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Soziokultur und kulturelle Bildung

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Soziokultur und kulturelle Bildung

Tobias J. Knoblich

/ 7 Minuten zu lesen

Soziokultur ist jene aktive Kultur, die von allen gemacht und gestaltet wird, vor allem in Einrichtungen und Initiativen vor Ort. Sie ist damit ein wichtiger Bestandteil kultureller Bildung.

Kulturelle Bildung findet in vielen Teilbereichen und Institutionen unserer Gesellschaft statt. Von besonderer Bedeutung sind dabei kulturelle Einrichtungen und Bildungsmethoden im außerschulischen Bereich, da sie zum einen junge Menschen im Kontext ihrer Interessen leichter erreichen und spielerisch zu gelingender Sozialisation und Bildung beitragen können, zum anderen, weil die Aktivierung und Nutzung von Kultureinrichtungen als Bildungsinstanz auch deren Entwicklung und Verjüngung begünstigt.

Ferner können auf diese Weise die Kooperationsbeziehungen zwischen Schule und Kultur verdichtet werden, was auch zu einem für junge Nutzerinnen und Nutzer lebensnahen Verständnis der Allianz von Bildung und Kultur beiträgt. Grundlage einer Bewertung der Bildungspotenzen im Kulturbereich ist die Anerkennung der Gleichwertigkeit von formeller, informeller und nichtformeller Bildung. Dies schließt die Akzeptanz unterschiedlicher Bildungsorte ein.

Soziokultur

Der Begriff Soziokultur hat zunächst mehrere Bedeutungsebenen und ist in seiner allgemeinsten Funktion ein kulturpolitischer Programmbegriff zur Zusammenführung von Kultur und Gesellschaft (wörtlich übersetzt "Gesellschaftskultur"). Soziokultur ist ein synthetischer Begriff, mit dem die traditionelle Trennung zwischen Kultur als Feld des Geistes und Gesellschaft als Feld des Sozialen überwunden werden soll. Häufig steht Kultur ausschließlich für das Reich des Schönen und der Künste, abgehoben vom Alltag, und Gesellschaft für die rein technisch-soziale Dimension der Zivilisation. Hermann Glaser, der den Begriff maßgeblich eingeführt hat, forderte, jegliche Kultur solle Soziokultur sein. Allein daran wird der große programmatische Wert des Begriffes deutlich, der seit den 1970er-Jahren die sogenannte "Neue Kulturpolitik" ganz wesentlich trägt, die von der Überzeugung ausgeht, dass Kulturpolitik Gesellschaftspolitik ist.

Im gegenwärtigen Sprachgebrauch beschreibt Soziokultur vor allem eine beteiligungsorientierte Kulturpraxis, die Elemente u.a. der Jugend-, Sozial-, Umwelt- und Bildungsarbeit einschließt. Im Vordergrund steht dabei die Aktivierung aller Bevölkerungsgruppen und sozialen Milieus, um kreative Potenziale der Lebensweltgestaltung freizusetzen und "Kultur für alle" sowie "Kultur von allen" (Hilmar Hoffmann) zu realisieren.

Soziokultur leistet einen Beitrag zur Demokratisierung von Kunst und Kultur, da sie nicht nur die Formen und Orte der Teilhabe an Kulturangeboten erweitert, sondern auch die Produktion kulturellen Schaffens pluralisiert und in den Alltag hinein verlängert. Dabei geht Soziokultur von den Möglichkeiten der Selbstorganisation und Selbstverwaltung aus. Sie steht nicht im Widerspruch zu traditionellen Kulturformen und -einrichtungen, sondern ergänzt diese in der Breite. Obwohl Soziokultur keinem Defizitansatz folgt, eröffnet sie auch benachteiligten Gruppierungen besondere Zugänge zu integrativen Formen der Gemeinschaft und Kommunikation.

Soziokulturelle Einrichtungen


Soziokulturelle Einrichtungen sind Orte demokratischer, basisnaher Kulturarbeit, die häufig aus alternativen Nutzungsoptionen für ursprüngliche Funktionsgebäude hervorgegangen sind, etwa Fabriken, Bahnhöfe, Lagerhallen u.ä. Sie setzen damit Kontraste zu klassischen Orten der Kulturproduktion und -vermittlung und werten den sogenannten "sozialen Nahraum" kulturell auf. Eine Soziokulturelle Einrichtung vereinigt selbstorganisiert unterschiedliche Arbeitsbereiche unter ihrem Dach, vor allem aus den Politikfeldern Kunst/Kultur, Jugend, Bildung, Soziales, Siedlungsentwicklung und Umwelt. Sie verfügt über ein ausformuliertes Leitbild und Selbstverständnis. Dazu gehört, dass sie sowohl partizipations- als auch rezeptionsorientiert arbeitet, also Kurse und Kreativangebote vorhält, aber auch als Veranstalter auftritt.

Als Kultureinrichtung befasst sie sich mit mehreren künstlerischen Sparten, die sie in Beziehung setzt, vernetzt und fördert. Dabei spricht sie sowohl das professionelle als auch das Laienschaffen an. Sie arbeitet dicht an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger, verfolgt also einen engen Gemeinwesenbezug, und ist nichtkommerziell ausgerichtet. Vielfalt schlägt sich auch in ihren Arbeitsformen nieder: Eine Soziokulturelle Einrichtung verfügt über wiederkehrende Aktionsbereiche, aber auch projektförmig angelegte, experimentelle Methoden, um zeitlich und thematisch eingegrenzt Vorhaben von großer Aktualität umzusetzen.

Sie begreift sich immer auch als Forum politischer Bildung und demokratischer Aktivierung, ohne parteipolitisch gebunden zu sein. Zur Umsetzung soziokultureller Arbeit nutzt die Einrichtung feste Räume, die sie auch für Initiativen, andere Vereine und sonstige Dritte, soweit sie den Charakter der Einrichtung nicht gefährden, zur Verfügung stellt.

Eine Soziokulturelle Einrichtung arbeitet mit öffentlichen Zuschüssen im Bereich ihrer Zweckbetriebe, erwirtschaftet aber auch Eigeneinnahmen, gegebenenfalls auch mit Hilfe wirtschaftlicher Geschäftsbetriebe (etwa Veranstaltungsbereich, Gastronomie).

Eine große Bedeutung kommt dem ehrenamtlichen/bürgerschaftlichen Engagement zu, das die Einrichtung ganz wesentlich trägt und ihrerseits fördert. Sie zielt im Sinne sozialer Kulturarbeit dabei nicht auf die Behebung von Defiziten einzelner Nutzerinnen und Nutzer, sondern schafft zunächst Räume für deren mögliche Selbstverwirklichung, Bildung und Kommunikation. In einem zweiten Schritt wendet sie sich auch der Integration Benachteiligter zu, da ihr niedrigschwelliger Anspruch auch den Umgang mit Defiziten einfordert.

Eine Soziokulturelle Einrichtung thematisiert in unterschiedlichen Bereichen gesellschaftliche Marginalisierungen, weil der Ansatz einer "Kultur für alle" einschließt, dass auch wirklich alle erreicht und mit ihren Bedürfnissen in den Blick genommen werden. Die Institutionalisierung der Soziokultur folgt dem Prinzip der Vielfalt.

Erweiterter Bildungsbegriff - Soziokultureller Bildungsbegriff


Soziokulturelle Einrichtungen sind zweifelsohne auch Bildungsorte. Um ihre Leistungen auf diesem Gebiet bewerten zu können, muss man sich vor Augen führen, dass Bildung mehr ist als die formale Vermittlung von Wissen. Schon seit den 1980er-Jahren wird ein "erweiterter Bildungsbegriff" gefordert, der die entscheidenden Akzente von der didaktisch-formalen Zurichtung der Vermittlungssituation und der Aufbereitung von Inhalten auf den Umgang mit politischen, sozialen und kulturellen Phänomenen und Erfahrungen verlagert. Verschärft hat sich diese Forderung durch die Kritik an der Schule als ein "System struktureller Demütigung" im Rahmen der PISA-Studie.

Für den erweiterten Bildungsbegriff in unserem Kontext heißt das, die Bildungsprozesse unmittelbar in die kulturelle Szene zu verlagern und auch als Selbstbildungsprozesse zu begreifen. Dabei geht es um Bildung als Querschnittsaufgabe einer demokratischen Gesellschaft, also eine gesellschaftspolitische Betrachtung, und nicht um die Einengung auf Lernziele oder Institutionalisierungen wie die Ganztagsschule. Die Bildungspotenziale liegen also in der Praxis selbst und werden durch deren Gelingen wirksam. Ferner kommt es darauf an, die Vernetzung mit Kindergärten, Schulen sowie Aus- und Fortbildungsstätten von Erziehern und Lehrern zu verstärken und die Projektarbeit dafür zu nutzen. Kulturelle Bildung betrifft nicht allein Kinder und Jugendliche, sondern alle Altersgruppen.

Für den hier betrachteten Praxisbereich lässt sich ein entsprechend weiter "soziokultureller Bildungsbegriff" ableiten. Bildung im Bereich der Soziokultur ist von vornherein interdisziplinär ausgerichtet und keinesfalls auf künstlerische Gebiete beschränkt, wobei es sowohl formelle und informelle als auch nichtformelle Bildungsangebote gibt. Entscheidend ist der für soziokulturelle Angebote hohe Grad an Selbstbetätigung und Selbstorganisation, der jeden Bildungsvorgang zu einem Akt der Selbstverwirklichung werden lässt. Eine Soziokulturelle Einrichtung bietet beispielsweise Ansatzpunkte für alle jüngst im "Leipziger Manifest" der ästhetischen Bildung geforderten Lernaspekte: hören lernen, sehen lernen, Sprache lernen, Rollenspiele lernen, Bewegung lernen, Informationen erschließen , und sie ist schon jetzt ein erprobter Partner in der Zusammenarbeit mit konventionellen Bildungsorten wie Schule.

Kulturelle Bildung in Soziokulturellen Einrichtungen

Soziokulturelle Einrichtungen sind nicht nur reine "Kulturanbieter", wie es trotz kulturpädagogischer Ansätze tendenziell etwa Museen oder Theater bleiben, sondern auch Orte für gelebte Demokratie und Dialog, für Prävention und Partizipation, für Mitmachen und Mitgestalten. Sie verkörpern ein kreatives Anregungsmilieu zur Aneignung von Lebenswelt und erfordern hohe soziale Kompetenzen, denn sie wirken nicht insular und um ihrer selbst willen, sondern stets mit Bezug auf das sie umgebende Gemeinwesen. Damit sind sie als alternative Bildungsorte prädestiniert, aber in der Vergangenheit leider nicht überall als gleichwertig anerkannt worden.

Die Auseinandersetzung vornehmlich mit den künstlerischen Sparten (Darstellende Kunst, Bildende Kunst, Literatur, Film, Video u.a.) hat stets mehrere Seiten, da sich professionelles und Laienschaffen durchdringen, aber auch die Ziele der Arbeit variieren. Einmal geht es um wirkliche künstlerische Entwicklungen, ein anderes Mal um Kunst als sozialen Prozess, Aspekte kultureller Sozialarbeit. Diese Vielfalt in den Arbeits- und Wirkungsstrategien birgt auch unterschiedliche Möglichkeiten für Bildungsleistungen, die direkt oder vermittelt erreicht werden können. Ein wichtiges Instrument ist dabei die Projektarbeit. Eine jüngste Umfrage unter den Soziokulturellen Einrichtungen Deutschlands mit Blick auf die Verbindung von Soziokultur und Bildung in deren Arbeit hat folgende Wirkungsabsichten als derzeitige Schwerpunkte herausgearbeitet:

  • Vorhalten alternativer Ansätze zur Arbeit von Schule

  • Schaffen von künstlerischen Erfahrungsräumen in sozialen Brennpunkten

  • Erhöhen der Lern- und Methodenvielfalt im schulischen Bereich

  • Erlebbar- und Erlernbarmachen kreativer Fähigkeiten

  • Vermittlung sozialer Kompetenzen

  • Erschließen neuer Nutzergruppen für die soziokulturelle Arbeit

Diese Wirkungsabsichten korrespondieren mit einem formulierten soziokulturellen Ansatz, der in entsprechenden Angeboten und Projekten verfolgt wird und die Qualität der kulturellen Bildung unterstützt. Hier gaben die Befragten folgende Schwerpunkte an:

  • Auflösen von Grenzen (zwischen Kulturen, Generationen usw.)

  • Ermöglichen von Kultur für "Randgruppen"

  • Beschreiten neuer und innovativer Wege in der Gesellschaft

  • Ermöglichen breiter Beteiligungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Engagementformen

  • Förderung eigener Ausdrucksmöglichkeiten

  • Vermischung unterschiedlicher künstlerischer Mittel und Methoden

  • Spartenübergreifendes Erleben von Kunst und Kultur mit heterogenen Teilnehmergruppen

  • Identität von Lernenden und Lehrenden

Literatur

Glaser, Hermann, Stahl, Karl Heinz: Die Wiedergewinnung des Ästhetischen. Perspektiven und Modelle einer neuen Soziokultur, München 1974.

Zacharias, Wolfgang: Plädoyer für einen erweiterten Bildungsbegriff, in: ders., Kultur und Bildung. Zwischen Sinn und Sinnlichkeit. Texte 1970-2000, S. 163 ff.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Vgl. Kulturstiftung der Länder: Kinder zum Olymp! Zur Notwendigkeit ästhetischer Bildung von Kindern und Jugendlichen, Dokumentation des Kongresses in Leipzig vom 29. bis 30. Januar 2004, S. 133 ff.

  2. Vgl. Stefan Peter: Kultur für alle – Bildung für alle!, in: Informationsdienst Soziokultur, Nr. 53, 3/2003, S. 2 ff.

M.A., geb. 1971; Geschäftsführer des Landesverbandes Soziokultur Sachsen e. V., Vizepräsident der Kulturpolitischen Gesellschaft e. V., Mitglied und Pressesprecher des Sächsischen Kultursenats, Dresden.