Frauenerwerbstätigenquoten in West- und Ostdeutschland 1991 und 2022 (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/4.0/deed.de
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Die deutsche Gesellschaft ist durch einen anhaltenden sozialen Wandel geprägt, der sich vor allem in einer Veränderung der Geschlechterrollen sowie der privaten Lebensformen niederschlägt. Die Trends sind bekannt: Steigende Erwerbstätigkeit und Bildungsbeteiligung von Frauen und deren Wunsch nach einer unabhängigen und eigenständigen Lebensführung auf der einen Seite − niedrige Geburtenziffern, späte Heirat, gestiegenen Scheidungszahlen und Tendenzen zur Wiederheirat sowie zu nicht-ehelichen Lebensformen auf der anderen Seite. Die Erwerbsbeteiligung von Frauen erhöht sich von Kohorte zu Kohorte und die familienbedingten Erwerbsunterbrechungen werden kürzer und seltener. Die noch unmittelbar nach der Wiedervereinigung unterschiedlichen Erwerbstätigenquoten der Frauen in West- und Ostdeutschland haben sich weitgehend eingeebnet (vgl. Abbildung "Frauenerwerbstätigenquoten in West- und Ostdeutschland 1991 und 2022"). Die lebenslange sog. "Nur-Familienhausfrau" ist auch in den alten Bundesländern zu einer seltenen Ausnahme geworden.
Deshalb ist zu erwarten, dass die nachfolgenden Frauengenerationen im Durchschnitt längere Versicherungsverläufe aufweisen, auch begünstigt durch die additive Anrechnung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten, und die in den Rentenbezug nachrückenden Jahrgänge jeweils durchschnittlich höhere Renten erhalten werden. Allerdings: Eine Anpassung an die Männerrenten ist nicht in Sicht. Denn für berufstätige Frauen hat sich an der traditionellen geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung nur wenig verändert, nach wie vor beteiligen sich die Männer lediglich nachrangig an der Haus-, Pflege- und Erziehungsarbeit. Die Erwerbstätigkeit von verheirateten Frauen und Müttern in Deutschland (und hier vornehmlich in den alten Bundesländern) beruht zu großen Teilen auf Teilzeitarbeit, um über diesen Weg Familie und Beruf zu vereinbaren.
Zwischen 1991 und 2022 ist die Frauenerwerbstätigenquote in den alten Bundesländern von 54,3 Prozent auf 72,8 Prozent angestiegen, dies aber weit überwiegend durch Teilzeitbeschäftigung. Das Arbeitsvolumen von Frauen (Produkt aus Beschäftigtenzahl und durchschnittlicher Jahresarbeitszeit) ist deshalb kaum gestiegen. Es ist also zu einer Umverteilung von Arbeitsverhältnissen innerhalb der Frauen gekommen: In früheren Jahren waren weniger Frauen, diese aber mit durchschnittlich längeren Arbeitszeiten erwerbstätig, heute sind die Arbeitszeiten innerhalb der Gruppe der Frauen sehr unterschiedlich und im Durchschnitt kürzer.
Die Teilzeitbeschäftigung von Frauen umfasst 2022 nahezu die Hälfte der abhängig beschäftigten Frauen (vgl. Abbildung "Teilzeitquote insgesamt und nach Geschlecht 1991 – 2022").