kulturelle Bildung

3.1.2007 | Von:
Isabel Pfeiffer-Poensgen

Kinder zum Olymp

Kulturvermittlung

Kultur vermittelt sich jedoch nicht von selbst – dafür sind die Formen und Zusammenhänge, die sich in der Kunst zum Teil in Jahrhunderten entwickelt haben, zu komplex. Kinder müssen Kultur trainieren und auf der spannenden Entdeckungsreise zu Kunst und Kultur an die Hand genommen werden. Wem bereits als Kind die Möglichkeit gegeben wurde, die Sprache der Kunst zu entschlüsseln, der wird sein ganzes Leben lang durch die Künste immer wieder neue Welten entdecken und seine eigene Kreativität und Phantasie entwickeln. Und einem solchermaßen geschulten, unabhängigen Geist wird es leichter fallen, sich mit sozialen und politischen Gegebenheiten reflektierend und kritisch auseinanderzusetzen.

Kulturvermittlung ist in unserer Gesellschaft auf verschiedene Schultern verteilt. Verantwortlich sind zunächst einmal die Eltern gemeinsam mit Kindergarten und Schule. Natürlich werden nicht nur kulturelle Bildung, sondern ganze Wissenskodizes an Kinder und Jugendliche weitergegeben, in denen aber Musik und bildende Kunst, Theater und Literatur in der Regel nur eine Randposition einnehmen. Dies ist die Folge von seit inzwischen fast zwei Generationen mangelnder Einsicht in die Notwendigkeit kultureller Bildung – übrigens nicht zuletzt auch bei Bildungspolitikern. Kompetenzerwerb in Sprachen und Naturwissenschaften steht für die meisten Eltern, Erzieher und Lehrer nach wie vor an oberster Stelle. Und dies, obwohl inzwischen gerade aus den Naturwissenschaften, aus der Entwicklungsphysiologie und Hirnforschung auf den entscheidenden Impuls auf die Entwicklung von Kinder und Jugendlichen hingewiesen wird, der vom kreativen Umgang mit den Künsten ausgeht.

Verantwortlich für die Vermittlung von ästhetischer Bildung sind aber auch die Künstler und die Kultureinrichtungen! Und wer könnte Kunst besser, kompetenter, authentischer vermitteln als die Künstler selbst? In Deutschland mangelt es nicht an hochklassigen und vielfältigen Kultureinrichtungen in allen Sparten und Regionen: berühmte Orchester und Theater, hervorragende Opernhäuser, weltbekannte Museen, Bibliotheken – allesamt mit "Bildungsauftrag". Die Einrichtungen der kulturellen Bildung, z. B. Musikschulen und Jugendkunstschulen, leisten seit langem bereits einen wichtigen Beitrag zur Kulturvermittlung außerhalb der Schule. Deren Angebote in ganz Deutschland erreichen schon heute Tausende Kinder und Jugendliche, wenn sie denn den Weg dorthin finden.

Bei all denen, die heute künstlerisch tätig sind und die für die Kultur verantwortlich sind, wächst das Bewusstsein für ihren Bildungsauftrag – nicht nur ausgelöst durch die Sorge um leere Häuser und zurückgehende Einnahmen. Hier muss noch viel mehr passieren, will man den kulturellen Reichtum Deutschlands auf Dauer bewahren.

Die Umsetzung und Ausgestaltung dieses Bildungsauftrags in den Kultureinrichtungen hat aber nur dann eine wirkliche Chance, wenn das Thema Vermittlung zur so genannten Chefsache wird. Nichts gegen die tüchtigen Pädagogen mit ihren Angeboten – Rückenwind bekommt das Schiff, wenn die Pädagogen durch die Leitung der Institution tatkräftige Unterstützung erhalten, wenn sich ein Intendant, ein Museumsdirektor, ein Generalmusikdirektor der Sache ernsthaft annimmt, sie in überzeugender Weise zu seiner eigenen macht und sie auch gegenüber den Geldgebern in Politik und Verwaltung nachdrücklich vertritt. Dafür gibt es einige hervorragende Beispiele – so die Junge Oper in Stuttgart unter Klaus Zehelein oder die Berliner Philharmoniker und Sir Simon Rattle –, aber auch kleinere Häuser wie etwa in Aachen zeigen, wie es gehen könnte. Dabei muss sich das Vermittlungsangebot der Kultur in der Zukunft an eine denkbar breite Zielgruppe wenden. Natürliche und wichtige Partner sind Kindergärten. Dort sind alle Kinder anzutreffen – übrigens auch mit ihren unterschiedlichen kulturellen Hintergründen.

Für die Zukunft – und hier bietet die Ganztagsschule eine besondere Chance – werden langfristige integrative Modelle gebraucht, bei denen sich Künstler und Kultureinrichtungen, Lehrer und Eltern in der Verwirklichung kultureller Bildung gegenseitig unterstützen. Dabei muss die kulturelle Bildung in den Schulalltag eingebettet sein – und zwar nicht als eine Randerscheinung, sondern als unverzichtbarer Teil des Unterrichts wie alle anderen Unterrichtsangebote.


Kultur ist nicht Luxus, sondern Notwendigkeit. Kunst und Kultur zu fördern und zu bewahren ist Aufgabe der Kulturstiftung der Länder. Deshalb will Kinder zum Olymp! Kinder, Kunst und Kultur deutschlandweit zusammenbringen - quer durch alle kulturellen Sparten. Es geht darum, gute Ideen, die sich in der Praxis bewährt haben, nach außen zu kommunizieren und andere damit zur Nachahmung zu motivieren.

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