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Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland
10.8.2020

Katholische und evangelische Kirche

Anteil der katholischen und evangelischen Kirchenmitglieder an der Bevölkerung in Prozent, Austritte in Tausend, 1960 bis 2019

Katholische und evangelische Kirche

Quelle: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz; Evangelische Kirche in Deutschland; Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahrbuch, Wirtschaft und Statistik 6/2010
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Zwischen 1956 und 2019 hat sich der Anteil der evangelischen Bevölkerung in Deutschland von 50,1 auf 24,9 Prozent reduziert. Der Anteil der katholischen Bevölkerung fiel von 45,9 auf 27,2 Prozent. Seit 1998 ist die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder und auch die Zahl der katholischen Kirchenmitglieder jeweils kleiner als die Zahl der "übrigen" Einwohner in Deutschland. Zudem liegt der Anteil der katholischen Bevölkerung seit 1998 über dem Anteil der evangelischen Bevölkerung. Die wichtigsten Gründe für den Rückgang der Mitgliederzahlen sind die Austritte aus der Kirche, der Tod von Personen mit hoher Kirchenbindung sowie rückläufige Taufquoten.

Fakten

Ende 2019 gehörten von der Gesamtbevölkerung in Deutschland 27,2 Prozent der katholischen und 24,9 Prozent der evangelischen Kirche an – zusammen 52,1 Prozent. Im Jahr 1956 lag der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung noch bei 45,9 Prozent und 50,1 Prozent waren evangelisch – zusammen 96,0 Prozent. Der Anteil der katholischen Kirchenmitglieder an der Bevölkerung hatte 1968 den höchsten Stand im hier betrachteten Zeitraum (47,0 Prozent), der Anteil der evangelischen Kirchenmitglieder an der Bevölkerung war im Jahr 1961 am höchsten (50,4 Prozent). Bei beiden Religionsgemeinschaften ist der Anteil in den jeweiligen Folgejahren kontinuierlich gesunken.

Der seit den späten 1960er-Jahren zu beobachtende Wertewandel und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen, die Zuwanderung nach Deutschland seit den 1950er-Jahren sowie die Veränderungen im Zuge der deutschen Vereinigung haben dazu geführt, dass die beiden christlichen Volkskirchen in Deutschland an Bedeutung verloren haben. Seit 1998 ist die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder und auch die Zahl der katholischen Kirchenmitglieder jeweils kleiner als die Zahl der "übrigen" Einwohner in Deutschland.

Im Zeitraum 1956 bis 2018 reduzierte sich der Anteil der katholischen Bevölkerung um 39,7 Prozent und der Anteil der evangelischen Bevölkerung um 49,1 Prozent. Da somit der Rückgang bei den evangelischen Kirchenmitgliedern etwas stärker ausfiel als bei den katholischen, liegt der Anteil der katholischen Bevölkerung seit 1998 über dem Anteil der evangelischen Bevölkerung.

Die Entwicklung der Mitgliederzahlen der beiden christlichen Volkskirchen hängt von mehreren Faktoren ab: Von Austritten, Taufen und Aufnahmen, Sterbefällen, Zu- und Abwanderung sowie Registerbereinigungen. Bezogen auf die katholische Kirche traten im Jahr 2018 rund 216.000 Menschen aus, 167.800 wurden getauft, 8.700 wurden wieder aufgenommen oder sind übergetreten und 243.700 Katholiken wurden bestattet. Aus der evangelischen Kirche traten im Jahr 2017 gut 197.000 Menschen aus, 176.200 wurden getauft (darunter 158.800 unter 14-Jährige), 26.200 wurden wieder aufgenommen oder sind übergetreten und rund 271.200 evangelische Kirchenmitglieder wurden bestattet.

Im Durchschnitt der 30 Jahre von 1989 bis 2018 sind pro Jahr 337.000 Personen aus der katholischen oder evangelischen Kirche ausgetreten. In einem Gastbeitrag für das Statistische Bundesamt wird darauf hingewiesen, dass bei den Personen, die aus der Kirche austreten, die Ersparnis der Kirchensteuer ein wichtiges Motiv für den Austritt sein kann. So verweisen die Autoren auf Austrittsspitzen in den Jahren nach 1968 (bis 1975) und nach 1990 (bis 1995): Steuerzahler konnten durch den Austritt aus der Kirche Mehrbelastungen kompensieren, die aus der Erhöhung der Mehrwertsteuer ab 1968 sowie der Einführung des Solidaritätszuschlags ab 1991 resultierten. Die Austrittswelle Ende der 1960er- bzw. Anfang der 1970er-Jahre ist zudem auf tiefgreifende Werte- und Einstellungsänderungen zurückzuführen – zahlreiche Menschen entfernten sich von den Kirchen als Teil der traditionellen Gesellschaftsstrukturen.

Für die Entwicklung der Zahl der Kirchenmitglieder ist auch maßgeblich, dass die Kirchenbindung bei den jüngeren Bevölkerungsjahrgängen nicht so ausgeprägt ist wie bei den älteren Jahrgängen: Bis Mitte der 1960er-Jahre wurden mehr als 90 Prozent der Geborenen katholisch oder evangelisch getauft. Im Jahr 2010 wurden nur noch etwa 50 Prozent der Geborenen evangelisch oder katholisch getauft. Dabei ist die sogenannte Taufquote bei beiden Kirchen zwischen Ende der 1960er-Jahre bis Mitte der 1970er-Jahre und seit 1991 stetig gesunken. Im Jahr 2017 wurden weniger als 45 Prozent der Geborenen evangelisch oder katholisch getauft.

Datenquelle

Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz; Evangelische Kirche in Deutschland; Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahrbuch, verschiedene Jahrgänge; Statistisches Bundesamt: Wirtschaft und Statistik 6/2010, Die Entwicklung der Kirchenmitglieder in Deutschland

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

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Die Berechnung der Taufquoten beruht auf der Annahme, dass die katholischen und evangelischen Taufen im gleichen Jahr wie die Geburten erfolgen. Dies ist allerdings nicht immer der Fall. Eine statistisch korrekte Erfassung ist jedoch nicht möglich, da umfassende Informationen über das Alter der Täuflinge fehlen.

Katholische und evangelische Kirche

Kirchenmitglieder und Austritte in absoluten Zahlen, Anteil der kath. und ev. Kirchenmitglieder an der Bevölkerung in Prozent, 1956 bis 2019

Bevölkerung katholisch evangelisch andere Anteil der kath./ev.
Kirchenmitglieder
an der Bevölkerung,
in Prozent
in Tsd.
2019 83.167 22.600 20.713 39.854 52,1
2018 83.019 23.002 21.141 38.876 53,2
2017 82.792 23.311 21.536 37.945 54,2
2016 82.522 23.582 21.922 37.018 55,1
2015 82.176 23.762 22.272 36.142 56,0
2014 81.198 23.939 22.629 34.630 57,4
2013 80.767 24.171 23.040 33.556 58,5
2012 80.524 24.340 23.356 32.828 59,2
2011 2 81.844 24.473 23.620 33.751 58,8
2010 81.752 24.651 23.896 33.205 59,4
2009 81.802 24.909 24.195 32.698 60,0
2008 82.002 25.176 24.515 32.311 60,6
2007 82.218 25.500 24.832 31.886 61,2
2006 82.315 25.685 25.101 31.529 61,7
2005 82.438 25.870 25.386 31.182 62,2
2004 82.501 25.986 25.630 30.885 62,6
2003 82.532 26.165 25.836 30.531 63,0
2002 82.537 26.466 26.211 29.860 63,8
2001 82.440 26.656 26.454 29.330 64,4
2000 82.260 26.817 26.614 28.829 65,0
1999 82.163 27.017 26.834 28.312 65,5
1998 82.037 27.154 27.099 27.784 66,1
1997 82.057 27.383 27.398 27.276 66,8
1996 82.012 27.229 27.659 27.124 66,9
1995 81.817 27.347 27.922 26.548 67,6
1994 81.539 27.465 28.197 25.877 68,3
1993 81.338 27.552 28.460 25.326 68,9
1992 80.975 27.663 28.875 24.437 69,8
1991 80.275 27.718 29.202 23.355 70,9
1990 79.753 28.252 29.442 22.059 72,3
1989 3 62.679 26.746 25.132 10.801 82,8
1988 61.715 26.483 25.176 10.056 83,7
1987 61.238 26.306 25.413 9.519 84,5
1986 61.140 26.284 24.910 9.946 83,7
1985 61.020 26.309 25.106 9.605 84,3
1984 61.049 26.395 25.316 9.338 84,7
1983 61.307 26.491 25.501 9.315 84,8
1982 61.546 26.606 25.701 9.239 85,0
1981 61.713 26.707 25.898 9.108 85,2
1980 61.658 26.713 26.104 8.841 85,7
1979 61.439 26.732 26.309 8.398 86,3
1978 61.322 26.749 26.507 8.066 86,8
1977 61.353 26.787 26.719 7.847 87,2
1976 61.442 26.880 26.942 7.620 87,6
1975 61.645 27.011 27.184 7.450 87,9
1974 61.991 27.648 27.426 6.917 88,8
1973 62.101 27.697 27.751 6.653 89,3
1972 61.809 27.578 28.025 6.206 90,0
1971 61.503 27.441 28.210 5.852 90,5
1970 61.001 27.195 28.378 5.428 91,1
1969 61.195 28.730 29.277 3.188 94,8
1968 60.463 28.413 29.342 2.708 95,5
1967 59.948 28.093 29.305 2.550 95,7
1966 59.793 27.816 29.201 2.776 95,4
1965 59.297 27.500 29.079 2.718 95,4
1964 58.587 27.123 28.946 2.518 95,7
1963 57.865 26.817 28.796 2.252 96,1
1962 57.247 26.498 28.656 2.093 96,3
1961 56.589 26.208 28.529 1.852 96,7
1960 55.958 25.796 26.650 3.512 93,7
1959 55.257 25.476 26.650 3.131 94,3
1958 54.719 25.242 26.650 2.827 94,8
1957 54.064 24.973 26.650 2.441 95,5
1956 53.340 24.501 26.700 2.139 96,0
Austritte
kath. Kirche
Austritte
ev. Kirche
Austritte
insgesamt
in Tsd.
2019 273 270 1 543
2018 216 221 436
2017 168 197 365
2016 162 190 352
2015 182 211 393
2014 218 270 488
2013 179 177 356
2012 118 138 256
2011 2 126 141 267
2010 181 145 326
2009 124 148 272
2008 121 170 291
2007 94 130 224
2006 84 122 206
2005 90 120 210
2004 101 142 243
2003 130 177 307
2002 119 174 293
2001 114 172 286
2000 129 189 318
1999 129 193 322
1998 119 183 302
1997 124 197 321
1996 133 226 359
1995 168 297 465
1994 156 290 446
1993 154 280 434
1992 193 361 554
1991 168 321 489
1990 143 144 287
1989 3 93 148 241
1988 80 139 219
1987 82 141 223
1986 76 139 215
1985 74 141 215
1984 64 127 191
1983 57 113 170
1982 55 113 168
1981 57 116 173
1980 66 120 186
1979 49 100 149
1978 52 110 162
1977 58 128 186
1976 59 128 187
1975 69 169 238
1974 83 216 299
1973 69 182 251
1972 54 141 195
1971 58 160 218
1970 69 203 272
1969 39 112 151
1968 28 61 89
1967 22 44 66
1966 22 40 62
1965 23 40 63
1964 24 43 67
1963 23 38 61
1962 23 36 59
1961 23 31 54
1960 24 32 56
1959 24 32 56
1958 23 32 55
1957 21 29 50
1956 20 33 53

1 vorläufig.

2 beim Zensus 2011 wurde die Bevölkerungszahl auf 80.328 Tsd. korrigiert. Der Anteil der kath. und ev. Kirchenmitglieder an der Bevölkerung lag entsprechend bei 59,9 Prozent.

3 bis einschließlich 1989: Westdeutschland.


Quelle: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz; Evangelische Kirche in Deutschland; Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahrbuch, verschiedene Jahrgänge; Statistisches Bundesamt: Wirtschaft und Statistik 6/2010, Die Entwicklung der Kirchenmitglieder in Deutschland


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