Datenreport 2021.

10.3.2021 | Von:
Kristina Kott

Armut oder soziale Ausgrenzung: der AROPE-Indikator

Das Merkmal der Erwerbsintensität spielt – wie bereits erwähnt – eine wichtige Rolle bei der Messung der Armutsgefährdungsquote. Personen aus Haushalten mit einer sehr geringen Erwerbsintensität weisen auch ein überdurchschnittlich hohes Armutsgefährdungsrisiko auf (2018: 68,5 %). Im Jahr 2018 lebten 8,1 % der Bevölkerung in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsintensität. Dieser Anteil ist trotz geringfügiger Schwankungen seit 2008 (11,7 %; siehe Abbildung 1) stetig leicht zurückgegangen.

Basierend auf den bisher vorgestellten beiden Sozialindikatoren zur Armutsgefährdung und zur erheblichen materiellen Entbehrung wurde unter Einbeziehung des Merkmals der sehr niedrigen Erwerbsintensität ein weiterer Indikator für die Sozialberichterstattung gebildet: der AROPE-Indikator (At Risk Of Poverty or social Exclusion). Er gilt heute als die zentrale statistische Kennziffer für die Messung von Armutsgefährdung oder sozialer Ausgrenzung.

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Info 7

AROPE-Indikator

Die zentrale statistische Kennziffer für die Messung von Armutsgefährdung oder sozialer Ausgrenzung ist der AROPE-Indikator (At Risk Of Poverty or social Exclusion). Es handelt sich dabei um einen zusammengesetzten Indikator, in dem neben den Aspekten Armuts-gefährdung und materielle Entbehrung zusätzlich die gemessene Erwerbsintensität im Haushalt berücksichtigt wird. Personen aus Haushalten mit einer sehr geringen Erwerbsintensität weisen auch ein überdurchschnittlich hohes Armutsgefährdungsrisiko auf. Insofern wird hier angenommen, dass Haushalte mit einer sehr geringen Erwerbsbeteiligung der Haushaltsmitglieder – ob freiwillig oder unfreiwillig (zum Beispiel aufgrund von Arbeitslosigkeit oder Krankheit) – sich in einer eher prekären Lebenslage befinden. Damit sind sie eher von sozialer Ausgrenzung bedroht als Haushalte mit einer hohen Erwerbsbeteiligung. Rentnerhaushalte, für die eine Erwerbsbeteiligung in der Regel nicht mehr relevant ist, bleiben hier unberücksichtigt.

Für den AROPE-Indikator werden alle Personen gezählt, für die mindestens eine der drei folgenden Bedingungen zutrifft:
  • Das Einkommen der Person liegt unter der Armutsgefährdungsgrenze.
  • Die Person lebt in einem Haushalt, auf den erhebliche materielle Entbehrung zutrifft.
  • Die Person lebt in einem Haushalt mit einer sehr geringen Erwerbsbeteiligung (unter 20 %) der erwerbsfähigen Haushaltsmitglieder.
Trifft mindestens einer dieser drei Aspekte auf eine Person zu, so gilt diese Person als "armutsgefährdet oder von sozialer Ausgrenzung bedroht".

Auf der Grundlage des AROPE-Indikators waren im Jahr 2018 in Deutschland 18,7 % armutsgefährdet oder von sozialer Ausgrenzung bedroht. Bei den einkommensärmsten 20 % (erstes Quintil) der Bevölkerung traf dies für die deutliche Mehrheit zu: Hier waren 81,7 % der Personen armutsgefährdet oder von sozialer Ausgrenzung bedroht. Im zweiten Quintil – also der nächsthöheren Einkommensschicht – waren dagegen nur noch 8,0 % der Personen armutsgefährdet oder von sozialer Ausgrenzung bedroht. In den höheren Einkommensschichten war der Anteil wesentlich geringer und verdeutlicht damit den engen Zusammenhang zwischen Einkommenslage, Erwerbssituation und materieller Entbehrung.
AROPE-Indikator und seine Teilaspekte — in Prozent der BevölkerungAROPE-Indikator und seine Teilaspekte — in Prozent der Bevölkerung Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohte Bevölkerung (AROPE-Indikator) nach Einkommensquintilen — in ProzentVon Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohte Bevölkerung (AROPE-Indikator) nach Einkommensquintilen — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Im Zeitverlauf ist der Anteil der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Bevölkerung leichten Schwankungen unterworfen. Während er im Jahr 2008 bei 20,1 % lag, wies er in den Jahren 2010 bis 2012 Werte leicht unter 20 % auf. Nach einem Anstieg bis auf 20,6 % im Jahr 2014 liegen die Werte seit 2016 wieder unter der 20-Prozent-Marke. Das Jahr 2018 wies mit 18,7 % den niedrigsten Wert seit 2008 auf (siehe Abbildung 1).

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