Datenreport 2021.

Einstellungen zur Rollenverteilung zwischen Frau und Mann

Die Gleichberechtigung von Frau und Mann ist in Deutschland im Artikel 3 des Grundgesetzes seit 1958 festgeschrieben. Dennoch existieren bis heute Rollenvorstellungen und damit einhergehende Arbeitsteilungen, die eine Gleichstellung beide Geschlechter erschweren. Die Überwindung von Rollenstereotypen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft steht im Mittelpunkt der heutigen Gleichstellungspolitik. Die systematische Erforschung der Geschlechterverhältnisse in der Soziologie ist deshalb wichtig, um die gesellschaftliche Entwicklung hinsichtlich der Gleichstellung besser bewerten zu können. Zentrale Indikatoren zur Einstellung bezüglich Gleichstellung und Rollenverteilung von Frau und Mann werden in der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) immer wieder erhoben. Die langen Zeitreihen erlauben einen Vergleich zwischen den Befragungswellen und ermöglichen es, die Entwicklung der Gleichstellung zwischen Frau und Mann in Deutschland einzuschätzen.

Im Folgenden wird näher untersucht, wie sich die Rollenvorstellungen zu Frauen und Männern innerhalb der Familie seit den 1990er-Jahren verändert haben. Die Darstellung dieser Einstellungen ist deshalb wichtig, weil sie das gesellschaftliche Klima und die Geschlechterkultur Deutschlands repräsentieren. In einem ersten Schritt wird die Zustimmung zur Aussage "Die Aufgabe des Ehemannes ist es, Geld zu verdienen, die der Ehefrau, sich um Haushalt und Familie zu kümmern" im Zeitverlauf dargestellt. Dazu werden auch Vergleiche hinsichtlich sozialstruktureller Aspekte wie Geschlecht, Bildung, Wohnort oder Altersgruppe gezogen. In einem weiteren Schritt werden aus dem Familienleitbildsurvey des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung von 2016 Einstellungen zur Rollenverteilung innerhalb der Familie zwischen Müttern und Vätern dargestellt.

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Info 1

Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS)

Die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) ist eine repräsentative Querschnittserhebung, die vom Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften (GESIS) in der Bundesrepublik Deutschland durchgeführt wird. Die erste Umfrage fand 1980 statt und wird seitdem in einem Abstand von zwei Jahren wiederholt. Befragt werden pro Welle um die 2.400 in Deutschland lebende wahlberechtigte Personen. Neben einem festen Fragenkatalog, der unter anderem demografische Angaben zu den Befragten und ihren Haushaltsmitgliedern erfasst, gibt es mit jeder Erhebungswelle bestimmte Themenschwerpunkte, beispielsweise die politische Einstellung, Partnerschaft und Familie oder die Einstellung zu sozialer Ungleichheit. Zusammen mit dieser Umfrage werden oftmals auch Daten für das International Social Survey Programme (ISSP) erhoben. Das in diesem Kapitel verwendete Item "Die Aufgabe des Ehemannes ist es, Geld zu verdienen, die der Ehefrau, sich um Haushalt und Familie zu kümmern" ist Bestandteil dieser ISSP-Daten.
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Weitere Informationen zu den ALLBUS-Daten unter: www.gesis.org/allbus/allbus


Autor(en): Sabine Diabaté
Herausgeber: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB)

Datenreport: Kapitel 12.3.1

Geschlechtliche Aufgabenteilung im Zeitverlauf

Mit der Zustimmung zur Aussage "Die Aufgabe des Ehemannes ist es, Geld zu verdienen, die der Ehefrau, sich um Haushalt und Familie zu kümmern" wird die geschlechtliche Arbeitsteilung gemessen, also wie die Familien- und Erwerbsarbeit zwischen Frau und Mann aus Sicht der Befragten verteilt werden soll.

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Datenreport: Kapitel 12.3.2

Geschlechtliche Arbeitsteilung nach sozialstrukturellen Merkmalen

In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Meinung zur geschlechtlichen Arbeitsteilung stark verändert. Betrachtet man die Bevölkerung nach verschiedenen sozialstrukturellen Merkmalen, zeigen sich interessante Unterschiede.

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Datenreport: Kapitel 12.3.3

Leitbilder zu Mutterschaft und Vaterschaft in Deutschland

Ein gleichermaßen entscheidender Indikator für die Geschlechtsrollenvorstellungen ist die Bewertung der Konsequenzen für die Eltern-Kind-Beziehung, wenn Mütter erwerbstätig sind und in welchem Umfang.

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Datenreport: Kapitel 12.3.4

Vorstellungen zur idealen Arbeitszeit für Mütter und Väter

Mit den Daten des Familienleitbildsurveys wurden auch die Erwerbsideale von jungen Deutschen gemessen. Für Paare mit einem zweijährigen Kind gilt heute das flexible Zweiverdienermodell als ideales Leitbild der Arbeitsteilung.

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Datenreport: Kapitel 12.3.5

Akzeptanz von vollzeiterwerbstätigen Müttern

In Anlehnung an die zuvor beschriebenen Mutterleitbilder wird im Folgenden das Image von vollzeiterwerbstätigen Müttern genauer in den Blick genommen, die vor allem für Westdeutschland ein eher neueres Phänomen repräsentieren.

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Datenreport: Kapitel 12.3.6

Fazit

Auch drei Jahrzehnte nach der deutschen Vereinigung lassen sich für Ost- und Westdeutschland erhebliche Unterschiede in den Einstellungen hinsichtlich der geschlechtlichen Aufgabenteilung erkennen: Ostdeutsche stimmen deutlich seltener der traditionellen Rollenverteilung zwischen Frau und Mann zu als Westdeutsche.

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