kulturelle Bildung

25.6.2012 | Von:
Jugend Architektur Stadt e.V.

Jugend Architektur Stadt e.V. – Baukulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche

Der Verein möchte Kinder und Jugendliche anregen, die gebaute Umwelt mit allen Sinnen zu erkunden, Zusammenhänge zu verstehen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Sie werden dabei unterstützt, Gestaltungsideen für Stadt und Landschaft, Gebäude und Innenräume zu entwickeln. So werden sie in ihren kreativen und kritischen Ausdrucksmöglichkeiten gefördert.

Link zum Praxisbeispiel "Ein Schwimmbad ohne Wasser"

JAS - Schaufeln (© Jugend Architektur Stadt)

Unser Lebensraum ist in unserer Gesellschaft in hohem Maße gestaltet. Ob Straßenzüge, Parkanlagen, Naherholungsgebiete, Wohngebäude oder Einkaufszentren, dies alles sind gebaute Räume, die unser Leben in vielerlei Hinsicht beeinflussen. In der anderen Richtung werden diese Räume von uns und den Prozessen unserer demokratischen Gesellschaft produziert und verändern sich stetig. Wie wir unsere Städte und Gebäude heute und künftig lebenswert gestalten, ist daher keine Frage, die nur wenigen Eingeweihten vorbehalten sein darf. Es ist eine Frage der gemeinsamen Verantwortung und der aktiven Mitgestaltung.

Die Zukunft gemeinsam gestalten und voneinander lernen!

Wir müssen uns schon heute mit den zukünftigen Problemen und Anforderungen einer sich verändernden Gesellschaft beschäftigen. Die Qualität unseres Lebensraumes, der schon bald in der Verantwortung der nächsten Generation sein wird, kann dadurch nur gewinnen.

Kinder und Jugendliche legen in jeder Generation neue Maßstäbe an unsere Gesellschaft und auch an unsere gebaute Umwelt. Neue Ideen und Anforderungen werden getestet und mit dem Vorgefundenen verglichen. Diese neuen Ideen entstehen durch das Erkunden, Hinterfragen, Ausprobieren und die Neudefinition von vorhandenen und alltäglichen Räumen. Die Anforderungen der jungen Menschen an ihre Umgebung sind die Grundlage für die Zukunftsfähigkeit dieser Orte. Deshalb sollten wir Kindern und Jugendlichen helfen, ihre Bedürfnisse an den Raum stärker und reflektierter zu formulieren, ihnen Selbstbewusstsein, Wissen und Werkzeuge vermitteln, und es ihnen damit ermöglichen, an der Produktion dieses Raumes teilzunehmen.

Wandel durch baukulturelle Bildung

Das Thema Baukultur in der Bildung berührt viele Bereiche. Kinder und Jugendliche mit Methoden und Prozessen der Produktion des Raumes vertraut zu machen, befähigt sie nicht nur, diese Prozesse und deren Ergebnisse (unsere Umgebung) zu verstehen und sich einzubringen, sondern vermittelt auch tiefe Einblicke in die Funktionsweise unserer demokratischen Gesellschaft. Alle Formen der Beteiligung in Bau- und Planungsprozessen können nicht nur an die "Beteiligten“ in einer Richtung dieses Wissen vermitteln, sondern qualifizieren auch alle weiteren Akteure im Umgang mit den Ideen und Meinungen der Nutzerinnen und Nutzer. Mitarbeiter/-innen und Entscheidungsträger/-innen in Kommunen oder Unternehmen sind dabei genauso wie Experten und Architekten gefordert, die zukünftigen Nutzer als "Experten ihrer Bedürfnisse“ auf Augenhöhe einzubinden und dieses Potenzial zugunsten einer höheren und nachhaltigen Qualität unserer zukünftigen Städte zu nutzen. So kann die baukulturelle Bildung Inhalte von mathematischen und physikalischen Zusammenhängen sowie ästhetischen und handwerklichen Anforderungen vermitteln, Selbstbewusstsein und Meinungsbildung fördern und gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Zusammenhänge deutlich darstellen und zur Anteilnahme befähigen.

Wie arbeitet JAS

JAS – Jugend Architektur Stadt e.V. arbeitet mit einem breiten methodischen Ansatz. Jeder Aufgabe und Lerngruppe entsprechend, werden bewährte Arbeits- und Lehrmethoden angewandt, modifiziert oder neu entwickelt. Grundsätzlich lassen sich die Methoden und Angebote von JAS e.V. in drei Hauptthemen zusammenfassen:
  • Wahrnehmen & Erkunden
  • Entwerfen & Gestalten
  • Präsentieren, Diskutieren und Mitgestalten
Methodensteckbrief

Kurzbeschreibung Anhand einer konkreten oder fiktiven Maßnahme (z.B. Umgestaltung der Schule, Baumaßnahmen im öffentlichen Raum wie Plätze oder Spielanlagen)werden mit den Teilnehmenden Grundlagen besprochen, Erkundungsspaziergänge gemacht, Ideen mit Zeichnungen, Modellen oder Collagen entwickelt und dargestellt. Zum Abschluss befähigt eine Präsentation (idealerweise vor Publikum) der Ergebnisse die Teilnehmenden, ihre eigenen Ideen und ihre eigene Meinung zu vertreten und diese konkret zu artikulieren.
ZieleZusammenhänge erkennen, kreative Lösungen entwickeln und selbstbewusst präsentieren
Teilnehmerzahl15-20 Personen
Altersstufejede
Zeitbedarf ab 4 Stunden
RaumKlassenraum o.ä.
Benötigte Ausstattung / Materialien Zeichen und Modellbaumaterial
Sparte / Bereich / Feld Architektur / Landschaftsplanung / Design

Methodensteckbrief Gebaute Adjektive

Kurzbeschreibung Gebaute Adjektive: Die Kinder sollen zunächst Adjektive sammeln. Dann darf sich jedes Kind ein Wort aussuchen und dieses (z.B. sonnig, kalt, gemütlich, laut) in einem Modell mit Farben, Materialien, Gegenständen etc. veranschaulichen. Das Wort wird den anderen Kindern nicht verraten. Mit den fertigen Modellen wird dann ein Ratespiel gestaltet. (Quelle: Kinder_Sichten Bildungsverlag 2006)
ZieleKreative Übung zur Umsetzung von Atmosphären in einen Raumeindruck.
Teilnehmerzahlbis 20 Personen
Altersstufeab 8
Zeitbedarf 2-3 Stunden
RaumKlassenraum o.ä.
Benötigte Ausstattung / Materialien Kartons (An einer Seite offen), Modellbaumaterial (Pappe, Ton, Styropor, buntes Papier u.v.m.) Karteikarten oder Tafel.
Sparte / Bereich / Feld Architektur / Landschaftsplanung / Design

Wahrnehmen und Erkunden

Das sind die Ausgangspunkte der Arbeit von JAS e.V. Der Verein möchte Kinder und Jugendliche anregen, die gebaute Umwelt mit allen Sinnen zu erkunden, Zusammenhänge zu verstehen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

Die Möglichkeiten von Erkundungen und Wahrnehmungsschulungen sind zahlreich:
  • Streifzüge durch Gebäude und Stadtviertel
  • Kartierungen von (Sinnes)Eindrücken
  • Markierungen von Bewegungen, positiven oder negativen Aspekten im Raum
  • Interviews , Foto- oder Filmaufnahmen

Entwerfen & Gestalten

Der zweite wichtige Baustein der JAS-Arbeit ist die Entwicklung von Gestaltungsideen für Stadt und Landschaft, Gebäude und Innenräume.

Junge Menschen sollen in ihren kreativen Ausdrucksmöglichkeiten gefördert werden und Ideen für Räume, Häuser oder ganze Stadtviertel entwickeln. Dabei geht es nicht nur darum, eigene Wünsche und Bedürfnisse auszudrücken und umzusetzen, sondern auch darum, junge Menschen für die Belange anderer zu sensibilisieren und reale Zusammenhänge zu vermitteln.

Der Verein arbeitet hier zum Beispiel mit:
  • Modellbau
  • 1:1-Interventionen im Raum
  • kreativen Übungen wie der Umsetzung von Atmosphären in Raumeindrücke oder Collagen

Präsentieren, Diskutieren und Mitgestalten

In der Präsentation und Diskussion von Ergebnissen lernen Kinder und Jugendliche, ihre Ideen zu vertreten und nach außen darzustellen. Nicht zuletzt soll dadurch auch die Sicht der Kinder und Jugendlichen auf die Stadt und Architektur in der Öffentlichkeit präsent gemacht werden und im Idealfall auch in die Realität einfließen. Der Dialog zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist dabei ein wichtiger Aspekt. Denn es geht nicht darum, einseitig Wissen zu vermitteln, sondern um Austausch und gegenseitiges Lernen.

Jugend Architektur Stadt e.V. möchte daher junge Menschen anregen, Architektur, Design, Stadt und Landschaft - die gestaltete Lebensumwelt - mit allen Sinnen wahrzunehmen, neu zu entdecken und mitzugestalten.


Skyline von Schanghai
Dossier

Megastädte

Die Welt wird Stadt: Erstmals leben mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land. Und 2005 zählten die Vereinten Nationen zum ersten Mal 20 Megastädte weltweit. Das Dossier stellt nach und nach alle 20 vor und erschließt Hintergründe der Verstädterung.

Mehr lesen