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kulturelle Bildung

23.7.2009 | Von:
Gabriele Schulz

Entwicklung und Perspektiven

Die Jugendkunstschulen, die Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre aufkamen, verbinden beides: den Projektgedanken und die längerfristig angelegte Beschäftigung mit Kunst und Kultur. Diese Einrichtungen sind nicht allein auf Musik ausgerichtet, bei ihnen gibt es zumeist Angebote für alle Künste bis hin zu den neuen Medien.

Im selben Zeitraum, in dem die Jugendkunstschulen gegründet wurden, fand insgesamt eine geradezu explosionsartige Ausdifferenzierung der kulturellen Bildung statt. Der Anspruch "Kultur für alle" findet hier seinen institutionellen Niederschlag. Sei es in der Museums- oder Theaterpädagogik, in der Bibliotheksarbeit und Leseförderung, in Jugendfilmclubs und Geschichtswerkstätten, in Kursen für kreatives Schreiben, aber auch in soziokulturellen Zentren und Kunstvereinen. Vermittlung von Kunst und Kultur, und zwar sowohl in der Rezeption von Kunst und Kultur als auch dem eigenen aktiven Handeln, hat seither Konjunktur. Und vielleicht ist es teilweise schon so selbstverständlich geworden, dass es eines Filmes wie "Rhythm is it" oder eines Wettbewerbs wie "Kinder zum Olymp" bedurfte, um die Aufmerksamkeit erneut auf kulturelle Bildung zu lenken. Dass sie seitdem an Stellenwert gewonnen hat, ist eine große Leistung dieser Projekte.

Kulturelle Bildung für alle: Fundament Schule

Die kulturelle Bildung in der Schule fällt zumeist erst in den Blick, wenn in großen Modellvorhaben wie in Nordrhein-Westfalen "Jedem Kind ein Instrument" vermittelt werden soll. Dabei wird auch abseits solcher Vorhaben in den Schulen allen Kindern kulturelle Bildung vermittelt. Musik und Kunst sind traditionelle Schulfächer, die, so ist zu beklagen, allerdings oft eine randständige Position einnehmen. Die Aufgaben des Faches Kunst wurden in den vergangenen Jahren zunehmend erweitert. Hier sollen sich die Schüler neben Malerei und Skulpturen auch mit neuen Medien, mit Architektur und Film auseinandersetzen. In vielen Schulen wird zusätzlich das Fach Theater unterrichtet; Tanz ist Bestandteil des Sportunterrichts.

Die Schule ist die einzige Institution, die tatsächlich alle Kinder und Jugendlichen mit kultureller Bildung erreicht. Gerade darum sind die künstlerischen Fächer von so herausragender Bedeutung. Hier gibt es weder Gebühren noch hohe Kosten für die Anschaffung von Materialien, wie es bei den Angeboten außerschulischer kultureller Bildung zumeist der Fall ist.

Durch die Entwicklung der Ganztagsschule und eine stärkere Orientierung von Schulen am Gemeinwesen gewinnt die Zusammenarbeit von Schulen und Einrichtungen der kulturellen Bildung bzw. Kulturinstitutionen an Bedeutung. Es gibt bereits viele gute, nachahmenswerte Beispiele für diese Kooperation.

Bürgerschaftliches Engagement in kultureller Bildung

Das bürgerschaftliche Engagement ist nach wie vor ein festes Standbein in der Vermittlung von kultureller Bildung. Zu denken ist an die traditionellen Formen wie (weltliche oder kirchliche) Chöre, an Laienorchester – von der Blasmusik, über das Jazzensemble, bis hin zum Kammerorchester – oder an das Laientheater. Zu diesem Engagement gehören genauso die Lesepaten, die in Kindergärten den Kindern vorlesen und in Grundschulen mit Kindern das Lesen üben.

Die Mehrzahl der Museen in Deutschland ist rein ehrenamtlich geführt. Diese Aktiven haben nicht nur die Sammlungen aufgebaut, sie sind ebenso für die Ausstellungen und die didaktische Vermittlung verantwortlich. Genauso werden die kirchlichen Bibliotheken und in zunehmendem Maße auch kommunale Stadtteilbibliotheken fast ausschließlich von Ehrenamtlichen geführt. Bibliotheksarbeit ist dabei mehr als das reine Ausleihen von Büchern. Es ist zugleich die Vermittlung von Literatur.

Aktuelle Herausforderungen

Die aktuelle Debatte um kulturelle Bildung kreist vor allem um zwei Themen: Zum einen Kindern den Zugang zu musikalischer Bildung zu ermöglichen und zum anderen die interkulturelle Bildung stärker in den Blick zu nehmen.

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