Aktuelle Lage
In Syrien hat sich die Lage für die kurdisch geführten Syrian Democratic Forces (SDF) und die von ihnen kontrollierten Selbstverwaltungsgebiete in Nordostsyrien – bekannt als Rojava (kurdisch für: Westkurdistan) bzw. Demokratische Administration Nord- und Ostsyrien (DAANES) – seit Anfang 2026 erheblich verschärft. Anfang Januar 2026 eskalierte die fragile Koexistenz zwischen der syrischen Übergangsregierung unter Ahmad al-Sharaa, dem ehemaligen Führer der islamistischen HTS (Hay’at Tahrir al-Sham) und den SDF in offene militärische Konfrontation. Zuvor waren die Verhandlungen über ein im März 2025 beschlossenes Abkommen ins Stocken geraten – insbesondere über die Integration der SDF in staatliche Sicherheitsstrukturen, die Kontrolle über Öl- und Gasressourcen im Nordosten sowie die Zuständigkeit für kurdisch dominierte Stadtteile. Es folgte die groß angelegte militärische Offensive der Übergangsregierung. Gleichzeitig bemühten sich regionale und internationale Akteure intensiv um eine Deeskalation. Weltweit protestierten Kurden in historischer Dimension – vereint unter der kurdischen Nationalflagge und getragen vom Ruf nach Selbstbestimmung.
Al-Sharaa bezeichnete die Großoffensive als „Wiederherstellung staatlicher Souveränität“ und flankierte sie taktisch mit Maßnahmen wie einem Dekret zur kurdischen Sprache, der Anerkennung des von Kurden begangenen
Konfliktverlauf
Die ersten Zusammenstöße um den 5. Januar östlich von Aleppo weiteten sich schnell zu koordinierten Angriffen der Einheiten der Übergangsregierung
Mit der Ausweitung der Offensive bis Ende Januar – trotz mehrerer Waffenstillstands- bzw. Feuerpausen-Vereinbarungen – verschärfte sich die strategische Lage der SDF erheblich, insbesondere im Nordosten des Landes. Durch die Einnahme strategischer Öl- und Gasfelder sowie die Unterbrechung wichtiger Versorgungsrouten verloren die SDF territoriale Tiefe, logistische Handlungsfähigkeit und zunehmend ihre Verteidigungsfähigkeit; zudem zogen sich arabisch dominierte Einheiten innerhalb der SDF teilweise zurück oder wechselten die Seiten. Infolgedessen konzentrierten die SDF ihre Kräfte auf die Kernregionen Hasaka und Qamischli im Nordosten sowie Kobane im Norden, um dort die Verteidigung zu stärken und die Zivilbevölkerung zu schützen. Letztlich wurden die Kerngebiete nicht eingenommen, doch büßte die SDF rund 80 Prozent ihres Kontrollgebiets ein.
Erst intensive diplomatische Bemühungen der USA – einschließlich des Drucks von Abgeordneten des US-Kongresses auf Donald Trump zugunsten der SDF
Trotz des Abkommens war Kobane noch mehrere Wochen faktisch belagert – ein Ort von hoher symbolischer Bedeutung für den kurdischen Widerstand gegen den IS und tief im kollektiven Gedächtnis verankert. Versorgungswege sowie Wasser-, Strom- und medizinische Infrastruktur waren blockiert; humanitäre Hilfe erreichte die Stadt nur unregelmäßig, mehrere Kinder starben an Kälte und Mangelversorgung. Kurden aus der Türkei überwanden Grenzmauern, um Solidarität zu zeigen; für die Bevölkerung stellte die Belagerung nicht nur einen militärischen Rückschlag dar, sondern auch eine Bedrohung für Identität und Existenz. Die Übergangsregierung und die Türkei nutzten die Belagerung von Kobane faktisch als Druckmittel.
Die Großoffensive veränderte auch die Kontrolle über IS-Familienlager. Insbesondere in al-Hol
Eine Demonstrantin hält in Qamischli im Nordosten Syriens am 19. Januar 2026 ein Plakat mit der Aufschrift "Jin, Jiyan, Azadî" ("Frauen, Leben, Freiheit") hoch. (© picture-alliance, Sipa USA | StringersHub)
Eine Demonstrantin hält in Qamischli im Nordosten Syriens am 19. Januar 2026 ein Plakat mit der Aufschrift "Jin, Jiyan, Azadî" ("Frauen, Leben, Freiheit") hoch. (© picture-alliance, Sipa USA | StringersHub)
Laut UN-Berichten wurden während der Eskalation über 150.000 Menschen vertrieben, vor allem Frauen und Kinder.
Hintergrund und Einflussfaktoren
Die militärische Eskalation wurde erst vor dem Hintergrund einer veränderten regionalen Machtkonstellation möglich. Mit der wachsenden Macht und internationalen Legitimität Ahmad al-Sharaas infolge der Aufhebung von Sanktionen sowie der Unterstützung durch die USA, die Türkei, Saudi-Arabien, Katar und die
Die Kurden gelten zwar als prowestliches, säkular-demokratisches Gegengewicht zu den neuen islamistischen Machthabern in Damaskus und sind damit ein strategischer Faktor in der regionalen Machtbalance für die USA, Frankreich und die EU. Die Erwartung jedoch, dass der erfolgreiche Kampf kurdischer Kräfte gegen den IS politische und militärische Unterstützung für die kurdische Selbstverwaltung nach sich ziehen würde, hat sich nicht erfüllt. Über ein Jahrzehnt kämpften die SDF gemeinsam mit der Anti-IS-Koalition unter der Führung der USA – deren Präsenz in Syrien 2015 begann –, was entscheidend zur endgültigen Niederlage des IS im Jahr 2019 beitrug. Auf kurdischer Seite gab es mehr als 10.000 Tote und etwa 30.000 Verletzte. Nach dem Sieg über den IS übernahm die SDF die Kontrolle über Lager und Gefängnisse für IS-Kämpfer und ihre Familien. Auf kurdischer Seite bestand die Hoffnung, dass solange sie diese Haftanstalten und Lager kontrollierten, Schutz und Unterstützung durch die westlichen Partner garantiert würden.
Als dann aber Syrien unter den neuen islamistischen Machthabern in die Anti-IS-Koalition aufgenommen wurde, machte Tom Barrack, US-Botschafter in der Türkei und Sonderbeauftragter für Syrien, der SDF deutlich, dass ihre ursprüngliche Aufgabe als Kampftruppe gegen den Islamischen Staat „weitgehend erfüllt“ sei. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die größte Chance für die Kurden unter der neuen Regierung Al-Sharaas in der Integration in die neuen Machtstrukturen liege. Barrack drängte wie die türkische Regierung auf eine zügige und vollständige Eingliederung und Auflösung der SDF. Parallel führte er Gespräche mit der SDF, Masoud Barzani und der kurdischen Regionalregierung in Erbil. Al-Sharaas Großoffensive im Januar stieß daher deutlich auf Gegenwind aus Washington.
Die Äußerungen von Barrack wiederum deckten sich oft mit denen der türkischen Regierung, einem der engsten Verbündeten Al-Sharaas und für die US-Regierung unter Trump – neben Saudi-Arabien und den Golfstaaten – ein wichtiger Partner beim Wiederaufbau Syriens. Dem eigenen zentralistischen Staatsmodell folgend, forderte die türkische Führung stets die vollständige Auflösung der kurdischen Selbstverwaltung und ihrer militärischen Strukturen und lehnte föderale oder dezentrale Staatsstrukturen ab. Über direkten Einfluss auf Al-Sharaa und dessen Übergangsregierung sowie durch einen Mix politischer und militärischer Maßnahmen übte Ankara kontinuierlich Druck auf die SDF und die kurdischen Selbstverwaltungsgebiete aus, die sie als Ableger der PKK und als „Terrorkorridor“ an ihrer Südgrenze betrachtete. Gemeinsam mit von ihr unterstützten antikurdischen Milizen der sogenannten „Syrischen Nationalarmee“, die inzwischen in die neu aufzubauende syrische Armee integriert sind, griff die türkische Armee in den vergangenen Jahren mehrfach völkerrechtswidrig militärisch in Syrien ein und eroberte Gebiete im Norden und Nordosten Syriens. Ein besonders prägnantes Beispiel ist Afrin im Nordwesten Syriens, das 2018 eingenommen wurde und zuvor Teil des syrisch-kurdischen Selbstverwaltungsgebiets war.
Auch ein direkter Schlag gegen die SDF war stets Bestandteil türkischer Kalkulationen. Bereits vor der Großoffensive im Januar 2026 drohte Ankara wiederholt der SDF und ermutigte zugleich die syrische Übergangsregierung, politischen und militärischen Druck auf die Kurden zu erhöhen.
Diese Dynamik deutete darauf hin, dass die begrenzte Operation „grünes Licht“ erhielt – nicht jedoch die Großoffensive, die sich nach den Angriffen vom 6. Januar auf Aleppos kurdische Stadtviertel weiter auf die Kerngebiete Rojavas ausdehnte und existenzbedrohliche Folgen für die Zivilbevölkerung hatte. Parallel dazu lief der seit Oktober 2024 von der Türkei staatlich initiierte und laufende Prozess „Terrorfreie Türkei und Terrorfreie Region“ mit dem seit 1999 inhaftierten PKK-Führer Abdullah Öcalan. Auch dadurch wurde der Druck erhöht: Denn die Türkei will damit die bedingungslose und vollständige
Der bereits erwähnte Seitenwechsel arabischer Stämme innerhalb der SDF
Das Abkommen vom 30. Januar 2026
Das Abkommen von Ende Januar 2026
Phase 1 betrifft Sicherheits- und Militärregelungen: Ein umfassender Waffenstillstand wird auf allen Fronten ausgerufen. Die SDF-Kräfte ziehen sich aus Hasaka und Qamischli in die vereinbarten Kasernen zurück, während die syrische Armee unverzüglich Truppen in die südlich von Hasaka gelegene Stadt al-Shaddadi verlegt. Für das Gouvernement Hasaka richtet das Verteidigungsministerium einen militärischen Verband ein, in die die SDF mit drei Einheiten in Derik, Qamischli und Hasaka integriert werden. Die vierte militärische Einheit der SDF-Kräfte ist in Kobane und wird den Streitkräften des Gouvernements Aleppo zugeordnet; zudem soll eine Sicherheitskraft ausschließlich aus lokalen Einwohnern gebildet werden, die administrativ dem syrischen Innenministerium unterstellt wäre. Damit wäre die bisherige militärische Autonomie der SDF faktisch aufgehoben. Unklar bleibt jedoch, wie künftig operative Entscheidungen getroffen werden, welche Befugnisse den SDF verbleiben und wie die Integration überwacht und umgesetzt wird. Ebenso offen ist die Frage, ob und in welcher Form die Frauenverteidigungseinheiten der YPJ integriert werden.
Phase 2 (Beginn: 2. Februar) betrifft Sicherheits- und Verwaltungsregelungen: In Hasaka und Qamischli erfolgt symbolisch die Einfahrt staatlicher Sicherheitsfahrzeuge, zugleich wird der Integrationsprozess der mit der SDF verbundenen Sicherheitskräfte in das Innenministerium eingeleitet. Gouverneur von Hasaka und stellvertretender Verteidigungsminister werden auf Vorschlag der SDF ernannt, der Provinz-Sicherheitsdirektor Hasakas auf Vorschlag der syrischen Übergangsregierung. Kritisch bleibt, dass die realen Entscheidungskompetenzen der lokalen Verwaltungen unklar sind und die Mitwirkung der SDF auf symbolische Beteiligung beschränkt sein könnte.
Phase 3 (innerhalb von maximal zehn Tagen) sieht die Übergabe strategisch wichtiger Einrichtungen an staatliche Behörden vor. Dazu zählen die Ölfelder der beiden nordöstlichen Städte Rmeilan und al-Suwayda sowie der Flughafen Qamischli. Zivile Beschäftigte werden dabei in staatliche Strukturen integriert.
Phase 4 (innerhalb eines Monats) betrifft die vollständige Übernahme ziviler Institutionen und Grenzübergänge durch die syrische Regierung, ebenso sollen die autonomen Strukturen aufgelöst und das zivile Personal in den Staatsdienst integriert werden. Grenzübergänge wie die nordöstlichen Semalka oder Qamischli werden unter staatliche Kontrolle gestellt, regulär betrieben und für illegale Transporte sowie die Einreise ausländischer Personen gesperrt. Unklar bleibt, in welchem Maße kulturelle, administrative und politische Rechte der Kurden tatsächlich erhalten bleiben und wie die Umsetzung überwacht wird.
Zusätzlich enthält das Abkommen für alle Parteien verbindliche Regelungen: Militärische Kräfte dürfen Städte und Ortschaften nicht betreten; Bildungsabschlüsse der Autonomen Selbstverwaltung werden anerkannt; lokale, kulturelle und zivilgesellschaftliche Organisationen sowie Medien werden gesetzlich lizenziert. In Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium soll der Bildungsprozess der kurdischen Gemeinschaft geregelt werden, unter Berücksichtigung ihrer pädagogischen Besonderheiten. Außerdem wird die Rückkehr aller Vertriebenen – etwa aus Afrin, Sheikh Maqsoud und Ras al-Ain / Serêkaniyê – in ihre Städte und Dörfer sowie die Ernennung lokaler Verwaltungen in diesen Gebieten vorgesehen. Kritisch bleibt, dass konkrete Sicherheitsgarantien, der Zustand der Infrastruktur und die politische Mitbestimmung der Rückkehrer nicht geregelt sind.
Ausblick
Das Abkommen beendet die seit 2012 bestehende De-facto-Autonomie Rojavas bzw. der DAANES sowie der SDF in ihrer bisherigen Form. Es schafft den Rahmen für eine Zentralisierung von Macht und Ressourcen, indem die schrittweise militärische Integration der SDF mit der Rezentralisierung der autonomen Sicherheits- und Verwaltungsstrukturen sowie der Übernahme zentraler Ressourcen durch die Übergangsregierung unter Al-Sharaa verknüpft wird. Zentrale Fragen – etwa zu politischer Selbstverwaltung, kulturellen Rechten, Verwaltungskompetenzen und Sicherheitsgarantien – bleiben offen.
Das Abkommen enthält Elemente begrenzter Mitwirkung und kultureller Anerkennung für die nach der militärischen Großoffensive verbliebenen kurdischen Kerngebiete, die eine eingeschränkte lokale Verwaltung ermöglichen, jedoch nicht alle Details regeln und keine verbindlichen Sicherheitsgarantien schaffen. Auch eine formelle Garantie durch die USA oder Frankreich existiert bislang nicht. Kurzfristig eröffnet das Abkommen den syrischen Kurden Chancen auf Schutz, Partizipation in Sicherheits- und Verwaltungsstrukturen sowie die Anerkennung kultureller und bildungspolitischer Anliegen. Ob ein größerer Teil der bisherigen Autonomie in vergleichbarer Form Bestand haben wird, ist jedoch eher zweifelhaft.
Mazloum Abdi bezeichnete das Abkommen unter den gegebenen Umständen als das „bestmögliche Ergebnis“: Es sei nicht ideal für die Kurden, doch um den Waffenstillstand zu sichern, Stabilität herzustellen und Probleme im Dialog zu lösen, sei diese Vereinbarung zu einer Option geworden. Abdi betonte, dass die angestrebte Autonomie der Kurden angesichts der Vorgaben der Zentralregierung derzeit auf die lokale Verwaltung beschränkt sei, dieses Modell jedoch sicherstellen solle, dass die Kurden ihre Gebiete verwalten und ihre Identität bewahren können. Ein Verzicht auf die kurdischen Gebiete im Falle eines Scheiterns komme nicht in Frage – in einem solchen Fall werde man den Kampf bis zum Ende weiterführen.
Abdis Botschaft verdeutlicht die Ambivalenz des Abkommens: Es ist ein pragmatischer Schritt zur Stabilisierung, aber kein endgültiger politischer Kompromiss über den künftigen Status der kurdischen Selbstverwaltung in Syrien. Das Abkommen ist eingebettet in Syriens fragile Gesamtlage, in der der gesellschaftliche Frieden gefährdet ist und Konflikte zwischen der islamistischen Übergangsregierung und den Minderheiten des Landes weiterhin bestehen. Es markiert nicht das Ende, sondern den Beginn eines langwierigen Prozesses.
Die Einladung und Teilnahme Abdis an der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2026 unterstreicht dabei die strategische Bedeutung der Kurden: Sie sind ein integraler strategischer Faktor in Syrien und der Region und werden beim Aufbau des neuen Syriens als konstituierende Akteure eine Rolle spielen. Das Treffen des US-Außenministers Marco Rubio mit der syrischen Delegation sowie den beiden Vertretern der kurdischen Selbstverwaltung Mazloum Abdi und Ilham Ahmad bestätigt diese Position.
Die Wirksamkeit des Abkommens hängt entscheidend davon ab, wie effektiv alle vier Phasen umgesetzt werden und ist mit erheblichen Risiken für Stabilität und politische Mitbestimmung der syrischen Kurden verbunden. Aktuell verläuft der Integrationsprozess unterschiedlich, zugleich aber angespannt und konfliktgeladen. Ursache ist vor allem der zentralistische Kurs der neuen Machthaber in Damaskus, der Grenzen austestet und in Rojava auf wachsenden Widerstand stößt. Anfang Mai 2026 protestierten Menschen in Hasaka, Kobanê und Qamishli, nachdem syrische Behörden kurdisch-arabische Amtsschilder in Hasaka durch arabisch- und englischsprachige Versionen ersetzt hatten. Demonstrierende entfernten die neuen Tafeln und brachten erneut kurdischsprachige Schilder an.
Kurdische Demonstranten halten am 19. Januar 2026 in Qamischli im Nordosten Syriens ein Transparent mit der Aufschrift "Unsere Sprache muss in der Verfassung garantiert werden." (© picture-alliance, SIPA | Amjad Kurdo/MEI)
Kurdische Demonstranten halten am 19. Januar 2026 in Qamischli im Nordosten Syriens ein Transparent mit der Aufschrift "Unsere Sprache muss in der Verfassung garantiert werden." (© picture-alliance, SIPA | Amjad Kurdo/MEI)
Zusätzlich beeinflusst die Türkei den politischen und sicherheitspolitischen Rahmen des Integrationsprozesses im Sinne eigener Interessen – nicht nur durch die direkte Einflussnahme auf die islamistische Führung unter Al-Sharaa. Dazu zählt insbesondere der Versuch der türkischen Regierung, im Rahmen des Prozesses „Terrorfreie Türkei“ über Abdullah Öcalan als politischen Bezugspunkt Einfluss auf Rojava auszuüben, unter anderem durch Kontakte zur dortigen Führung. Mazloum Abdi bestätigt informelle Gespräche mit türkischen Vertretern, den Erhalt von Briefen Öcalans – zuletzt im Januar 2026, kurz vor der Eskalation der Kämpfe in Rojava – sowie, dass sich Pläne für einen offiziellen Besuch in der Türkei in Vorbereitung befänden; sollte dieser Besuch zustande kommen, könnte es auch zu einem Treffen mit Abdullah Öcalan kommen.
Entscheidend wird sein, in welchem Maße die Auseinandersetzungen um Statusfragen, Rechte, den Schutz von Minderheiten sowie die Verteilung politischer, kultureller und administrativer Kompetenzen in der künftigen syrischen Staatsordnung im Rahmen einer neuen Verfassung berücksichtigt oder neu verhandelt werden. Zwar ist der Handlungsspielraum der Kurden in einen regionalen Kontext eingebettet, der vor allem von den USA sowie den Akteuren Türkei, Israel und Saudi-Arabien geprägt wird. Dennoch spielen sie als konstituierender Akteur eine zentrale Rolle: Sie können internationale Unterstützung mobilisieren und ihre Einflussmöglichkeiten bei der Verfassungsarbeit nutzen, um erweiterte Autonomierechte für ihre Gebiete zu sichern. Dazu ist eine enge Zusammenarbeit mit anderen Minderheiten ebenso notwendig wie die Stärkung der innerkurdischen Kooperation. Dabei gilt es, zum einen an den „Geist der nationalen Geschlossenheit und des Zusammenhalts“ anzuknüpfen, der sich in den jüngsten weltweiten Protestmobilisierungen gezeigt hat, und zum anderen den im April 2025 in Qamischli