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Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland

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3.6.2013

Ausgewählte Arbeitslosenquoten I

Wird die Erwerbsbevölkerung nach dem höchsten erreichten Bildungsstand unterschieden, zeigt sich, dass die Arbeitslosenquote in erheblichem Maße durch den Bildungsabschluss beeinflusst wird.

Ausgewählte Arbeitslosenquoten IKlicken Sie auf die Grafik, um das PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten

Im Jahr 2011 lag die Arbeitslosenquote in Deutschland laut Eurostat bei 6,0 Prozent. Wird die Erwerbsbevölkerung nach dem höchsten erreichten Bildungsstand unterschieden, zeigt sich, dass die Arbeitslosenquote in erheblichem Maße durch den Bildungsabschluss beeinflusst wird. Deutschlandweit waren im Jahr 2011 lediglich 2,5 Prozent der Erwerbsbevölkerung mit einem hohen Bildungsstand arbeitslos (Bildungsstand nach der Klassifikation ISCED – International Standard Classification of Education). Bei der Erwerbsbevölkerung mit einem mittleren Bildungsstand waren es im selben Jahr 5,8 Prozent. Schließlich lag die Arbeitslosenquote der Erwerbsbevölkerung mit niedrigem Bildungsstand bei 13,3 Prozent.

Auch in früheren Jahren lag die Arbeitslosenquote der Erwerbsbevölkerung mit einem niedrigen Bildungsstand über der Quote der Erwerbsbevölkerung mit einem hohen Bildungsstand. Allerdings hat sich der Abstand zwischen den Gruppen kontinuierlich vergrößert: Während das Risiko, von Arbeitslosigkeit betroffen zu sein, bei einem niedrigen Bildungsstand im Jahr 1992 lediglich etwa doppelt so hoch war wie bei einem hohen Bildungsstand (Faktor 2,2), war es im Jahr 2000 schon dreimal so hoch. 2006 war das Risiko, arbeitslos zu sein, bei einem niedrigen Bildungsstand fast viermal und im Jahr 2011 gut fünfmal so hoch wie bei einem hohen Bildungsstand (Faktor 3,9 bzw. 5,3).

Bezogen auf die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) war im Jahr 2011 der Zusammenhang zwischen Bildung und Arbeitslosigkeit nur in der Tschechischen Republik, der Slowakei, Litauen, Malta und Ungarn stärker ausgeprägt als in Deutschland (dabei galt im selben Jahr in allen Mitgliedstaaten der EU sowie in Island, Kroatien, der ehem. j. R. Mazedonien, Norwegen, der Schweiz und der Türkei, dass das Risiko, arbeitslos zu sein, bei der Erwerbsbevölkerung mit einem niedrigen Bildungsstand größer war als bei der Erwerbsbevölkerung mit einem hohen Bildungsstand).

Weniger auffällig, aber immer noch deutlich, sind die Unterschiede bei den Arbeitslosenquoten, wenn verschiedene Altersgruppen verglichen werden. So lag nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Jahr 2012 die Arbeitslosenquote der 15- bis unter 20-Jährigen bei 3,6 Prozent und entsprach damit weniger als der Hälfte der Quote aller Erwerbspersonen (7,6 Prozent). Auch die Arbeitslosenquote der 15- bis unter 25-Jährigen war mit 6,0 Prozent niedriger als die Gesamtquote (jeweils bezogen auf die abhängigen zivilen Erwerbspersonen). Anders sieht es bei den 55- bis unter 65-jährigen Personen aus: Hier lag die Arbeitslosenquote im Jahr 2012 1,4 Prozentpunkte über der Quote aller Erwerbspersonen (8,2 gegenüber 6,8 Prozent, jeweils bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen). Im Gegensatz zu den Daten der BA war laut Eurostat die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen im Jahr 2011 höher als die Quote der 25- bis unter 65-Jährigen. Allerdings sind auch hier die Unterschiede gering. Deutschland ist sogar der EU-Mitgliedstaat, in dem 2011 der Einfluss des Alters auf die Höhe der Arbeitslosenquote am niedrigsten war.

Datenquelle

Bundesagentur für Arbeit (BA): Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf 02/2013; Eurostat: Online-Datenbank: Arbeitslosenquoten nach Geschlecht, Alter und höchstem erreichten Bildungsgrad (Stand: 03/2013)

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Ausführliche Informationen zur "ISCED-Klassifikation" (International Standard Classification of Education) erhalten Sie zum Beispiel bei der Europäischen Kommission.

Arbeitslose sind nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch (§ 16 SGB III) Personen, die vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, das 15 Wochenstunden und mehr umfasst, eine versicherungspflichtige Beschäftigung von mindestens 15 Wochenstunden suchen, dabei den Vermittlungsbemühungen der Agenturen für Arbeit oder des Jobcenters zur Verfügung stehen und sich dort persönlich arbeitslos gemeldet haben. Zudem müssen sie in der Bundesrepublik Deutschland wohnen, nicht jünger als 15 Jahre sein und die Altersgrenze für den Renteneintritt noch nicht erreicht haben. Schüler, Studenten oder Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik gelten nicht als arbeitslos.

Die Arbeitslosenquote entspricht dem prozentualen Anteil der Arbeitslosen an den Erwerbspersonen. Die Erwerbspersonen setzen sich aus den Erwerbstätigen und den Arbeitslosen zusammen. Je nach Definition werden die Arbeitslosen auf die abhängigen zivilen Erwerbspersonen oder auf alle zivilen Erwerbspersonen bezogen.

Alle abhängigen zivilen Erwerbspersonen ergeben sich aus der Summe der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (einschließlich Auszubildender), der geringfügig Beschäftigten, der Beamten (ohne Soldaten und Soldatinnen), der Personen in Arbeitsgelegenheiten (Mehraufwandvariante), der Grenzpendler sowie der Arbeitslosen. Diese Art der Quotenberechnung hat in Deutschland die längere Tradition. Alle zivilen Erwerbspersonen ergeben sich aus der Summe der abhängigen zivilen Erwerbspersonen sowie der Selbstständigen und mithelfenden Familienangehörigen.

Bezogen auf die Arbeitslosigkeit nach höchstem erreichten Bildungsgrad zählt Eurostat zu den Arbeitslosen alle Personen von 15 bis 64 Jahren,
- die während der Berichtswoche ohne Arbeit waren,
- die in den zwei auf die Berichtswoche folgenden Wochen für eine abhängige Beschäftigung oder eine selbstständige Tätigkeit verfügbar waren und
- die innerhalb der letzten vier Wochen (einschließlich der Berichtswoche) spezifische Schritte unternommen haben, um eine abhängige Beschäftigung oder eine selbstständige Tätigkeit zu finden oder die einen Arbeitsplatz gefunden haben, die Beschäftigung aber erst später, das heißt innerhalb eines Zeitraums von höchstens drei Monaten aufnehmen.

Erwerbstätige sind Personen im Alter von mindestens 15 Jahren, die in der Berichtswoche (der EU-Arbeitskräfteerhebung) gegen Entgelt, zur Gewinnerzielung oder zur Mehrung des Familieneinkommens mindestens eine Stunde gearbeitet haben oder nicht gearbeitet haben, jedoch einen Arbeitsplatz hatten, von dem sie vorübergehend abwesend waren (zum Beispiel aufgrund von Krankheit, Urlaub, Streik, Aus- oder Weiterbildungsmaßnahmen).

Weitere Informationen zur "Arbeitslosigkeit in Europa" erhalten Sie hier...

Tabelle: Ausgewählte Arbeitslosenquoten I

In Prozent, 1991 bis 2012

  nach Alter
insgesamt* 15 bis unter 20 Jahre* 15 bis unter 25 Jahre* 55 bis unter 65 Jahre**
1991 7,3 - - -
1992 8,5 - - -
1993 9,8 6,5 8,5 -
1994 10,6 7,2 9,5 -
1995 10,4 7,9 9,5 -
1996 11,5 9,0 11,0 -
1997 12,7 9,6 12,2 -
1998 12,3 9,3 11,8 -
1999 11,7 8,5 10,5 -
2000 10,7 6,8 9,5 -
2001 10,3 5,8 9,1 -
2002 10,8 5,4 9,7 -
2003 11,6 4,5 9,9 -
2004 11,7 4,2 9,9 -
2005 13,0 7,4 12,5 -
2006 12,0 6,8 10,8 -
2007 10,1 5,4 8,5 -
2008 8,7 4,4 7,2 7,9
2009 9,1 4,4 8,0 8,7
2010 8,6 3,9 6,9 8,8
2011 7,9 3,5 6,0 8,6
2012 7,6 3,6 6,0 8,2

 

 

nach höchstem erreichten Bildungsgrad***
insgesamt*** Vorprimarstufe, Primarstufe, Sekundarstufe I (Stufen 0-2) Sekundarstufe II, post-sekundäre, nicht-tertiäre Stufe (Stufen 3 und 4) erste und zweite Phase des Tertiärbereichs (Stufen 5 und 6)
1992 6,4 9,1 6,4 4,2
1993 7,7 11,3 7,8 4,6
1994 8,8 13,6 8,8 5,4
1995 8,2 12,9 8,0 5,0
1996 8,9 13,5 8,8 5,3
1997 9,9 15,2 9,9 5,8
1998 9,9 - - -
1999 8,9 14,0 8,7 5,1
2000 8,0 12,7 7,9 4,3
2001 7,8 11,7 8,1 4,2
2002 8,6 13,5 8,7 4,3
2003 9,9 15,9 10,1 5,0
2004 10,8 17,9 11,2 5,5
2005 11,3 19,4 11,2 5,6
2006 10,4 18,9 10,0 4,9
2007 8,8 17,3 8,3 3,9
2008 7,6 15,6 7,3 3,4
2009 7,9 15,9 7,7 3,4
2010 7,2 15,1 7,0 3,2
2011 6,0 13,3 5,8 2,5

* bezogen auf die abhängigen zivilen Erwerbspersonen, Quelle: Bundesagentur für Arbeit
** bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, Quelle: Bundesagentur für Arbeit
*** Quelle: Eurostat


Quelle: Bundesagentur für Arbeit (BA): Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf 02/2013; Eurostat: Online-Datenbank: Arbeitslosenquoten nach Geschlecht, Alter und höchstem erreichten Bildungsgrad (Stand: 03/2013)

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