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Der Vampirmythos

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Der Vampirmythos

Dr. Martin Ganguly

/ 5 Minuten zu lesen

Der Vampir (alte Schreibweise: Vampyr, der ungeklärte Begriff stammt aus dem slawischen Sprachraum) ist keine literarische Erfindung, sondern hat seinen Ursprung im Volksglauben, in Sagen und Volks­märchen unterschiedlicher Kulturkreise, deren Ursachen verschieden sind. Vampire sind mythologische Nachtwesen, Untote, die einst Menschen waren. Um ihre Unsterblichkeit zu bewahren, erheben sie sich im Schutz der Nacht aus ihren Grabstätten und ernähren sich vom Blut lebender Kreaturen, möglichst dem Blut von lebenden Menschen, die sich – wenn sie nicht vollständig ausgesaugt und damit getötet werden – ebenfalls in Vampire verwandeln. Vor allem Vampirgeschichten der Neuzeit dienen als Projektion für menschliche Urängste und für geheime oder (unterdrückte) sexuelle Wünsche.

Graf Orlok (Nosferatu) – Filmstill aus dem Film "Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens" von Friedrich Wilhelm Murnau. (© Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden)

Ursprünge

Bereits aus der Antike sind blutrünstige Wesen bekannt, häufig in Verbindung mit dem Götterglauben und Religion. Im Hinduismus etwa trinkt die Göttin des Todes und der Zerstörung, Kali, das Blut ihrer besiegten Opfer. Bei den Azteken wurde das Blut erschlagener Feinde von Priestern als Götteropfer ge­trunken – Blut galt als einzig angemessene Nahrung der Götter. Und auch in den Vampirgeschichten der letzten Jahrhunderte spielen Kruzifixe und christliche Beschwörungsformeln eine wichtige Rolle im Kampf gegen Vampire.

In Westeuropa wurde der Begriff Vampir erst im frühen 18. Jahrhundert populär durch den Einfluss südosteuropäischer Volkserzählungen, die sich über Rumänien und Ungarn ins östliche Österreich und im 19. Jahrhundert weiter nach Deutschland, Frankreich, England und andere Ländern weiterverbreiteten. Der Vampir steht dabei für das Böse, das durch das Gute (üblicherweise in Verbindung mit Religiösität) bekämpft wird.

Wunsch nach Unsterblichkeit

Vampirgeschichten dienen als Projektion für menschliche Urängste. Tod und Siechtum gehören für die meisten Menschen zu den schlimmsten Schreckensvorstellungen ihres Daseins. Durch die Umwandlung in eine andere Daseinsform, in diesem Fall die der Untoten, wird diese Angst ansatzweise eliminiert.

Gerade weniger gebildete Menschen, die sich nicht mit Philosophie oder Kirchenlehre beschäftigt haben und der Aussicht auf das Paradies misstrauisch gegenüberstanden, entwickelten eigene Vorstellungen vom Leben nach dem Tod.

Besonders zu Zeiten von Seuchen, Krankheiten oder Missernten suchten die Menschen eine Erklärung für diese Phänomene im Wirken von übernatürlichen und dämonischen Wesen. In unserer Zeit ist Vampir­ismus eher ein schmückendes Element der Gothic-Szene – deren Vertreter/innen sich entsprechend kleiden und schminken – oder Inhalt fiktiver Unterhaltungsmedien. Doch selbst heute glauben manche Menschen noch an die "Wiedergänger", wie Vampire ebenfalls genannt wurden.

Der Vampir als Verführer

Neben seinen angsteinflößenden Komponenten verfügt der Vampirismus auch über starke erotische Elemente, welche die Reglementierung von Sexualität durch religiöse und gesellschaftliche Moral­vorstellungen außer Kraft setzt und somit ein Ventil für sexuelle Fantasien darstellt.

Der Biss kann als erotisch übersteigerter Kuss verstanden werden, der dem/der Blutsauger/in Vitalität und Jugend verleiht. Das Opfer verfällt dem/der Untoten und wird, sofern es bei diesem Übergriff nicht stirbt, ebenfalls zum Täter oder zur Täterin, der/die – um ewig weiterleben zu können – ebenfalls Blut trinken muss. Man kann dies auch als Verführung einer sexuell unerfahrenen jungen Frau oder eines jungen Mannes deuten. Nachdem der erste Sexualakt – Blut steht hier für Entjungferung – vollzogen wurde, findet der/die Verführte nun Gefallen an Sexualität und sucht sich selbst neue Verführungsopfer.

Das widerspricht im abendländischen Kulturkreis der kirchlich-christlichen Überzeugung, nach welcher Sexualität nur in einer monogamen heterosexuellen Ehe stattfinden darf. Vampiren kann, in ihrem polygamen Treiben folglich nur durch ein Zeichen der Kirche (Kruzifix) oder durch den übelriechenden und lustfeindlichen Knoblauch Einhalt geboten werden.

Eigenschaften des Vampirs

Vampire besitzen, so der Mythos, keine Seele und daher auch kein Spiegelbild. Weiterhin sollen sie neben ihrer Unsterblichkeit unter anderem auch die Fähigkeit haben sich zu verwandeln, zu fliegen oder durch Wände zu gehen. Die einzelnen, meist übernatürlichen Eigenschaften, die man Vampiren nachsagt, variieren je nach Überlieferung oder landestypischen Bezügen.

Sie können nur durch das Pfählen, also das Schlagen eines Holzpflocks ins Herz, durch Kopfabschlagen oder durch Verbrennen vernichtet werden. Tageslicht ist für Vampire ebenfalls tödlich, die Berührung mit Sonnenstrahlen lässt sie verbrennen. Aus diesem Grund ruhen sie tagsüber in einem geschlossenen Sarg, der meist in einer Gruft verborgen steht. Ihr Lebensrhythmus steht damit im Gegensatz zu dem der meisten Leute, die bei Tage arbeiten und nachts schlafen.

Das Wesen des Vampirs wird ausführlich in dem Buch beschrieben, das den Vampirmythos bis ins 21. Jahrhundert am nachhaltigsten prägt: Bram Stokers Roman "Dracula", der 1897 in London veröffentlicht wurde. Stoker entwarf eine gut recherchierte, massentaugliche Geschichte, der er in Form von Tagebuchauszügen und Briefen eine authentisch wirkende Form gab.

Die historische Vorlage für den Grafen Dracula lieferte der rumänische Graf Vlad Tepes (Vlad, der Pfähler auch "Draculea – kleiner Drache" genannt), der von 1431 bis 1476 als besonders grausamer Herrscher in die Geschichte einging.

Literarische Bezüge zu Vampirismus finden sich bereits vor Stokers Roman, in der 1816 erschienenen Erzählung "The Vampyre" von John William Polidori, der zum Kreis der Dichter um Lord Byron, Percy Shelley und Mary Shelley (der Autorin von "Frankenstein") gehörte, sowie in der 1872 erschienenen Novelle "Carmilla" des irischen Autors Sheridan Le Fanu, in der eine junge Frau und erstmals ein weiblicher Vampir im Mittelpunkt stehen.

Die "wandelnden Leichname" sind in beiden Geschichten nicht mehr die blutsaugenden Monster des Volksglaubens, sondern aristokratische Figuren, die sich elegant in der Welt der Lebenden bewegen und auf diese eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausüben.

Stoker übernahm diese Attribute und schuf damit einen literarischen Welterfolg, der spätere Romane und Erzählungen in ihren Vampirdarstellungen prägte. Die besonders bei Jugendlichen beliebten Roman- und Filmzyklen des 21. Jahrhunderts – "The Vampire Diaries" ("Tagebuch eines Vampirs") von Lisa Jane Smith sowie "Twilight" von Stephenie Meyer – nehmen das romantische Motiv des begehrenswerten, sensiblen Vampirs auf.

Aus dem Objekt des Grauens wurde somit über die Jahrhunderte ein Objekt der Begierde, das aus Literatur, Filmen und Videospielen nicht mehr wegzudenken ist.

Fussnoten