kulturelle Bildung

28.9.2011 | Von:
Carmen Mörsch

Kunstvermittlung in der kulturellen Bildung: Akteure, Geschichte, Potentiale und Konfliktlinien

Kunstvermittlung im Museum

Die museale Kunstvermittlung erhält nach einer Konsolidierungsphase, die ebenfalls an reformpädagogische Ideen anknüpfte, seit Ende der 1990er-Jahre unter dem Stichwort "Künstlerische Kunstvermittlung" neue Impulse. Künstlerinnen und Künstler, welche als Vermittlerinnen und Vermittler in Ausstellungsinstitutionen tätig werden, nutzen häufig dekonstruktive, performative und bildgebende Verfahren aus der Gegenwartskunst sowie konstruktivistische Lernzugänge, um Museen und Ausstellungen gemeinsam mit den Teilnehmenden (die zunehmend aus sehr unterschiedlichen Gesellschafts- und Altersgruppen stammen, wobei Kinder und Jugendliche weiterhin die Mehrheit bilden) zu hinterfragen sowie auf eigenständige Weise anzueignen und umzudeuten [8]. Sie widersprechen damit einer Tradition der Museumspädagogik, die auf Verführung und "Niedrigschwelligkeit" setzt, um das "Publikum von morgen" heranzubilden. Das Interesse, Vermittlung demgegenüber als die Institutionen hinterfragende und letztlich auch transformierende Praxis zu entwerfen, hat ernste Hintergründe. Ähnlich wie bei der Kunsterzieherbewegung liegen Forschungen darüber vor, dass die Geschichte von Ausstellungsinstitutionen mit dem Kolonialismus und der Ausbildung und Erhaltung national-identitär verfasster Disziplinargesellschaften nordwestlicher Prägung verwoben ist. Sie deswegen zu schließen, würde jedoch bedeuten, eine Chance zu verspielen: Gerade aufgrund ihrer Verstricktheit können sie auch Akteure und Orte für Veränderung sein. Eine kritische, auch künstlerisch informierte Vermittlungsarbeit kann wesentlich dazu beitragen, die gegenwärtig häufig beschworene Vision des Museums als "Kontaktzone" (James Clifford) zu verwirklichen.

Schnittstellen zur politischen Bildung

Spätestens an dieser Stelle scheinen mögliche Schnittstellen von Kunstvermittlung und politischer Bildung auf. Mit Blick auf die durch Globalisierungsprozesse geprägte Migrationsgesellschaft wird dabei eine Diskussion über den Kanon, der vermittelt wird, unausweichlich. Es stellt sich die Frage, ob der überlieferte westeuropäisch – nordamerikanisch geprägte Bilderkanon der Vielschichtigkeit visueller Kultur in der Gegenwart entspricht, oder ob eine andere Form eines Bild-Repertoires, das sich permanent in Veränderung befindet, das mit allen Beteiligten stets zu reflektieren wäre und das sich möglicherweise eher über Themen als über einzelne Werke erschliessen ließe, überfällig wäre. Diese Frage betrifft die schulische wie die außerschulische Kunstvermittlung mit gleicher Dringlichkeit.

Links zu den erwähnten Akteuren und Projekten



The Big Draw http://www.campaignfordrawing.org

Festival "ausgezeichnet": http://www.zeichenfestival-ausgezeichnet.de/

eck_ik Büro für Arbeit mit Kunst: http://www.eckik.org

klex Kunstschule, Oldenburg: http://www.klex.de/

Landesverband der Kunstschulen Niedersachsen, Modellprojekt "Schnittstelle Kunst – Vermittlung": http://www.kunst-und-gut.de

Modellprojekt "Der Kunstcode. Kunstschulen im interkulturellen Dialog": http://www.kunst-code.de/

Fußnoten

8.
Beispiele hierfür sind die Gruppe Kunstcoop© www.kunstcoop.de, die MedienKunstPädagogik des Edith Russ Haus für Medienkunst http://www.edith-russ-haus.de/kunstvermittlung/kunstvermittlung/aktuelles-programm-und-konzept.html, die "Lokale Liaison" des Kunstvereins Wolfsburg, http://www.kunstverein-wolfsburg.de/lokale_liaison/oder das o.g. eck_ik Büro für Arbeit mit Kunst
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