Bisher galt ein Hochschulabschluss als beste Absicherung gegen Arbeitslosigkeit: Trifft das noch zu?
Die Arbeitslosenquote von Hochschulabsolventinnen und -absolventen lag 2025 bei 3,3 Prozent . Vor der Corona-Pandemie waren es 2,1 Prozent. Es gab also eine deutliche Steigerung. Die allgemeine Arbeitslosenquote ist allerdings noch etwas stärker gestiegen und liegt fast doppelt so hoch bei 6,3 Prozent. Einerseits sind Akademikerinnen und Akademiker heute also in der Krise definitiv nicht mehr immun. Andererseits ist aber das aufkommende Bild der perspektivlosen young professionals reichlich schief (siehe Infografik).
Im Schnitt haben Studierte klar die höchsten Lebenszeitgehälter. Bis in die 2010er Jahre hinein sind die oberen Löhne in Deutschland stärker gewachsen als die unteren. In den vergangenen Jahren hat sich das umgekehrt. Personen mit Hochschulabschluss liegen bei den Löhnen zwar noch deutlich vorn, aber ihre Löhne steigen derzeit schwächer als die der anderen Gruppen.
Wo liegen die Hauptprobleme junger Hochschulabsolventinnen und -absolventen beim Eintritt in den Arbeitsmarkt?
Die Jobchancen von jungen Menschen, die frisch ins Berufsleben einsteigen, haben sich seit 2022 generell deutlich verschlechtert. Die Jobaufnahmequote junger Arbeitsuchender – also der Anteil derer, die aus der Arbeitslosigkeit in eine Beschäftigung gehen – hat allerdings genau parallel zur allgemeinen Jobaufnahmequote abgenommen. Es gibt also keine spezifische Krise für Berufsanfängerinnen und -anfänger, sondern die Verschlechterung der Jobchancen hat einen anderen Grund: Die deutsche Wirtschaft hat drei Rezessionsjahre hinter sich, es gibt kaum Bewegung am Arbeitsmarkt; die Meldung neuer Stellen ist seit Jahren auf Tiefststand. Das schadet allen, die gerade einen Job suchen. Und dazu gehören naturgemäß junge Leute, die neu auf den Arbeitsmarkt kommen. Gerade diese Gruppe leidet also vor allem unter der wirtschaftlichen Erneuerungskrise.
Das bedeutet aber auch, dass sich die Chancen junger Leute mit einer Politik für wirtschaftliche Erneuerung mit Investitionen und Innovationen sowie einer Politik für mehr Bewegung im Arbeitsmarkt effektiv verbessern lassen. Das ist auch notwendig, denn Forschungsergebnisse zeigen deutlich, dass junge Menschen, die zum Berufseinstieg in eine schlechte Arbeitsmarktsituation hineinrutschen, über ihre Erwerbskarriere davon dauerhafte Nachteile haben verglichen mit anderen, die in eine gute Situation hineinrutschen, sich den Jobs aussuchen und sich gleich weiterentwickeln können. In einer schwierigen Arbeitsmarktlage kommt es beim Berufseinstieg für junge Menschen besonders auf Flexibilität an – das heißt, sich nicht auf die eine Branche festlegen, die man vielleicht als gesetzt betrachtet hatte, sondern auf die eigenen Fähigkeiten und Stärken achten und schauen, wo man diese auch an anderen Stellen am besten einsetzen kann.
Gehen also die beruflichen Ambitionen von jungen Akademikerinnen und Akademikern am Fachkräftebedarf vorbei?
Die Jobchancen arbeitsloser Akademikerinnen und Akademiker sind mehr als anderthalbmal so groß wie die anderer Jobsuchender. Seit 2022 sind die Jobchancen allerdings auch stärker gesunken. Das gilt besonders für einige Berufsgruppen, die bis vor kurzem noch über eine immens starke Position im Arbeitsmarkt verfügten: beispielsweise in den Bereichen Naturwissenschaften und Informatik. Auch bei Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern sind die Jobchancen gesunken. Und dennoch sind Arbeitskräfte in vielen Bereichen weiter knapp. Der Grund ist die tiefgreifende Umbruchsituation der Wirtschaft, die zu Problemen beim Ausgleich von Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt führt.
Inwieweit wird Künstliche Intelligenz künftig insbesondere akademische Berufe ersetzen?
Die Technologie ist aufgestiegen in die Liga der Hochqualifizierten: Diverse Tätigkeiten von Ärzten, Rechtsanwältinnen, Journalisten und Informatikerinnen können von KI übernommen werden. Tatsächlich sind hochqualifizierte Tätigkeiten von KI am stärksten betroffen, während sie es bei konventioneller Digitalisierung noch am schwächsten waren. Das bedeutet aber nicht, dass hochqualifizierte Tätigkeiten deshalb auf dem Rückzug wären. Ganz im Gegenteil, der Anteil von Jobs mit komplexen Tätigkeiten legte seit den 1990er-Jahren um mehr als zehn Prozent pro Dekade zu. Und zwar ungebrochen, bis zuletzt. Die Arbeitsmarktprojektionen aus dem Projekt „Externer Link: Qualifikation und Beruf in der Zukunft“ (QuBe) zeigen, dass der Bedarf auch in Zukunft noch zunehmen wird. Und die Simulationen von verschiedenen Szenarien für die zukünftige Entwicklung des Arbeitsmarktes deuten darauf hin, dass es mit umfassendem KI-Einsatz in der Wirtschaft einen Umbruch, aber keinen Einbruch, bei der Beschäftigung geben wird.
Mit KI werden nicht unbedingt ganze Berufe aussterben, sondern vor allem verändern sich die Anforderungen innerhalb der Berufe: Inhaltliche Flexibilität, Selbstorganisation, Abstraktions-, Kommunikations- und Lernfähigkeit – all diese Kompetenzen sind mit zunehmendem KI-Einsatz stärker gefragt. Es geht also um die Weiterentwicklung von Kompetenzen, für die gerade Akademikerinnen und Akademiker mit ihrer allgemeinen Ausbildung gut aufgestellt sind. Zentral ist also nicht nur statisch der aktuelle Arbeitskräftebedarf, sondern die individuelle Entwicklungsfähigkeit.