Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland
28.11.2020

Erwerbstätige nach Wirtschaftssektoren

Anteile in Prozent, 1950 bis 2019

Quelle: Statistisches Bundesamt: Ergebnisse der Erwerbstätigenrechnung im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR)
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In den letzten 50 Jahren hat sich die Bedeutung der einzelnen Wirtschaftssektoren für die Beschäftigung deutlich verschoben. 1970 arbeiteten 8,4 Prozent aller Erwerbstätigen im Bereich Land-/Forstwirtschaft und Fischerei. 2019 waren es nur noch 1,3 Prozent. Auch beim produzierenden Gewerbe halbierte sich der Anteil an allen Erwerbstätigen zwischen 1970 und 2019 von 46,5 auf 24,1 Prozent. Die Bedeutung des Dienstleistungssektors hat sich hingegen erhöht: Der Anteil der im tertiären Sektor Beschäftigten an allen Erwerbstätigen stieg von 45,1 Prozent 1970 auf 74,5 Prozent 2019.

Fakten

Bei einer grundlegenden Klassifizierung wirtschaftlicher Tätigkeiten werden drei Sektoren unterschieden: Der primäre Sektor umfasst die Bereiche Land-/Forstwirtschaft und Fischerei, der sekundäre Sektor das produzierende Gewerbe und der tertiäre Sektor den Dienstleistungsbereich sowie die übrigen Wirtschaftsbereiche. Nach Ergebnissen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen waren 1970 noch 8,4 Prozent aller Erwerbstätigen im Bereich Land-/Forstwirtschaft und Fischerei tätig, 1995 lag der Anteil bei 2,3 Prozent und im Jahr 2019 waren es nur noch 1,3 Prozent. Auch der sekundäre Sektor hat an Bedeutung verloren: Entfielen 1970 noch 46,5 Prozent der Erwerbstätigen auf das produzierende Gewerbe, verringerte sich der Anteil bis 1995 kontinuierlich auf 31,9 Prozent. Im Jahr 2019 war nur noch knapp jeder vierte Erwerbstätige im sekundären Sektor tätig (24,1 Prozent). Entsprechend dieser Entwicklungen hat sich die Bedeutung des Dienstleistungssektors für die Beschäftigung stetig erhöht: Der Anteil der im tertiären Sektor Beschäftigten an allen Erwerbstätigen stieg von 45,1 Prozent 1970 auf 65,9 Prozent im Jahr 1995 und weiter auf 74,5 Prozent 2019.

Die Wirtschaftssektoren gliedern sich in verschiedene Wirtschaftszweige. Als Wirtschaftszweig (oder Branche) wird eine Gruppe von Unternehmen oder Einrichtungen bezeichnet, die im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit ähnliche Produkte herstellen oder ähnliche Dienstleistungen erbringen. Nach Angaben des Mikrozensus arbeitete im Jahr 2018 fast jeder fünfte Erwerbstätige im verarbeitenden Gewerbe (19,1 Prozent). 13,9 Prozent entfielen auf den Bereich Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen und 13,0 Prozent auf das Gesundheits- und Sozialwesen. Darauf folgten die Erwerbstätigen in den Bereichen öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung (6,9 Prozent), Baugewerbe (6,7 Prozent), Erziehung und Unterricht (6,7 Prozent), freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen (5,7 Prozent) sowie Verkehr und Lagerei (5,1 Prozent).

Der Anteil der erwerbstätigen Frauen fällt in den einzelnen Wirtschaftssektoren unterschiedlich aus. Am niedrigsten war er im Jahr 2018 beim produzierenden Gewerbe mit 23,8 Prozent. Im Sektor Land-/Forstwirtschaft und Fischerei waren 31,5 Prozent aller Erwerbstätigen weiblich. Beim beschäftigungsintensivsten Bereich, dem Dienstleistungssektor, war der Frauenanteil mit 55,6 Prozent am höchsten.

Bezogen auf die oben genannten Wirtschaftszweige fallen die Unterschiede zum Teil noch größer aus. So waren im Gesundheits- und Sozialwesen 76,8 Prozent aller Erwerbstätigen weiblich und im Bereich Erziehung und Unterricht lag der Anteil bei 71,7 Prozent. Auf der anderen Seite lag der Frauenanteil beim Wirtschaftszweig Verkehr und Lagerei bei lediglich 24,9 Prozent, im Baugewerbe waren es nur 13,8 Prozent.

Bei den gemachten Angaben ist zu beachten, dass die Verteilung auf die verschiedenen Sektoren nicht immer mit der eigentlichen Tätigkeit eines Beschäftigten gleichgesetzt werden kann. So arbeiten Beschäftigte im produzierenden Gewerbe nicht notwendigerweise in der eigentlichen Produktion, sondern können auch in der kaufmännischen Abteilung eines Industriebetriebs tätig sein.

Datenquelle

Statistisches Bundesamt: Ergebnisse der Erwerbstätigenrechnung im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR), Mikrozensus: Erwerbstätige nach Wirtschaftszweigen; Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB): Daten zur kurzfristigen Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt 04/2013 und 04/2020

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Informationen zur Erwerbstätigkeit nach Stellung im Beruf erhalten Sie hier...

Der Mikrozensus ist die größte jährliche Haushaltsbefragung der amtlichen Statistik in Deutschland: Mit rund 810.000 Personen in etwa 370.000 privaten Haushalten und Gemeinschaftsunterkünften wird fast 1 Prozent der Bevölkerung in Deutschland zu seinen Arbeits- und Lebensbedingungen befragt.

Informationen zu den Abweichungen zwischen Erwerbstätigenrechnung (im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen) und Mikrozensus bei der Zahl der Erwerbstätigen erhalten Sie hier: https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Methoden/Erlaeuterungen/erlaeuterungen-etr-zum-mz.html

Erwerbstätige nach Wirtschaftssektoren

Anteile in Prozent, 1950 bis 2019

Erwerbstätige Wirtschaftssektoren 1
Land- und Forstwirtschaft,
Fischerei
(primärer Sektor)
produzierendes
Gewerbe
(sekundärer Sektor)
Dienstleistungen,
übrige Wirtschafts-
bereiche
(tertiärer Sektor)
in Tsd. Anteile, in Prozent
2019 45.236 1,3 24,1 74,5
2018 44.854 1,4 24,1 74,5
2017 44.248 1,4 24,1 74,5
2016 43.655 1,4 24,2 74,4
2015 43.122 1,5 24,4 74,2
2014 42.721 1,5 24,6 73,9
2013 42.350 1,5 24,6 73,8
2012 42.019 1,5 24,7 73,7
2011 41.544 1,6 24,6 73,8
2010 41.048 1,6 24,4 74,0
2009 40.903 1,6 24,8 73,6
2008 40.838 1,6 25,3 73,1
2007 40.272 1,6 25,2 73,2
2006 39.595 1,7 25,3 73,1
2005 39.311 1,7 25,7 72,6
2004 39.362 1,8 26,2 72,0
2003 39.237 1,8 26,7 71,5
2002 39.666 1,8 27,3 70,9
2001 39.859 1,8 28,0 70,2
2000 39.971 1,9 28,4 69,7
1999 39.120 2,0 29,1 69,0
1998 38.495 2,0 29,8 68,2
1997 38.040 2,1 30,3 67,6
1996 38.057 2,1 31,0 66,8
1995 38.042 2,3 31,9 65,9
1994 37.879 2,4 32,4 65,2
1993 37.863 2,5 33,2 64,2
1992 38.360 2,7 34,3 63,0
1991 38.871 3,0 35,6 61,3
1990 2 30.409 3,5 36,6 59,9
1989 29.480 3,7 36,7 59,6
1988 28.937 3,9 36,9 59,2
1987 28.531 4,1 37,3 58,6
1986 28.138 4,3 37,8 57,9
1985 27.608 4,4 38,1 57,5
1984 27.226 4,6 38,5 56,9
1983 26.993 4,8 38,9 56,3
1982 27.241 4,9 39,6 55,5
1981 27.453 5,0 40,5 54,5
1980 27.420 5,1 41,1 53,8
1979 26.968 5,3 41,2 53,6
1978 26.457 5,7 41,3 53,0
1977 26.198 5,9 41,8 52,4
1976 26.139 6,2 41,8 52,1
1975 26.248 6,6 42,4 51,0
1974 26.924 6,8 44,0 49,1
1973 27.181 7,1 44,9 47,9
1972 26.857 7,5 45,2 47,2
1971 26.710 7,9 46,1 46,0
1970 26.589 8,4 46,5 45,1
1969 26.228 9,1 48,5 42,3
1968 25.826 9,8 47,7 42,5
1967 25.804 10,2 47,5 42,3
1966 26.673 10,5 48,8 40,7
1965 26.755 10,7 49,2 40,1
1964 26.604 11,3 48,8 39,9
1963 26.581 11,8 48,6 39,5
1962 26.518 12,5 48,7 38,8
1961 26.426 13,1 48,5 38,5
1960 26.063 13,7 47,9 38,3
1959 2 24.171 15,4 47,2 37,4
1958 23.895 16,2 47,3 36,5
1957 23.683 16,9 47,5 35,6
1956 23.154 17,5 47,7 34,8
1955 22.500 18,5 47,1 34,4
1954 21.671 19,7 45,9 34,5
1953 21.074 20,8 45,2 34,0
1952 20.522 21,9 44,6 33,4
1951 20.091 23,1 44,2 32,7
1950 19.570 24,6 42,9 32,5

1 1950 bis 1969: Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 1979 (WZ1979); 1970 bis 1990: WZ2003; ab 1991: WZ2008.

2 bis 1990 früheres Bundesgebiet; 1950 bis 1959 ohne Berlin und Saarland.


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