kulturelle Bildung

20.5.2011 | Von:
Seo Min-Jung

Länderbeispiel Südkorea: Kulturelle Bildung auf vielen Ebenen stärken

Kulturelle Bildung in den Gemeinden

Zur kulturellen Bildung auf Gemeindeebene haben alle Menschen ungeachtet ihres Alters, ihrer sozialen Position und ihres Wohnortes Zugang. Mit speziellen Programmen wendet man sich zumeist an Bewohner kulturell benachteiligter Gebiete im ganzen Land, an Sozialstationen für vernachlässigte Kinder, Jugendliche, ältere und behinderte Bürger in städtischen, ländlichen oder Küstenregionen, an militärische Justizvollzugsanstalten und an Jugendstrafvollzugszentren. Je nach der Besonderheit der jeweiligen Einrichtung werden Kunstpädagogen eingesetzt, die auf Musik, Gukak, Theater, Tanz und Film spezialisiert sind. Man greift dabei auch zurück auf personale Unterstützung durch nichtstaatliche Institutionen, die ihre eigenen musischen und kulturellen Bildungsprogramme haben.

Aufgrund eines Partnerschaftsabkommens zwischen dem Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus und dem Ministerium für Gesundheit und Soziales, das die kulturelle Bildung fördern soll, wird außerschulischer Unterricht auch in Jugendtreffs angeboten. Ab dem Jahr 2011 sollen Orchesterprogramme für Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Haushalten starten, größtenteils unter den Fittichen regionaler Kunst- und Kultureinrichtungen.

Dank des von den Gemeinden getragenen Programms zur musischen und kulturellen Bildung haben zum Beispiel ältere Bürger, die ihr ganzes Leben auf entlegenen Inseln verbracht haben, Gedichte schreiben gelernt; sie bekamen auch die Möglichkeit, sie öffentlich vorzutragen. Ferner konnten infolge der Zusammenarbeit zwischen den Jugendzentren, Kunstpädagogen und einheimischen Künstlern Dutzende von jungen Leuten mit großem Erfolg Theaterstücke auf der Bühne aufführen. Ein Gefängnisinsasse, der während der Haft gelernt hatte, Gedichte zu schreiben, machte dies nach Abbüßen seiner Strafe sogar zu seinem Beruf.

Neben KACES organisieren die meisten Kulturinstitutionen (Theater, Museen) ihre eigenen musischen und kulturellen Bildungsprogramme. In 16 koreanischen Städten und Provinzen gibt es größere oder kleinere Kulturzentren und Privatinitiativen, die mit kultureller Bildung zu tun haben. Diese Einrichtungen betreiben nicht nur ihre jeweiligen eigenen Programme, sondern auch in der Region angesiedelte KACES-Projekte. Sie arbeiten also eigenständig oder in einem Interessenverband unter dem Namen Korean Cultural & Arts Centers Association, der mehr als 140 Kulturzentren in einem Netzwerk vereint. Ein Beispiel ist Bucheon City, eine im Großraum Seoul gelegene Stadt, die sich als kulturelles Zentrum mit eigenen Kunstpädagogen, eigenem Philharmonischem Orchester und Chor präsentiert.

Berufsausbildung, Forschung und Entwicklung

Kunstpädagogen, die für die kulturelle Bildung in einer Schule oder in einer Gemeinde eingesetzt werden, werden unter Hochschulabsolventen mit künstlerischen und praktischen Erfahrungen ausgewählt und nehmen jedes Jahr an speziellen Weiterbildungen teil. Während der Sommer- und Winterferien werden solche Kurse für Pädagogen abgehalten, die in künstlerischen Fächern tätig sind, eingeteilt je nach ihren Einsatzbereichen und dem Stand ihrer Berufserfahrungen. KACES führt auch Aus- und Weiterbildungen in Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Berufsausbildung wie pädagogischen Hochschulen durch und lässt sich von ihnen in Bezug auf die qualitativen Aspekte der Bildungsprogramme beraten.

Im Unterschied zu anderen Bildungsträgern auf dem Gebiet der Künste können bei KACES auch Geschäfts- und Schulleiter, Beamte der Ministerien für Kultur, Sport und Tourismus, der Justiz und der Verteidigung sowie im Kulturbereich tätige regionale Verwaltungsbeamte an künstlerischer und kultureller Aus- und Weiterbildung teilnehmen, um ihr Wissen zu erweitern. Als Reaktion auf die zunehmende Multikulturalität der Gesellschaft werden inzwischen auch Fachleute in multikultureller Pädagogik ausgebildet und an Schulen entsendet.

KACES investiert auch in die Forschung und Entwicklung bezüglich kultureller Bildung. So wurden verschiedene Studien, Forschungsarbeiten und Gutachten zur kulturellen Bildung erstellt, die auf breiter Ebene die Wirksamkeit der kulturellen Bildung in Korea verbessert haben. Dazu zählen eine Studie zur Entwicklung eines Kreativitäts- und Kulturkompetenzindexes und ein Gutachten zu Projekten der kulturellen Bildung. Bei KACES werden auch regelmäßig Seminare zur Erfassung und Zusammenführung der Expertise rund um das Thema künstlerische und kulturelle Bildung veranstaltet.

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