Herausforderung Salafismus

27.3.2019

Baden-Württemberg: Akteure und Organisation der Präventionsarbeit

Grundlage der baden-württembergischen Präventionsarbeit ist unter anderem das erste sogenannte Anti-Terrorpaket, das im Februar 2015 von der Landesregierung verabschiedet wurde.[1] Die Präventionsarbeit in Baden-Württemberg wird maßgeblich von zwei Institutionen gesteuert und umgesetzt: Verantwortlich für die primäre Prävention ist das "Demokratiezentrum Baden-Württemberg", das unter anderem vom Sozialministerium gefördert wird. Für die sekundäre und tertiäre Prävention ist das "Kompetenzzentrum gegen Extremismus in Baden-Württemberg" (konex) verantwortlich, das beim Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration verortet ist.

1. Gibt es eine landeseigene baden-württembergische Präventionsstrategie?

Grundlage der baden-württembergischen Präventionsarbeit ist unter anderem das erste sogenannte Anti-Terrorpaket, das im Februar 2015 von der Landesregierung verabschiedet wurde. Hierbei wurde der Extremismusprävention ein hoher Stellenwert eingeräumt. Schwerpunkt ist die Vernetzung und Koordination bereits existierender Angebote und Maßnahmen sowie die Erweiterung der Angebote. Neben der Aufstockung von Stellen bei Polizei und Verfassungsschutz wurde die Einrichtung des "Kompetenzzentrum zur Koordinierung des Präventionsnetzwerks gegen islamistischen Extremismus" (KPEBW) im Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration beschlossen. Ziel war es, die Zusammenarbeit mit Partnern auf Landesebene und auf kommunaler Ebene sowie mit Nichtregierungsorganisationen zu koordinieren.[2]

Im Herbst 2017 folgte die Einrichtung des "Landesbildungszentrum Deradikalisierung" unter dem Dach des KPEBW.[3] Im Jahr 2018 wurde das KPEBW um den Fachbereich Rechtsextremismus erweitert und in "Kompetenzzentrum gegen Extremismus in Baden-Württemberg" (konex) umbenannt. Eine Erweiterung auf die Phänomenbereiche Links- und Ausländerextremismus soll folgen.

2. Wie ist die Präventionsarbeit in Baden-Württemberg organisiert?

Die Präventionsarbeit in Baden-Württemberg wird maßgeblich von zwei Institutionen gesteuert und umgesetzt: Verantwortlich für die primäre Prävention ist das "Demokratiezentrum Baden-Württemberg" (DZBW), das unter anderem vom Sozialministerium gefördert wird. Für die sekundäre und tertiäre Prävention ist das "Kompetenzzentrum gegen Extremismus in Baden-Württemberg" (konex) verantwortlich, das beim Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration verortet ist.

Zwischen dem DZBW und konex findet ein bedarfs- und anliegenbezogener Austausch statt. Das DZBW sitzt im Beirat von konex und umgekehrt.

2.1 Demokratiezentrum Baden-Württemberg

Das "Demokratiezentrum Baden-Württemberg" (DZBW) ist zentral verantwortlich für die Arbeitsbereiche der primären Extremismusprävention und Ansprechpartner für Zivilgesellschaft, Bildungseinrichtungen und Multiplikatoren. Das DZBW erhält Förderung vom baden-württembergischen Ministerium für Soziales und Integration sowie im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!". Es ist bei der "Jugendstiftung Baden-Württemberg" verortet.

Das DZBW koordiniert im Bereich religiös begründeter Extremismus folgende Angebote:

FEX – Fachstelle Extremismusdistanzie­rung
"FEX – Fachstelle Extremismusdistanzierung" wird umgesetzt von der Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit / Streetwork Baden-Württemberg e. V. FEX bietet Beratung und Qualifizierung für Fachkräfte der offenen Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit an. Mit Vorträgen und Workshops werden Multiplikatoren für ihre Arbeit mit Jugendlichen fortgebildet und unterstützt.

Fachstelle PREvent!on
Träger der "Fachstelle PREvent!on – Fachstelle zur Prävention von religiös begründetem Extremismus" ist die Jugendstiftung Baden-Württemberg. PREvent!on bietet unter anderem eine Qualifizierung für Fachkräfte an, die Wissen in den Themenfeldern Islam, Neo-Salafismus, Radikalisierung und Prävention vermittelt. Die Qualifizierung soll die Teilnehmenden dazu befähigen, in ihrem Arbeitssetting präventiv gegen Radikalisierungstendenzen vorzugehen und entsprechende Anzeichen richtig zu deuten. Anschließend können sie selbständig Workshops umsetzen. Die Qualifizierung wurde in Kooperation mit konex entwickelt.

Regionale Demokratiezentren
Das DZBW ist mit sechs regionalen Demokratiezentren in den verschiedenen Landkreisen vertreten. Die regionalen Demokratiezentren bieten Vernetzung und Unterstützung bei Präventionsveranstaltungen sowie Workshops, Planspiele und Vorträge an – zum Beispiel für Fachkräfte aus der Jugendarbeit, Lehrkräfte, Schüler/-innen und interessierte Personen. Die Zentren befinden sich in der Trägerschaft verschiedener weiterer (größtenteils) zivilgesellschaftlicher Akteure.[4]

Beirat und wissenschaftliche Begleitung des DZBW
Darüber hinaus koordiniert das DZBW drei weitere Fachstellen zum Thema Rechtsextremismus und rechte Gewalt. Zur Vernetzung aller Fachstellen wurde ein Beirat eingerichtet, der sich bei jährlichen Sitzungen austauscht, die Fachstellen in ihrer Arbeit berät und Empfehlungen ausspricht. In dem Beirat sind folgende Institutionen vertreten:
  • Ministerium für Soziales und Integration
  • Ministerium für Kultus, Jugend und Sport
  • Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration (konex)
  • Landeskriminalamt
  • Landeszentrale für politische Bildung
  • Städtetag Baden-Württemberg
  • Baden-Württemberg Stiftung
Für die wissenschaftliche Beratung des DZBW ist Stand September 2018 Frau Dr. Ursula Bischoff vom deutschen Jugendinstitut zuständig. Ein gemeinsames Treffen findet einmal jährlich und auf Wunsch öfter statt.

2.2 Kompetenzzentrum gegen Extremismus in Baden-Württemberg (konex)

Das "Kompetenzzentrum gegen Extremismus in Baden-Württemberg" (konex) ist die zentrale Koordinierungsstelle für Maßnahmen der sekundären und tertiären Prävention und Intervention. konex ist angesiedelt im Referat für Kriminalitätsbekämpfung, Prävention und Kriminologie im Landespolizeipräsidium, das wiederum im Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration verortet ist. konex wird durch Mittel des Landeshaushalts Baden-Württemberg finanziert.

konex betreut kein festes Netzwerk, sondern steht bei Bedarf allen baden-württembergischen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Institutionen bei Fragen und Anliegen bezüglich Extremismusprävention zur Verfügung.

Das konex bietet zusammen mit seinen Netzwerkpartnern Informationen und Beratung gegen religiös und politisch motivierten Extremismus an. Neben Fortbildungsangeboten des dem konex zugehörigen Landesbildungszentrum Deradikalisierung, die für bestimmte Zielgruppen angeboten werden, stellt insbesondere die Ausstiegsberatung für radikalisierte Personen und deren unmittelbaresm Umfeld die Kernaufgaben des Kompetenzzentrums dar.

Schwerpunkte von konex
  1. Die Qualifizierung bestimmter Zielgruppen durch landesweite Fortbildungen und Informationsveranstaltungen. Mit seinem Bildungsangebot im Bereich der sekundären und tertiären Extremismusprävention richtet sich das konex an alle, die beruflich mit dem Thema zu tun haben, wie beispielsweise Schulpsychologinnen/Schulpsychologen oder die Bewährungshilfe. Die Ermittlung des Bedarfs dieser Zielgruppen sowie die Durchführung der Weiterbildungsveranstaltungen erfolgt dabei in enger Kooperation mit externen Organisationen sowie den Sicherheitsbehörden im Land.
  2. Die strategische und vernetzte Prävention durch eine Präventionsdatenbank. In die Präventionsdatenbank können sich Referentinnen und Referenten, Institutionen und Akteure aus dem Bereich der Extremismusprävention selbstständig eintragen und bei Bedarf kontaktiert werden oder sich gegenseitig kontaktieren.
  3. Die Intervention und Deradikalisierung mittels Ausstiegsberatung..Die Ausstiegsberatung des konex richtet sich an alle, die ihre politisch oder religiös motivierte extremistische Lebensweise aktiv ändern wollen. Sie begleitet kostenlos beim Ausstieg aus der Szene.
  4. Die Anwendung wissenschaftlicher Analysen aktueller Entwicklungen in verschiedenen Bereichen des religiös und politisch motivierten Extremismus. Hierzu zählen die Durchführung von Studien, die Prozess- und Wirkungsevaluation von Projekten und Maßnahmen sowie die Konzeption von wissenschaftlich fundierten Fortbildungen und Schulungen.
  5. Die Konzeption von Projekten und Maßnahmen für die Prävention und die Unterstützung von Netzwerkpartnern bei der Umsetzung von erarbeiteten Konzepten. Das konex bietet wissenschaftliche Expertise für Stellen und Institutionen der Präventionslandschaft in Baden-Württemberg, die Bedarf geäußert haben.
Organisation von konex
Die Organisation der Arbeit von konex ist in drei Einheiten geteilt: den Lenkungsausschuss, die Geschäftsführung nebst Geschäftsstelle und den Fachbeirat. Der Lenkungsausschuss entscheidet über die zu erarbeitenden Inhalte und Themenbereiche. Der Fachbeirat unterstützt bei Bedarf mit seiner Expertise bei der Umsetzung. Die Geschäftsführung trägt die Verantwortung über die angemessene Planung und Umsetzung im Hinblick auf Zeit, Personal, Budget, Inhalt und Konzeption.

Der Lenkungsausschuss
Der Lenkungsausschuss entscheidet über die Inhalte und thematischen Schwerpunkte von konex, denen Projekte und Maßnahmen gewidmet werden. Außerdem entscheidet der Lenkungsausschuss über die Mitgliedschaften im Fachbeirat.

Der Lenkungsausschuss setzt sich aus 15 Teilnehmenden der folgenden Ministerien, Behörden und Institutionen zusammen:
  • Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration
  • Ministerium für Soziales und Integration
  • Ministerium für Kultus, Jugend und Sport
  • Ministerium der Justiz und für Europa
  • Staatsministerium
  • Beauftragte/r der Landesregierung Baden-Württemberg gegen Antisemitismus
  • Landeskriminaldirektorin/Landeskriminaldirektor
  • konex Geschäftsführer/-in
  • Landeskriminalamt
  • Landeszentrale für politische Bildung
  • Landkreistag Baden-Württemberg
  • Städtetag Baden-Württemberg
  • Gemeindetag Baden-Württemberg
  • drei gewählte Vertreter/-innen landesweiter nichtstaatlicher Organisationen (Stand Dezember 2018):
    • Demokratiezentrum/Jugendstiftung Baden-Württemberg
    • Universität Tübingen
    • Württembergischer Landessportbund e. V
Die Geschäftsführung und Geschäftsstelle
Die Geschäftsführung nebst Geschäftsstelle von konex obliegt dem Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration und besteht aus sieben Personen. Zu ihren Aufgaben gehören die planerische Umsetzung der Empfehlungen und Entscheidungen des Lenkungsausschusses sowie die Koordination aller ressortübergreifenden Planungen und die Entwicklung landesweiter Strategien. Außerdem widmet sich die Geschäftsführung und Geschäftsstelle der Errichtung und Betreuung der Präventionsdatenbank.[5]

Der Fachbeirat
Der Fachbeirat setzt sich zusammen aus über 30 Vertreterinnen und Vertretern von nichtstaatlichen Organisationen, von den im Lenkungsausschuss vertretenen Ministerien und Behörden sowie von wissenschaftlicher Organisationen. Diese treffen sich mindestens einmal im Jahr. Zusätzliche Treffen finden statt, wenn ein Drittel des Beirats Gesprächsbedarf ankündigt.[6]

Der Fachbeirat stellt die operative Ebene dar. Seine Mitglieder können Arbeitsgruppen bilden und werden zur Unterstützung von Projekten oder Maßnahmen von öffentlichen oder zivilgesellschaftlichen Stellen eingesetzt, die bei konex Bedarf angemeldet haben.

Weiterhin wählt der Fachbeirat die Mitglieder des Lenkungsausschusses aus den nichtstaatlichen landesweiten Organisationen und berät und diskutiert zu aktuellen Themen. Der Fachbeirat ist außerdem für die Erarbeitung von Vorschlägen zu den Zielen und Aufgabenschwerpunkten von konex zuständig.[7]

Landesbildungszentrum Deradikalisierung
Unter dem Dach von konex wurde das "Landesbildungszentrum Deradikalisierung" (LBZ Derad) eingerichtet. Es richtet sich an Fachpersonal sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in der Extremismusprävention.

Aufgabe des LBZ Derad ist die die Fortbildung und Schulung der Zielgruppen von konex im Bereich der sekundären und tertiären Extremismusprävention. Dazu gehören u.a. folgende Themen: Vermittlung von Grundkenntnissen zu Radikalisierungsprozessen, Kompetenzstärkung in der Früherkennung gewaltbereiter extremistischer Radikalisierung sowie Vermittlung eines angemessenen Handlungsrepertoires. Außerdem werden im LBZ Derad Publikationen und Handreichungen als unterstützende Maßnahme konzipiert.

Ausstiegsberatung
Unter dem Dach des konex befinden sich zwei Beratungsstellen – eine für den Bereich religiös begründeter Extremismus und eine für den Bereich Rechtextremismus. Die "Ausstiegsberatung Islamismus" leistet diese Arbeit für Personen, die aus der islamistischen Szene aussteigen möchten und deren enges soziales Umfeld. Sie bietet darüber hinaus auch Hilfestellung im Umgang mit diesen Personen an.

3. Welche Rolle spielen die Akteure der Bundesebene in Baden-Württemberg?

Die Abstimmung zwischen Bundesregierung und Bundesländern zur Präventionsarbeit findet unter anderem bei Fachministerkonferenzen statt. Außerdem stimmen sich die Behörden und besonders die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern bereits seit 2009 in der Arbeitsgruppe "Deradikalisierung" des gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) über islamistischen Extremismus ab. Des Weiteren existieren verschiedene Bund-Länder-Arbeitsgruppen im Rahmen der Ständigen Konferenz der Innenministerinnen und Innenminister sowie Innensenatorinnen und Innensenatoren der Länder (IMK).[8]

3.1 Kooperationsnetzwerk der Beratungsstelle "Radikalisierung" des BAMF

Auch das Kooperationsnetzwerk der Beratungsstelle "Radikalisierung" des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) dient als Plattform für den Austausch zwischen Bund und Ländern. Für Baden-Württemberg ist das Kompetenzzentrum gegen Extremismus (konex) Teil dieses Netzwerks.

3.2 Bundesprogramm Demokratie leben!

Über das Bundesprogramm "Demokratie leben!" des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend kofinanziert der Bund einen bedeutenden Teil der Präventionsarbeit auf den Ebenen der Länder und Kommunen. Im Rahmen von "Demokratie leben!" werden in Baden-Württemberg 23 lokale "Partnerschaften für Demokratie" gefördert (Stand: Januar 2019). In diesen "Partnerschaften für Demokratie" kommen die Verantwortlichen aus der kommunalen Politik und Verwaltung sowie Aktive aus der Zivilgesellschaft zusammen. Anhand der lokalen Gegebenheiten und Problemlagen entwickeln sie gemeinsam eine auf die konkrete Situation vor Ort abgestimmte Strategie. Die geförderten Kommunen werden durch kostenfreie Beratungs- und Coachingangebote begleitet.[9] In jedem Bundesland unterstützen "Landes-Demokratiezentren" die Weiterentwicklung von Konzepten und Strategien zur Förderung von Demokratie und Vielfalt und sorgen für eine Vernetzung der lokalen Aktivitäten – insbesondere der kommunalen Partnerschaften für Demokratie. Darüber hinaus koordinieren sie die Arbeit der Beratungs- und Präventionsangebote und fungieren als Ansprechpartner für Hilfesuchende. In Baden-Württemberg ist das Landes-Demokratiezentrum bei der Jugendstiftung Baden-Württemberg angesiedelt.[10]

Des Weiteren werden im Rahmen von "Demokratie leben!" Modellprojekte zur Radikalisierungsprävention in den Bereichen "Islamistische Orientierungen und Handlungen" sowie "Prävention und Deradikalisierung in Strafvollzug und Bewährungshilfe" gefördert. In Baden-Württemberg sind das die folgenden Projekte:[11] Weitere Informationen zu den "Strukturen der Präventionsarbeit auf Bundesebene" finden Sie im entsprechenden Beitrag im Infodienst Radikalisierungsprävention.  

4. Wie arbeiten Landesebene und kommunale Ebene in Baden-Württemberg zusammen?

4.1 Projekt "ACHTUNG?!"

Das Projekt "ACHTUNG?!" wurde beim Polizeipräsidium Ludwigsburg in Kooperation mit staatlichen und nichtstaatlichen Stellen entwickelt. Nun hat konex die Gesamtkoordination übernommen und das Projekt wird landesweit in Baden-Württemberg angeboten.

"ACHTUNG?!" ist ein modular aufgebautes Präventionsprojekt und richtet sich an Schüler/-innen der 9. Klasse, Berufsschüler/-innen, Eltern und Fachkräfte. Mit theaterpädagogischen Umsetzungen und einer Nachbereitung der Landeszentrale für politische Bildung soll die Zielgruppe für die Phänomenbereiche des religiös- und politisch- begründeten Extremismus sensibilisiert werden. In weiteren Modulen werden vor allem Eltern und Fachkräfte durch Veranstaltungen der Polizei über politisch- und religiös- motivierte Kriminalität informiert.

4.2 Schulungen für kommunale Mentoren und regionale Demokratiezentren

Die kommunalen Mentorinnen und Mentoren sowie Beraterinnen und Berater der Fachstelle PREvent!on wurden durch das Demokratiezentrum Baden-Württemberg unter Beteiligung des konex geschult (siehe Abschnitt 2).

Das DZBW ist mit sechs regionalen Demokratiezentren in den verschiedenen Landkreisen vertreten. Die regionalen Demokratiezentren bieten Vernetzung und Unterstützung bei Präventionsveranstaltungen sowie Workshops, Planspiele und Vorträge (siehe Abschnitt 2).

5. Wie arbeitet das Land Baden-Württemberg mit zivilgesellschaftlichen Akteuren zusammen?

Das Land Baden-Württemberg hat zivilgesellschaftliche Akteure in die Organisation und Umsetzung seiner Präventionsstrukturen eingebunden. Beim "Kompetenzzentrum gegen Extremismus in Baden-Württemberg" (konex) sind zivilgesellschaftliche Akteure im Lenkungsausschuss und im Fachbeirat vertreten. So können sie sich an der Konzeption der landesweiten Präventionsstrategie beteiligen und mit ihrer Expertise aktiv andere zivilgesellschaftliche Akteure unterstützen (s. Abschnitt 2).

Auch das "Demokratiezentrum Baden-Württemberg" (DZBW) setzt beim Betrieb seiner Fachstellen und der regionalen Demokratiezentren auf zivilgesellschaftliche Akteure (s. Abschnitt 2).

Daneben existieren in Baden-Württemberg einige weitere zivilgesellschaftliche Projekte:

Stuttgarter Jugendhausgesellschaft: "Fach- und Beratungsstelle INSIDE OUT"
Träger der Fach- und Beratungsstelle "INSIDE OUT" ist die Stuttgarter Jugendhausgesellschaft. INSIDE OUT bietet erlebnispädagogische Angebote für Jugendliche an. Außerdem werden pädagogische Fachkräfte zu den Themen der Radikalisierung in Praxis und Theorie sowie Interkulturalität und religiösen Fundamentalismus beraten und durch die Fortbildung "Radikal sein" geschult. Gefördert wird INSIDE OUT maßgeblich vom Bundesprogramm "Demokratie leben!" sowie vom Staatsministerium Baden-Württemberg.

Mannheimer Institut für Integration und interreligiöse Arbeit: "jumed – Junge Muslime engagiert für Demokratie"
"jumed" ist ein Projekt zur Stärkung von Jugendlichen, um religiös-motivierten Radikalisierungstendenzen, aber auch islam-feindlichen Haltungen zu begegnen. Es wird vom Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog e.V. in enger Kooperation mit dem Beauftragten für Integration der Stadt Mannheim umgesetzt und vom Bundesministerium für Frauen, Senioren, Familie und Jugend im Rahmen des Programms "Demokratie leben!" gefördert.

Aktion Dritte Welt: "turuq"
Das Projekt "turuq" ist in Freiburg im Breisgau ansässig und vermittelt durch Beratungen, Fortbildungen, Workshops und Vorträge Handlungskompetenzen zu den Themenfeldern Islamismus, Islamfeindlichkeit und Islam. Träger ist der Aktion Dritte Welt e. V. Zur Zielgruppe gehören Multiplikator/-innen und pädagogische Fachkräfte. Außerdem werden Unterrichtseinheiten und Projekttage für Schülerinnen und Schüler zu den Themen Interreligiosität und Islamismus sowie Migration in Deutschland und Europa angeboten. Finanziell unterstützt wird turuq durch das Bundesprogramm "Demokratie leben!" und die Stadt Freiburg im Breisgau.

Mosaik Deutschland: "Quwwa – Stärke statt Sprachlosigkeit"
Im lokalen Präventionsprojekt "Quwwa – Stärke statt Sprachlosigkeit" berät der Heidelberger Mosaik Deutschland e. V. zu den Themenfeldern Radikalisierung, Menschenfeindlichkeit und islamische Jugendkultur. Außerdem werden Akteure aus dem schulischen Bereich in der Implementierung von Präventionskonzepten unterstützt. Vor Ort werden Workshops für Schülerinnen und Schüler zur Kompetenzstärkung im Umgang mit Menschenfeindlichkeit und Salafismus sowie Fortbildungen und Trainings für pädagogisches Fachpersonal angeboten. Gefördert wird Mosaik Deutschland von der Stadt Heidelberg. Quwwa wird in Kooperation mit "Sicherheid – Sicheres Heidelberg e. V." und dem Polizeipräsidium Mannheim durchgeführt.

6. Welche Besonderheiten gibt es in Baden-Württemberg hinsichtlich der Präventionsarbeit?

Das Land Baden-Württemberg bemüht sich nach eigenen Angaben um einheitliche Qualitätsstandards in der Präventionsarbeit. Mit den Fortbildungsangeboten des beim "Kompetenzzentrum gegen Extremismus in Baden-Württemberg" (konex) angesiedelten "Landesbildungszentrum Deradikalisierung" soll gewährleistet werden, dass Fachpersonal gleichermaßen geschult ist und einen einheitlichen Qualitätsstandard in der Präventionsarbeit bietet.

Zum Thema "Strukturelle Qualitätsstandards in der Interventions- und Präventionsarbeit gegen gewaltbereiten Extremismus" hat konex ein Handbuch veröffentlicht. Anspruch des Handbuchs ist es, staatlichen Koordinierungsstellen und zivilgesellschaftlichen Trägern in der sekundären und tertiären Extremismusprävention über alle Phänomenbereiche hinweg zu ermöglichen, strukturell fundierte Programme und Projekte zu entwickeln und zu optimieren.[12]

Eine weitere Besonderheit ist nach eigenen Angaben der Bereich für angewandte Forschung, der bei konex verortet ist und sich der wissenschaftlichen Analyse von Extremismusformen und Präventionsmethoden widmet. Dieser wird durch drei im Landesbildungszentrum Deradikalisierung angestellte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler umgesetzt. Bei Bedarf werden zusätzlich externe Wissenschaftler zu Rate gezogen.

7. Weiterführende Links: Quellen, Anlaufstellen und Präventionsprojekte in Baden-Württemberg

Wichtige Quellen und Links Anlaufstellen und Präventionsprojekte


Die Grafik stellt die zentralen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure der Präventionsarbeit in Baden-Württemberg und ihre Beziehungen zueinander dar.Die Grafik stellt die zentralen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure der Präventionsarbeit in Baden-Württemberg und ihre Beziehungen zueinander dar. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Infodienst Radikalisierungsprävention, www.bpb.de/radikalisierungsprävention)

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Präventionsarbeit ist ein dynamischer Bereich mit vielen aktuellen Entwicklungen. Die Redaktion freut sich daher über Ihre Hinweise auf Akteure, Aktivitäten oder Zusammenhänge, die in diesem Beitrag bislang nicht berücksichtigt worden sind.
Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an:


radikalisierungspraevention@redaktion-kauer.de

Fußnoten

1.
Staatsministerium Baden-Württemberg: Sicherheitspaket zum besseren Schutz vor Terror beschlossen, Abruf am 19.12.2018.
2.
Staatsministerium Baden-Württemberg: Sicherheitspaket zum besseren Schutz vor Terror beschlossen, Abruf am 19.12.2018.
3.
Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration: Prävention und Deradikalisierungsarbeit sind unverzichtbar, Abruf am 19.12.2018.
4.
Diese Akteure sind: Mariaberger Ausbildung & Service gem. GmbH, Verein für Jugendhilfe Böblingen, IZ3W - Informationszentrum 3. Welt, Future Jugendhilfe Göppingen, Stadtjugendausschuss e. V. Karlsruhe, Kreisjugendamt / Kreisjugendreferat Konstanz, Kreisjugendring Ravensburg, Kreisjugendring Biberach e. V., Stadt Pforzheim / Jugend- und Sozialamt.
5.
Kompetenzzentrum gegen Extremismus in Baden-Württemberg: Geschäftsordnung, Abruf am 30.7.2018.
6.
Kompetenzzentrum gegen Extremismus in Baden-Württemberg: Geschäftsordnung, Abruf am 30.7.2018.
7.
Kompetenzzentrum gegen Extremismus in Baden-Württemberg: Geschäftsordnung, Abruf am 30.7.2018.
8.
Die Bundesregierung: Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung, S. 17.
9.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Partnerschaften für Demokratie, Abruf am 7.1.2019.
10.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Landes-Demokratiezentren, Abruf am 7.1.2019.
11.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Modellprojekte zur Radikalisierungsprävention, Abruf am 7.1.2019.
12.
Landtag Baden-Württemberg: Stellungnahme des Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration zum Antrag von Wolfgang Drexler (SPD), Thema: Kompetenzzentrum zur Koordinierung des Präventionsnetzwerks gegen (islamistischen) Extremismus Baden-Württemberg (KPEBW), S. 3, Abruf am 19.12.2018.
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