kulturelle Bildung

3.11.2009 | Von:
Sabine Dengel & Milena Mushak

Neue Wege für die politische Bildung

Projekte der kulturellen politischen Bildung bei der bpb

Vielen Menschen erscheint Mode auf den ersten Blick als eine rein individuelle Ausdrucksform, als bloße Demonstration des persönlichen Geschmacks. Aber unsere Garderobe ist unabhängig von ihrer Herkunft – ob Haute Couture, Second-Hand oder Kleidung vom Textil-Discounter – nicht nur als bloße Stoffhülle zu verstehen, sondern hat darüber hinaus identitätsstiftenden Charakter. Sie ist ein Medium, mit dem zwangsläufig jeder Mensch tagtäglich aktiv und passiv konfrontiert wird. Kleidung ist der kulturelle Code eines Lebensgefühls, des sozialen Status, und nicht selten ist sie mit einer bestimmten Jugend- und Musikkultur verbunden, wie Klaus Farin, der Leiter des Archivs der Jugendkulturen anhand anschaulicher Beispiele verdeutlichte.

Neben Diskussionsrunden mit Modeprofis, wie der Kölner Designerin Eva Gronbach und Vorträgen von Experten wie Jeroen van Rooijen, dem Stilredakteur der Neuen Zürcher Zeitung, der den Einfluss der sogenannten Street-Style-Blogs auf die Modewelt erörterte, wurden auch Ergebnisse von Schülerworkshops gezeigt, in denen sich Jugendliche zum Beispiel kritisch mit den Bildern in Hochglanzmagazinen beschäftigten. Ein Schüler der Rütlischule in Berlin-Neukölln stellte das Sozialprojekt Rütliwear vor, bei dem die Jugendlichen selbst Motive entwerfen, sie auf Kleidungsstücke drucken und verkaufen.

Dorothea Melis, ehemalige Redakteurin der "Sibylle", der einzigen Modezeitschrift der DDR, zeigte nicht nur eine große Anzahl beeindruckender Fotos, sondern zeichnete anhand dieser auch die Schwierigkeiten und Probleme nach, mit denen kreative Modeschöpfer, aber auch Fotografen und modebegeisterte Menschen, unter dem sozialistischen Regime konfrontiert wurden. Die "Lifestyles" junger Muslime in Deutschland wurden ebenso thematisiert wie die Zusammenhänge der Mode, die Jugendliche tragen, und ihre Zugehörigkeit zu einem bestimmten Milieu.

Anhand von Präsentationen, Ausstellungen, Podiumsdiskussionen und einem neuen, interaktiven Talkshowformat des Korsakow-Instituts zum Abschluss des Abends, wurde die Vielfalt und Bedeutung der Mode als ein kulturell-ästhetisches Zeichensystem mit gesellschaftlicher Relevanz offengelegt, als ein alltägliches Mittel, das sowohl für individuelle Identität als auch als Symbol von sozialer Abgrenzung und Zugehörigkeit von formativer Bedeutung ist.

Die Tagung wurde in Kooperation mit dem Goethe-Institut im Rahmen des 2009 zum zweiten Mal ausgeschriebenen Wettbewerbs für Nachwuchsdesigner "createurope: The Fashion Design Award" veranstaltet. Der Wettbewerb, getragen vom Goethe-Institut und EUNIC, hat sich zum Ziel gesetzt, die Kreativszenen über Europa hinaus zu vernetzen und einen intensiven interkulturellen Austausch zwischen angehenden Talenten und Mode(hoch)schulen nachhaltig zu fördern.

Mit dem Symposium schaffte es die bpb, nicht nur ein neues Themenfeld zu betreten, sondern auch die anvisierte und bis dato kaum in den Fokus der politischen Bildung genommene Zielgruppe zu erreichen: junge, kreative und künstlerisch veranlagte Menschen, deren Interessen üblicherweise eher Fashion, Design und Lifestyle als politische Bildung sind: 69,1 Prozent der Teilnehmer/-innen besuchten zum ersten Mal eine Veranstaltung der bpb, beinahe 90 Prozent gaben an, neue, interessante Erkenntnisse gewonnen zu haben.

Die positive Resonanz und der Erfolg sämtlicher Veranstaltungen, die im Bereich der kulturellen politischen Bildung bisher durchgeführt wurden, zeigen, dass sich die bpb auf einem guten Weg befindet. Sie profitiert von der eigenen Offenheit, sich mit neuen Entwicklungen mutig auseinanderzusetzen und Konzepte zu entwickeln, die sich eng an die Interessen der Bürgerinnen und Bürger anlehnen.

Projekte der kulturellen politischen Bildung bieten für die bpb Vermittlungsmöglichkeiten und Kommunikationswege, die sich an den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Veränderungen orientieren. Sie ermöglichen es, neue Zielgruppen zu erschließen und an Inhalte der politischen Bildung heranzuführen. Aspekte der kulturellen Bildung erweitern und bereichern somit das Spektrum der Formate und Methoden der politischen Bildungsarbeit und werden es auch künftig in wachsendem Maße tun.

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Ungeachtet der Bedeutung neuer digitaler Entwicklungen spielt auch der Film als historisch gewachsene und nach wie vor sehr massenwirksame Kunstform eine zentrale Rolle für die Medienbildung. Die Frage nach dem Wie und Warum filmischer Darstellungformen ist dabei wesentlich für eine mündige Rezeption und sachkundige Einordnung der dargebotenen fiktionalen wie auch dokumentarischen Stoffe. Jeder Film spiegelt stets seine sozialen und kulturellen Kontexte wider. Daher ist es wichtig, das Medium nicht nur als mehr oder minder künstlerisch ambitioniertes Unterhaltsprodukt zu betrachten, sondern sich immer auch kritisch mit seinen offenen und verborgenen politisch-ideologischen Botschaften auseinanderzusetzen - und der Art und Weise, wie sie vermittelt werden.

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