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Europaweiter Austausch über Prävention RAN aus der Sicht der Praxis

Werner Prinzjakowitsch

/ 3 Minuten zu lesen

Die EU-Staaten gehen teilweise sehr unterschiedlich mit Extremismus um. Werner Prinzjakowitsch berichtet, was dies für den Austausch im europäischen Präventionsnetzwerk RAN bedeutet. Prinzjakowitsch ist pädagogischer Bereichsleiter der Wiener Jugendzentren. Seit 2016 ist er Vorsitzender der RAN-Arbeitsgruppe Youth, Families and Communities, gemeinsam mit Kelly Simcock aus Großbritannien.

Flaggen der verschiedenen EU-Mitgliedstaaten im Europa-Viertel Kirchberg-Plateau, Luxemburg (© picture-alliance, Bildagentur-online)

Bitte beachten Sie: Dieser Beitrag ist älter als fünf Jahre. Forschung, Fachdebatte oder Praxisansätze haben sich möglicherweise in der Zwischenzeit weiterentwickelt.

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Was hat Sie motiviert, bei RAN mitzuarbeiten?

Werner Prinzjakowitsch: Das Themenfeld Radikalisierung/Deradikalisierung und vor allem Prävention ist für unsere Arbeit in den Wiener Jugendzentren ab 2013 zunehmend wichtiger geworden. Wir haben ein Maßnahmenpaket entwickelt mit zahlreichen Fortbildungen für die Pädagoginnen und Pädagogen sowie mit Projekten für Jugendliche. Austausch und Vernetzung zu dem Thema, gerade auch auf internationaler Ebene, haben mich persönlich sehr interessiert.

Was ist Ihre Rolle bei RAN?

Werner Prinzjakowitsch: Als Vorsitzende der Arbeitsgruppe Youth, Families and Communities (RAN YF&C) planen meine britische Kollegin und ich gemeinsam mit zwei hauptamtlichen Mitarbeitern des RAN Centre of Excellence (CoE) die Arbeitsschwerpunkte, Arbeitsgruppentreffen und Publikationen der AG. Die RAN-Arbeitsgruppen treffen sich meist viermal pro Jahr. Wir gehören zudem der Steuerungsgruppe des RAN an, gemeinsam mit Mitgliedern der Europäischen Kommission und des RAN Centre of Excellence. Dort wird die Arbeit von RAN geplant, gesteuert und zusammengeführt. Die Arbeit bei RAN leiste ich vorwiegend ehrenamtlich, ich erhalte dafür lediglich eine Aufwandspauschale.

Wie sieht die Arbeit in den Arbeitsgruppen konkret aus?

Werner Prinzjakowitsch, Vorsitzender der RAN-Arbeitsgruppe Youth, Families and Communities, pädagogischer Bereichsleiter der Wiener Jugendzentren. (© Verein Wiener Jugendzentren)

Werner Prinzjakowitsch: Das ist von AG zu AG sehr unterschiedlich. In unserer AG Jugend, Familie und Communities haben wir es mit einem sehr vielfältigen Themenbereich zu tun. Bei der Arbeit mit Jugendlichen sind die Strukturen und Akteure andere als im Bereich Familienhilfe oder Community-Arbeit. In manchen Ländern liegen die Aufgaben bei staatlichen Institutionen, in anderen sind sie outgesourct an NGOs. Für jeden Themenbereich, ja manchmal auch für jedes Treffen werden daher andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingeladen. Wir lernen uns kennen, stellen einander Projekte, Methoden et cetera vor und tauschen uns zu bestimmten Fragestellungen, Thesen und Positionen aus.

In den Arbeitsgruppen Polizei“ oder „Strafvollzug und Bewährung“ sieht es anders aus, dort gibt es Stamm-Mitglieder, die bei fast allen Treffen anwesend sind. Das hat mit sehr klaren Strukturen und Verantwortlichkeiten in diesen Bereichen zu tun.

Die inhaltliche Planung liegt bei den AG-Vorsitzenden in Zusammenarbeit mit dem Centre of Excellence (CoE). Üblicherweise werden vom RAN CoE vor den Treffen vorbereitende Unterlagen zusammengestellt und an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer versandt, sogenannte Ex Ante-Paper von 5 bis 8 Seiten, die relevante Inhalte, Ergebnisse vorhergehender Treffen und Diskussionsfragen enthalten. Ergebnisse der Treffen werden ebenfalls schriftlich festgehalten als sogenannte Ex Post-Paper. Sie werden häufig auf der RAN-Internetseite publiziert.

Wer setzt die Themen für die Arbeitsgruppen?

Werner Prinzjakowitsch: Themen werden einerseits von der EU-Kommission gesetzt und drücken politische Wünsche aus. Im Jahr 2017 waren zum Beispiel die Themen „Polarisierung“ und „Rückkehrer“ große Anliegen der Kommission. Alle Arbeitsgruppen wurden gebeten, sich mit den Themen aus ihrer Perspektive zu beschäftigen, Veranstaltungen oder Veröffentlichungen zu planen und durchzuführen. Andererseits werden Themen bei Steuerungsgruppentreffen entwickelt. Die Vorsitzenden der Arbeitsgruppen bringen da viel aus ihren AGs oder aus ihren Ländern mit.

Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für die Arbeit des RAN?

Werner Prinzjakowitsch: Zum einen ist es sicherlich eine Herausforderung, dass die Situationen und Strukturen in den EU-Mitgliedsstaaten sehr unterschiedlich sind. Mancherorts gibt es kaum Interesse an dem Thema Radikalisierungsprävention. Die Länder sind unterschiedlich stark betroffen, und wir haben es mit verschiedenen Formen des Extremismus in den einzelnen Staaten zu tun. Zum anderen ist auch das politische Interesse sehr unterschiedlich stark ausgeprägt. Es ist zum Beispiel stets sehr schwierig, Teilnehmende aus mittel- und osteuropäischen Ländern zu gewinnen. Nach wie vor und immer wieder wird deutlich, dass auch Sprachbarrieren von hoher Bedeutung sind. Gerade von den Praktikerinnen und Praktikern höre ich immer wieder: Diese Materialien sind sicher hilfreich und gut, aber wir brauchen sie in unserer Sprache!

Aktuell wird auch diskutiert, wie die Zukunft des RAN-Netzwerkes aussehen wird. Möglicherweise wird es ab 2020 starke strukturelle Veränderungen geben.

Die aktuelle Periode des RAN läuft bis Ende 2019. Bis dahin wird auch diskutiert werden, inwiefern die aktuellen Strukturen an neue Entwicklungen angepasst werden sollen. Vor allem der Diskurs zwischen der Forschung und politischen Entscheidungsträgern in den Mitgliedsstaaten soll noch verstärkt werden. Damit beginnen wir schon 2018.

Zur Interner Link: Vorstellung des Radicalisation Awareness Network (RAN) im Infodienst

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