kulturelle Bildung

29.5.2012 | Von:
Susanne Tenzler-Heusler

Idee und Ziele von Buchkinder Leipzig e.V.

Bei den Buchkindern Leipzig machen Kinder Bücher selbst, von der ersten Idee bis zum gedruckten und gebundenen Ergebnis, das auch verkauft wird. Neben Kreativität und handwerklichem Geschick spielen dabei auch Verantwortung und soziale Kompetenzen eine wichtige Rolle.

Link zur Methode "Buchkinder Leipzig - Nachahmer erwünscht!".

Buchkind in Aktion beim DruckenBuchkind in Aktion beim Drucken (© Buchkinder Leipzig e.V.)
In der Druck- u. Schreibwerkstatt des Buchkinder Leipzig e.V. entwickeln Kinder und Jugendliche im Alter von 4-16 Jahren ihre Geschichten zu eigenen Büchern. Sie überlegen und diskutieren ihre Ideen in der Gruppe, schreiben sie auf, illustrieren, setzen und drucken, bis die bunten Produkte ihrer Fantasie gebunden zwischen Buchdeckeln vorliegen. Die Besonderheit der Buchkinderarbeit liegt neben dem freien und selbstständigen Arbeiten in der Einbindung in alle Prozesse des Büchermachens; vom ersten Strich auf dem Papier bis hin zum Vertrieb ihres eigenen Buches, welches in kleinen Auflagen in der eigenen Buchmanufaktur hergestellt wird. Buchkinder wachsen mit ihren Büchern. Die Kinder tauschen sich untereinander aus, entwickeln Achtung für die Ideen anderer. Sie übernehmen Verantwortung und entwickeln neben Kreativität und kommunikativen Fähigkeiten auch soziale Kompetenz. Lesungen und Ausstellungen gehören ebenfalls zum Buchkinder-Alltag. Hierbei präsentieren die Kinder ihre eigenen Bücher in der Öffentlichkeit und verkaufen diese sogar selbst.

Warum gibt es den Verein? Was treibt uns an?

Wir verstehen unsere Arbeit als Bildungsarbeit ergänzend zu dem, was Schule und Elternhaus leisten können. Ziel ist es, die Freude am eigenen Ausdruck zu wecken und diese in einem schöpferischen Arbeitsprozess zu erhalten, dicht an der Lebenswirklichkeit der Kinder.

Aktuelle Zahlen aus der KIM-Studie 2010 (KIM-Studie 2010, Kinder+Medien+Computer+Internet, Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-jähriger in Deutschland, Herausgeber: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, S. 61,62) zum Thema Mediennutzung und Bedeutung bei Kindern und Jugendlichen unterstreichen die Wichtigkeit dieser Arbeit. Auch heute lesen Kinder natürlich in ihrer Freizeit Bücher. Drei Fünftel der Mädchen und zwei Fünftel der Jungen sind regelmäßige Leser. Kinder lesen oft Bücher, deren Inhalte auch aus dem Fernsehen bekannt sind. Allerdings: Der Anteil der Nichtleser wird von Jahr zu Jahr größer. Aktuell liest jedes fünfte Kind in seiner Freizeit NIE ein Buch.

Das ist erschreckend und beängstigend, denn: Welche Bedeutung die einzelnen Medien nach Ansicht der Eltern für Kinder haben, wurde anhand verschiedener Aussagen über potenzielle Wirkungen ermittelt. Ganz eindeutig: „Als bestes Medium“ gilt nach wie vor das Buch: Kein anderes Medium ist bedeutsamer für die Förderung von Fantasie, des Lernens generell und für den Schulerfolg der Kinder.

Statistik: Bedeutung der Medien für Kinder 2010

Buchkinderarbeit ist demnach nicht „nur“ eine Freizeitbeschäftigung. Die Beschäftigung mit Büchern und dem Büchermachen bildet sowohl einen Grundstein für künftige Lernerfolge in den Schulen als auch bei der persönlichen/charakterlichen Entwicklung der Kinder.

Was uns noch antreibt: Unser Freund und Förderer, der Reformpädagoge Otto Herz, hat es treffend formuliert: „Kinder sind und bleiben Hoffnungs-Träger. Dann, aber auch nur dann, wenn wir ihre ihnen eingeborene Künstler-Kraft belassen, wenn wir Räume schaffen und Zeiten sichern, in denen sie ihre Wesens-ART, KÜNSTLER zu sein, leben können und leben dürfen.“ Mit unserer Arbeit schaffen wir einen Raum, in dem die Kinder sich frei fühlen und entfalten können und dies jenseits ihres gewohnten Alltagsstresses. Mit dem Heranführen der Kinder und Jugendlichen an die Handwerkstraditionen des Setzens, Druckens und Buchbindens stützen wir uns bewusst auf die Tradition Leipzigs als Buchstadt. Wir fördern dabei den Erwerb von handwerklichen Fähigkeiten und ein Verständnis für praktische Arbeitsabläufe. Gleichzeitig wird der selbstverständliche Umgang mit neuen Medien gepflegt. Im Mittelpunkt des zeitintensiven Arbeitsprozesses steht schöpferische Auseinandersetzung mit den eigenen Bildern, dem eigenen Text bis zum fertigen Buch. Die Arbeit in der Kindergruppe gibt Anregungen, ist "Spiegel" und Korrektiv. Das Resultat in der Buchkinderarbeit ist das eigene Buch, der Weg dorthin ist das Ziel der Buchkinderarbeit.

Buchkinder unterwegs

Der Verein und seine Arbeit werden über die Grenzen von Leipzig hinaus im deutschsprachigen Raum wahrgenommen. Mehrere Ausstellungen und die damit verbundenen Lesungen steigerten die öffentliche Wahrnehmung der Buchkinder. Die Buchkinder nehmen seit 2002 regelmäßig an den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig mit einem eigenen Stand und Lesungen teil. Mit Unterstützung der Bundeskulturstiftung konnten wir die Idee einer Wanderausstellung mit einem begleitenden Seminarprogramm für Multiplikatoren im Jahr 2005 erstmalig umsetzen. In den vergangenen sechs Jahren hat sich so ein bundesweites Netzwerk herausgebildet mit weiteren 14 aktiven Buchkinderstandorten in Deutschland. Das Konzept der Buchkinderarbeit findet ebenfalls international seine Anwendung. In Zusammenarbeit mit den Goethe-Instituten finden seit 2006 Workshops für Kinder und Seminare für Multiplikatoren statt (Italien/ Neapel 2006, Kenia/Nairobi – 2008+2009, Südafrika/Johannesburg 2010, Polen/Warschau 2010, Frankreich/ Lyon 2011).

Ehrungen und Preise

Ein öffentliches Feedback zu unserer Arbeit erfahren wir durch überregionale mediale Aufmerksamkeit, aber auch durch verschiedene Auszeichnungen, wie zum Beispiel den startsocial-Preis (2004), den Zukunftspreis Jugendkultur der PWC-Stiftung (2006), oder dem Antiquaria-Preis (2006) für ein „vorbildhaftes, bildungspolitisch akutes und pädagogisches Projekt, das Kindern das Besondere an Büchern greifbar und erlebbar macht, den Ehrenpreis „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ (2007), und den Sonderpreis des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz "Heimat (er)finden!" für das Projekt „Tagebücher“ (2009). 2011 wurde der Verein im Rahmen des Programms „Die Verantwortlichen“ von der Robert Bosch Stiftung für zukunftsweisendes Engagement ausgezeichnet.


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Ungeachtet der Bedeutung neuer digitaler Entwicklungen spielt auch der Film als historisch gewachsene und nach wie vor sehr massenwirksame Kunstform eine zentrale Rolle für die Medienbildung. Die Frage nach dem Wie und Warum filmischer Darstellungformen ist dabei wesentlich für eine mündige Rezeption und sachkundige Einordnung der dargebotenen fiktionalen wie auch dokumentarischen Stoffe. Jeder Film spiegelt stets seine sozialen und kulturellen Kontexte wider. Daher ist es wichtig, das Medium nicht nur als mehr oder minder künstlerisch ambitioniertes Unterhaltsprodukt zu betrachten, sondern sich immer auch kritisch mit seinen offenen und verborgenen politisch-ideologischen Botschaften auseinanderzusetzen - und der Art und Weise, wie sie vermittelt werden.

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