Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland
19.3.2019

Arbeitslose und Arbeitslosenquote

In absoluten Zahlen und in Prozent aller zivilen Erwerbspersonen, 1980 bis 2018

Arbeitslose und Arbeitslosenquote

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (BA): Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf 01/2019
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Spätestens seit Anfang der 1980er-Jahre gehört die Arbeitslosigkeit zu den großen sozialen Problemen in Deutschland. Abseits der konjunkturellen Wellenbewegungen hat sich die Zahl der Arbeitslosen bis zum Jahr 2005 immer weiter erhöht. Allerdings hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den Jahren 2006 bis 2008 entspannt. Auch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 sowie die Staatsschulden- und Bankenkrisen in Europa haben in Deutschland nicht zu einer generellen Umkehr dieses Prozesses geführt. Seit 2011 liegt die Zahl der registrierten Arbeitslosen unter drei Millionen und zwischen 2013 und 2018 ist sie fünfmal in Folge gesunken – auf zuletzt 2,3 Millionen. Im Jahr 2018 lag die Arbeitslosenquote bei 5,2 Prozent. Das ist die niedrigste Quote seit der Wiedervereinigung.

Fakten

Bei einem Vergleich der Jahre 1991 und 2004 ist in Deutschland sowohl die Zahl der Arbeitslosen als auch die Arbeitslosenquote gestiegen. In Westdeutschland erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen in dieser Zeit von 1,6 auf 2,8 Millionen und die Arbeitslosenquote stieg von 6,2 auf 9,4 Prozent (bezogen auf die abhängigen zivilen Erwerbspersonen). Diese Entwicklung verlief allerdings nicht gleichmäßig: Zwischen 1997 und 2001 ging die Zahl der Arbeitslosen von 2,9 auf 2,3 Millionen zurück und die Arbeitslosenquote sank von 10,8 auf 8,0 Prozent.

In Ostdeutschland ist sowohl die Zahl der Arbeitslosen als auch die Arbeitslosenquote vergleichsweise stetig gestiegen: Zwischen 1991 und 2004 erhöhte sich die Arbeitslosenzahl von einer Million auf 1,6 Millionen beziehungsweise verdoppelte sich die Arbeitslosenquote von 10,2 auf 20,1 Prozent (bezogen auf die abhängigen zivilen Erwerbspersonen).

Eine der auffälligsten Steigerungen der Arbeitslosenzahl fällt in das Jahr 2005. Deutschlandweit erhöhte sich die Arbeitslosenzahl gegenüber dem Vorjahr um 10,9 Prozent beziehungsweise um knapp 480.000 Personen auf 4,86 Millionen. Der Hauptgrund für diese Entwicklung war die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe, die zu einer Verschiebung aus der sogenannten Stillen Reserve in die registrierte Arbeitslosigkeit beziehungsweise zu einem zusätzlichen Arbeitskräfteangebot führte. Nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) lag dieser sogenannte Hartz-IV-Effekt bei etwa 380.000 im Jahresdurchschnitt 2005.

Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2005 wirkte sich die konjunkturelle Besserung auch auf den Arbeitsmarkt aus. Durch zunehmende Arbeitskräftenachfrage und das leicht rückläufige Arbeitskräfteangebot reduzierte sich die Arbeitslosigkeit im Jahr 2006 deutlich: Im Jahresdurchschnitt waren 4,49 Millionen Personen arbeitslos gemeldet, gut 370.000 weniger als im Vorjahr. Im Jahresverlauf 2006 – also von Jahresanfang bis Jahresende – fiel der Rückgang der registrierten Arbeitslosigkeit mit rund 600.000 noch deutlicher aus.

Von 2006 auf 2007 ging die Zahl der Arbeitslosen um rund 730.000 (minus 16,2 Prozent) auf 3,76 Millionen zurück – das ist der größte absolute Rückgang seit 1950. Und von 2007 auf 2008 reduzierte sich die Zahl Arbeitslosen nochmals um eine halbe Million (minus 13,3 Prozent). Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresdurchschnitt 2008 7,8 Prozent – das waren 3,9 Prozentpunkte weniger als 2005. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat lediglich in Westdeutschland zu einer einmaligen Erhöhung der Arbeitslosenzahl von 2008 auf 2009 geführt (plus 175.000).

Von 2005 bis 2018 verringerte sich die Arbeitslosigkeit sowohl in West- als auch in Ostdeutschland erheblich. In Westdeutschland reduzierte sich die Arbeitslosenzahl in diesem Zeitraum um 1,49 Millionen auf 1.758.627 (minus 45,8 Prozent) und in Ostdeutschland um gut eine Million auf 581.455 (minus 64,0 Prozent). In Westdeutschland erreichte die Arbeitslosenquote im Jahr 2018 mit 4,8 Prozent den niedrigsten Stand seit 1981. In Ostdeutschland ist die Arbeitslosenquote 13 Jahre in Folge gefallen und hatte im Jahr 2018 mit 6,9 Prozent den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. In Deutschland lag die Arbeitslosenquote 2018 bei 5,2 Prozent. Zudem waren in den Jahren 2011 bis 2018 zum ersten Mal seit Anfang der 1990er-Jahre weniger als drei Millionen Personen arbeitslos gemeldet – von den 2,34 Millionen Arbeitslosen des Jahres 2018 entfielen 75,2 Prozent auf West- und 24,8 Prozent auf Ostdeutschland.

Parallel zu den sinkenden Arbeitslosenzahlen hat sich auch die Arbeitskräftenachfrage am Arbeitsmarkt erhöht: Der Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit (BA-X) ist ein Indikator, bei dem die Nachfrage nach Arbeitskräften in Beziehung zum Jahresdurchschnitt 2004 (= 100) gesetzt wird. Im November 2011 stieg der Index auf 176 Punkte und damit auf den bis dahin höchsten Wert seit seiner Berechnung (November 2010: 149 Punkte, November 2009: 113 Punkte). Zwar sank der BA-X bis zum Mai 2013 auf 156 Punkte, jedoch stieg er in den Folgemonaten wieder kontinuierlich an. Im Dezember 2014 wurde mit 178 Punkten der Wert von November 2011 übertroffen und auch seitdem stieg der Index weiter – auf zuletzt 255 Punkte im Januar 2019.

Datenquelle

Bundesagentur für Arbeit (BA): Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf 01/2019, Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit (BA-X)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Arbeitslose sind nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch (§ 16 SGB III) Personen, die vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen oder nur eine weniger als 15 Stunden wöchentlich umfassende Beschäftigung ausüben, eine versicherungspflichtige, mindestens 15 Stunden wöchentlich umfassende Beschäftigung suchen und dabei den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters zur Verfügung stehen, also arbeitsfähig und -bereit sind. Zudem müssen sie in der Bundesrepublik Deutschland wohnen, nicht jünger als 15 Jahre sein, die Altersgrenze für den Renteneintritt noch nicht erreicht haben und sich persönlich bei einer Agentur für Arbeit oder einem Jobcenter arbeitslos gemeldet haben. Schüler, Studenten oder Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik gelten nicht als arbeitslos.

Die Arbeitslosenquote entspricht dem prozentualen Anteil der Arbeitslosen an den Erwerbspersonen. Die Erwerbspersonen setzen sich aus den Erwerbstätigen und den Arbeitslosen zusammen. Je nach Definition werden die Arbeitslosen auf die abhängigen zivilen Erwerbspersonen (sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigte, Beamte und Arbeitslose) oder auf alle zivilen Erwerbspersonen (abhängige zivile Erwerbspersonen, Selbstständige und mithelfende Familienangehörige) bezogen. Soweit es nicht anders erwähnt ist, werden im Text die Arbeitslosen auf alle zivilen Erwerbspersonen bezogen.

Hinweis zum Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit (BA-X): Da die saisonbereinigten Werte monatlich neu berechnet werden und damit die Zeitreihe neu erstellt wird, kann es zu Abweichungen von den früher veröffentlichten Monatsversionen des BA-X kommen. Zudem werden seit dem Berichtsmonat Juli 2014 – rückwirkend ab Januar 2013 – auch sogenannte Kooperationspartnerstellen berücksichtigt. Die Grundgesamtheit für die Berechnung des BA-X hat sich damit leicht erhöht, entsprechend kommt es zu Abweichungen gegenüber früheren Veröffentlichungen.

Weitere Informationen zum Thema Arbeitslosenquote erhalten Sie hier...

Weitere Informationen zur Stillen Reserve erhalten Sie hier...

Arbeitslose und Arbeitslosenquote

In absoluten Zahlen und in Prozent der Erwerbspersonen, 1980 bis 2018

Arbeitslose
Deutschland West­deutschland 1 Ost-
deutschland 2
2018 2.340.082 1.758.627 581.455
2017 2.532.837 1.894.294 638.543
2016 2.690.975 1.978.672 712.303
2015 2.794.664 2.020.503 774.162
2014 2.898.388 2.074.553 823.835
2013 2.950.338 2.080.342 869.995
2012 2.897.126 1.999.918 897.209
2011 2.976.488 2.026.545 949.943
2010 3.238.965 2.227.473 1.011.492
2009 3.414.992 2.314.215 1.100.777
2008 3.258.954 2.138.778 1.120.175
2007 3.760.586 2.475.528 1.285.058
2006 4.487.305 3.007.158 1.480.146
2005 4.860.909 3.246.755 1.614.154
2004 4.381.281 2.782.759 1.598.522
2003 4.376.795 2.753.181 1.623.614
2002 4.061.345 2.498.392 1.562.953
2001 3.852.564 2.320.500 1.532.064
2000 3.889.695 2.380.987 1.508.707
1999 4.100.499 2.604.720 1.495.779
1998 4.280.630 2.751.535 1.529.095
1997 4.384.456 2.870.021 1.514.435
1996 3.965.064 2.646.442 1.318.622
1995 3.611.921 2.427.083 1.184.838
1994 3.698.057 2.426.276 1.271.781
1993 3.419.141 2.149.465 1.269.676
1992 2.978.570 1.699.273 1.279.297
1991 2.602.203 1.596.457 1.005.745
1990 1.883.147
1989 2.037.781
1988 2.241.556
1987 2.228.788
1986 2.228.004
1985 2.304.014
1984 2.265.559
1983 2.258.235
1982 1.833.244
1981 1.271.574
1980 888.900

Anteil der Arbeitslosen an allen zivilen Erwerbspersonen, in Prozent
Deutschland West­deutschland 1 Ost-
deutschland 2
2018 5,2 4,8 6,9
2017 5,7 5,3 7,6
2016 6,1 5,6 8,5
2015 6,4 5,7 9,2
2014 6,7 5,9 9,8
2013 6,9 6,0 10,3
2012 6,8 5,9 10,7
2011 7,1 6,0 11,3
2010 7,7 6,6 12,0
2009 8,1 6,9 13,0
2008 7,8 6,4 13,1
2007 9,0 7,4 15,0
2006 10,8 9,1 17,3
2005 11,7 9,9 18,7
2004 10,5 8,5 18,4
2003 10,5 8,4 18,5
2002 9,8 7,6 17,7
2001 9,4 7,2 17,3
2000 9,6 7,6 17,1
1999 10,5 8,6 17,3
1998 11,1 9,2 17,8
1997 11,4 9,6 17,7
1996 10,4 8,9 15,5
1995 9,4 8,1 13,9
1994 9,6 8,1 14,8
1993 8,9
1992 7,7
1991
1990 6,4
1989 7,1
1988 7,7
1987 7,9
1986 7,9
1985 8,2
1984 8,1
1983 8,1
1982 6,7
1981 4,8
1980 3,3

Anteil der Arbeitslosen an den abhängigen zivilen Erwerbspersonen, in Prozent
Deutschland West­deutschland 1 Ost-
deutschland 2
2018 5,8 5,3 7,6
2017 6,3 5,8 8,4
2016 6,8 6,2 9,4
2015 7,1 6,4 10,3
2014 7,5 6,7 11,0
2013 7,7 6,7 11,6
2012 7,6 6,6 11,9
2011 7,9 6,7 12,6
2010 8,6 7,4 13,4
2009 9,1 7,8 14,5
2008 8,7 7,2 14,6
2007 10,1 8,3 16,7
2006 12,0 10,2 19,2
2005 13,0 11,0 20,6
2004 11,7 9,4 20,1
2003 11,6 9,3 20,1
2002 10,8 8,5 19,2
2001 10,3 8,0 18,8
2000 10,7 8,4 18,5
1999 11,7 9,6 18,7
1998 12,3 10,3 19,2
1997 12,7 10,8 19,1
1996 11,5 9,9 16,6
1995 10,4 9,1 14,8
1994 10,6 9,0 15,7
1993 9,8 8,0 15,4
1992 8,5 6,4 14,4
1991 7,3 6,2 10,2
1990 7,2
1989 7,9
1988 8,7
1987 8,9
1986 9,0
1985 9,3
1984 9,1
1983 9,1
1982 7,5
1981 5,5
1980 3,8

1 bis 1990 mit Berlin-West, ab 1991 ohne Berlin
2 mit Berlin


Quelle: Bundesagentur für Arbeit (BA): Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf 01/2019


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