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Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland
29.6.2020

PISA – Lernumfeld und Wohlbefinden in Deutschland

Anteil an allen 15-jährigen Schülerinnen und Schülern in Prozent, 2018

Quelle: OECD: PISA 2018 Ergebnisse – Ländernotiz Deutschland; PISA 2018: Grundbildung im internationalen Vergleich
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Neben den fachlichen Kompetenzen wurden bei PISA-2018 auch das Lernumfeld bzw. Schulklima sowie das Wohlbefinden der 15-Jährigen erfasst. Die meisten Schülerinnen und Schüler in Deutschland sind zufrieden, finden in schwierigen Situationen in der Regel eine Lösung und befürworten es, anderen Schülern zu helfen. Hingegen bezeichneten sich bei PISA-2018 rund 4 Prozent der 15-Jährigen als immer traurig. 23 Prozent gaben an, mindestens ein paar Mal pro Monat von Mitschülern drangsaliert zu werden und 12 Prozent fühlten sich in der Schule einsam.

Fakten

In der OECD-Studie PISA werden insbesondere die Kompetenzen in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften gemessen. Bei der repräsentativen Studie werden aber auch andere Themen erfasst. Bei PISA-2018 zum Beispiel das Lernumfeld bzw. Schulklima sowie das Wohlbefinden der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler.

So gaben 67 Prozent der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in Deutschland bei PISA-2018 an, mit ihrem Leben zufrieden zu sein – ein ebenso hoher Anteil wie im OECD-Durchschnitt. Etwa 92 Prozent sind laut eigenen Angaben manchmal oder immer glücklich. Rund 4 Prozent bezeichnen sich als immer traurig.

Der Aussage, dass sie in schwierigen Situationen in der Regel eine Lösung finden, stimmten bei PISA-2018 in Deutschland 84 Prozent der 15-Jährigen "eher" oder "völlig" zu. Dies entspricht dem OECD-Durchschnitt. Wie wichtig das soziale Umfeld für die 15-Jährigen ist, wird zum Beispiel daran deutlich, dass 48 Prozent der Aussage, dass sie sich Sorgen darüber machen, was andere über sie denken, wenn ihnen etwas nicht gelingt, "eher" oder "völlig" zustimmten (OECD-Durchschnitt: 56 Prozent).

Bei fast allen PISA-Teilnehmerländern, darunter auch Deutschland, sind die Mädchen Eigenangaben zufolge in stärkerem Maße von Versagensängsten betroffen als die Jungen, wobei der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen unter den leistungsstarken Schülerinnen und Schülern wesentlich größer war. In fast allen untersuchten Bildungssystemen zeigte sich zudem, dass Versagensängste bei den unter 15-Jährigen besonders häufig dort verbreitet waren, wo die Leistungen beim Leseverständnis besonders gut waren. In Deutschland und Belgien, aber auch bei den europäischen Spitzenreitern Estland und Finnland zeigte sich dieser Zusammenhang jedoch nicht. Hohes Leistungsniveau und hohes Wohlbefinden schließen sich also nicht in allen Ländern aus.

Die Schule ist ein sehr wichtiger Ort für die 15-Jährigen und sie hat großen Einfluss auf das Wohlbefinden insgesamt: Schülerinnen und Schüler, die von einem stärkeren Zugehörigkeitsgefühl in der Schule und einer stärkeren Zusammenarbeit unter den Schülern berichten, beschreiben ihren Gefühlszustand häufiger positiv. Dies ist in Deutschland ebenso wie in den meisten PISA-Teilnehmerländern zu beobachten. Schüler, die öfter von Mitschülern drangsaliert wurden, bezeichnen sich häufiger als traurig. Bei PISA-2018 gaben allerdings sowohl deutschland- als auch OECD-weit 23 Prozent der Schülerinnen und Schüler an, mindestens ein paar Mal pro Monat von Mitschülern drangsaliert zu werden. In den meisten PISA-Teilnehmerländern schwänzen Schüler, die oft von Mitschülern drangsaliert werden, häufiger die Schule. Im OECD-Durchschnitt hatten 21 Prozent der Schülerinnen und Schüler in den zwei Wochen vor dem PISA-2018-Test einen ganzen Schultag geschwänzt und 48 Prozent der Schüler waren zu spät zur Schule gekommen. In Deutschland galt dies für 13 bzw. 46 Prozent.

Der Aussage, dass sie sich in der Schule einsam fühlen, stimmten etwa 12 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland "eher" oder "völlig" zu (OECD-Durchschnitt: 16 Prozent). Auf der anderen Seite stimmten 86 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland der Aussage, dass es eine gute Sache sei, Schülern zu helfen, die sich nicht verteidigen können, "eher" oder "völlig" zu (OECD-Durchschnitt: 88 Prozent). Und eine deutliche Mehrheit von 66 Prozent gab an, dass ihre Mitschüler zusammenarbeiten (OECD-Durchschnitt: 62 Prozent).

Sowohl in Deutschland als auch in den meisten anderen PISA-Teilnehmerländern schnitten Schülerinnen und Schüler, die ihre Lehrkraft als enthusiastisch erleben, im Bereich Lesekompetenz besser ab. Der Aussage, dass ihre Lehrkraft Freude am Unterrichten zeigt, stimmten etwa 72 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland "eher" oder "völlig" zu (OECD-Durchschnitt: 74 Prozent).

Schließlich waren nach Angaben der Schulleitungen bei PISA-2018 in Deutschland 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler in sozioökonomisch benachteiligten Schulen zumindest bis zu einem gewissen Grad von Unterrichtsbeeinträchtigungen durch Lehrkräftemangel betroffen. Unter den Schülerinnen und Schülern sozioökonomisch begünstigter Schulen galt dies nur für 34 Prozent. Im OECD-Durchschnitt lagen beide Werte deutlich niedriger (34 bzw. 18 Prozent).

Datenquelle

OECD: PISA 2018 Ergebnisse – Ländernotiz Deutschland; PISA 2018: Grundbildung im internationalen Vergleich (Hrsg: Kristina Reiss, Mirjam Weis, Eckhard Klieme, Olaf Köller)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Informationen zum Thema PISA-2018: Lesekompetenz finden Sie hier...

Informationen zum Thema PISA-2018: Mathematik und Naturwissenschaften finden Sie hier...

PISA (Programme for International Student Assessment) ist eine international vergleichende Schulleistungsstudie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Co-operation and Development – OECD). Die Studie findet seit dem Jahr 2000 alle drei Jahre statt. Sie ermittelt in erster Linie inwieweit Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren Kompetenzen in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften erworben haben. Aber auch das Schulklima, das Wohlbefinden der Schüler und Schülerinnen sowie der Einfluss der sozialen Herkunft, des Geschlechts und des Migrationshintergrundes auf das Leistungsniveau werden erfasst.

International wurden in knapp 22.000 Schulen die Daten von mehr als 600.000 Schülerinnen und Schülern erhoben. Dabei sind die Stichproben repräsentativ für die 15-Jährigen des jeweiligen Staates. In Deutschland nahmen an 223 Schulen insgesamt 5.451 Schülerinnen und Schüler aller Schularten an der PISA-Testung 2018 teil. Auch für Deutschland ist die Stichprobe repräsentativ, sie erlaubt aber keine verallgemeinerbaren Vergleiche zwischen den Bundesländern.

OECD-Mitglieder: http://www.oecd.org/berlin/dieoecd/

PISA – Lernumfeld und Wohlbefinden

Anteil an allen Schülerinnen und Schülern in Prozent, 2018



Aussagen und Fragen bei PISA-2018 Deutschland OECD 1
Anteil der zustimmenden
Schülerinnen und Schüler,
in Prozent
mit dem eigenen Leben zufrieden 67 67
manchmal oder immer glücklich 92
immer traurig 4
in schwierigen Situationen findet sich
in der Regel eine Lösung 2
84 84
sich sorgen, was andere über einen denken,
wenn einem etwas nicht gelingt 2
48 56
werde mindestens ein paar Mal pro Monat
von Mitschülern drangsaliert
23 23
in den zwei Wochen vor dem PISA-2018-Test
einen ganzen Schultag geschwänzt
13 21
in den zwei Wochen vor dem PISA-2018-Test
zu spät zur Schule gekommen
46 48
sich in der Schule einsam fühlen 2 12 16
es ist eine gute Sache, Schülern zu helfen,
die sich nicht verteidigen können 2
86 88
Mitschüler arbeiten zusammen 66 62
eigene Lehrkraft zeigt Freude am Unterrichten 2 72 74
Unterrichtsbeeinträchtigungen
durch Lehrkräftemangel 3
sozioökonomisch benachteiligte Schulen 70 34
sozioökonomisch begünstigte Schulen 34 18

1 Organisation for Economic Co-operation and Development; OECD-Mitglieder: http://www.oecd.org/berlin/dieoecd/

2 jeweils Anteil der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler, die der Aussage "eher" oder "völlig" zustimmen.

3 nach Angaben der Schulleitung.


Quelle: OECD: PISA 2018 Ergebnisse – Ländernotiz Deutschland; PISA 2018: Grundbildung im internationalen Vergleich


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