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Bevölkerung nach demografischen Strukturmerkmalen

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Bevölkerung nach demografischen Strukturmerkmalen

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Zum Stichtag 9. Mai 2011 wurde in Deutschland nach 24 Jahren wieder eine Volkszählung durchgeführt, der Zensus 2011. Damit erhält das wiedervereinigte Deutschland erstmalig genaue Einwohnerzahlen und Daten zur Struktur der Bevölkerung.

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Fakten


Nach den seit Mai 2013 vorliegenden Ergebnissen des Zensus 2011 lebten am Zensusstichtag (9. Mai 2011) rund 80,2 Millionen Einwohner in Deutschland. Gegenüber der bisher gültigen Bevölkerungszahl aus der amtlichen Bevölkerungsfortschreibung gab es am Zensusstichtag damit rund 1,5 Millionen weniger Einwohner in Deutschland als angenommen. Die Fortschreibung basiert noch auf den Daten der Volkszählung von 1987 in Westdeutschland beziehungsweise auf den Daten des zentralen Einwohnermelderegisters der DDR aus dem Jahr 1990.

Im Bundesdurchschnitt hat Deutschland 1,8 Prozent weniger Einwohner als in der bisherigen Bevölkerungsfortschreibung. In zwölf Bundesländern sind die Abweichungen geringer als 1,8 Prozent, in vier Bundesländern sind sie größer. Am größten waren die Abweichungen in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg (minus 5,2 bzw. 4,6 Prozent). Rheinland-Pfalz hat mit einem Minus von 0,2 Prozent die geringste prozentuale Abweichung.

Differenz der Einwohnerzahlen des
Zensus 2011 im Vergleich zur Bevölkerungsfortschreibung
zum 30. April 2011
in Prozent in Tsd.
Berlin -5,2 -179,4
Hamburg -4,6 -82,8
Baden-Württemberg -2,5 -271,4
Sachsen -2,0 -84,4
Thüringen -1,8 -40,7
Brandenburg -1,7 -43,5
Mecklenburg-Vorpommern -1,7 -28,4
Niedersachsen -1,7 -136,5
Nordrhein-Westfalen -1,7 -297,4
Sachsen-Anhalt -1,7 -40,0
Hessen -1,6 -98,6
Saarland -1,5 -15,7
Bremen -1,4 -9,3
Bayern -1,2 -148,3
Schleswig-Holstein -1,2 -33,6
Rheinland-Pfalz -0,2 -9,2

In 16 Städten lag die Abweichung zur Fortschreibung bei mindestens 10.000 Einwohnern. In absoluten Zahlen gab es die größten negativen Abweichungen in Berlin und Hamburg (minus 179.391 bzw. 82.833). Prozentual betrachtet wurden – bezogen auf die Großstädte – die größten negativen Differenzen für Aachen (minus 8,5 Prozent), Mannheim (minus 7,5 Prozent), Würzburg (minus 6,8 Prozent), Freiburg im Breisgau (minus 6,6 Prozent) sowie für Offenbach am Main und Osnabrück (jeweils minus 6,4 Prozent) festgestellt. Die größte positive Abweichung gab es in Bielefeld (plus 3.724 Einwohner). Deutschland hat auch nach dem Zensus 2011 vier Millionenstädte: Berlin, Hamburg, München und Köln. 76 Städte hatten am Stichtag mindestens 100.000 Einwohner, vier weniger als bei den bisherigen Zahlen (Siegen, Hildesheim, Salzgitter und Cottbus).

Von den rund 80,2 Millionen Einwohnern besaßen etwa 74 Millionen Personen die deutsche Staatsangehörigkeit (92,3 Prozent). Knapp 6,2 Millionen Einwohner hatten eine ausländische Staatsangehörigkeit (7,7 Prozent). Der Vergleich der Zensusergebnisse mit den bisherigen Bevölkerungszahlen aus der amtlichen Bevölkerungsfortschreibung zeigt bei den Deutschen mit einem Minus von 0,6 Prozent eine relativ geringe Abweichung (minus 428.000 Personen). Bei den Ausländern lag die Differenz der Bevölkerungszahlen hingegen bei minus 14,9 Prozent, das sind nahezu 1,1 Millionen Personen weniger als bislang angenommen. Die deutlichsten absoluten Abweichungen gab es dabei in den einwohnerstarken Bundesländern Nordrhein-Westfalen (minus 278.300), Bayern (minus 189.500) und Baden-Württemberg (minus 149.000). Die größten relativen Abweichungen entfielen auf Brandenburg (minus 37,7 Prozent), Thüringen (minus 33,1 Prozent), Sachsen (minus 33,0 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (minus 29,1 Prozent).

In Hamburg (12,4 Prozent), Berlin (11,3 Prozent), Hessen (11,1 Prozent), Baden-Württemberg und Bremen (jeweils 10,8 Prozent) lag der Ausländeranteil deutlich über dem Bundesdurchschnitt. In den neuen Bundesländern betrug er zwischen 1,5 und 1,9 Prozent.

Der Zensus 2011 liefert auch Informationen zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Als Personen mit Migrationshintergrund zählen dabei alle Ausländerinnen und Ausländer sowie alle Deutschen, die nach 1955 auf das Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland zugewandert sind oder die mindestens ein Elternteil haben, das nach 1955 zugewandert ist.

Nach dieser Definition lebten Anfang Mai 2011 insgesamt 15 Millionen Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland – das entspricht einem Anteil von 18,9 Prozent. Dieser Anteil variiert allerdings beträchtlich zwischen den Bundesländern: Der höchste Anteil entfiel mit 27,5 Prozent auf Hamburg, gefolgt von Baden-Württemberg (25,2 Prozent) und Bremen (25,1 Prozent). Den geringsten Anteil weist bei den westlichen Bundesländern Schleswig-Holstein auf (11,7 Prozent). In den westdeutschen Großstädten ab 100.000 Einwohnern schwankt der Anteil zwischen 15,8 Prozent in Lübeck und 48,9 Prozent in Offenbach am Main. Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund liegt in den Flächenstaaten Ostdeutschlands zwischen 3,3 Prozent in Thüringen und 4,4 Prozent in Brandenburg. In Berlin haben 23,9 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund.

Bevölkerung mit Migrationshintergrund
Anteil an der Gesamtbevölkerung,
in Prozent
in Tsd.
Hamburg 27,5 465
Baden-Württemberg 25,2 2.627
Bremen 25,1 162
Hessen 24,9 1.481
Nordrhein-Westfalen 24,2 4.215
Berlin 23,9 781
Rheinland-Pfalz 18,7 744
Bayern 18,6 2.294
Niedersachsen 16,5 1.274
Saarland 16,2 161
Schleswig-Holstein 11,7 325
Brandenburg 4,4 108
Sachsen 4,3 171
Mecklenburg-Vorpommern 3,7 59
Sachsen-Anhalt 3,5 79
Thüringen 3,3 71

Nur knapp 40 Prozent der Einwohner mit Migrationshintergrund sind Ausländerinnen und Ausländer (davon sind etwa 70 Prozent selbst zugewandert). Entsprechend besitzen gut 60 Prozent aller Personen mit Migrationshintergrund die deutsche Staatsangehörigkeit – dabei ist etwas mehr als die Hälfte selbst zugewandert und etwas weniger als die Hälfte bereits in Deutschland geboren (und hat die Migranteneigenschaft aufgrund des Zuzugs mindestens eines Elternteils). Die bedeutsamsten Herkunftsländer waren am Stichtag im Mai 2011 die Türkei (17,9 Prozent) und Polen (13,1 Prozent). Es folgten Russland (8,7 Prozent), Kasachstan (8,2 Prozent) sowie Italien (5,3 Prozent). Aus diesen fünf Herkunftsländern kamen mehr als die Hälfte aller Menschen mit Migrationshintergrund.

Neben den 18,2 Millionen Ehen gab es am Zensusstichtag in Deutschland knapp 34.000 eingetragene (gleichgeschlechtliche) Lebenspartnerschaften, davon waren rund 40 Prozent Lebenspartnerschaften von Frauen. Insgesamt lebten 5.700 Kinder in Familien, deren Eltern eine eingetragene Lebenspartnerschaft führten – die meisten davon in Lebenspartnerschaften von Frauen (86 Prozent).

Nach vorläufigen Ergebnissen der Bevölkerungsfortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011 nahm im Jahr 2012 die Bevölkerungszahl Deutschlands im Vergleich zum Vorjahr um 196.000 Personen zu (plus 0,2 Prozent) und lag am Jahresende bei 80,5 Millionen Einwohnern. Einen ähnlich hohen Zuwachs hatte es zuletzt 1996 mit einem Plus von 195.000 Personen gegeben (2011: 92.000 Personen). Im Jahr 2012 lag die Zahl der Geburten wie in den Vorjahren deutlich unter der Zahl der Sterbefälle. Hauptursache für den Anstieg der Bevölkerungszahl war somit wie auch schon im vergangenen Jahr die stark gestiegene Zuwanderung.

Die Bevölkerungszahlen entwickelten sich 2012 regional sehr unterschiedlich. In neun Bundesländern stiegen die Bevölkerungszahlen: Bayern (plus 76.000), Baden-Württemberg (plus 57.000), Berlin (plus 49.000), Hessen (plus 23.000), Hamburg (plus 16.000), Nordrhein-Westfalen (plus 9.000), Niedersachsen (plus 5.000), Schleswig-Holstein (plus 4.000) und Bremen (plus 3.000). In Rheinland-Pfalz blieb die Bevölkerungszahl nahezu gleich (plus 200). In den neuen Bundesländern sowie im Saarland war die Einwohnerzahl dagegen rückläufig. Besonders hoch fiel der Bevölkerungsrückgang in Sachsen-Anhalt (minus 17.000) sowie in Thüringen (minus 11.000) und Mecklenburg-Vorpommern (minus 7.000) aus.

Datenquelle


Statistisches Bundesamt: Zensus 2011 – Fakten zur Bevölkerung in Deutschland, Vorläufige Ergebnisse der Bevölkerungsfortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen


Zum Stichtag 9. Mai 2011 wurde in Deutschland nach 24 Jahren wieder eine Volkszählung und eine Gebäude- und Wohnungszählung durchgeführt, der Zensus 2011. Damit erhält das wiedervereinigte Deutschland erstmalig – nach den Volkszählungen in der Bundesrepublik 1987 und in der DDR 1981 – genaue Einwohnerzahlen und Daten zur Struktur der Bevölkerung zum Beispiel nach Alter, Staatsangehörigkeit, Geschlecht, Bildungsstand und Erwerbsbeteiligung.