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Zahlen und Fakten: Die soziale Situation in Deutschland
20.9.2020

Bevölkerung mit Migrationshintergrund I

In absoluten Zahlen, Anteile an der Gesamtbevölkerung in Prozent, 2019

Bevölkerung mit Migrationshintergrund I

Quelle: Statistisches Bundesamt: Mikrozensus – Bevölkerung mit Migrationshintergrund
Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

In Deutschland hat gut jede vierte Person einen Migrationshintergrund – in Westdeutschland galt dies im Jahr 2019 für 29,1 Prozent und in Ostdeutschland für 8,2 Prozent der Bevölkerung. Bezogen auf die Bundesländer leben die meisten Personen mit Migrationshintergrund in Nordrhein-Westfalen (2019: 25,6 Prozent). Ihr Anteil an der Bevölkerung ist in Bremen am höchsten (36,5 Prozent). Von allen Personen mit Migrationshintergrund sind knapp zwei Drittel selbst eingewandert und gut ein Drittel ist in Deutschland geboren (64,4 bzw. 35,6 Prozent). Etwas mehr als die Hälfte der Personen mit Migrationshintergrund sind Deutsche (52,4 Prozent). Mittelfristig wird sich der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund weiter erhöhen: 2019 hatten 40,4 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren einen Migrationshintergrund.

Fakten

Im Jahr 2019 hatten 21,2 Millionen der insgesamt 81,8 Millionen Einwohner in Deutschland einen Migrationshintergrund (Zugewanderte und ihre Nachkommen) – das entspricht einem Anteil von 26,0 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Von den 21,2 Millionen Personen mit Migrationshintergrund waren 11,1 Millionen Deutsche und 10,1 Millionen Ausländer (52,4 bzw. 47,6 Prozent).

Rund zwei Drittel der Personen mit Migrationshintergrund – 13,7 Millionen bzw. 64,4 Prozent – waren 2019 selbst Migranten (erste Generation). Die Personen mit eigener Migrationserfahrung unterteilen sich in Ausländer (40,3 Prozent aller Personen mit Migrationshintergrund) und Deutsche (24,1 Prozent). Personen ohne eigene Migrationserfahrung (zweite oder dritte Generation) machten gut ein Drittel der Personen mit Migrationshintergrund aus (35,6 Prozent). Diese Gruppe teilt sich in Deutsche ohne eigene Migrationserfahrung (28,2 Prozent) und Ausländer, die ebenfalls in Deutschland geboren wurden (7,4 Prozent).

Die Deutschen mit eigener Migrationserfahrung (24,1 Prozent aller Personen mit Migrationshintergrund) untergliedern sich in (Spät-)Aussiedler (12,3 Prozent), selbst zugewanderte Eingebürgerte (10,1 Prozent) sowie selbst zugewanderte Adoptierte und als Deutsche Geborene (0,2 bzw. 1,4 Prozent). Die Deutschen mit Migrationshintergrund, aber ohne eigene Migrationserfahrung (28,2 Prozent aller Personen mit Migrationshintergrund), lassen sich ebenfalls unterteilen: Die beiden Gruppen Eingebürgerte (2,8 Prozent) und Adoptierte (0,1 Prozent) sind dabei deutlich kleiner als die Gruppe der als Deutsche Geborenen (25,4 Prozent). Letztere sind zum Beispiel Kinder von Eingebürgerten, deutsche Kinder ausländischer Eltern oder Kinder von (Spät-)Aussiedlern.

Im Jahr 2019 lebten 95,2 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund in Westdeutschland und Berlin. Mehr als jede vierte Person mit Migrationshintergrund lebte dabei in Nordrhein-Westfalen (25,6 Prozent), jeweils etwa jede Sechste in Baden-Württemberg und Bayern (17,4 bzw. 15,7 Prozent). Bezogen auf die jeweilige Bevölkerung der Bundesländer war ihr Anteil in den Stadtstaaten Bremen (36,5 Prozent), Hamburg (33,9 Prozent) und Berlin (33,1 Prozent) sowie in den Flächenländern Hessen (34,4 Prozent), Baden-Württemberg (33,8 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (30,8 Prozent) am höchsten. In Ostdeutschland lag der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung bei lediglich 8,2 Prozent (Westdeutschland mit Berlin: 29,1 Prozent, Deutschland: 26,0 Prozent).

59,5 Prozent aller Personen mit Migrationshintergrund lebten 2018 in städtischen, 12,7 Prozent in ländlichen Regionen. Auf Gemeindeebene gilt, dass je größer die Einwohnerzahl der Gemeinde ist, desto größer ist tendenziell auch der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung: Während beispielsweise der Anteil in den Gemeinden mit weniger als 2.000 Einwohnern im Jahr 2018 bei 8,7 Prozent lag, hatte in den Gemeinden mit 20.000 bis unter 50.000 Einwohnern durchschnittlich etwa jede vierte Person einen Migrationshintergrund (26,1 Prozent). In den Gemeinden mit 500.000 Einwohnern und mehr lag der entsprechende Anteil bei 35,1 Prozent.

Mittelfristig wird sich der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund weiter erhöhen: Im Jahr 2019 hatten in Deutschland 40,4 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren einen Migrationshintergrund – in der Gruppe der 40- bis unter 45-Jährigen lag der entsprechende Anteil im selben Jahr bei 34,5 Prozent und bei den 80- bis unter 85-Jährigen bei 8,6 Prozent.

Europa ist für die Migration in Deutschland besonders bedeutsam: 35,2 Prozent der 21,2 Millionen Personen mit Migrationshintergrund stammten 2019 aus einem der 27 anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union, weitere 29,7 Prozent aus einem anderen europäischen Staat. Die meisten der 21,2 Millionen Personen mit Migrationshintergrund stammten im Jahr 2019 aus der Türkei (13,3 Prozent), gefolgt von Polen (10,5 Prozent), Russland (6,5 Prozent), Rumänien und Italien (4,8 bzw. 4,1 Prozent). Kasachstan und Syrien sind mit Anteilen von 5,9 bzw. 4,0 Prozent die wichtigsten nicht-europäischen Herkunftsländer (immer bezogen auf das eigene Geburtsland bzw. das Geburtsland der Eltern).

Im Mikrozensus 2019 gaben rund 2,6 Millionen Personen an, als Aussiedler- bzw. Spätaussiedler nach Deutschland gekommen zu sein. Die meisten (Spät-)Aussiedler kommen aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion (2019: 1,6 Mio.) – darunter vor allem aus Kasachstan (720.000) und aus Russland (661.000). Daneben sind Polen (699.000) und Rumänien (226.000) wichtige Herkunftsländer.

Datenquelle

Statistisches Bundesamt: Mikrozensus – Bevölkerung mit Migrationshintergrund

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Nach der Definition des Statistischen Bundesamtes hat eine Person einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt:
  • Zugewanderte und nicht zugewanderte Ausländer,
  • zugewanderte und nicht zugewanderte Eingebürgerte,
  • (Spät-)Aussiedler,
  • Personen, die die deutsche Staatsangehörigkeit durch Adoption durch einen deutschen Elternteil erhalten haben sowie
  • die mit deutscher Staatsangehörigkeit geborenen Kinder der vier zuvor genannten Gruppen.
Die Vertriebenen des Zweiten Weltkrieges und ihre Nachkommen gehören nicht zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund.

Eine Person hat dann eine eigene Migrationserfahrung, wenn sie im Ausland geboren und zugewandert ist. Eine Person hat keine eigene Migrationserfahrung, wenn sie in Deutschland geboren ist.

Ausländer/innen sind Personen, die nicht Deutsche im Sinne des Artikels 116 Absatz 1 des Grundgesetzes sind. Dazu zählen auch Staatenlose und Personen mit ungeklärter Staatsangehörigkeit. Sie können in Deutschland geboren oder zugewandert sein.

(Spät-)Aussiedler/innen: Spätaussiedler sind im amtlichen Sprachgebrauch seit dem 1. Januar 1993 Menschen, die im Rahmen eines Aufnahmeverfahrens als deutsche Volkszugehörige nach Deutschland übergesiedelt sind. Vorher wurden sie nach dem Bundesvertriebenengesetz als Aussiedler bezeichnet. Der Begriff umfasst vor allem die Angehörigen von deutschen Minderheiten, deren Familien teilweise seit Generationen in Ostmitteleuropa, Osteuropa, Südosteuropa und teilweise in Asien gelebt haben und die seit 1950 und verstärkt seit 1989 in die Bundesrepublik Deutschland eingereist sind.

Der Mikrozensus ist die größte jährliche Haushaltsbefragung der amtlichen Statistik in Deutschland. Es wird mit rund 810.000 Personen in etwa 370.000 privaten Haushalten und Gemeinschaftsunterkünften rund 1 Prozent der Bevölkerung in Deutschland zu seinen Arbeits- und Lebensbedingungen befragt.

Im Jahr 2019 waren von den 21,2 Millionen Personen mit Migrationshintergrund 1,2 Millionen in Deutschland geborene Personen mit Migrationshintergrund, die die deutsche Staatsangehörigkeit seit Geburt haben, aber nicht mehr mit ihren Eltern in einem Haushalt leben. Diese Gruppe wird jedoch nicht bei jedem Mikrozensus erfasst. Wird diese Gruppe von den Personen mit Migrationshintergrund abgezogen, bleiben knapp 20,1 Millionen Personen mit Migrationshintergrund im engeren Sinn.

Ab 2017 werden beim Mikrozensus nur noch bei der Bevölkerung in Privathaushalten alle Merkmale erhoben. Für die 1,233 Millionen Menschen in Gemeinschaftsunterkünften (2019) liegen hingegen nur noch einige ausgewählte Angaben vor, die eine Bestimmung des Migrationshintergrunds nicht mehr zulassen. Die hier gemachten Angaben beziehen sich daher nur noch auf die Bevölkerung in Privathaushalten. Zur weiteren Methodik beim Mikrozensus 2019 siehe "Methodische Bemerkungen" in der PDF-Icon Fachserie 1 Reihe 2.2.

Informationen zum Thema Einbürgerung finden Sie hier...

Informationen zum Thema (Spät-)Aussiedler finden Sie hier...

Bevölkerung mit Migrationshintergrund I

In absoluten Zahlen, Anteile an der Gesamtbevölkerung in Prozent, 2019

in Tsd. in Prozent
Gesamtbevölkerung 81.848 100,0
davon:
ohne Migrationshintergrund 60.603 74,0
mit Migrationshintergrund1 21.246 26,0
davon:
Ausländer mit eigener Migrationserfahrung 8.556 10,5
Ausländer ohne eigene Migrationserfahrung 1.564 1,9
Deutsche mit eigener Migrationserfahrung 5.125 6,3
Deutsche ohne eigene Migrationserfahrung 6.000 7,3
1 die Bevölkerung mit Migrationshintergrund "im weiteren Sinn" umfasst auch in Deutschland geborene Deutsche mit Migrationshintergrund, die nicht mehr mit ihren Eltern in einem Haushalt leben.

Quelle: Statistisches Bundesamt: Mikrozensus – Bevölkerung mit Migrationshintergrund

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