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kulturelle Bildung

14.12.2010 | Von:
Daniel Kraft

Money for nothing?

Fundraising als Finanzierungsperspektive für politische und kulturelle Bildung

Money for nothing? Fundraising für die politische und kulturelle Bildung

Neben dem professionellen Antragsmanagement ist es für immer mehr Bildungseinrichtungen unerlässlich, ein professionelles Fundraising aufzubauen. Wenngleich die Spendenbereitschaft für Anliegen der politischen und kulturellen Bildung nach wie vor deutlich geringer ist als beispielsweise im karitativen Bereich, haben eine Reihe von Trägern der politischen und kulturellen Bildung in den letzten Jahren beachtliche Erfolge im Fundraising erzielt. Hierbei gilt es einige zentrale Aspekte zu beachten.

Das Anliegen mit Konzept kommunizieren

"Beim Fundraising geht es um die Erstellung einer Kommunikationsstrategie für die Beschaffung von Finanzmitteln, und zwar vor allen Dingen für Mittel, die nicht nach klaren Förderkriterien vergeben werden und nicht regelmäßig fließen." Diese Definition von Marita Haibach grenzt das Fundraising zum einen von den antragsbasierten Fördermitteln ab, zum anderen macht sie deutlich, dass es beim Fundraising um mehr geht, als nur um das einmalige "Betteln". Professionelles Fundraising basiert auf einem für die Organisation entwickelten Fundraising-Konzept [3], mit dem man über Jahre sein Anliegen präsentiert. So verstandenes Fundraising kommt also nicht aus der "Trickkiste", sondern bedarf vielmehr einer "Konzept-Küche", wie es Prof. Dr. Robert Purtschert auf dem 2. Fundraising-Tag der politischen Bildung 2008 in Köln ausführte.[4]

Fundraising ist sicher nicht der schnellste, aber angesichts der immer knapper werdenden öffentlichen Mittel ein wichtiger Weg zur nachhaltigen finanziellen Sicherung von Projekten der politischen und kulturellen Bildung. Der große Vorteil bei den auf diese Weise eingeworbenen Mitteln: Sie können relativ flexibel eingesetzt werden und stärken nicht zuletzt die (finanzielle) Unabhängigkeit der Organisationen.

Im Rahmen des Konzeptes können dann verschiedene "Fundraising-Aktionen" geplant und durchgeführt werden [5]. Dabei ist gerade im Bereich der politischen und kulturellen Bildung essentiell, dass die gewählten "Fundraising-Instrumente" zum eigenen Anliegen passen. Die Erfahrungen und Modelle aus anderen Non-Profit-Bereichen können nicht ohne weiteres auf die Träger politischer und kultureller Bildungsarbeit übertragen werden. Beispielsweise ist in der politischen Bildung, etwa bei der Gedenkstättenarbeit, ein hohes Maß an Sensibilität gefragt. Aber ein professionelles und auf universellen ethischen Prinzipien beruhendes Fundraising kann auch eine Chance bei der Verstärkung des Bildungsauftrags darstellen, indem es von Instrumenten anderer Spenden sammelnder Organisationen profitiert.

Denn es ist ja ein Kernanliegen der politischen und kulturellen Bildung, die Bereitschaft zur Partizipation zu stärken. Dies kann durch Fundraising-Aktivitäten geschehen, die stets auch Teil des Marketings der eigenen Organisation sind. Es ist davon auszugehen, dass viele Teilnehmende, insbesondere der Angebote der politischen Erwachsenenbildung, sich dieser wichtigen Rolle durchaus bewusst sind und zur individuellen Unterstützung dieses Anliegens durch eine Spende bereit sind. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist es für das Fundraising im Bereich der politischen und kulturellen Bildung existentiell, sich an den Grundregeln des Fundraisings zu orientieren: Ehrlichkeit, Respekt/ Würde, Integrität, Empathie, Transparenz. Bei der kulturellen Bildung im Speziellen sind die Kernanliegen die Stärkung der Persönlichkeit, des Selbstwertgefühls, der Kreativität und der Handlungskompetenzen der Teilnehmenden sowie des Miteinanders und der gesellschaftlichen Integration. Interesse an Kunst, ihren Formen und Inhalten und somit an gesellschaftlichen Zusammenhängen soll geweckt werden und die Teilhabe der – meist jungen – Menschen am sozialen Leben gefördert werden. Zielgruppe der kulturellen Bildung sind vor allem – aber nicht nur – Kinder und Jugendliche. Diese verfügen zwar selbst über keine finanziellen Mittel, um Bildungsmaßnahmen zu unterstützen, diese Zielgruppe als Leistungsempfängerinnen und -empfänger ist jedoch ein Faktor, der sich bei vielen potenziellen Spenderinnen und Spendern positiv auf die Unterstützungsbereitschaft auswirken kann. Mit einer Spende investiert man in die Zukunft der Gesellschaft. Nicht zuletzt aus diesem Grund gehört die Kinder- und Jugendhilfe seit Jahren zu dem Bereich, für den Deutsche am häufigsten spenden.[6]

Ebenso zeigt sich bei der Verteilung der Spenden in Deutschland, dass der Bereich der kulturellen Bildung durchaus von der generell größeren Bereitschaft der Spenderinnen und Spender profitieren könnte, Geld für Kultur und Denkmalpflege zu geben.[7] Auf der anderen Seite gilt es hier aber auch, die Besonderheiten der kulturellen Bildung in Abgrenzung zur Kulturförderung besonders deutlich herauszuarbeiten.

Fußnoten

3.
http://www.buergergesellschaft.de/praxishilfen/
fundraising/fundraising-kreislauf/konzepterarbeitung/104059/
, Stand: Dezember 2010.
4.
http://www.bpb.de/files/G74ST9.pdf; Stand: Dezember 2010.
5.
vgl. hierzu: Robert Purtschert: Marketing für Verbände und weitere Nonprofit-Organisationen: http://www.socialnet.de/rezensionen/3259.php, S. 352, Stand: Dezember 2010.
6.
http://www.tns-infratest.com/branchen_und_maerkte/pdf/
social_marketing/15_Jahre_Deutscher_Spendenmonitor.pdf
, Stand: Dezember 2010.
7.
http://www.fundraisingverband.de/Statistiken/
Spendenzwecke.html
, Stand: Dezember 2010.

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