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kulturelle Bildung

10.3.2011 | Von:
Anja Herzberg

"Integration ist bei uns Alltag"

Kooperationskultur in Herten

Die jahrelang aufgebauten und gepflegten Netzwerke zeigen, dass sich Herten nicht erst mit dem Aufruf der Landesregierung zum Programm "Kultur und Schule" mit den Potenzialen und Möglichkeiten der Kooperation von Künstlern und Schulen beschäftigt hat. Als Anerkennung für diesen lange währenden Prozess der strukturellen Vernetzung erhielt Herten im Jahr 2009 für sein kommunales Gesamtkonzept für kulturelle Bildung eine Landesförderung in Höhe von 20.000 Euro. "Wir wollen keine Einzelaktionen, wir wollen Verbindlichkeiten!", fordert Sabine Weißenberg mit Blick auf die Perspektiven der kulturellen Bildung in Herten.

Kunst überwindet Barrieren und Grenzen

Ursula Zacher-Renz, engagierte Kunstlehrerin an der Rosa-Parks-Schule, beschreibt, wie es zur Idee für "Kunstwege zur Integration" kam. Die ersten Projekte waren dabei das Ergebnis zufälliger Begegnungen. Die Kunstlehrerin traf einen Künstler, sie überlegten gemeinsam, wie der Kunstunterricht gestaltet werden kann. Bei den ersten Aktionen gingen sie mit Schülern in die Fußgängerzone Hertens, um Zeichen zu setzen, das Image der Gesamtschule zu verbessern und eine positive Außendarstellung der Schule und ihrer Aktivitäten zu fördern. "Ein Aspekt dieses Integrationsthemas ist, dass wir versuchen, die Schule mehr in das Stadtbild zu integrieren", erinnert sich Ursula Zacher-Renz an die Anfangstage des Projektes. "Die Gesamtschule hat in Herten keinen guten Ruf. In vielen Köpfen der Hertener Bevölkerung ist sie immer noch mit Vorurteilen behaftet".

In der Projektdatenbank des Fachportals "Kultur macht Schule" wird prägnant die Grundidee der Initiative beschrieben: "Der Kunstbereich der Rosa-Parks-Schule engagiert sich seit einigen Jahren dafür, über gemeinsames künstlerisches Schaffen Barrieren zwischen den aus unterschiedlichen Kulturen stammenden Schülerinnen und Schülern der Schule abzubauen. Diese Öffnung soll über kreatives Handeln geschehen: regelmäßiges Gestalten mit Künstlern, Präsentationen in und außerhalb der Schule sowie Lernen an außerschulischen Lernorten (Museum, Künstleratelier)."

Aloys Cremers, einer der Künstler, ist mit Weste und Hut ausgestattet und schon optisch eine Besonderheit im Schulalltag. Sein niederländischer Akzent unterstreicht dies noch, er wirkt wie eine Mischung aus Hermann van Veen und Joseph Beuys. Aus seiner Bekanntschaft mit Ursula Zacher-Renz hat sich eine langjährige Zusammenarbeit entwickelt, die sich bewährt hat. Cremers bringt den Schülerinnen und Schülern weit mehr als den technisch versierten Umgang mit Farbe und Pinsel bei. "Was ich kann, können die nicht. Aber was die können, kann ich auch nicht", ist sein Credo, das einen neugierigen und freien Zugang zu Themen und Arbeitsweisen erkennen lässt. "Gerade im Bereich Bildung ist Selbstvertrauen so wichtig, ich sehe meine Aufgabe darin, den Schülern dieses Selbstvertrauen zu geben." Er setzt Vertrauen in die Fähigkeiten jedes Einzelnen und ebnet den Weg dafür, dass sich nach dem Ende der Schule und dem Wegfall des dort bestehenden Schutzraumes jeder und jede mit der Außenwelt selbständig auseinandersetzen kann.

Skulpturenworkshop mit dem kongolesischen Künstler Eric Ikone Hepanabila. Foto: Ursula Zacher-RenzSkulpturenworkshop mit dem kongolesischen Künstler Eric Ikone Hepanabila. (© Ursula Zacher-Renz)
Einige der Teilnehmer eines Skulpturenworkshops mit dem kongolesischen Künstler Eric Ikone Hepanabila berichten, dass sie am Anfang doch eher ratlos gewesen seien. Das Material gab keine Auskunft und es fehlte die zündende Idee. Besonders anstrengend war der freie Umgang mit dem Material, das Suchen und Ausprobieren. "Ob es was wird oder nicht, war Glückssache", beschreibt eine Schülerin die anfänglichen Unsicherheiten. Doch der Künstler konnte helfen und es entstanden überraschende Arbeiten.

Auf die Frage, was die Schülerinnen und Schüler mit dem Begriff Integration verbinden, antwortet eine Schülerin aus der 13. Klasse: "Die ganze Schule ist Integration pur, es ist selbstverständlich. Es ist so normal, wir leben hier und begegnen uns jeden Tag. Integration ist bei uns Alltag."

Eine Schülerin aus der achten Klasse erinnert sich an ihre Themenwahl bei einem Kunstprojekt: "Mädchen mit Kopftuch bekommen schwer eine Arbeit, das konnte ich zeigen und hatte das Gefühl, dass das etwas mit mir zu tun hat, dass ich mich so ausdrücken kann."

Auch die Identifikation der Schülerinnen und Schüler mit ihrer Schule ist ein Aspekt, der durch die Projekte gefestigt werden sollte. "Das", so Nicole Meyer, ebenfalls Lehrerin an der Rosa-Parks-Schule und Wegbegleiterin der Schüler in den Kunstkursen, "hat sich bereits eingelöst. Einige der Schüler, die von der Schule abgegangen sind, kommen wieder und engagieren sich für ihre Schule."

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