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Die Welt ist zu rund, um still in der Ecke zu sitzen

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Die Welt ist zu rund, um still in der Ecke zu sitzen

Marc van Dijck

/ 5 Minuten zu lesen

Mit ihren inspirierenden Plakaten bezieht die Initiative Loesje Menschen aktiv in die Gesellschaft ein. Plakate mit selbst verfassten Texten sind für Loesje kreatives, spielerisches und niedrigschwelliges Ausdrucksmittel; eine anregende Betrachtung der Welt, etwas zum Nachdenken, Humor dient dabei als Inspirationsquelle.

Loesje Plakat (© Loesje e.V.)

Oktober 2008, eine Gruppe Jugendlicher im Wendland plant, sich an der Demonstration gegen den Castortransport zu beteiligen. Sie wollen ihre Meinung zum Atommülllager in ihrer Region kundtun und suchen nach einer geeigneten Weise dafür. Ein Transparent ist leicht angefertigt, aber was schreibt man darauf? Sie bitten Loesje, mit ihnen über dieses Thema zu schreiben, und setzen die selbstgeschriebenen Loesje-Plakate bei der Demonstration ein. Darunter: "Castortransport, niemand will einsteigen, wieso steigt dann keiner aus“, "Auch geistige Bomben haben einen Einschlag“ und „Atomausstieg, ich mache mit“.

Wer ist Loesje?

Loesje wurde am 24. November 1983 in Arnheim, Niederlande, "geboren“. Die Geburt wurde durch Plakate in den Straßen angekündigt: "Wenn Loesje kommt wird alles anders“. Seit diesem ersten öffentlichen Auftritt lebt Loesje das energiegeladene Leben eines "Postergirls“. Angefangen hatte alles mit dem Wunsch, im Gegensatz zur damaligen Protestbewegung, die gegen alles Mögliche war, eine Bewegung für etwas zu gründen. Dabei suchte man nach einem politischen Ausdrucksmittel, das nicht nur in der "Szene“ wahrgenommen würde. Plakate sind traditionell eines der direktesten öffentlichsten Ausdrucksmittel, weil sie billig herzustellen und leicht zu veröffentlichen sind, also lag die Wahl des Mediums nahe. Der Mädchenname "Loesje“ gab dem Ganzen eine persönliche Note. Damit wurden auch Maßstäbe für die Richtung gesetzt, die Loesje einschlagen würde. Es ging nicht mehr nur um Politik als Kampferfahrung, sondern darum, Ideen zu allen Bereichen des Lebens zu formulieren. Das tut Loesje mit kurzen, kräftigen, kreativen Texten. Mit Humor und einem fortschrittlichen Blick auf die Welt. So sagte sie beispielsweise: "Was tut dieses Parkhaus in meinem Sandkasten“. Und später: "Der Lehrer hat heute wieder viel von mir gelernt“.

Die Initiative einer kleinen Gruppe von Leuten wuchs rasch zu einer Non-profit-Organisation, die in den Niederlanden sehr bekannt wurde und seit 1989 weltweit Menschen für sich gewonnen hat. Seit 1990 ist sie in Deutschland tätig. Seit 2005 hat das internationale Loesje-Büro seinen Sitz in Berlin.

Was will Loesje?

Große Politik (© Loesje e.V.)

Loesje steht für Selbstbestimmung, Kreativität, Kommunikation sowie die Freiheit der Kunst und der Meinungsäußerung. Die Initiative ergreifen, selbst denken, die eigene Meinung sagen, mitmachen; statt abseitszustehen und zuzuschauen. Die Plakate sind auf eine anspornende Weise geschrieben. Oft regen sie den Leser zum Nachdenken und Reagieren an, manchmal rufen sie zur Aktion auf, manchmal entlocken sie nur ein Lächeln. Außerdem will Loesje Menschen dabei unterstützen, sich und ihre Meinung auszudrücken. Das macht sie vor allem in Workshops, in denen sie mit anderen zusammen ihre Texte schreibt. Dabei benutzt sie ihre eigene Methode des kreativen Schreibens. Die kräftigsten und treffendsten Resultate werden anschließend auf Plakaten veröffentlicht - immer unterschrieben mit ihrem Namen. Während die Poster früher im öffentlichen Raum verbreitet wurden, ist heutzutage auch das Internet ein wichtiges Medium.

Im Fall Wendland kooperierte Loesje mit Jugendlichen, die schon selbst aktiv waren. Oft aber arbeitet sie mit Menschen zusammen, die nicht aktiv mit ihrer Umgebung beschäftigt sind. Loesje lädt sie ein, sich über allerlei Themen in kreativen, inspirierenden Texten auszudrücken und die Poster zu verbreiten. Loesje unterstützt Anteilnahme.

Die Methode des kreativen Schreibens

Migration (© Loesje e.V.)

Loesje hat eine Workshopmethode entwickelt, die sie seit zwanzig Jahren zur Anfertigung ihrer Plakate verwendet. Die interaktiven Workshops sind eine Art nicht-formeller Bildung, wobei Sprachgewandtheit und Meinungsentwicklung ineinandergreifen. Die Texte entstehen in der Gruppe; das Schreiben ist ein aktiver Gruppenprozess. Die Workshopmethode basiert auf kreativen Schreibtechniken und lässt die Teilnehmer "out of the box“ denken.

Jede/-r Teilnehmende kann dabei Themen einbringen. Was beschäftigt einen gerade? Was hat man morgens in der Zeitung gelesen, worüber hat man sich aufgeregt, sich gewundert oder was hat einen begeistert? Die Teilnehmenden teilen ihre Gedanken. Es findet eine Diskussion statt (erst verbal, dann auf Papier), die nicht nur ein Mittel ist, sich und die eigene Meinung auszudrücken, sondern auch ein Austausch untereinander. Man kommt ins Gespräch, man inspiriert einander, man lehrt und man lernt voneinander. In Schreibrunden trifft man auf die unterschiedlichsten Menschen. Unterschiede und Gemeinsamkeiten kommen auf denselben Themenblättern, die untereinander weitergegeben werden, zusammen. Die Gruppe schreibt die Texte zusammen und die Ergebnisse werden demnach unter Loesjes Namen veröffentlicht.

Progressiv (© Loesje e.V.)

Eingangs werden die Teilnehmenden durch Schreibübungen vorbereitet, weil die Texte die Vorstellungskraft anregen sollen. Nicht nur die Idee, sondern auch der Stil, in dem sie dargestellt sind, ist wichtig – damit andere sie lesen wollen. Verwendet werden Techniken, um kräftige Bilder zu schaffen, Texten unerwartete Wendungen zu geben, humorvolle Sprüche zu kreieren und auch um die vorliegenden Themen aus neuen Blickwinkeln zu betrachten. Es geht darum, mit Sprache zu experimentieren und zu spielen, und auch darum, auf das zu reagieren, was andere schreiben. Beim Thema "Einfluss von Medien“ kann man fragen "Wer manipuliert die Medien?“. Beim Thema "Kunst“ kann die Wirklichkeit umgedreht werden: "Kunst auf die Straße, Autos ins Museum“. Und beim Thema "Sinn des Lebens“ kann ein Bild skizziert werden: "Die Welt ist zu rund, um still in der Ecke zu sitzen“.

Nach dem Workshop wird aus den geschriebenen Texten eine Posterserie zusammengestellt. Die Teilnehmenden sehen das Resultat ihrer Mühe. Die Plakate werden veröffentlicht.

Die Teilnehmenden

Dieser Workshop wird sowohl innerhalb des Netzwerks mit aktiven Mitgliedern oder Interessierten als auch bei der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen eingesetzt, so wie Schulen, Universitäten, Non-profit-Organisationen und Betrieben, die auf ihre jeweils eigene Weise nach einer kreativen und menschlichen Gesellschaft streben.

Loesjes Aktivitäten

Loesje überschreitet gerne Grenzen. Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen haben unterschiedliche Vorstellungen. Das kann auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene der Fall sein oder in unterschiedlichen sozialen Bereichen. Bei einem internationalen Austauschprojekt oder einem Workshop in einem anderen Bundesland oder sogar im Ausland treffen kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufeinander.

In Deutschland veröffentlicht Loesje monatlich online (Externer Link: www.loesje.de) eine Posterserie in deutscher Sprache. Diese ist das Ergebnis von Schreibrunden von deutschsprachigen Loesje-Mitgliedern; von regelmäßigen öffentlichen Schreibrunden in Berlin, die für jeden zugänglich sind; von in Kooperation gehaltenen Workshops; und von Texten, die Websitebesucher auf Externer Link: www.loesje.de beitragen.

Die Methode des kreativen Schreibens wird bei unterschiedlichen Aktivitäten eingesetzt, sowohl national als auch international. Beispielsweise bei von Loesje in Berlin organisierten internationalen Austauschprojekten, wobei Jugendliche aus verschiedenen Ländern gemeinsam an einem Thema arbeiten, wie zum Beispiel Menschenrechte, Bildung und interkulturelles Lernen. Die Methode ermöglicht einen Austausch auf spielerische Weise. Aber Jugendliche sind nicht Loesjes einzige Zielgruppe; alle Menschen sind es. So schrieb sie am 3. Mai 2008, am Internationalen Tag der Pressefreiheit, mit Menschen in 28 Ländern das Buch "Book in one day“ zum Thema "freie Meinungsäußerung“. Ein weiteres Buch entstand 2010: in "What borders do you cross to be free“ geht es um Grenzen. Zurzeit gestalten junge Menschen, die sich bei Loesje engagieren, eine Initiative, um sogenannte "EU4youth Points“ zu errichten, die als Leseecke, Kreativ-Punkt zum Reflektieren und Ort für soziales Netzwerken dienen.

Bei jeder Loesje-Aktivität gilt: Loesje bringt Menschen zusammen und motiviert sie, um (gemeinsam) über die Gesellschaft und das Leben nachzudenken, sich auszudrücken, inspirierende Poster und Ideen zu verbreiten, die Initiative zu ergreifen, aktiv zu sein.

Mitmachen

Mehr Informationen zu Loesje gibt es auf Externer Link: www.loesje.de und Externer Link: www.loesje.org. Vielleicht hast du bald selbst ein Poster am Fenster hängen?

Fussnoten

Marc van Dijck war von 2001 bis 2008 für Loesje in den Niederlanden tätig. Heute engagiert er sich für Loesje als Workshopleiter. Er arbeitet (freiberuflich) als Redakteur in den Niederlanden und Berlin.