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Jamal al-Khatib – Mein Weg

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Jamal al-Khatib – Mein Weg Online-Streetwork gegen gewalttätigen Extremismus

Rami Ali Fabian Reicher

/ 11 Minuten zu lesen

Islamistisch-jihadistischer Online-Propaganda etwas entgegensetzen und mit Jugendlichen ins Gespräch kommen – das sind Ziele des Video- und Social Media-Projekts "Jamal al-Khatib". 2020/21 wird das Projekt auf Facebook, Instagram und YouTube fortgeführt. In diesem Interview von 2019 berichten Rami Ali und Fabian Reicher vom Projektteam des Vereins TURN über Idee und Zielgruppen, den Peer-to-Peer-Ansatz und über Chancen und Grenzen von Online-Präventionsarbeit.

Dreharbeiten für ein Jamal al-Khatib-Video. (© Stefan Wernig)

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Mit der ersten Staffel des Filmprojekts "Jamal al-Khatib" im Sommer 2017 hatten Sie großen Erfolg, jetzt geht die zweite Staffel online (Interner Link: www.bpb.de/jamal). Wie entstand die Idee zum Projekt und wie hat es sich entwickelt?

Fabian Reicher: Der Ursprung des Projektes liegt eigentlich schon sehr lange zurück. Die Idee geht zurück auf einen Jugendlichen, den ich damals bei "Back Bone – Mobile Jugendarbeit" bei seinem Ausstiegsprozess aus der dschihadistischen Szene betreut habe. Bei einem Haftbesuch hat er mir gesagt, "Ich will ein Buch schreiben, um andere Jugendliche davon abzuhalten, nach Syrien zu gehen und sich dem Islamischen Staat anzuschließen!". Er wollte andere Jugendliche davor bewahren, dieselben Fehler zu machen, die er begangen hatte. Wir kamen dann gemeinsam zu dem Schluss, dass ein Buch vielleicht das falsche Format ist, um die Zielgruppe zu erreichen. Schlussendlich haben wir begonnen, kurze Blogbeiträge zu verfassen, das waren autobiographische Texte über Episoden aus seinem Leben und seine heutigen Gedanken dazu. Die Reflexion der für seine Radikalisierung verantwortlichen Ereignisse und das kritische Hinterfragen dschihadistischer Narrative während der Textproduktion verstärkte seine Abwendung von der dschihadistischen Ideologie nachhaltig. Er entwickelte alternative Sichtweisen seiner Religion wie auch neue Perspektiven auf seine eigene Biographie.

Daraus entstand dann in Zusammenarbeit mit einem Filmemacher, Islamwissenschaftlern und Kollegen und Kolleginnen aus verschiedenen Jugendeinrichtungen in Wien die Idee, gemeinsam mit Jugendlichen Videos mit ihren Geschichten zu machen und dabei alternative Narrative zu dschihadistischer Propaganda zu entwickeln. Wir haben dann weitere Jugendliche gefragt, ob sie bei dem Projekt mitmachen wollen. Manche von ihnen waren selbst in der dschihadistischen Subkultur, manche haben Bekannte in Syrien verloren, andere haben sich in ihrer Peer Group von Anfang an klar dagegen positioniert. Für alle spielte der Diskurs darüber eine Rolle in ihrem Alltag.

Warum haben Sie eine fiktive Figur entwickelt?

Rami Ali: Für uns war relativ schnell klar, dass wir eine fiktive Figur als Messenger in den Videos einsetzen wollen. Einerseits, um die beteiligten Jugendlichen schützen zu können, andererseits bietet eine fiktive Figur durch die Möglichkeit einer "comichaften Überhöhung" breitere Identifikationsmöglichkeiten als Role Model für die jugendliche Dialoggruppe. Mit Methoden der narrativen Biographiearbeit erarbeiteten wir in vielen Einzel- und Gruppensettings weitere Texte, die mit den bestehenden zusammengefügt und schließlich zur Geschichte des fiktiven Charakters "Jamal al-Khatib" wurden.

Welche Ziele verfolgt das Projekt?

Fabian Reicher: "Islam und Terrorismus" ist der zentrale Diskurs in den On- und Offline-Lebenswelten von vielen muslimischen Jugendlichen. Sie erleben auf vielen Ebenen, dass gesellschaftliche Probleme in ihrer Komplexität reduziert und auf einen Aspekt ihrer Identität, "den Islam" projiziert werden. Es ist eine ständige unfreiwillige Konfrontation, ein Othering, sie werden als "die Anderen" gesehen, es wird Druck auf sie ausgeübt. Das wirkt sich auch ganz stark auf die politische Bildungsarbeit aus. Bei vielen Themen ist es schwierig, in die Reflexion zu kommen, da viele Jugendliche hochemotionalisiert sind. Gesellschaftlich gesehen brauchen wir hier dringend eine Veränderung, weg vom Othering und von der Komplexitätsreduktion bei gesellschaftlichen Problemen.

Aufgegriffen wird dieses Othering von extremistischen Gruppen on- und offline. Ein Hauptnarrativ aller extremistischen Gruppen ist das sogenannte "Opfernarrativ", nämlich die mutmaßliche Bedrohung der konstruierten Eigengruppe. Verknüpft wird dieses Narrativ meist mit einem "Call to action", also dem Aufruf, sich dem Kampf gegen diese Bedrohung anzuschließen. Wie dieser "Kampf" konkret geführt werden soll, unterscheidet sich je nach extremistischer Ausprägung der Gruppe.

Rami Ali: Online dominieren bei vielen Themen und Fragestellungen islamistische Community-Seiten, die im legalen Rahmen agieren. Dazu gehören zum Beispiel Seiten wie "Generation Islam" oder "Realität Islam", denen eine Nähe zum Umfeld der Hizb ut-Tahrir Gruppe zugeschrieben wird. Diese Seiten stellen viele richtige Fragen, wenn es um die Themen tendenziöse Berichterstattung über "die Muslime" oder "den Islam", antimuslimischen Rassismus oder staatliche Auslandsinterventionen im Namen der Menschenrechte geht. Sie sind nahezu die einzigen, die diese wichtigen Fragen stellen. Das Problem ist nur, dass sie die falschen Antworten geben. Ihre Antworten sind exkludierend, homogenisierend, normativ-dominant und sie betreiben ebenfalls ein Othering, einen "Wir versus Die"-Diskurs, stets im Framing "Muslime versus Nicht-Muslime".

In unserem Projekt verstehen wir das Internet als informellen Lernort von Jugendlichen, an dem wir lebensweltorientierte Angebote politischer Bildung setzen wollen. Unser Ansatz bei Jamal al-Khatib ist daher, ein Framing zu entwickeln, mit dem wir unsere Online-Dialoggruppe erreichen. Ziel ist es, Reflexionsprozesse und Diskussionen über diese Themen anzuregen, alternative Narrative zu dschihadistischer Propaganda zu vermitteln, Jugendliche im Umgang mit Konflikten, Kompromissen und Widersprüchen zu stärken und ihre Ambiguitätstoleranz zu fördern.

Welche Zielgruppen wollen Sie erreichen?

Rami Ali: Unsere Online-Dialoggruppe – also unsere Zielgruppe – sind Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen vulnerabel für dschihadistische und/oder neosalafistische Online-Propaganda sind. Diese Jugendlichen laufen Gefahr, über Suchanfragen zu Themen ihrer Lebenswelt auf extremistische Inhalte, Online-Kanäle und Netzwerke wie die oben genannten zu stoßen.

Außerdem sollen auch Jugendliche erreicht werden, die bereits mit dschihadistischen und/oder neosalafistischen Gruppen und Narrativen sympathisieren und in deren Online-Lebenswelten möglicherweise bereits extremistische Inhalte dominieren.

Welche Themen und Narrative werden in den Jamal al-Khatib-Videos angesprochen?

Fabian Reicher: Das Framing von "Jamal al-Khatib – Mein Weg!" entsteht durch die durchgehende Arbeit mit den am Projekt beteiligten Jugendlichen und der Auseinandersetzung mit ihren Lebenswelten. Gemeinsam mit ihnen entwickeln wir die audiovisuelle Welt von Jamal al-Khatib. In dieser Welt findet eine Auseinandersetzung mit eben jenen Themenfeldern und Fragen statt, zu denen im Internet Antworten von extremistischen Positionen dominieren. Wir thematisieren antimuslimischen Rassismus und strukturelle Gewalt über Situationen, die die am Projekt beteiligten Jugendlichen selbst erlebt haben und die auch in der Lebenswelt der Online-Dialoggruppe eine Rolle spielen, wie z. B. Diskriminierung in der Schule oder als rassistisch empfundene Polizeikontrollen. Das Projekt und die beteiligten Jugendlichen versuchen, alternative Perspektiven zu diesen Themen herzustellen und Antworten auf diese Fragen zu geben, vermittelt über den Messenger "Jamal al-Khatib".

Jamal al-Khatib ist eine dunkle, anonyme Gestalt, ein "Antiheld" und Außenseiter. Seine Hauptnarrative sind: "Du musst kein braver, angepasster, übersäkularer Einserschüler sein, um ein guter Mensch zu sein" Und: "Eure Wut ist berechtigt - bei all der Ungerechtigkeit, die auf der Welt passiert, sollte es eigentlich normal sein, dass man wütend ist. Aber dschihadistische Gewalt ist nicht die Lösung für diese Ungerechtigkeiten." Sowohl die Videos als auch die Kampagne an sich beinhalten ebenfalls einen "Call to Action". Einerseits wollen wir, dass die Jugendlichen online in Diskussion über die Inhalte der Videos treten und auch Kritik daran üben. Andererseits geht es auch darum, selbst Formen des progressiven Widerstandes gegen Ungerechtigkeiten, aber für Zivilcourage und Solidarität zu finden.

Was haben Sie für die zweite Staffel geplant?

Rami Ali: Am 16. Mai beginnt die Onlinekampagne zur zweiten Staffel. Von da an wird jede Woche, für insgesamt 6 Wochen, ein neues Video veröffentlicht. Geplant sind zudem auch drei weitere Add-Ons, die sich mit spezifischen Thematiken auseinandersetzen. Dort werden betroffene Personen aus dem "echten Leben" von Jamal interviewt und ihre Geschichte(n) erzählt.

Thematisiert und dekonstruiert bzw. reframed werden in der Kampagne unter anderem das "takfir"-Konzept (und damit Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit), das Prinzip "al-wala wa-l-bara" (und damit der Wunsch nach vermeintlich homogenen Gemeinschaften) und das Konzept des "kufr bit taghut" bzw. der "Demokratie ist Shirk"-Diskurs (und damit Autoritarismus).

Zudem sind wir gerade in der Planungsphase für ein Video mit konkretem genderspezifischen Aspekt, welches gemeinsam mit jungen Frauen und Mädchen entstehen soll.

Wie haben Sie die Filme der ersten Staffel beworben? Wie sind die Userinnen und User auf Jamal al- Khatib aufmerksam geworden?

Fabian Reicher: Wir haben einen Digital Manager, der mit dem "Targeting" auf unseren Social Media-Kanälen beauftragt ist. Er visiert die Zielgruppen an und überprüft dann, ob die Videos auch dort ankommen, wo sie ankommen sollen.

Können Sie einen kleinen statistischen Einblick geben: Wie viele Personen haben die Videos im Sommer 2017 angesehen? Welche Reaktionen und Interaktionen gab es?

Rami Ali: Wir konnten auf den in der ersten Staffel von uns genutzten Social Media-Kanälen (Facebook, Twitter, Youtube) insgesamt 208.000 Views generieren. Es gab über 16.000 Interaktionen und rund 900 Kommentare, die meisten davon auf Facebook. Unsere zweite Staffel startet im Mai 2019, wir rechnen dabei mit einer Vervielfachung der Interaktionen, weil wir ein höheres Budget haben und zudem zusätzlich Instagram als einen neuen Kanal nutzen werden. Die Mehrheit der Kommentare hat sich zustimmend zu den Videos und zu Jamals Positionen geäußert. Es gab auch kritische oder skeptische Stimmen und es sind einige – auch ausführlichere – Diskussionen entstanden. Vergleichsweise wenige Kommentare wollten ausschließlich provozieren und diffamieren. "Jamal" hat ja auch immer unter das Video geschrieben, dass er sich über Diskussionen freut und die Meinung von anderen hören möchte, solange es respektvoll bleibt.

Haben Sie die angestrebten Zielgruppen erreicht?

Rami Ali: Mit Blick auf die Evaluation der ersten Staffel können wir schon sagen, dass wir die angestrebte Dialoggruppe erreicht haben. Wir haben eine explorative Soziale Netzwerkanalyse der "Gefällt mir"-Angaben der Jamal al-Khatib-Abonnentinnen und -Abonnenten durchgeführt, um zu sehen, welche anderen Seiten von diesen geliked wurden. Dabei haben wir festgestellt, dass es uns gut gelang, in die betreffenden Blasen vorzudringen. So hat etwa ein Fünftel unserer Abonnentinnen und Abonnenten (Stichprobe: 500 Accounts) die Facebook-Seite von Pierre Vogel oder Ansaar international geliked. So sind wir mit unserer Kampagne auch mit Userinnen und Usern in Diskussion getreten, deren Internetauftritt auf eine Nähe zur dschihadistischen Szene oder zumindest auf eine Sympathie für gewisse Gruppen oder Personen schließen lässt. Das meiste davon fand direkt unter den jeweiligen Beiträgen, sichtbar für alle, statt. Einige dieser Diskussionen wurden auch auf Arabisch geführt und gingen inhaltlich ganz schön in die Tiefe. In wenigen Fällen wurde privat über den Messenger kommuniziert.

Wie haben Sie auf negative Kritik oder hasserfüllte Kommentare reagiert?

Fabian Reicher: Die Grundlage für unser "Online-Streetwork" ist die narrativ-biographische Gesprächsführung. Es ist für uns zwar wesentlich, Position zu beziehen, wir ziehen aber Grenzen, wenn Menschen(gruppen) in Äußerungen kollektiv abgewertet werden. Da bezieht Jamal Position, "Das ist nicht mein Weg!". Wir versuchen in der Reaktion nicht zu sehr ins Argumentieren zu verfallen, sondern auf persönliche Erfahrungen und Erzählungen der Online-Dialoggruppe zu lenken. Diese müssen nämlich nicht bewertet werden. Wir versuchen außerdem, im Dialog auf Gemeinsames, Verbindendes bzw. einen "Common Ground" zuzusteuern. Das hat sehr oft wirklich gut funktioniert.

Die eigenen Kanäle auf den Social Media-Plattformen sehen wir dabei in erster Linie als Diskussionsplattformen, die Figur "Jamal al-Khatib" und seine Geschichten als Projektionsfläche, über die Diskurse (online) ausverhandelt werden können. Wir freuen uns auch wirklich sehr über Kritik, sowohl zu den Inhalten als auch zur audiovisuellen Gestaltung. Wir wollen ja nicht, dass unsere Dialoggruppe die alternativen Narrative der Videos einfach übernimmt, sondern wir wollen diese mit ihnen diskutieren und sie sollen die Narrative auch kritisch hinterfragen. Die Narrative und Geschichten sollen mit lokalen Diskursen in Verbindung gebracht, transformiert und mit eigener Bedeutung gefüllt werden. Die Jugendlichen sollen ja eigene Normen und Werte entwickeln, nach denen sie handeln. Wir wollen sie dazu anregen, kritisch zu denken und eine innere Autonomie zu entwickeln, das ist ein Grundsatz unserer politischen Bildungsarbeit.

In den Online-Diskussionen ist es beispielsweise sehr oft passiert, dass Userinnen und User "sehr harte Kritik" sehr emotional geäußert haben. Die Themen, die wir behandeln, sind wie bereits erwähnt für viele Jugendliche hochemotional. Unsere Reaktion war dann meist so in der Art: "Vielen Dank für deinen Kommentar und deine Kritik. Kannst du uns ein bisschen genauer erklären, was du meinst?". Diese Reaktion hat die Userinnen und User dann meist so überrascht, dass sie unser Gesprächsangebot angenommen haben und so haben sich durchaus viele gute Dialoge entwickelt, in denen es gelang, einen Austausch und einen doch ziemlich großen "Common Ground" zu finden. Das hat uns doch teilweise sehr überrascht.

Wie würden Sie den "Impact" von Online- und Offline-Arbeit bewerten – Was wirkt (bei welchen Zielgruppen) besser?

Rami Ali: Ab einem bestimmten Grad der Ideologisierung funktioniert Online-Arbeit schlichtweg nicht mehr. Hier bräuchte es intensive Beziehungsarbeit und eine solide Vertrauensbasis zu der betroffenen Person. Eine solche kann man im Internet nicht aufbauen, das wollen wir auch nicht. Online können wir Impulse setzen und vielleicht zum Nach- oder Umdenken anregen. Kommentare und daraus entstehende Diskussionen geben uns dann gute Anhaltspunkte, um den "Impact" zu bewerten.

Generell sind offene Fragen und das Vermeiden von Suggestivfragen zentral. In Gesprächen mit Jugendlichen, die das Video gesehen haben, haben uns viele gesagt, dass es die Fragen waren, die Jamal gestellt hat, welche sie zum Nachdenken gebracht haben. Das macht vor allem auch deshalb Sinn, weil wir nicht eine zusätzliche Instanz sein wollen, die einfach sagt "So ist es richtig, mach es so". Wir wollen, anders als einschlägige Gruppierungen, kritische Selbstreflexion bei Jugendlichen fördern und ihnen Nuancen aufzeigen.

Sehen Sie die Zukunft der Jugend- und Sozialarbeit, auch im Bereich Radikalisierungsprävention, stärker im Internet und in virtuellen Welten? Wie kann das aussehen? Welche Herausforderungen gibt es?

Rami Ali: Nicht ausschließlich, aber auch. Gute Jugend-und Sozialarbeit orientiert sich an den Bedürfnissen und Lebenswelten von Jugendlichen. Und diese Lebenswelten sind immer öfter digitale Räume. "Handy ist hayat" hat ein Jugendlicher mal zu mir gesagt. Also das Handy, sprich: sein präferiertes Einstiegsmedium ins Internet, ist (sein) Leben. Die Ausweitung der Präsenz von Jugend – und SozialarbeiterInnen und jugendgerechter Angebote im Netz ist aber nicht nur deshalb von zentraler Bedeutung. Gerade im Bereich der Radikalisierungsprävention ist sie deshalb so wichtig, weil Demagogen längst den Wert des Internets verstanden haben und es mit eigenen Inhalten befüllen. Hier gilt es, andere Perspektiven als Alternative zu der oft subtilen Propaganda zu platzieren. Rechtsextreme Gruppen wie etwa die "Identitäre Bewegung" sprechen ganz bewusst von einem "Informationskrieg". Sie wissen, wie sie das Internet für ihre Zwecke instrumentalisieren können. Wir haben aktuell auch die Situation, dass rechtsextreme Inhalte von den sozialen Netzwerken weniger effektiv entfernt werden als dschihadistische.

Die Herausforderung besteht unserer Ansicht nach darin, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Angeboten im Netz und im "echten Leben" zu finden. Wir brauchen beides. Auch wenn das Internet zu einer alternativen Realität geworden ist und Jugendliche zwischen diesen Welten manövrieren, so kann kein Online-Angebot, egal wie gut es ist, das face-to-face Gespräch ersetzen.

Zum Projekt wurden pädagogische Materialien entwickelt - Wo werden sie eingesetzt und wie ist das Feedback aus der Praxis?

Fabian Reicher: Das Material wird sowohl in der Schule als auch in der außerschulischen Bildungsarbeit eingesetzt. Viele unserer Kolleginnen und Kollegen kommen auch selbst aus der Bildungspraxis. Wir wissen also auch, was nützlich ist und was eher nicht. Deshalb ist das pädagogische Material schon in der Entstehung quasi durch mehrere Praktikabilitätsfilter gelaufen. Wir selbst bieten ja auch Workshops in Schulen an und arbeiten dort mit den Videos und Methoden, die wir im Heft zusammengetragen haben. Wir haben insgesamt sehr positives Feedback bekommen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Weiterführende Links

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Politologe und Islamwissenschaftler, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbüro think.difference und Vorstand von TURN - Verein für Gewalt - und Extremismusprävention.

Diplomierter Sozialarbeiter und Vortragender an der Fachhochschule Campus Wien und Vorstand von TURN - Verein für Gewalt - und Extremismusprävention.