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kulturelle Bildung

23.7.2009 | Von:
Gabriele Schulz

Entwicklung und Perspektiven

Zugang zu musikalischer Bildung

Das bereits erwähnte Vorhaben in Nordrhein-Westfalen "Jedem Kind ein Instrument" hat eine sehr große Breitenwirkung. In Hamburg wird ein ähnlicher Modellversuch unternommen, in Sachsen tritt die CDU im Landtagswahlkampf mit der Forderung auf, jedem Kind in der Schule Instrumental-Unterricht zu ermöglichen, in Hessen werden ähnliche Debatten geführt. Auch wenn es sehr positiv ist, dass dieses Vorhaben möglichst viele Nachahmer findet, dürfen die anderen künstlerischen Sparten nicht vernachlässigt werden. Denn Musik repräsentiert nur einen Teilaspekt der kulturellen Bildung. Darüber hinaus muss bei aller Begeisterung für solche Modellvorhaben die kulturelle Infrastruktur vor Ort stärker beachtet werden, wie zum Beispiel Musik- und Kunstschulen, die für die systematische Vermittlung unabdingbar sind. Ebenso müssen die künstlerischen Schulfächer nach wie vor ein fester Bestandteil des schulischen Unterrichts sein und gestärkt werden.

Gegenwärtig besteht die Tendenz, dass oftmals Projekte gefördert werden, die Institutionen der kulturellen Bildung aber um ihr Überleben kämpfen. Wenn in den kommenden Jahren Bund, Länder und Kommunen Schulden abbauen müssen, kann diese Entwicklung noch stärker zu Lasten der wichtigen Infrastruktur gehen. Eine der wesentlichen Herausforderungen für die nächsten Jahre besteht also darin, dieses lebendige und vielgestaltige Netz von Einrichtungen der kulturellen Bildung zu sichern und zusätzliche Projekte zu ermöglichen.

Interkulturelle Bildung im Blick

Die zweite Herausforderung besteht darin, dass sich die Akteure der kulturellen Bildung noch stärker als bisher mit der Thematik der Einwanderungsgesellschaft auseinandersetzen müssen. Hier ist der Diskussionsstand in den verschiedenen Feldern der kulturellen Bildung sehr unterschiedlich. Die Jugendkunstschulen im Projekt "Kunst-Code" legen einen Akzent auf interkulturelle Bildung. Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung spricht teilweise davon, kulturelle Bildung sei per se interkulturelle Bildung. Die öffentlichen Bibliotheken widmen sich mittlerweile stärker der interkulturellen Arbeit innerhalb ihres Bereichs. In Jugendzentren und der offenen Jugendarbeit ist sie längst ein wesentlicher Bestandteil.

Dabei sind gegenwärtig zwei Stränge zu beobachten: Zum einen wird der interkulturelle Aspekt in die "normale" kulturelle Bildungsarbeit von Einrichtungen implementiert – mit erheblichen Auswirkungen auf die Arbeitsweise. Zum anderen wird durch zusätzliche Vorhaben erprobt, wie interkulturelle Arbeit gelingen kann. In zunehmendem Maße wird auch die Zusammenarbeit mit Migranten-Organisationen gesucht. So setzen sich der Deutsche Kulturrat und bundesweite Migranten-Verbände gemeinsam mit den Strukturbedingungen für eine erfolgreiche interkulturelle Bildung auseinander.

Qualitätsstandards und Kultur-PISA

Das schlechte Abschneiden deutscher Schülerinnen und Schüler bei den internationalen PISA-Studien (erstmals im Jahr 2000) heizte die Debatte um die Qualität schulischer Bildung an. Inzwischen sind Bildungsstandards für PISA-Fächer wie Deutsch, Mathematik oder Naturwissenschaften eingeführt worden. Diese Entwicklung führte nach Meinung von Fachleuten allerdings dazu, dass die ästhetische Bildung im Theater-, Kunst- und Musik-Unterricht noch weiter an den Rand gedrängt wurde.

Vor allem in den einzelnen Fachverbänden wurde und wird intensiv über die PISA-Thematik diskutiert. Der Fachverband für Kunstpädagogik, dem die Kunstlehrerinnen und -lehrer angehören, hat Standards für das Fach Kunst nach einem langen Diskussionsprozess verabschiedet. Das Hauptanliegen der Kunsterzieher liegt darin, die Verbindlichkeit ihres Faches gegenüber anderen Fächern zu zeigen. Im Fach Darstellendes Spiel dauert diese Debatte noch an – mit ähnliche Argumenten: Von Bildungsstandards wird einerseits eine Aufwertung erwartet, andererseits wird davor gewarnt, dass gerade durch solche Standardisierungen die improvisierten kreativen Momente verloren gingen. Im Fach Musik spielt zusätzlich die Diskussion um einen Kanon musikalischer Bildung eine Rolle. Der baden-württembergische Schulmusiker-Verband macht sich im Verein mit der Konrad-Adenauer-Stiftung für einen solchen verbindlichen Kanon stark, in dem alle musikalischen Werke für den Unterricht festgelegt sind. Andere Landesverbände und der Arbeitskreis für Schulmusik sind zurückhaltender, was Bildungsstandards und den angestrebten Kanon angeht.

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