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Filmpädagogische Arbeit an der Deutschen Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen

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Filmpädagogische Arbeit an der Deutschen Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen

Jurek Sehrt Stefan Zollhauser

/ 8 Minuten zu lesen

Filmbildung findet sehr erfolgreich an außerschulischen Lernorten wie Museen statt. Ein Beispiel ist die pädagogische Arbeit der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen in Berlin.

Die technischen, inhaltlichen und ästhetischen Entwicklungen in der Welt des bewegten Bildes, sowohl in Bezug auf Film und Fernsehen als auch auf die Neuen Medien, verlaufen sehr schnell. Angesichts dessen fällt es Pädagoginnen und Pädagogen häufig schwer, sich ausreichend Medienkompetenz anzueignen, um diese im schulischen oder auch außerschulischen Kontext weiterzugeben. Zeit und Know-how sind für viele der Menschen, die im Bildungskontext arbeiten, zwei große Hürden auf dem Weg zur praktischen Verankerung von Medien- und Filmbildung in ihrer alltäglichen Bildungsarbeit.

Großer Bedarf an Auseinandersetzung mit dem bewegten Bild

Während die schulischen Lehrpläne der "Medienkompetenz" und auch spezifisch den Medien Film und Fernsehen zunehmend Platz einräumen (z.B. im Fachunterricht Geschichte und Deutsch) und deren Vermittlung fordern, wächst der Bedarf an Filmbildungs-Konzepten, die im (schulischen oder außerschulischen) Alltag realisierbar sind. Doch der Bedarf einer intensiveren Beschäftigung mit dem bewegten Bild ergibt sich nicht allein aus curricularen Vorgaben. Vielmehr ist es die Bedeutung der bewegten Bilder für den Alltag, ihre Einbettung in die Lebenswelt besonders jüngerer Menschen, die sowohl die Auseinandersetzung mit den Medien als auch deren Integration in die Bildungsarbeit unbedingt erforderlich machen. Dabei geht es nicht allein um die Auseinandersetzung mit den technischen Aspekten der Medien und den filmpraktischen Einsatz. Es geht vielmehr auch um die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Filmen, als Kunstwerken und Produkten ihrer Zeit, mit einem spezifischen Entstehungskontext, einer impliziten oder expliziten Verarbeitung historischer und politischer Ereignisse uvm. Filme können, sofern sie als Quelle ernst genommen werden, dem kritischen Betrachter weitaus mehr erzählen, als es Drehbuchautor und Regisseur womöglich zum Produktionszeitpunkt vorgesehen haben – genau letzterer Aspekt kann von besonderem Interesse sein.

Methodensteckbrief

Kurzbeschreibung Kleingruppen recherchieren ausgewählte Aspekte der Alltags- und Filmgeschichte der DDR. Gearbeitet wird mit Ausstellungexponaten, Filmausschnitten und weiteren Quellenmaterialien. In Einstiegs- und Abschlussdiskussionen werden die Themen besprochen und Rechercheergebnisse zusammengetragen. Grundwissen zur allgemeinen DDR-Geschichte ist dabei erforderlich.
ZieleGrundzüge der Alltags- und Filmgeschichte der DDR sowie Möglichkeiten kritischer Medienanalyse werden vermittelt.
Teilnehmerzahl20-30 Personen
AltersstufeSek I und II
Zeitbedarf 3 Std.
RaumSeminarraum und Ausstellungsräume des Museums für Film und Fernsehen Berlin
Benötigte Ausstattung / Materialien Projektionstechnik
Filmausschnitte
Arbeits- und Quellenmaterialien
Sparte / Bereich / Feld Film / Video/ TV
Neue Medien

Vorteile außerschulischer Lernorte

Die Nachfrage nach Fortbildungsmöglichkeiten, nach fachlich und pädagogisch geschulten Personen, aber auch der Bedarf an alltagstauglichen Konzepten hat stark zugenommen. Ansprechpartner sind häufig externe Fachleute und Bildungsabteilungen der außerschulischen Lernorte, denn manch ein Thema lässt sich außerhalb der schulischen Räume und fern regulärer Unterrichtsformate abwechslungs- und kenntnisreicher aufbereiten. Neben einem Fundus an themenbezogenen Materialien – so im Falle der Deutschen Kinemathek die Ausstellungsexponate sowie die Bestände aller Sammlungen und Archive – sind es kreative Konzepte und ein engagiertes pädagogisches Personal, die außerschulische Lernorte mit ihren vielfältigen Bildungsangeboten zu optimalen Orten filmischer Bildungsarbeit machen. Hier werden Anregungen bei der filmpädagogischen Arbeit ebenso geboten wie erprobte pädagogische Konzepte, die Privatgruppen, Schulen und Universitäten ansprechen.

Als Institution, die im gesamten Bundesgebiet und auch darüber hinaus Ansprechpartner für Fragen der Filmbildung ist, hat die Deutsche Kinemathek in den vergangenen Jahren ein umfassendes Bildungsangebot erarbeitet, das den Interessen sowie den Bedürfnissen vielfältiger Zielgruppen gerecht wird. Das bewegte Bild fasziniert insbesondere junge Menschen und ist zunehmend mit ihrem Alltag verwoben, über das Internet im Allgemeinen und Social Media sowie entsprechend attraktive Hardware im Besonderen. Doch alle Altersgruppen und nahezu alle gesellschaftlichen Schichten interessieren sich für Ästhetik und Technik, Filmsprache und Filmpraxis sowie Geschichte und Gegenwart der Medien, oder für eine der vielen weiteren Facetten des bewegten Bildes. Der Faszination für das bewegte Bild muss daher ebenso entsprochen werden wie dem gesellschaftlichen Bedürfnis, einen differenzierten Umgang – insbesondere mit den Medien Film und Fernsehen - zu schaffen. Neben oder sogar anstelle des reinen Konsums bewegter Bilder kann eine kritische und reflektierte Auseinandersetzung treten. So widmet sich beispielsweise das Filmbildungsprojekt der Deutschen Kinemathek "Sehen lernen – bewegte Bilder in Schule und Museum" seit 2008 der Frage, wie das bewegte Bild sowohl innerhalb als auch außerhalb der schulischen Lehrpläne stärker in der Bildungsarbeit verankert und dort differenzierter behandelt werden kann.

Filmbildung im Workshop-Format

Die Erfahrungen der praktischen Bildungsarbeit haben gezeigt, dass besonders Workshop-Formate in Umfang, Arbeitsformen und inhaltlicher Ausgestaltung dem Bedarf Vieler entsprechen, sich eingehend mit dem bewegten Bild auseinanderzusetzen. Die Vorzüge solcher Formate sind vielfältig:

  • Der mögliche zeitliche Umfang von Workshop-Formaten lässt eine besonders tiefgehende Auseinandersetzung mit einem Thema und die Anwendung von Erlerntem zu. So wird eine bessere Verankerung der angeeigneten Inhalte und Kompetenzen ermöglicht. Ein Workshop sollte mindestens drei Stunden dauern, bestenfalls aber länger (z.B. Durchführung im Rahmen eines Projekttages). Die Teilnehmenden haben so Zeit sich im angemessenen Umfang mit dem jeweiligen Thema zu beschäftigen. Fehlende Grundlagen (z.B. zu Filmsprache, Genres, historischem und politischem Kontext uvm.) können erarbeitet, ergänzende Quellenmaterialien ggf. recherchiert und herangezogen werden. Außerdem – dies ist besonders wichtig – können Filme vollständig (besonders geeignet in einer größeren Gruppe oder im Klassenverband) oder in ausgewählten Ausschnitten (besonders geeignet für Partnerarbeit oder Kleingruppen) angesehen werden. Die Nutzung von Filmausschnitten hat dabei zudem den großen arbeitspraktischen Vorzug, dass dank des Zitatrechts in der Regel keine Rechte Dritter verletzt werden.

  • Die Workshoparbeit ermöglicht die Herausbildung und Förderung wichtiger Kompetenzen für Schule und Alltag. In Partner- und Gruppenarbeit können Recherche- und Arbeitsaufgaben bearbeitet werden. Gemeinsame Diskussionen in der Arbeitsgruppe und eine abschließende Ergebnis-Präsentation fördern nicht nur die intensive Auseinandersetzung mit den Workshopinhalten, auch Kompetenzen wie Kommunikations- und Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit, eigenständiges Recherchieren und Erarbeiten von weiterführenden Informationen werden erworben und trainiert – ganz abgesehen von der vielseits eingeforderten Medienkompetenz, bei Filmen spezifischer auch der "Filmlesekompetenz".

  • Fachlich kompetente pädagogische Referentinnen und Referenten sind nicht nur mit der spezifischen Materie und den behandelten Inhalten sowie Materialien gut vertraut. Zugleich sind es in den Augen der Workshopteilnehmenden "neue Gesichter", die Abwechslung von den gewohnten Lernabläufen und der Methodenwahl versprechen. Dieser personelle "frische Wind" erleichtert ungemein die Arbeit und damit Vermittlung von Wissen.

Workshops an der Deutschen Kinemathek – einige Anregungen


Angesichts der zahlreichen Vorzüge bietet auch das Bildungsangebot der Deutschen Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen eine Reihe an rezeptiv oder produktiv ausgerichteten Workshops und Filmkursen für diverse Alters- und Zielgruppen. Einige Beispiele, die als Anregung dienen können:

Während des filmpraktisch-produktiv ausgerichteten Workshops "Mein eigener Trickfilm!" werden Interessenten die Funktionsweise des bewegten Bildes und ausgewählte Trickfilmtechniken erläutert, um anschließend gemeinsam einen eigenen kurzen Trickfilm-Clip zu entwickeln und in Stop-Motion-Technik umzusetzen. Es handelt sich dabei um ein Angebot, das altersunabhängig auf große Resonanz stößt und in technisch reduzierter Form auch von jedem engagierten Pädagogen in der Schule oder in "Heimarbeit" umgesetzt werden kann.

In dem rezeptiv ausgestalteten Workshop "Drehbuch, Storyboard und filmische Umsetzung" beschäftigen sich die Teilnehmenden mit dem Entstehungsprozess eines Films vom Drehbuch über das Storyboard bis hin zur filmischen Umsetzung. Grundlagenkenntnisse zu filmischen Gestaltungsmitteln, der Funktion und Ausgestaltung von Storyboard und Drehbuch werden vermittelt. Anhand von Originalquellen deutscher und internationaler Filmproduktionen werden anschließend die Storyboards zu einzelnen Drehbuchsequenzen sowie deren filmische Umsetzung analysiert.

Auch dieses Workshop-Format lässt sich in ähnlicher Form selbstständig erarbeiten und durchführen. Drehbücher und Storyboards sind teilweise online verfügbar – oder sie sind im Schriftgut- und Nachlassarchiv der Deutschen Kinemathek in Berlin zu finden. Filmausschnitte dazu können im rechtlich zulässigen Rahmen technisch unkompliziert selbst erstellt werden.

Mit den "Filmkursen" bietet das Museum für Film und Fernsehen zudem ein besonderes filmpädagogisches Workshop-Format. Diese Workshops sollen dazu anregen, sich besonders intensiv mit einem ausgewählten Werk der deutschen Filmgeschichte – sowohl Klassiker als auch zeitgenössische Filme – zu beschäftigen. Der Film wird mit seinen vielfältigen Facetten analysiert und thematisch, historisch sowie ästhetisch eingeordnet. Abhängig vom gewählten Schwerpunkt bestehen die Kurse aus Vollsichtung, Sichtung von Filmausschnitten, angeleitetem Filmgespräch, Erarbeiten des Entstehungskontextes und der Rezeptionsgeschichte anhand der Ausstellungen und verschiedener Archiv- und Quellenmaterialien sowie eines Vergleichs mit anderen filmischen Werken. Bei öffentlichen oder teilöffentlichen Vorführungen müssen jedoch entsprechende Rechte vorab geklärt und ggf. abgegolten werden.

Filmbildung und Friedliche Revolution

Im Jubiläumsjahr 2009 genoss die Friedliche Revolution in der DDR 1989 große Aufmerksamkeit. Im gesamten Bundesgebiet entstanden vielfältige und umfassende Bildungsangebote. Oft wurde der Zugang zum Thema über die Medien Film und Fernsehen gesucht, was sich aus zwei Motiven erklären lässt: Film und Fernsehen waren in der DDR stark durch das Regime beschränkt, beeinflusst und somit geprägt. Der von der Bevölkerung erzwungene Niedergang des Regimes, die Umbruchszeit 1989/1990, wurde – oftmals ohne Überwachung und frei von Zensureingriffen – intensiv medial begleitet. Spielfilme verarbeiteten wiederum im Nachhinein das Geschehene. So wird heute die Vorstellungswelt von den Ereignissen durch einen reichen fotografischen und filmischen Bilderfundus geprägt. Bewegte und unbewegte Bilder stellen den Alltag und seine Probleme in der DDR dar, dokumentieren und kommentieren die Umbruchszeit und verarbeiten im Rückblick das Leben und die Beschränkungen, denen die Bürger der DDR - weit über das Filmschaffen hinaus – unterworfen waren. Obwohl sie durch einseitige Betrachtungsweisen das Verständnis der Ereignisse verzerren können, werden sie mittels angemessener Analyse zu einer unschätzbaren Quelle. Hinzu kommt, dass bewegte Bilder gegenwärtig eine zentrale Bedeutung für die Lebenswelt junger Menschen besitzen. Sie sind in der Freizeit ebenso präsent wie in der Schule oder am Arbeitsplatz. Die Bereitschaft gerade junger Menschen, sich anhand dieser Medien mit der Umbruchszeit zu beschäftigen, ist daher besonders groß.

Auch die Deutsche Kinemathek hat seit dem zwanzigjährigen Jubiläum der Friedlichen Revolution eine Reihe von Filmbildungsangeboten entwickelt, die sich mit unterschiedlichen Facetten der DDR, der Umbruchszeit und auch der rückblickenden Aufarbeitung beschäftigen. Neben dem frei zugänglichen Internet-Portal "unterricht.wir-waren-so-frei.de", das private Film- und Fotoaufnahmen der Umbruchszeit für den schulischen Kontext aufarbeitet und in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung entstanden ist, lädt des Weiteren ein Filmkurs sowie der Workshop "Film in der DDR – die DDR im Film" zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Themenfeld ein.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Bei Stop-Motion oder Stopptrick wird ein Film oder eine Filmszene Bild für Bild produziert. Dabei zeichnet die Kamera jeweils ein einziges Bild auf, anschließend werden die Gegenstände, Figuren etc. vor der nächsten Einzelbildaufnahme manuell neu arrangiert. Beim Abspielen der Einzelbilder in Folge wird die Wirkung eines bewegten Bildes erzielt (Animation). Die Kamera bleibt bei dieser Technik in gleicher Position, während die von ihr erfassten Bildelemente verändert werden. Wenn bei einem Stop-Motion-Film nicht mit räumlichen, sondern mit zweidimensionalen Materialien gearbeitet wird, spricht man auch von "Legetrick".

Lizenz

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 2.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 2.0 Deutschland" veröffentlicht.
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Jurek Sehrt, Historiker, leitet den Bildungsbereich (Museums-, Medien- und Archivpädagogik) der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Berlin. Zudem ist er freischaffend für diverse weitere Kultureinrichtungen und Hochschulen tätig, veranstaltet Fortbildungen und hat diverse Filmbildungsprojekte initiiert und begleitet.

Stefan Zollhauser, Historiker und Sozialpädagoge, arbeitet seit zehn Jahren in der historischen Bildungsarbeit und seit drei Jahren in der Filmvermittlung und als Stadtführer.