kulturelle Bildung

14.12.2010 | Von:
Peter Kamp

Querschnittsaufgabe mit Lücken - Zur Finanzierung kultureller Bildung

Erste Adresse für Anfragen zur Förderzuständigkeit auf Landes- oder Bundesebene ist immer diese Trägerlandschaft, da hier viel Know-how über öffentliche Fördermittel konzentriert ist: Der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (bkj) als Bundesdachverband korrespondiert ein Netz entsprechender Landesvereinigungen (lkj), die sich in fast allen Bundesländern zum Teil seit Jahrzehnten etabliert haben. Fokus ist hier (wie der Name sagt) die (kulturelle) Kinder- und Jugendarbeit, jedoch sind alle Landesvereinigungen vernetzt mit den Dachorganisationen der Kulturarbeit (zumeist Kulturräte) und den vergleichbaren (außerschulischen) Bildungsnetzwerken auf Länderebene. Geld gibt es hier in der Regel nicht, aber zuverlässige Orientierung darüber, wo es Geld gibt.

Jugendarbeit, Kulturarbeit, Bildungsarbeit sind förderrechtlich unterschiedlich stark reglementiert. Den durchgreifendsten Gestaltungsanspruch zur Entwicklung kultureller Bildungsangebote und -einrichtungen formuliert das Kinder- und Jugendhilfegesetz des Bundes (1990, SGB VIII), dessen § 11 "kulturelle Bildung" zu den Aufgaben der Jugendarbeit rechnet und dessen § 82 den Ländern generell auferlegt, auf den angemessenen Auf- und Ausbau von "Einrichtungen und Angeboten" (der Jugendarbeit) hinzuwirken. Der Gestaltungsanspruch zielt bis in die Praxis vor Ort, also direkt in die kommunale Jugendförderplanung (Ansprechpartner ist das Jugendamt). Alle Länder sind gehalten, ihn durch Landesausführungsgesetze zum KJHG landesrechtlich zu operationalisieren, jedoch haben nur wenige (wie beispielsweise Nordrhein-Westfalen 2005) zumindest Teilbereiche der kulturellen Bildung auch förderrechtlich in den Rang einer Pflichtaufgabe erhoben. Dies ist eine der Kernforderungen der Kultur-Enquête-Kommission.

Anknüpfungspunkt für Fördermöglichkeiten kultureller Bildung im Rahmen der Bildungsförderung sind zum einen die Weiterbildungsgesetze der Länder (für den Bereich der außerschulischen Erwachsenenbildung), zum anderen die (landesspezifisch höchst unterschiedlichen) Programme zur Entwicklung der Ganztagsschulen. Auf der Skala vom echten Förderprogramm (wie beispielsweise dem NRW-Landesprogramm "Kultur und Schule" oder dem regionalen Musikförderprogramm "Jedem Kind ein Instrument", beide bezeichnenderweise im Kulturressort verortet) bis hin zur sekundären Mobilisierung des Ehrenamtes gibt es hier buchstäblich nichts, was es nicht gibt.

Kulturförderung ist (fast immer) Projektförderung, nirgends ist der Rechtsanspruch so unsicher reguliert wie hier. Erste Anlaufadresse sind die kommunalen Kulturämter, die nicht nur am meisten wissen, sondern nach wie vor auf Ortsebene mit über 40% der Kulturausgaben auch am besten fördern. Regional sind die Bezirksregierungen zuständig, landesseitig die Kulturministerien, die in jüngster Zeit verstärkt Gesamtkonzepte zur kulturellen Bildung auflegen bzw. entwickeln (Beispiele: Neue Kunstkonzeption des Landes Baden-Württemberg, Rahmenkonzept Kulturelle Bildung des Landes Berlin, Kinder- und Jugendkulturland Nordrhein-Westfalen). Ob und inwieweit dieser Trend anhalten kann und wird, hängt maßgeblich ab von ordnungsrechtlichen Entscheidungen (Kommunalaufsicht) zur Aufrechterhaltung der finanziellen Handlungsfähigkeit der Kommunen.

Jugend, Bildung und Kultur sind auch die drei "Player" auf Bundesebene, die in der Regel Strukturen und Aktivitäten von bundesweiter Bedeutung fördern. Im Bereich der Jugendarbeit ist dies das Bundesjugendministerium mit dem Kinder- und Jugendförderplan des Bundes (KJP), im Bereich der Kulturförderung der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien, im Bereich der Bildungsförderung das Bundesbildungsministerium. Neben den staatlichen Förderern gibt es eine Reihe halbstaatlicher oder freier Förderzugänge, von denen der Fonds Soziokultur, die Stiftung Deutsche Jugendmarke, die Aktion Mensch und das Deutsche Kinderhilfswerk besondere Aufmerksamkeit verdienen.

Förderrecht – Antragstellung

Voraussetzung für eine Förderung ist ein entscheidungsreifer Antrag. Dieser umfasst eine knappe und möglichst prägnante Projektbeschreibung (mit präzisem Bezug auf das angefragte Förderprogramm) und einen Kosten- und Finanzierungsplan. In der Regel wird ein Eigenanteil erwartet, der 30% der förderfähigen Ausgaben selten unterschreitet, mitunter jedoch durch Sachleistungen oder andere unbare Mittel (wie etwa Einsatz ehrenamtlichen Engagements) nachgewiesen werden kann. Hilfen bei der Antragstellung leisten die o.g. fachlichen Netzwerke, die Antragsadressaten (z.B. Bezirksregierungen, Landesjugendämter, Geschäftssstellen von Fonds usw.). In jedem Fall lohnt sich ein Besuch der Homepage des jeweiligen Förderers, da man dessen Ziele verstanden haben sollte, ehe man – flankierend zur Antragstellung – zum Telefonhörer greift.


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