kulturelle Bildung

23.10.2019 | Von:
Katharina Reinhold

Raum, Immersion und Beteiligung – drei Zutaten für eine gute Ausstellung?

Impuls: Andreas Geis

Andreas Geis stellte die Ausstellung »FAKE. Die ganze Wahrheit« des Stapferhauses vor. In einer Mischung aus interaktiven analogen und digitalen Elementen soll das Publikum zur Diskussion über die Phänomene Lüge, Wahrheit und Fake News angeregt werden.

Besucherausweis zur Ausstellung "FAKE. Die ganze Wahrheit"Besucherausweis zur Ausstellung "FAKE. Die ganze Wahrheit" (© Katharina Reinhold)

Das Stapferhaus im schweizerischen Lenzburg ist kein Museum im eigentlichen Sinne, sondern eine Bildungsinstitution, die mit dem Format Ausstellung arbeitet. Aktuelle gesellschaftliche Themen wie »Heimat«, »Geld« oder »Entscheiden« werden auf Augenhöhe mit den Besucherinnen und Besuchern verhandelt, indem ihnen vielfältige interaktive Zugänge zum Thema zugänglich gemacht werden.

Andreas Geis, (inzwischen ehemaliger) Leiter der Vermittlung des Stapferhauses, stellte die aktuelle Ausstellung »FAKE. Die ganze Wahrheit« vor. Dafür verwandelt sich das Stapferhaus in das »Amt für die ganze Wahrheit« – hier verhandelt werden zum Beispiel Themen wie Ehrlichkeit in der Liebe, Höflichkeiten im Alltag oder die unhaltbaren Versprechen der Politik. Es geht um professionelle Lügen und faktische Wahrheiten und die Schwierigkeiten, zwischen beiden unterscheiden zu können.

Die Ausstellung besteht aus neun Abteilungen. Der sogenannte »Chefbeamte« (verkörpert vom Schauspieler Martin Wuttke) empfängt die Besucherinnen und Besucher im Eingangsbereich und führt in einem Kurzfilm in das Thema ein. Bei jeder weiteren Abteilung der Behörde warten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, statt eines Eintrittstickets erhalten die Besucherinnen und Besucher einen Besucherschein, der in jeder Abteilung abgestempelt wird.

Für die Vermittlung der Ausstellung werden Praktikantinnen und Praktikanten für drei bis sechs Monate angestellt. Sie regen die Besucherinnen und Besucher zur Diskussion und Debatte an, werden dabei selbst Teil der Installation. In der Ausstellung können in der Bevölkerung gesammelte Lügengeschichten mit digitalen Abstimmungstools bewertet werden, ebenso gibt es einen Live-Lügendetektor und ein Faktencheck-Spiel. Ein digital geprägter Raum in der Ausstellung ist von einer riesigen Leinwand bestimmt, die veranschaulicht, wie sich ein Tweet von Donald Trump weltweit verbreitet.

Andreas Geis betonte, dass im Stapferhaus dann digitale Räume genutzt werden, wenn sie helfen, den Stiftungszweck zu erfüllen, dass nämlich das Haus eine Stätte der Begegnung und der geistigen Auseinandersetzung sein soll. Die Gestaltung dieser Aufgabe müsse aus der Erfahrung erarbeitet werden. Digitale Formate werden also eingesetzt, wenn sie Erfahrung ermöglichen. Dies kommt in den Ausstellungen des Stapferhauses in sehr unterschiedlichen Varianten zum Einsatz, zum Beispiel in Form einer Virtual Reality-Brille, mit der ein Flug zum Mond simuliert werden konnte.

Digitale Technologien könnten dabei helfen, Perspektivwechsel zu ermöglichen und Teilnehmerorientierung zu verstärken, so Geis. Er merkte an, dass ihre Entwicklung sehr aufwändig und teuer sei, und sie unter Umständen sehr schwierig in eine Narration zu integrieren seien. Im Vergleich und in Konkurrenz zu aktuellen Produktionen der Unterhaltungsindustrie seien für Ausstellungen entwickelte Spiele oder VR-Welten in der Regel vom look & feel nicht konkurrenzfähig, weshalb sie inhaltlich überzeugen müssen, so Geis.


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