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Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

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23.4.2013

Armutsgefährdungsquoten nach Alter

In den letzten Jahren stand das Thema Altersarmut häufig im Mittelpunkt öffentlicher und politischer Diskussionen. Zumindest für die Gegenwart ist jedoch festzustellen, dass Personen ab 65 Jahre nicht auffallend häufig armutsgefährdet sind.

Armutsgefährdungsquoten nach AlterKlicken Sie auf die Grafik, um das PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-sa/3.0/de

Fakten

In den letzten Jahren stand das Thema Altersarmut häufig im Mittelpunkt öffentlicher und politischer Diskussionen. Zumindest für die Gegenwart ist jedoch festzustellen, dass Personen ab 65 Jahre in Westdeutschland nicht auffallend häufig und in Ostdeutschland sogar seltener als andere Altersgruppen armutsgefährdet sind.

Nach Ergebnissen des Mikrozensus lag in Westdeutschland die Armutsgefährdungsquote der Männer im Jahr 2011 insgesamt bei 13,1 Prozent. Bei den 65-jährigen und älteren Männern waren lediglich 11,5 Prozent armutsgefährdet. Bei den Frauen lag die Armutsgefährdungsquote der älteren nur leicht über der Quote aller Frauen (15,7 gegenüber 14,8 Prozent).

In Ostdeutschland lag 2011 sowohl die Armutsgefährdungsquote der 65-jährigen und älteren Männer (9,5 Prozent) als auch die der 65-jährigen und älteren Frauen (13,0 Prozent) unter der Quote der Männer bzw. Frauen insgesamt (jeweils 19,5 Prozent). Noch besser stellen sich die Personen ab 65 Jahre, wenn die Berechnung der Armutsgefährdungsquote nicht auf dem durchschnittlichen Einkommen in Deutschland basiert (Bundesmedian), sondern wenn Ostdeutschland gesondert betrachtet wird, die Berechnung der Armutsgefährdungsquote also auf dem Durchschnittseinkommen in Ostdeutschland basiert (regionaler Median). Bei dieser Berechnungsvariante lag die Armutsgefährdungsquote der Männer im Jahr 2011 insgesamt bei 13,9 Prozent und die der 65-jährigen und älteren Männer bei lediglich 4,9 Prozent. Bei den Frauen waren insgesamt 13,0 Prozent armutsgefährdet, bei den älteren Frauen waren es nur 7,3 Prozent.

Die geringere Armutsgefährdung von Seniorinnen und Senioren bestätigt sich auch bei einer Betrachtung eines längeren Zeitraums: In allen Jahren von 2005 bis 2011 waren deutschlandweit sowohl die 65-jährigen und älteren Männer als auch die 65-jährigen und älteren Frauen seltener armutsgefährdet als die Männer bzw. Frauen insgesamt.

Entsprechend ist auch nur ein kleiner Teil der 65-jährigen und älteren Personen auf Grundsicherung im Alter (Sozialhilfe) als Haupteinkommensquelle angewiesen (2011: 0,8 Prozent). Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erhielten am Jahresende 2011 insgesamt 436.210 Personen ab 65 Jahre die Grundsicherung im Alter (2,6 Prozent) – größtenteils als Ergänzung zu ihrer Rente. Bei den Frauen lag der Anteil etwas höher als bei den Männern (2,9 gegenüber 2,2 Prozent). Auf der anderen Seite kann ein ebenfalls geringer Teil der Personen ab 65 Jahre überwiegend von Vermögenswerten und den damit verbundenen Einkünften leben (1,3 Prozent).

Bestätigt werden die Ergebnisse des Mikrozensus durch die EU-Statistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC). Danach galten 2010 lediglich 14,2 Prozent der 65-Jährigen oder Älteren als armutsgefährdet, in der Gesamtbevölkerung waren es 15,8 Prozent. Weiter entsprach im Jahr 2009 das mittlere Jahreseinkommen der Personen ab 65 Jahre in Deutschland 91 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung (17.167 gegenüber 18.797 Euro). In der Mehrzahl der europäischen Länder waren die mittleren Einkommen der Seniorinnen und Senioren sowohl absolut als auch relativ zum Durchschnittseinkommen der Gesamtbevölkerung niedriger als in Deutschland.

Im Rahmen der Statistik EU-SILC wird zudem die materielle Ausstattung der Haushalte beziehungsweise die materielle Entbehrung ermittelt. Auch hier schneiden die Personen ab 65 Jahre in Deutschland überdurchschnittlich gut ab: Nur rund zwei Prozent von ihnen lebten im Jahr 2009 in Haushalten, die materiell erheblich eingeschränkt sind. Deutschlandweit waren es 4,5 Prozent aller Personen, EU-weit sogar 8,1 Prozent.

Bei den aufgeführten Daten ist zu berücksichtigen, dass diese die gegenwärtige Lage beschreiben. Gerade auch weil der Anteil atypischer Beschäftigungsverhältnisse – darunter Teilzeitbeschäftigung, befristete Arbeitsverhältnisse und Leiharbeit – in den letzten 20 Jahren gestiegen und der Anteil der Normalarbeitsverhältnisse gesunken ist, kann Altersarmut künftig zunehmen. Die erzielten Erwerbseinkommen sind für die meisten Personen die wichtigste Grundlage für die Altersvorsorge. Wenn die Einkommen sinken, vermindern sich die Ansprüche im Bereich der gesetzlichen Rentenversicherung und schränken sich die Möglichkeiten der privaten Vorsorge ein.

Datenquelle

Statistisches Bundesamt: Mikrozensus, STATmagazin: Senioren in Deutschland

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Die Armutsgefährdungsquote gibt an, wie hoch der Anteil der armutsgefährdeten Personen an einer Gesamtgruppe ist. Als armutsgefährdet gelten Personen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Bei der Einkommensberechnung werden sowohl die unterschiedlichen Haushaltsstrukturen als auch die Einspareffekte berücksichtigt, die durch das Zusammenleben entstehen. Die Einkommen werden also gewichtet.

Um das mittlere Einkommen zu berechnen, wird der Median (Zentralwert) verwendet. Dabei werden hier alle Personen ihrem gewichteten Einkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der Einkommenswert derjenigen Person, die die Bevölkerung in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat ein höheres, die andere ein niedrigeres gewichtetes Einkommen. 60 Prozent dieses Medianwertes stellen die Armutsgefährdungsgrenze dar.

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Tabelle: Armutsgefährdungsquoten nach Alter

Nach Altersgruppen und Geschlecht, gemessen am Bundesmedian sowie am regionalen Median*,
in Prozent, 2011

Basis:
mittlere Einkommen*
auf Bundesebene
Basis:
mittlere Einkommen*
auf regionaler Ebene
Westdeutschland
Männer Frauen Männer Frauen
insgesamt 13,1 14,8 14,4 16,3
18 bis unter 25 19,8 22,8 21,3 24,5
25 bis unter 50 11,6 12,8 12,7 14,1
50 bis unter 65 10,5 11,6 11,5 12,8
65 und älter 11,5 15,7 13,0 17,5
Ostdeutschland
Männer Frauen Männer Frauen
insgesamt 19,5 19,5 13,9 13,0
18 bis unter 25 30,5 33,9 23,4 26,0
25 bis unter 50 19,9 19,7 14,8 13,5
50 bis unter 65 19,6 18,8 14,4 12,8
65 und älter 9,5 13,0 4,9 7,3

* um das mittlere Einkommen zu berechnen, wird der Median (Zentralwert) verwendet. Dabei werden hier alle Personen ihrem gewichteten Einkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der Einkommenswert derjenigen Person, die die Bevölkerung in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat ein höheres, die andere ein niedrigeres gewichtetes Einkommen. 60 Prozent dieses Medianwertes stellen die Armutsgefährdungsgrenze dar.

Quelle: Statistisches Bundesamt: Mikrozensus

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