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kulturelle Bildung

24.7.2009 | Von:
Gerda Sieben

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Kulturelle Bildung braucht die lebendige Kunst- und Kulturpraxis

Ähnlich wie die Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (BKJ) eine positive "Kultur des Aufwachsens" beschreiben kann, gilt es jetzt, eine positive Kultur des "Alt Werdens" zu formulieren. Beide stehen zudem in einem engen Zusammenhang, denn, je besser die kulturelle Grundbildung im Jugendalter, je intensiver sie im Erwachsenenalter gepflegt und fortentwickelt wurde, desto größer die Chance, auch im Alter mit diesen Kompetenzen das Leben positiv zu gestalten.

Nicht zuletzt gilt es zu berücksichtigen, dass kulturelle Bildung bei allen guten Konzepten den Kontakt und den unmittelbaren Austausch mit der lebendigen Kunst- und Kulturszene braucht. Prozesse kultureller Bildung entfalten ihre besondere Wirksamkeit in der Spannung zwischen den Zielen und der Dynamik des künstlerischen Prozesses (Orientierung an der künstlerischen Qualität des Produktes, des Ausdrucks, der Nutzung künstlerischer Verfahren) und den Zielen und der Dynamik des pädagogischen Prozesses (Orientierung an Zielen der Persönlichkeitsentwicklung, Lebensweltbezug, Chancengleichheit)

In der Praxis kultureller Altenbildung geht es sowohl um die Förderung aktiver älterer Künstlerinnen und Künstler, als auch um die Anbindung von Laiengruppen an professionelle Unterstützerinnen und Unterstützer. So arbeiten z.B. viele Seniorentheater mit professionellen Regisseuren, das Landestheater Moers hat unter professioneller Leitung ein Theaterstück mit Demenzkranken entwickelt, Laienmusikensembles leisten sich eine ausgebildete Chorleitung, der Bundeswettbewerb Video der Generationen bietet von Medienprofis geleitete Workshops an. Hier können gute Erfahrungen, aber auch methodisches oder organisatorisches Know-how aufgegriffen und vermittelt werden. Nachfragen nach solchen Kompetenzen z.b. für Kunst- und Musikpädagogen werden vermehrt an die ausbildenden Hochschulen und den Weiterbildungseinrichtungen der kulturellen Bildung gerichtet.

Notwendig: Kooperationen und Erfahrungsaustausch

Notwendig ist daher die Entwicklung von konkreten Bildungsmodellen und spezifischen Vermittlungsformen künstlerischer Techniken in allen Kunstsparten. Notwendig sind neue Formen der Kulturvermittlung von und für ältere Menschen mit eigenen Methoden und Formaten. Auch wenn es bereits vereinzelt neue Formate und Lernformen gibt, werden sie bisher zu wenig systematisch erprobt oder evaluiert. Ein erster Schritt in diese Richtung kann gelingen, wenn die Akteure der kulturellen Bildung Erfahrungen intensiver austauschen und Perspektiven entwerfen. Kulturelle Altenbildung sollte auch mit anderen Bildungsbereichen enger verzahnt werden, z.B. mit der beruflichen Bildung/Erwachsenenbildung, den Bildungsangeboten für zivilgesellschaftliches Engagement oder der Gesundheitsbildung.

Eine engere Vernetzung der verschiedenen Akteure kultureller Altenbildung, Träger und Multiplikatoren, Älteren Menschen, Künstlerinnen und Künstler wird vielerorts nachgefragt. Das Institut für Bildung und Kultur e.V. an der Akademie Remscheid bietet mit dem 2006 gegründeten "Europäischen Zentrum für Kultur und Bildung im Alter", kubia eine Plattform mit Projekten, Informationen, Beratungs- und Weiterbildungsangeboten zum Thema Kultur und Alter an. Vernetzungen, etwa "mehrkultur55plus" aus NRW und das europäische Netzwerk "age-culture.net" werden hier gebündelt.

Der Text wurde veröffentlicht in: PUK Politik und Kultur, Zeitschrift des Deutschen Kulturrates, Nov.Dez. 2005.


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