kulturelle Bildung

20.5.2011 | Von:
Anne Bamford

Motivationsfaktor kulturelle Bildung

Interview mit Anne Bamford

Welche Eigenschaften hat eine hochwertige Kulturvermittlung?

Anne Bamford: Hochwertige Bildungsprogramme mit und durch Kunst und Kultur sind gekennzeichnet durch:
  • aktive Partnerschaften zwischen Schulen und Kulturorganisationen und zwischen Lehrern, Künstlern und der Gemeinschaft;
  • die Verantwortung für Planung, Durchführung und Beurteilung wird geteilt;
  • die Möglichkeiten für öffentliche Aufführungen, Ausstellungen und/oder Präsentationen;
  • eine Kombination von Entwicklung innerhalb der spezifischen Kunstformen (Kunstunterricht) mit künstlerischen und kreativen Zugänge zum Lernen (Bildung durch Kunst und Kultur);
  • die Ermöglichung von kritischer Reflexion, Problemlösung und Risikobereitschaft;
  • die Betonung von Zusammenarbeit;
  • eine inklusive Haltung, für alle Kinder zugänglich;
  • detaillierte Strategien für die Bewertung von und Berichterstattung über das Lernen, die Erfahrungen und die Entwicklung von Kindern;
  • laufende Fortbildung für Lehrer, Künstler und die Gemeinschaft und
  • flexible Schulstrukturen und durchlässige Grenzen zwischen Schulen und der Gemeinschaft.
Umgekehrt kann Kulturvermittlung von schlechter oder gar keiner Qualität tatsächlich die Entwicklung von Kreativität und Vorstellungskraft behindern. In 25 % der Länder wurde festgestellt, dass z. B. der Mangel an Kulturvermittlung oder die mindere Qualität von Programmen negative Auswirkungen auf die Entwicklung von Kreativität und innovatives Denken bei jungen Menschen hatten.

Welche Schlüsse und welche Entwicklungen für die Zukunft werden von Ihrer weltweiten Forschung angedeutet?

Anne Bamford: Es gibt eine dringende Notwendigkeit, qualitativ hochwertige Kunst- und Kulturvermittlung für alle Kinder zu gewährleisten. Zusätzlich sollten Kunst- und Kulturvermittlung zumindest bis zum 16. Lebensjahr des Kindes als ein Teil der Grundbildung fortgesetzt werden. Und was die Lehrerinnen und Lehrer betrifft, so brauchen diese mehr Aus- und Fortbildung zu wirksamen Modellen der Kunst- und Kulturvermittlung. Kulturvermittlung sollte ein Schwerpunkt bei der Lehrerausbildung sein – besonders für Volksschullehrerinnen und -lehrer.

Ich habe einen Mangel an umfangreichen Längsschnittstudien im Kunst- und Kulturbereich festgestellt. Ebenfalls ist mir aufgefallen, dass es allgemein im Kunst- und Kulturbereich eine schlechte Verbindung zwischen Entscheidungsträgern und der Durchführung vor Ort gibt. Eine unzureichende Kontrolle und Berichterstattung über Kunst- und Kulturkomponenten in der Allgemeinbildung behindern eine breitere Einbeziehung von Kunst und Kultur. Und prinzipiell habe ich eine mangelhafte Unterscheidung zwischen den Auswirkungen von Kunstunterricht und Bildung durch Kunst festgestellt.

Seit dem Abschluss der UNESCO-Studie führen Dänemark, Australien, die Niederlande und Flandern detaillierte Analysen von Kulturvermittlung in ihren Ländern durch, während Länder wie Südkorea, Singapur, Malaysien und Kuba dabei sind, ihr Angebot an Kunst und Kultur in der Bildung zügig zu erweitern.

Dieses Interview entstand im Rahmen der Reihe "Gegengefragt" von KulturKontakt Austria und wurde uns freundlicherweise zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.© KulturKontakt Austria/Gertrude Lukaczek, http://www.kulturkontakt.or.at/

Literatur


Bamford, Anne: Der Wow-Faktor. Eine weltweite Analyse der Qualität künstlerischer Bildung, Münster, New York, München und Berlin 2010.


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