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kulturelle Bildung

24.7.2009 | Von:
Gerda Sieben

Das Leben jenseits der 50 beflügelt die Fantasie

Demografischer Wandel

Grenzen intergenerativer Modelle – genuine Bildungsinteressen Älterer

Die große Resonanz auf die Möglichkeit eines Seniorenstudiums macht deutlich: Viele ältere Menschen wollen auch Anspruchsvolles lernen und sie wollen dies gerne gemeinsam mit Jüngeren tun. Lernziele und Interessen sind jedoch verschieden. Ältere bereiten sich nicht auf den Arbeitsmarkt vor, sie haben weniger Zeitdruck, sie haben andere Fragen und integrieren das neue Wissen auf andere Wiese in ihren Erfahrungsschatz und in ihr Leben als junge Menschen. Diese unterschiedlichen Bildungserwartungen und Ziele führen immer wieder auch zu Konflikten. Dass solche Konflikte auch produktive Lernanlässe sein können, zeigen viele intergenerative Projekte. Dennoch kann die Unterschiedlichkeit der Lernmotivationen und Ziele häufig nicht geleugnet werden.

Die Vielzahl von selbst - organisierten Bildungsformen zeigt, dass ältere Menschen mit einem guten Bildungshintergrund zunehmend ihre Bildungsinteressen auf der Basis eigener Ressourcen umsetzen. Individuell oder im Freundeskreis werden vorhandene Kulturinteressen gepflegt und ausgeweitet. Viele betätigen sich als Kulturvermittler. Sie gründen kulturtouristische Gruppen, Diskussionszirkel, Mediengruppen und Kunstwerkstätten. Andere arbeiten freiwillig in kulturellen Zusammenhängen und genießen hier die Chance zu intergenerativen Erfahrungsmöglichkeiten.

Auch der Boom der Seniorenakademien belegt dies. Volkshochschulen, private Anbieter und soziokulturelle Träger reagieren auf diesen Trend, Sie greifen Ideen auf und integrieren sie in ihre Angebotspalette. Vielleicht ist diese Situation vergleichbar mit der kulturellen Jugendbildung, die sich in den 70er Jahren mit den entstehenden autonomen Jugendzentren und der Vielfalt der neuen Aktivitätsformen auseinandersetzen musste und hier methodisch, didaktisch, aber auch in Bezug auf Formate und Inhalte profitiert hat.

Kaum entwickelt sind derzeit noch Angebote kultureller Bildung für ältere Menschen aus weniger bildungs- und kulturnahen Kreisen. Dazu gehört auch die bisher nur punktuell entwickelte Orientierung auf die wachsende Zahl älterer Migrantinnen und Migranten.

Forschungs- und Entwicklungsbedarf

Im Gegensatz zur kulturellen Jugendbildung ist kulturelle Altenbildung noch wenig beforscht und organisiert. Ungenau ist u.a. die Kenntnis über die Kompetenzen und Lebensstile der verschiedenen Gruppen der Menschen zwischen 55 und 100 Jahren. Ebenfalls ungenau sind die Kenntnisse über inhaltliche Interessen und angemessene Formen der Ansprache und Vermittlung. Das Entstehen der Fachrichtung "Geragogik" (pädagogische Zuwendung zu älteren Menschen) weist auf dieses neue Forschungsfeld hin.

In Deutschland gibt es seit Ende der 1980er Jahre Ansätze, ein entwicklungsorientiertes Verständnis von Alter in der kulturellen Bildung umzusetzen. Zu dieser Zeit hat das Institut für Bildung und Kultur neue künstlerische Wettbewerbe (Fotografie, Literatur) für ältere Menschen durchgeführt und erstmals ein Handbuch zur Seniorenkulturarbeit entwickelt. Die Volkshochschulen haben sich zu der Zeit ebenfalls konzeptionell neu orientiert. Viele Altentheater sind seither entstanden und greifen biografische Themen auf. Auch in den Bereichen Fotografie und Video gibt es eine Vielzahl von Aktiven, die sich schwerpunktmäßig mit den eigenen Erfahrungen auseinandersetzen.

Die kulturelle Bildung, die sich im Jahr 2005 in einer Welt mit globalisierter Kulturszene, neuen Diskursen und Medien bewegt, ist herausgefordert, die "neuen Generationen" der Älteren mit einem gewachsenen Selbstbewusstsein, höherem Bildungsgrad, wachsenden Männeranteil und einem wachsenden Anteil von Singles und Migranten in ihren Forschungsfragen und Angeboten zu berücksichtigen. Auch aus den neuen Erkenntnissen der Gerontologie, Psychologie und Lernforschung resultiert ein enormer Forschungs- und Entwicklungsbedarf für die (kulturelle) Bildung.


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