kulturelle Bildung

3.11.2009 | Von:
Sabine Dengel & Milena Mushak

Neue Wege für die politische Bildung

Projekte der kulturellen politischen Bildung bei der bpb

Bildungsinhalte und Angebote müssen gerade im Hinblick auf die knappe, zur Verfügung stehende Zeit der Menschen einen neuen Anstrich erhalten, um sich überhaupt gegen die Konkurrenz eines vielfältigen Freizeitangebots behaupten zu können. Insofern zählen Form und Verpackung immer mehr, während die Erwartungen an die Qualität von Inhalten ohnehin gleichbleibend hoch ist. Vor diesem Hintergrund ist es also bedeutsam, sich mit dem Erlebnisfaktor und Eventcharakter von Veranstaltungen politischer Bildung zu beschäftigen und diese entsprechend zu berücksichtigen, denn auch politische Bildung ist prinzipiell ein Produkt, das man der Kundschaft auf eine Art und Weise präsentieren muss, die ihr Interesse daran weckt. Kulturelle politische Bildung ist also durchaus auch als neue Werbe- und Marketingstrategie zu begreifen.

All diesen komplexen gesellschaftlichen Entwicklungen und den mit ihnen einhergehenden Herausforderungen muss sich eine bundesweit und modellhaft agierende Institution wie die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb in besonderem Maße stellen. Ihren Auftrag, das Verständnis für politische Sachverhalte zu fördern und möglichst viele Bürgerinnen und Bürger zu motivieren und zu befähigen, sich kritisch mit politischen und gesellschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen und aktiv am politischen Leben teilzunehmen, kann sie nur dann erfolgreich umsetzen, wenn es ihr gelingt, die Menschen mit ihren Angeboten zu erreichen. Vor diesem Hintergrund muss sie wie ein Seismograf neue Themen und zivilgesellschaftliche Impulse aufspüren und in attraktive, zeitgemäße Vermittlungsformate übersetzen. Vor diesem Hintergrund ist die bpb einem offenen Verständnis von politischer Bildung verpflichtet. Sie betrachtet insbesondere die Auseinandersetzung mit aktuellen kulturellen Angeboten aller Sparten – von Film über Musik, Theater, Literatur bis hin zu Performance oder Mode – als wichtige Voraussetzung sozialer Teilhabe und politischen Interesses.

Festival "Politik im freien Theater"

Ende der 1980er-Jahre startete die bpb erste Versuche, mit ihren Angeboten neue Zielgruppen zu erschließen und sich verstärkt am veränderten Freizeit- und Bildungsverhalten und den damit verbundenen Bedürfnissen der Endverbraucher zu orientieren. Zu diesem Zeitpunkt war der gesunkene Stellenwert der klassischen Vermittler politischer Bildung wie Parteien, Kirchen, Verbände bereits deutlich erkennbar.

Ebenso augenscheinlich war der Erfolg der an ihre Stelle getretenen nicht-organisierten Meinungsführer, Künstler und Intellektuellen, die sich ihren eigenen Wirkungskreis erschlossen, der zumeist im Freizeitbereich, fernab der Politik und der klassischen politischen Bildung angesiedelt war. Im Zuge dieses Wandels intensivierte nun auch die bpb ihr Bestreben sich zu öffnen, sich das künstlerisch-kulturelle Leben in der Gesellschaft für die politische Bildungsarbeit nutzbar zu machen.

Als einen wichtigen Bereich sah die bpb zunächst das Theater. Denn das Theater verstand und versteht sich seit jeher als ein Forum politischer Auseinandersetzung, in dem brisante zeitgeschichtliche Fragestellungen in unmittelbarer Art und Weise diskutiert und die Bedürfnisse, Wünsche und Ängste einer Gesellschaft offengelegt werden. Auch die immer stärker werdende Bedeutung der visuellen Wahrnehmung spielte bei der Entscheidung, das Theater als Instrument politischer Bildung zu nutzen, eine bedeutende Rolle.

Als Partner der bpb kam zum damaligen Zeitpunkt das institutionalisierte Theater, d.h. das hoch subventionierte Staats- und Stadttheater, nicht in Frage, da es als Meinungsführer nur noch eine sekundäre Rolle spielte. Es hatte sich weitgehend aus der Auseinandersetzung mit politischen Fragestellungen auf einen häufig puren Ästhetizismus zurückgezogen und verzeichnete überdies einen massiven Publikumsschwund. Demgegenüber hatte die Attraktivität "freier" Theater (oder Off-Theater), insbesondere bei jugendlichem Publikum sprunghaft zugenommen.

Freie Theater versuchten, sich sowohl politisch als auch ästhetisch zu profilieren, indem sie sich stärker als die Stadt- und Staatstheater an der Lebenswelt des Publikums orientierten und in den Inszenierungen deutliche politische und soziale Akzente setzten. Rückenwind erhielten sie damals durch neue soziale Bewegungen, bei deren Veranstaltungen und Aktionen sie häufig auftraten. Sie waren dabei nicht nur unterhaltsames Beiwerk, sondern Ausdruck und Manifestation einer alternativen Kulturpolitik und eines "anderen" Kunstverständnisses.

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Film

Ungeachtet der Bedeutung neuer digitaler Entwicklungen spielt auch der Film als historisch gewachsene und nach wie vor sehr massenwirksame Kunstform eine zentrale Rolle für die Medienbildung. Die Frage nach dem Wie und Warum filmischer Darstellungformen ist dabei wesentlich für eine mündige Rezeption und sachkundige Einordnung der dargebotenen fiktionalen wie auch dokumentarischen Stoffe. Jeder Film spiegelt stets seine sozialen und kulturellen Kontexte wider. Daher ist es wichtig, das Medium nicht nur als mehr oder minder künstlerisch ambitioniertes Unterhaltsprodukt zu betrachten, sondern sich immer auch kritisch mit seinen offenen und verborgenen politisch-ideologischen Botschaften auseinanderzusetzen - und der Art und Weise, wie sie vermittelt werden.

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