Datenreport 2021.

10.3.2021 | Von:
Andreas Mergenthaler, Frank Micheel

Zusammenfassung und Ausblick

Insgesamt lassen die Ergebnisse den Schluss zu, dass eine Zunahme der Erwerbsbeteiligung im Ruhestandsalter, wie wir sie in Deutschland in den vergangenen Jahren beobachten konnten, zu einem gewissen Wandel des institutionell vorgegebenen Eintritts in den Ruhestand führt, diesen aber nicht völlig auflöst. Vielmehr kommt es an der Grenze zwischen einem "pünktlichen" und einem verzögerten Ruhestandseintritt zu einer gewissen Aufweichung und Pluralisierung von Verrentungspfaden. Eine zeitlich begrenzte Erwerbstätigkeit trotz Ruhestand kann als eine ganz persönliche Anpassungsstrategie im Übergang vom Erwerbsleben zur Ruhephase interpretiert werden. Darüber hinaus wird vor dem Hintergrund der besonderen demografischen Dynamik in den kommenden zehn Jahren Erwerbstätigkeit im Ruhestandsalter auf einer gesellschaftlichen und politischen Ebene als ein wichtiger Bestandteil des aktiven Älterwerdens wahrgenommen werden. Jedoch machen die Ergebnisse der Studie TOP deutlich, dass nennenswerte, gesamtwirtschaftliche Wachstumsimpulse unter Berücksichtigung von Erwerbsvolumen und Einkommenshöhe eher nicht zu erwarten sind. Auch dürfte sich auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene der "rastlose, stets arbeitswillige Rentner" nicht als Rollenvorbild eignen – die Mehrzahl der Menschen im Ruhestandsalter ist nicht weiter am Arbeitsmarkt tätig und äußert auch keine Absicht hierzu.

Bei der Findung von Strategien zur Erschließung von Potenzialen für eine bezahlte Arbeit im Ruhestand sind verschiedene Aspekte zu beachten. Erwerbstätigkeit im Ruhestandsalter ist im Rahmen der persönlichen Lebensgestaltung nur eine unter vielen Optionen, und verlässliche Politik für ältere Menschen sollte stets darauf achten, dass sie weiterhin einen freiwilligen Charakter behält. Politisch Verantwortliche sollten sich immer bewusst sein, dass sich die meisten Menschen nach einer jahrzehntelangen Erwerbskarriere auf die Ruhephase freuen, unabhängig davon, ob diese Personen eine hohe Arbeitszufriedenheit in ihren vergangenen Berufskarrieren hatten oder nicht. Diese Wahlfreiheit sollte ihnen weiterhin zustehen und die Norm des wohlverdienten Ruhestands sollte nicht infrage gestellt werden. Vielmehr scheint es eine sinnvolle Strategie zu sein, das Spektrum der Wahlmöglichkeiten dahingehend zu erweitern, dass diejenigen, die im Ruhestand noch arbeiten möchten und können, dies auch dürfen. Flexible Möglichkeiten schaffen und durch Altersdiskriminierung entstandene Barrieren abbauen sind in diesem Fall vielversprechende Stellschrauben.

Die gesellschaftspolitische Herausforderung besteht jedoch darin, diejenigen nicht zu stigmatisieren, die entweder im Ruhestand nicht arbeiten möchten oder es beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr können. In diesem Kontext sollte die soziale Vielfalt im Ruhestandsalter kritisch im Blick behalten werden. Eine drohende Spaltung dieser besonderen Arbeitsmärkte gilt es zu verhindern, denn es gibt einerseits Personen, die über die erforderlichen individuellen Ressourcen – vor allem im Hinblick auf Gesundheit und Bildung – verfügen. Diesen fällt es relativ leicht, einen "Seniorenjob" nach ihren persönlichen Präferenzen zu wählen und auszuüben. Personen mit geringem Einkommen im Ruhestand haben es dagegen schwerer, wenn sie sich unter Umständen gezwungen sehen, prekäre Arbeitsbedingungen akzeptieren zu müssen, um eine Altersarmut abzuwenden.

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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 4.0 - Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International" veröffentlicht. Autor/-in: Frank Micheel Andreas Mergenthaler für bpb.de

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