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kulturelle Bildung

14.12.2010 | Von:
Daniel Kraft

Money for nothing?

Fundraising als Finanzierungsperspektive für politische und kulturelle Bildung

Das Anreizaustauschelement: Demokratie und Zukunft der Gesellschaft

"If you think, selling a product is difficult, try getting someone to give you money for nothing": Diese Aussage von Ken Burnett verdeutlicht, dass es sich beim Fundraising um keinen typischen marktwirtschaftlichen Austauschprozess handelt ("Ware gegen Geld"), sondern dass stets der ideelle Wert der Gegenleistung betont werden muss ("Mit Ihrem Beitrag stärken Sie die Demokratie in Deutschland", bzw. "Mit Ihrem Beitrag stärken Sie das Selbstbewusstsein der Kinder und ihre Möglichkeiten zur Teilhabe an der Gesellschaft"). Dieser ideelle Gegenwert, der im Fundraising für die politische und kulturelle Bildung oftmals nichts weniger ist als die Stärkung der Demokratie oder des gesellschaftlichen Zusammenhalts bzw. des Selbstwertgefühls zahlreicher junger Menschen mit den einhergehenden positiven Auswirkungen auf das Zusammenleben, muss den potentiellen Spenderinnen und Spendern stets und immer wieder vor Augen geführt werden. Das häufig diskutierte Problem der politischen und kulturellen Bildung, ihre Ergebnisse seien nur schwer mess- oder überprüfbar, kann hier nicht als Ausrede gelten, denn auch karitative Aktivitäten oder Kampagnen für eine saubere Umwelt beispielsweise sind schwer messbar und schon gar nicht auf das Engagement einer einzelnen Institution zurück zu führen. Entscheidend ist vielmehr, dass die potentiellen Spenderinnen und Spender auf die Kompetenz der Organisation vertrauen. Dieses Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Organisation ist deren größtes Kapital, und es gilt dieses immer wieder zu pflegen und entsprechend an die Spenderzielgruppe zu kommunizieren.

Ganz praktisch lässt sich die Unterstützung der Spenderin oder des Spenders durch sogenannte Anreizaustauschelemente dokumentieren (z.B. Möbelpatenschaften in Studienhäusern, kleine symbolische Gegenleistungen etc.) die sich einerseits an das gängige Konsumverhalten anlehnen ("mit der Bezahlung ist mein Beitrag geleistet") und zugleich die Spende konkret sichtbar machen (z.B. kleines eingraviertes Namensschild auf der Rücklehne eines Tagungshaus-Stuhls). Eine der erfolgreichsten Fundraising-Aktionen der letzten Jahre ist der Wiederaufbau der Frauenkirche, die Stein für Stein an ihre Spenderinnen und Spender "verkauft" wurde und durch die Beiträge vieler entstehen konnte.

People give to People

Eine weitere zentrale Grundregel des Fundraisings ist, dass Menschen für Menschen spenden, nicht für Organisationen ("People give to people"). Persönliche Bitten sind am erfolgreichsten. Viele Anbieter von Seminaren oder Betreiber von Studienhäusern, insbesondere im Bereich der Erwachsenenbildung, aber auch in der Jugendbildung, haben hier enorme Potentiale, beispielsweise durch eine langfristig aufgebaute Alumniarbeit, die die Teilnehmenden über Jahre an die Institution bindet. Diese sind ja gerade in den Veranstaltungen der politischen und kulturellen Bildung für die Wichtigkeit der Partizipation an kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Prozessen sensibilisiert worden. Dabei ist es oft kein großer Schritt, die Frage der Finanzierung der eigenen Arbeit offen anzusprechen.

Fundraising als Beitrag zur Stärkung der Zivilgesellschaft

Im Wesentlichen geht es für viele Organisationen darum, ihre grundsätzliche Haltung zum Thema Fundraising zu überdenken. Man ist nicht Bettlerin oder Bittsteller, Fundraising ist nicht nur Bürde, sondern zugleich auch eine Chance für die Stärkung der eigenen Organisation durch die Emanzipation von Fördergeldern Dritter.

Marita Haibach betont die Chancen, die im Fundraising liegen, wenn sie wie bei ihrem Vortrag auf dem 3. Fundraising-Tag der politischen Bildung in Köln im Juni 2009, feststellt: "Das systematische und kontinuierliche Fundraising leistet einen bedeutenden Beitrag für den Aufbau und Fortbestand der Zivilgesellschaft."[8]

Joan Flanagan geht noch weiter, wenn er behauptet: "Fundraiser sind die Helden, in Amerika und auf der ganzen Welt, weil wir, ohne uns dafür zu entschuldigen, Menschen herausfordern, mehr zu spenden und mehr zu riskieren. Wir finanzieren Organisationen, die Leben retten und Veränderungen in der Gesellschaft bewirken." Wie auch immer man zum Pathos dieser Worte steht, sicher ist, dass ein aktives Fundraising einen zentralen Beitrag zur Finanzierung der politischen und kulturellen Bildung leisten kann und damit zum Erhalt der zahlreichen Angebote der Bildungsarbeit beiträgt. So kann dieses Instrument die Demokratie festigen und eine unabhängige Zivilgesellschaft stärken, die auf selbstbewussten Persönlichkeiten aufbaut.

Fußnoten

8.
www.bpb.de/files/RM0MRP.pdf, Stand: Dezember 2010.

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