Datenreport 2021.

Mindestlohn*

* Der Beitrag gibt ausschließlich die Meinung der Autoren und nicht die der Mindestlohnkommission wieder.

Seit dem 1. Januar 2015 gilt in Deutschland ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn. Insgesamt haben einschließlich Deutschland und nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs 21 Länder in der EU einen gesetzlichen Mindestlohn. Die Einführung des Mindestlohns gilt als die bedeutendste arbeitsmarktpolitische Maßnahme seit den sogenannten Hartz-Reformen. Der Mindestlohn gilt, von wenigen Ausnahmen abgesehen, für nahezu alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Mit der Einführung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland verband sich neben anderen Zielen vor allem die Hoffnung, die Einkommenslage von niedrig entlohnten Erwerbstätigen zu verbessern. Bei seiner Einführung lag die Höhe des gesetzlichen Mindestlohns bei 8,50 Euro brutto pro Stunde. Zum 1. Januar 2017 wurde er auf 8,84 Euro erhöht, zum 1. Januar 2019 auf 9,19 Euro und zum 1. Januar 2020 auf 9,35 Euro. Im Juni 2020 hat die Mindestlohnkommission eine weitere stufenweise Erhöhung beschlossen. Zum 1. Januar 2021 wird der Mindestlohn auf 9,50 Euro steigen, zum 1. Juli 2021 auf 9,60 Euro, zum 1. Januar 2022 auf 9,82 Euro und zum 1. Juli 2022 schließlich auf 10,45 Euro.

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Info 1

Geltungsbereich des Mindestlohns

Der gesetzliche Mindestlohn gilt für alle in Deutschland beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ausgenommen sind Jugendliche unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung, Auszubildende in betrieblicher Ausbildung, Praktikantinnen und Praktikanten (soweit es sich um ein [Pflicht-]Praktikum oder ein freiwilliges Praktikum mit einer Dauer von maximal drei Monaten handelt, das vor oder während einer Berufs- oder Hochschulausbildung stattfindet), Langzeitarbeitslose in den ersten sechs Monaten nach Aufnahme einer Beschäftigung sowie ehrenamtlich Tätige. Für einen Übergangszeitraum bis längstens zum 31. Dezember 2017 gab es zudem eine Reihe von tarifvertraglich vereinbarten Übergangsregelungen für bestimmte Branchen, beispielsweise im Friseurhandwerk, in der Leiharbeit oder der Landwirtschaft.

Wie sich der Mindestlohn auf die Löhne und die Beschäftigungsentwicklung auswirkt, steht im Mittelpunkt der Mindestlohnforschung. In der internationalen Forschung werden zunehmend auch die Auswirkungen des Mindestlohns auf Arbeitszeiten, Produktivität, Verbraucherpreise oder die Ertragslage von Unternehmen untersucht. Aus theoretischer Perspektive ist die Wirkung von Mindestlöhnen vor allem auf die Beschäftigung nicht eindeutig. Je nach zugrunde gelegtem Modell beziehungsweise den Modellannahmen können Mindestlöhne sowohl negative, positive als auch neutrale Effekte haben. Welche Auswirkungen der gesetzliche Mindestlohn hat, ist somit letztlich eine empirische Frage.

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Info 2

Datenbasis

Dieses Kapitel stützt sich für die Untersuchung der Auswirkungen des Mindestlohns auf die Löhne vor allem auf die Verdiensterhebungen des Statistischen Bundesamtes, die auf Befragungen von Betrieben beziehungsweise Angaben aus deren Lohnbuchhaltungen basieren. Konkret werden die Verdienststrukturerhebungen (VSE) 2014 und 2018 sowie die Verdiensterhebungen (VE) 2015, 2016 und 2017 ausgewertet. Als zweiter zentraler Datensatz dient der Mindestlohnforschung das Sozio-oekonomische Panel (SOEP), bei dem Beschäftigte selbst zu ihren Verdiensten und Arbeitszeiten befragt werden. In beiden Erhebungen werden die Stundenlöhne auf Basis von Monatsverdiensten und Arbeitszeiten berechnet. Im SOEP werden Beschäftigte seit dem Jahr 2017 zudem auch direkt nach ihrem Stundenlohn befragt. Beim Vergleich der Daten gibt es eine Vielzahl von methodischen Herausforderungen zur Berechnung der Stundenlöhne. Der Übersichtlichkeit halber werden in diesem Beitrag ausschließlich die VSE-/VE-Daten des Statistischen Bundesamtes genutzt.

Autor(en): Oliver Bruttel – Geschäfts- und Informationsstelle für den Mindestlohn, Ralf Himmelreicher – Institut für Soziologie der FU Berlin und Geschäfts- und Informationsstelle für den Mindestlohn
Herausgeber: WZB / SOEP

Datenreport: Kapitel 5.3.1

Steigende Stundenlöhne im unteren Lohnbereich

Häufig wird zwischen Mindest- und Niedriglohn unterschieden. Der Mindestlohn ist eine gesetzlich festgelegte Lohnuntergrenze. Die Niedriglohnschwelle wird hingegen relativ zu anderen Löhnen definiert – in der Regel als zwei Drittel des Medianlohns, der sich genau in der Mitte der betrachteten und nach Größe sortierten Löhne befindet.

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Datenreport: Kapitel 5.3.2

Bedürftigkeit und Armutsgefährdung

Die Einführung des Mindestlohns sollte die Anzahl der Beschäftigten reduzieren, die trotz Arbeit auf ergänzendes Arbeitslosengeld II angewiesen sind. Jedoch ist die Zahl der sogenannten Aufstockerinnen und Aufstocker mit der Mindestlohneinführung nur geringfügig mehr als im Durchschnitt der Vorjahre zurückgegangen.

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Datenreport: Kapitel 5.3.3

Beschäftigungsentwicklung

Die Gesamtbeschäftigung hat sich auch nach Einführung und den ersten Erhöhungen des gesetzlichen Mindestlohns weiter positiv entwickelt. Während die Anzahl ausschließlich geringfügig Beschäftigter leicht zurückging, nahm die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse insgesamt deutlich zu.

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Datenreport: Kapitel 5.3.4

Betriebliche Anpassungsmaßnahmen

Gesamtwirtschaftlich haben die mindestlohnbedingten Lohnerhöhungen relativ geringe Bedeutung. Das Statistische Bundesamt ermittelte für das Jahr 2015 für den Fall der vollständigen Umsetzung des gesetzlichen Mindestlohns und gleicher Arbeitszeit einer Zunahme von 0,43 % bezogen auf alle Bruttolöhne und -gehälter.

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Datenreport: Kapitel 5.3.5

Fazit

Die Einführung des Mindestlohns hat zu einer deutlichen Steigerung der Bruttostundenverdienste bei Personengruppen geführt, die zuvor weniger als 8,50 Euro pro Stunde verdienten. Auch für Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte hat sich der Anstieg der Stundenlöhne überwiegend in einem Anstieg der Monatslöhne niedergeschlagen.

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