbeitet haben oder nicht gearbeitet haben, jedoch einen Arbeitsplatz hatten, von dem sie vorübergehend abwesend waren (zum Beispiel aufgrund von Krankheit, Urlaub, Streik, Aus- oder Weiterbildungsmaßnahmen).

In der Arbeitskräfteerhebung basiert die Unterscheidung zwischen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung auf den Eigenangaben der Befragten.

Personen, die Arbeit suchen, jedoch dem Arbeitsmarkt nicht kurzfristig zur Verfügung stehen, sind Personen im Alter von 15 bis unter 75 Jahren, die weder erwerbstätig noch erwerbslos sind und die in den vergangenen 4 Wochen aktiv nach Arbeit gesucht haben, jedoch in den nächsten 2 Wochen keine Arbeit aufnehmen können. Zur Vervollständigung umfasst diese Kategorie ebenfalls drei kleinere Personengruppen:
  • diejenigen, die eine Arbeit gefunden haben, welche sie in weniger als 3 Monaten aufnehmen werden, und in den nächsten 2 Wochen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen;
  • diejenigen, die eine Arbeit gefunden haben und diese in 3 Monaten oder später aufnehmen werden sowie
  • diejenigen, die in den letzten 4 Wochen passiv Arbeit gesucht haben und in den nächsten 2 Wochen eine Arbeit aufnehmen könnten. Passive Arbeitssuche liegt beispielsweise vor, wenn auf das Ergebnis eines Vorstellungsgespräches gewartet wird.
Personen, die für eine Arbeit verfügbar sind, jedoch nicht nach Arbeit suchen, sind Personen im Alter von 15 bis unter 75 Jahren, die weder erwerbstätig noch erwerbslos sind und die arbeiten wollen, in den nächsten 2 Wochen eine Arbeit aufnehmen könnten, jedoch nicht nach Arbeit suchen. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um Personen, die durch Teilnahme an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen nicht als arbeitslos gelten oder Personen, die sich entmutigt von der Suche auf dem Arbeitsmarkt zurückgezogen haben, weil sie nach langer Arbeitslosigkeit keinen Arbeitsplatz gefunden haben.

Arbeitslosigkeit 2020

Arbeitslosenquote im Jahr 2020 in Prozent, Veränderung der Arbeitslosenquote 2019/2020, 2008/2009 und 2009/2020 in Prozent und in Prozentpunkten, ausgewählte europäische Staaten

Arbeitslosen-
quote 2020
Veränderung der
Arbeitslosenquote
2019/2020
in Prozent in Prozent in Prozent-
punkten
Europäische Union (27 Länder) 7,1 6,0 0,4
Euroraum (19 Länder) 7,8 4,0 0,3
Tschechien 2,6 30,0 0,6
Polen 3,2 -3,0 -0,1
Deutschland 3,8 22,6 0,7
Niederlande 3,8 11,8 0,4
Ungarn 4,3 26,5 0,9
Malta 4,3 19,4 0,7
Norwegen 4,4 18,9 0,7
Schweiz 4,8 9,1 0,4
Rumänien 5,0 28,2 1,1
Slowenien 5,0 11,1 0,5
Bulgarien 5,1 21,4 0,9
Österreich 5,4 20,0 0,9
Island 5,5 57,1 2,0
Dänemark 5,6 12,0 0,6
Belgien 5,6 3,7 0,2
Irland 5,7 14,0 0,7
Slowakei 6,7 15,5 0,9
Estland 6,8 54,5 2,4
Luxemburg 6,8 21,4 1,2
Portugal 6,9 6,2 0,4
Kroatien 7,5 13,6 0,9
Zypern 7,6 7,0 0,5
Finnland 7,8 16,4 1,1
Frankreich 8,0 -4,8 -0,4
Lettland 8,1 28,6 1,8
Schweden 8,3 22,1 1,5
Litauen 8,5 34,9 2,2
Serbien 9,1 -13,3 -1,4
Italien 9,2 -8,0 -0,8
Türkei 13,2 -3,6 -0,5
Spanien 15,5 9,9 1,4
Griechenland 16,3 -5,8 -1,0
Nordmazedonien 16,4 -5,2 -0,9
Vereinigtes Königreich 1 3,8
Montenegro 1 15,2
Veränderung der
Arbeitslosenquote
2008/2009
Veränderung der
Arbeitslosenquote
2009/2020
in Prozent in Prozent-
punkten
in Prozent in Prozent-
punkten
Europäische Union (27 Länder) 26,4 1,9 -22,0 -2,0
Euroraum (19 Länder) 28,0 2,1 -18,8 -1,8
Tschechien 52,3 2,3 -61,2 -4,1
Polen 15,5 1,1 -61,0 -5,0
Deutschland 4,0 0,3 -51,3 -4,0
Niederlande 18,9 0,7 -13,6 -0,6
Ungarn 28,2 2,2 -57,0 -5,7
Malta 15,0 0,9 -37,7 -2,6
Norwegen 24,0 0,6 41,9 1,3
Rumänien 19,0 1,1 -27,5 -1,9
Slowenien 34,1 1,5 -15,3 -0,9
Bulgarien 21,4 1,2 -25,0 -1,7
Österreich 29,3 1,2 1,9 0,1
Island 148,3 4,3 -23,6 -1,7
Dänemark 73,0 2,7 -12,5 -0,8
Belgien 12,9 0,9 -29,1 -2,3
Irland 85,3 5,8 -54,8 -6,9
Slowakei 26,3 2,5 -44,2 -5,3
Estland 145,5 8,0 -49,6 -6,7
Luxemburg 0,0 0,0 33,3 1,7
Portugal 24,7 1,9 -28,1 -2,7
Kroatien 7,0 0,6 -18,5 -1,7
Zypern 45,9 1,7 40,7 2,2
Finnland 28,1 1,8 -4,9 -0,4
Frankreich 23,0 1,7 -12,1 -1,1
Lettland 127,3 9,8 -53,7 -9,4
Schweden 35,5 2,2 -1,2 -0,1
Litauen 137,9 8,0 -38,4 -5,3
Italien 16,4 1,1 17,9 1,4
Türkei 28,6 2,8 4,8 0,6
Spanien 58,4 6,6 -13,4 -2,4
Griechenland 23,1 1,8 69,8 6,7
Nordmazedonien -4,7 -1,6 -49,1 -15,8

1 2019 statt 2020


Quelle: Eurostat: Online-Datenbank: Arbeitslosendaten nach Geschlecht und Alter (Stand: 04/2021)


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