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Sechs Fragen an das Deutsche Architekturmuseum Frankfurt am Main

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Ein Thema für die politische Bildung? Revolte im Kinderzimmer Jugendmode vor dem Hintergrund jugendlicher Lebenswelten Mode in kommunistischen Diktaturen Wirtschaftsmacht Modeindustrie – Alles bleibt anders Lifestyle-Kapitalismus Praxisbeispiele Mode in der Schule world-wide-wool.net Gestern Hipster, heute Punk GOLDSTÜCKE Fashion@Society: Mode trifft Moral Dokumentation Interview Gertrud Lehnert Slow-Fashion-Tour Philosophie Fachtagung 2020: "Selbstoptimierung" Arbeit am perfekten Ich Fachtagung 2019: "Streiten lernen" Hannes Loh, Stephan Versin: Gangsta-Rap und Ethik Prof. Dr. Marie-Luisa Frick: Ohnmacht der Argumente? Dr. Alexander Grau: Verständigung in heterogenen Gesellschaften Prof. Dr. Riem Spielhaus: Wenn Mitdiskutieren verbieten verboten ist Streitgespräch: Alexander Grau und Riem Spielhaus QUA-LiS NRW, Demokratiebildung als Aufgabe der Schule – Einblicke in die Praxis der Grundschule St. Josef Greven Prof. Dr. Sabine Döring: Emotion und Argument Abschlusspanel: Jun. Prof. Dr. Ulaş Aktaş im Gespräch mit Dr. Sabine Dengel KLASSE DENKEN 2019 Zivilisiert Streiten Fake News Wir alle sind das Volk Das Universum und ich Fachtagung 2018: "Was ist Identität?“ Perspektiven auf die Identitätsthematik Wer entscheidet wer ich bin? Rückbindung an die Praxis Kollektive Identität Rubens, Du und ich Identitätspolitik und Populismus Populismus der Linken? KLASSE DENKEN 2018 Kann das Lügen moralisch sein? Markt und Moral Menschen, Mäuse und Maschinen Was ist nach dem Tod? Fachtagung 2017: "Demokratie und der Streit um Werte" Thematische Verortung in Politik und politischer Bildung Zur Theorie der Demokratie, Werte und Toleranz Über die Praxis Ein sozialwissenschaftlicher Abschluss Fachtagung 2016: "Philosophie als Zukunftsaufgabe" Eröffnung Impulsreferate und Diskussion Expertenworkshops Kabarett: Heiner Kämmer Abschlusspodium Video-Interviews Royston Maldoom: We should start with the arts Linkliste Redaktion

Sechs Fragen an das Deutsche Architekturmuseum Frankfurt am Main

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Auf die kulturelle Vielfalt der Stadtgesellschaft geht das Museum mit Ausstellungsangeboten, aber auch außerhalb der eigenen Räume ein. Das Projekt Stadtteildetektive animiert Grundschüler, sich auf spielerische Weise mit Architektur zu befassen und Frankfurt als ihre gemeinsame Stadt zu entdecken.

1. Ist Ihr Publikum multikulturell zusammengesetzt? Warum/Warum nicht?

In einer Stadt wie Frankfurt mit einem Anteil von Bürgern mit Migrationshintergrund von rund 38%, der sich unter den Jugendlichen von 14 – 18 Jahren auf annähernd 50% beläuft, ergibt sich eine multikulturelle Zusammensetzung des Publikums automatisch. Hinzu kommt die internationale Ausrichtung des DAM, die eine wachsende Zahl von (Fach)Besuchern aus Europa und Übersee garantiert.

2. Was bedeutet interkulturelle Bildung für Sie, und wie versuchen Sie diese in Ihrer Institution umzusetzen?

Da Museen trotz der Bemühungen um Öffnung in alle gesellschaftlichen Gruppierungen hinein, immer noch zuviel "Elfenbeinturm" und zu wenig "ebenerdiges Haus" sind und Migrationshintergrund nur allzu häufig mit Bildungsbenachteiligung einhergeht, entspricht auch im Deutschen Architekturmuseum die Anzahl der Besucher mit Migrationshintergrund noch lange nicht ihrem tatsächlichen Anteil in der Frankfurter Bevölkerung. Das heißt, wir bemühen uns zum einen, über Zielgruppenangebote wie etwa Workshops zum Thema Kuppelbau begleitend zu einer Ausstellung über Sinans Moscheen, solche Besucher ins Museum zu holen, die ohne ein unterstützendes Angebot nicht kommen würden. Zum anderen verlassen wir gezielt den "Elfenbeinturm", nicht zuletzt, weil sich Architektur immer vor der Haustür befindet, und organisieren Projekte mit Schulklassen und Kindertageseinrichtungen vor Ort.

Interkulturelle Bildung im Museum heißt, die kulturelle Heterogenität einer Stadtgesellschaft zur Kenntnis zu nehmen und ihr mit entsprechenden Angeboten im Museum selbst, aber auch mit "aufsuchender kultureller Bildung" Rechnung zu tragen; im besten Fall wird der interkulturelle Ansatz zum grundsätzlichen Gestaltungsprinzip.

3. Wie sieht die Verbindung von kultureller und interkultureller Bildung bei Ihrem Projekt "StadtteilDetektive – Kinder entdecken ihr Frankfurt" genau aus? Welche Ziele verfolgen Sie damit?

Das Projekt "StadtteilDetektive – Kinder entdecken ihr Frankfurt" thematisiert den urbanen Raum und beabsichtigt die Aneignung des städtischen Raums von den "Rändern her aufzurollen". Als Ausgangspunkt wird konsequent das jeweilige Lebensumfeld der Kinder gewählt – das Wohnhaus, die Straße, die Schule, der Stadtteil. Aus der Sicherheit des Vertrauten kann das Fremde, das Unbekannte erobert werden. Viele Kinder, egal ob deutsche oder mit Migrationshintergrund, verlassen ihren Stadtteil kaum, der städtische Raum als Ganzer ist in der Regel nicht bekannt oder bedeutungslos. Das Projekt begibt sich bewusst auf die Augenhöhe der Kinder und versucht nachzuvollziehen, wie Kinder Räume wahrnehmen und allmählich ihre Raumgrenzen erweitern. Die Kinder lernen zu beurteilen, was sie umgibt und erkennen allmählich das Potential der Architektur, das Leben der Menschen angenehm zu machen, es positiv oder auch negativ zu beeinflussen. Die Beschäftigung mit ausgewählter Architektur Frankfurts hat nicht zuletzt identitätsstiftende Auswirkungen und fördert das Bewusstsein der Kinder, selbst ein Teil dieser Stadt zu sein. Die "StadtteilDetektive" machen Station an Frankfurter Grundschulen. Bei den Kindern mit Migrationshintergrund dort hat ein wachsender Anteil die deutsche Staatsangehörigkeit. Dies entfernt möglicherweise die Kinder ein Stück weit von der ethnischen und kulturellen Identität ihrer Eltern, fördert aber nicht notwendigerweise ein Zugehörigkeitsgefühl zu Deutschland. Konsequenterweise versucht das Projekt, eine Identität als Frankfurterin oder Frankfurter zu stärken. Das gilt gleichermaßen für deutsche Schülerinnen und Schüler.

4. Welche Chancen bietet aus Ihrer Sicht die Arbeit eines Museums für die interkulturelle Bildung?

In einem Museum als einem außerschulischen informellen Lernort, kann Lernen jenseits von Selektionsdruck und Prüfungsrelevanz gestaltet und kulturelle Vielfalt als echte Bereicherung begriffen werden. Das Museum ist ein Forum, ein Experimentierfeld, auf dem Kinder und Jugendliche sich ausprobieren können.

Stadtplan (© Deutsches Architekturmuseum Frankfurt a.M.)

Das Architekturmuseum ist in hervorragender Weise für interkulturelle Bildung geeignet, die Sprache der Architektur ist universell, und jedes Kind besitzt sie, unabhängig von seiner ethnischen Herkunft und unabhängig auch von seiner Kompetenz in der deutschen Sprache. Mädchen bauen anders als Jungen, türkische Kinder anders als eritreische, aber da die verbale Kommunikation nicht im Vordergrund steht, haben alle Kinder weitgehend gleiche Ausgangsbedingungen.

Insofern ist die Museumspädagogik in einem Architekturmuseum per se ein Forum für interkulturelles Lernen. Die Dauerausstellung des DAM "Von der Urhütte zum Wolkenkratzer", eine Zeitreise durch die Geschichte des Wohnens, ermöglicht die Fortführung des interkulturellen Dialogs und bietet Kindern mit Migrationshintergrund, möglicherweise das erste Mal, Einblicke in den kulturellen Reichtum des Herkunftslandes ihrer Eltern; gleichzeitig wird der "deutschland-zentristische" Blick der deutschen Kinder relativiert und ein Stück weit erschüttert, durchaus im Sinne des pädagogischen Ziels.

5. Wo sehen Sie in Ihrer Institution im Hinblick auf die Ansprache eines kulturell heterogenen Publikums noch Verbesserungsbedarf?

Die Zielgruppenangebote sollten weiter ausgebaut werden, die Zusammenarbeit mit Kunstpädagogen und Architekten, die ihrerseits über einen Migrationshintergrund verfügen, sollte gefördert werden.

6. Was möchten Sie in diesem Zusammenhang anderen Kulturinstitutionen mit auf den Weg geben?

Die Ratgeberrolle würde ich nicht so gern für mich in Anspruch nehmen.

Die Fragen beantwortete Christina Budde für das Deutsche Architekturmuseum.

Fussnoten