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GOLDSTÜCKE

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GOLDSTÜCKE

Angela Merl

/ 6 Minuten zu lesen

Modeatelier im Rahmen von YOUNG PLANET – ein Mitmachforum für junge Weltretter ab 10 Jahren beim SAVE THE WORLD II – Climate Change Festival mit Künstler/innen und Expert/innen.

Modeatelier im Rahmen von "YOUNG PLANET – ein Mitmachforum für junge Weltretter" ab 10 Jahren beim Festival "SAVE THE WORLD II – Climate Change" des Theaters Bonn. (© Thilo Beu)

Das am Theater Bonn stattfindende Festival SAVE THE WORLD war der Grundimpuls für die Gründung von YOUNG PLANET. Neben der Auseinandersetzung von Künstler/innen und Wissenschaftler/innen sollte es ein Mitmachforum geben, in dem sich Kinder und Jugendliche künstlerisch mit den Themen des Kongresses auseinandersetzen können. Junge und erwachsene Besucher/innen konnten an drei Tagen auf dem Gelände der Halle Beuel das Thema Klimawandel für sich entdecken und dazu experimentieren. Insbesondere die jungen Utopist/innen probierten sich bei YOUNG PLANET aus und fanden Antworten auf die Fragen, was der Klimawandel überhaupt ist und wie Nachhaltigkeit im Alltag funktionieren kann.

In den Festivalkontext eingebettet war das Projekt GOLDSTÜCKE: im Nähatelier Goldstücke konnten unter Anleitung fachkundiger Schneider/innen der Kostümwerkstatt des Theater Bonn alte Kleidungsstücke nach eigenen Vorstellungen aufgepimpt und zu neuen Lieblingsstücken umgenäht werden. Hierfür brachte jede/r Teilnehmende Altkleider mit und gestaltete sie mit den schillernden Materialien des Theaters um.

Neben dem unten beschriebenen breiten Spektrum an verschiedensten Aspekten und künstlerischen Herangehensweisen an das Thema Klimawandel, haben wir ganz bewusst auch das Thema Mode und Upcycling gesetzt. Mode weil es ein relevantes Thema für die Zielgruppe ist und Upcycling weil es einen möglichen praktischen Weg aufzeigt, wie man selber zum Thema Klimawandel aktiv werden kann. Beim Upcycling werden Abfallprodukte oder nutzlose Stoffe in neuwertige Produkte umgewandelt. Im Gegensatz zum Downcycling kommt es bei dieser Form des Recyclings zu einer stofflichen Aufwertung. Die Wiederverwertung von bereits vorhandenem Material reduziert die Neuproduktion von Rohmaterialien und verringert damit Energieverbrauch, Luft- und Wasserverschmutzung sowie Treibhausgasemissionen.

Davon ausgehend, dass jeder Kleidungsstücke, an denen man sich leid gesehen hat, die nicht mehr passen oder mit denen man sich verkauft hat, hat und kennt, haben wir das SAVE THE WORLD Nähatelier GOLDSTÜCKE ins Leben gerufen. Die Ausstattung und Einrichtung sowie der gute Betreuungsschlüssel haben GOLDSTÜCKE zu einem echten Erfolg werden lassen. Neben einem großen Arbeitstisch an dem mindestens 16 Teilnehmende Plätze fanden, gab es noch drei Nähmaschinen-Arbeitsplätze. Im Raum standen mehrere schön gestaltete Koffer mit nach Farben sortierten Stoffresten, Bordüren, Knöpfen etc. (liebevoll von unseren Kostümschneidern über Wochen gesammelt und zusammengestellt), Anziehpuppen, eine Bügelstation und gedruckte Labels mit dem SAVE THE WORLD Schriftzug, die man im Nachhinein an sein neu gestaltetes Kleidungsstück nähen konnte, zur freien Verfügung.

Materialkoffer (© Thilo Beu)

Vier Schneiderinnen haben Tipps gegeben, beraten und geholfen. Sie haben sich viel Zeit für die Teilnehmer/innen genommen und sie in ihrem Schaffen unterstützt, ihnen aber nicht die Arbeit abgenommen. Es wurde viel probiert, geändert, experimentiert und jede/r ist mit mehreren neu gestalteten Lieblingsstücken nach Hause gegangen.

Es war begeisternd zu sehen, dass dieses Angebot absolut generationenübergreifend großen Anklang gefunden hat. Die jüngsten Teilnehmer/innen waren sechs Jahre alt und die ältesten über 70 Jahre. Das Atelier war durchgehend gut besucht. Viele haben über mehrere Stunden an ihren GOLDSTÜCKEN gearbeitet.

Im Workshop (© Thilo Beu)

In der Vorbereitung und Durchführung ist das Projekt als unkompliziert einzustufen. Fünf Kriterien sind besonders hervorzuheben, die zu einem guten Gelingen beitragen können:

  1. Der Ort sollte einladend gestaltet werden, so dass die Teilnehmer/innen Lust haben sich kreativ zu betätigen und neugierig darauf sind, Sachen auszuprobieren. Das ist mit einem schönen Essen zu vergleichen, wo man so gerne sagt "Das Auge isst mit". Genauso sollte auch an die Raumgestaltung herangegangen werden. Wie oben beschrieben lohnt es sich, viele Stoffreste, Pailletten, ungewöhnliche Knöpfe, Applikationen, Spitzen und alles weitere, das sich im Vorfeld gut sammeln lässt, nach Farben zu sortieren und für das Auge einladend zu drapieren. Wir haben Koffer genommen, gut kann auch jede Form von Boxen dafür genutzt werden. Der Raum sollte klar und aufgeräumt sein. Wenn keine Kleiderpuppe vorhanden ist, sollte eine Kleiderstange mit Bügeln aufgestellt werden.


  2. Es sollten immer ausreichend erfahrene Helfer/innen den Teilnehmer/innen beiseite stehen, um beraten zu können, zu zeigen wie man die Nähmaschine benutzt, mit bestimmten Materialien umgeht, zu ermutigen und bei der Entscheidungsfindung zu helfen, wenn Teilnehmende unsicher sind usw.


  3. So wie wir ein Label mit SAVE THE WORLD haben drucken lassen, kann jedes Nähatelier sein eigenes Label erfinden und drucken lassen. Das schafft Identität und man ist stolz auf sein neues GOLDSTÜCK.


  4. Die Kosten sind überschaubar. Wir haben eine Grundausstattung von Nadeln, Scheren und notwendigen Arbeitsmaterialien angeschafft und die Label drucken lassen. Kleidungsstücke haben die Teilnehmer/innen selber mitgebracht. Stoffreste und Zubehör haben wir über einen längeren Zeitraum gesammelt. Über die Schulen würde es sicherlich gut gelingen, die Eltern aufzurufen, Materialien zu sammeln und zu spenden.


  5. Jugendliche haben einen starken Bezug zum Thema Mode und werden selbst aktiv. Im besten Fall bekommen sie neben der Freude an der eigenen kreativen Gestaltung ein anderes Bewusstsein für den Wert von Kleidungsstücken, können die gängige Konsumhaltung hinterfragen und ein Bewusstsein für die globalen Zusammenhänge von Mode und Klimawandel bekommen.

Mit dem Projekt GOLDSTÜCKE werden die Teilnehmer/innen sofort in die Lage versetzt, selber aktiv einen Teil zu dem ganzen Themenkomplex Klimawandel und Nachhaltigkeit beizutragen.

Handarbeit (© Thilo Beu)

Ziel von Young Planet ist es, Räume der kreativen Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Grundsatzfragen, die Gegenwart und Zukunft betreffen, zu öffnen und die Teilnehmer/innen von der ersten Minute an in ein aktives Handeln zu versetzen.

Das Projekt GOLDSTÜCKE fand im Rahmen des YOUNG PLANET Programms statt, in dem folgende weitere Projekte angeboten wurden:

Auf der Upcycling Baustelle arbeitete man genau wie im Projekt GOLDSTÜCKE nach dem Prinzip "aus alt mach neu". Upcycling (engl.: aufwerten) bedeutet, dass man aus scheinbar "Nutzlosem” oder "Abfall" etwas Neues, Höherwertiges herstellt. Die Urabnisten Linda Krause und Thomas Zigahn zeigten, was man aus alten Tetrapaks oder Holzresten noch alles machen kann.

Im Blumencontainer konnte man aktiv gegen den Klimawandel vorgehen. In dem Workshop Blumenbomben der Künstlerinnen Emine Ercihan und Eva Krenzer wurden die Besucher/innen Teil einer grüneren Welt. In dem eigens dafür geschaffenen Mini-Biotop konnten alle Interessierten unter Anleitung aus bereitgestellten Zutaten Blumenbomben herstellen, diese dann anschließend auf kargem Boden hinterlassen, und so nach und nach die tristen Ecken der Stadt Bonn mit grünem Leben füllen. Mit URBAN GARDENING kann durch einfache Mittel das Bild einer Stadt positiv verändert werden.

Im Theatercontainer verstand man, dass "Angst ein Luxus ist, den man sich nur im Glück leisten kann". Hier spielte DER TRAUM VON OLYMPIA, eine Flüchtlingsgeschichte ab zwölf Jahren, nach der kürzlich erschienenen gleichnamigen graphic novel von Reinhard Kleist. Die Hauptfigur Samia ist die schnellste und hat den Kopf voller Träume. Ihr größter Traum ist es, ihre Heimat zu verlassen und bei den Olympischen Spielen in London eine Medaille zu gewinnen. Darum begibt sie sich mit 300 anderen Reisenden in einem Schlauchboot auf eine waghalsige Reise. Die Regisseurin Nadine Schwitter entwickelte ein Theaterstück für eine Schauspielerin, die anhand von Live-Hörspielelementen und poetischen Bildern mit den jugendlichen Zuschauern in Samias Lebenswelt eintaucht.

Zwischen den Vorstellungen von DER TRAUM VON OLYMPIA verwandelte sich der Theatercontainer kurzerhand in ein Mini-Kino. Für Zuschauer von fünf bis 99 Jahren wurde ein Comic-Trailer des deutsch-israelischen Künstlerduos "half past selber schuld" gezeigt, der die Hintergründe des Klimawandels spielerisch erläutert.

Als Klimabotschafterin trat die Pop-Klimafee Bernadette La Hengst wieder in Aktion. Im letzten Jahr konzipierte sie gemeinsam mit Nick Nuttal und tatkräftiger Unterstützung vom Bonner Zuschauerchor den Klimapopsong "Say goodby to lethargy, save the world with this melody". Dieses Jahr verbündete sie sich mit 40 jungen Sänger/innen der Bonni & Bo Klimabotschafter. Gemeinsam mit den Viertklässlern schrieb sie die neue Klima-Hymne 2015, die mittlerweile einer von drei Gewinnern eines weltweit ausgeschriebenen Jugend-Musikwettbewerbs der Vereinten Nationen ist, der zum Klimagipfel in Paris im November 2015 stattfand.

Projekttitel:GOLDSTÜCKE
Durchführende Institution:Theater Bonn, Sparte 4
Ansprechpartner/-in:Angela Merl
Mitgliedschaft (Landesverbände o.ä.):Assitec, Landesverband Theaterpädagogik
Kooperationspartner, weitere beteiligte Institutionen:Bundeszentrale für politische Bildung
Durchführungszeitraum:Nähatelier 19. & 20. Sept. 2015, tägl. von 14 – 19 Uhr, Gelände der Halle Beuel
Alter der Teilnehmenden:zwischen 6 und 99 Jahren
Anzahl der Teilnehmenden:Es waren durchgängig immer zwischen 7 und 16 Teilnehmer/innen aktiv beteiligt
Beteiligte Schulform:Alle
Künstlerische Sparte bzw. Sparten:spartenübergreifend
Internetlink:Externer Link: Theater Bonn

Angela Merl studierte Schauspielpädagogik und -therapie und ist seit 2000 freiberufliche Theaterpädagogin, Schauspielcoach, Autorin und Dozentin. Sie leitete internationale Theaterprojekte in Nord-Uganda, Liberia, und gründete "Crossroads" (Kunst- und Theaterprojekte in einer Hamburger Flüchtlingsunterkunft). Sie gibt Lehrerfortbildungen im Bereich Theater und Theaterpädagogik und ist seit 2011/ 2012 in der Ausbildung von Grundschullehrer/innen zum Fach "Darstellendes Spiel" am Landesinstitut für Lehrerfortbildung in Hamburg tätig. Seit der Spielzeit 2013/14 leitet sie die Sparte 4 am Theater Bonn.