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La Mariée était en noir

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La Mariée était en noir Die Braut trug schwarz

/ 8 Minuten zu lesen

1968

Produktionsland: Frankreich / Italien
Regie: François Truffaut
Laufzeit: 107 Minuten
Format: Breitwand (1:1:66)
Altersfreigabe: FSK: 16


"La justice des hommes est impuissante. Je suis déjà morte."

"Man kann mich auf dieser Welt nicht bestrafen. Ich bin schon tot."

Julie Kohler (Jeanne Moreau) bei der Beichte


Darsteller/innen

Julie Kohler: Jeanne Moreau
Coral: Michel Bouquet
Corey: Jean-Claude Brialy
Fergus: Charles Denner
Bliss: Claude Rich
Rene Morane: Michael Lonsdale
Delvaux: Daniel Boulanger
Mademoiselle Becker: Alexandra Stewart


Inhalt

Südfrankreich in den 1960ern. Nachdem ihr Bräutigam durch die Fahrlässigkeit einer Freundesclique unmittelbar nach der Trauung ums Leben gekommen ist, macht sich seine Witwe auf die Suche nach den Schuldigen an diesem Unglück. Unerbittlich in ihrer Rache spürt sie die Männer auf und tötet sie nacheinander auf unterschiedliche Weise.

Bezug zum Werk Truffauts

François Truffaut realisierte Die Braut trug schwarz nach den anstrengenden Dreharbeiten zu seiner Bestsellerverfilmung Fahrenheit 451 (GB 1966), einem internationalen Prestigeprojekt. Vor seinem nächsten Film, der autobiografisch geprägten Romanze Geraubte Küsse, wählte er ein ebenso persönliches, aber vor allem cineastisches Sujet: eine Hommage an die Filme Alfred Hitchcocks. Mit einer ungewohnt strengen Kameraführung ist dies der Film, der dem Vorbild am meisten ähnelt. Im Interview sagte er: "Im Detail orientieren sich die Regeln, die ich hier befolge, schon ziemlich an Hitchcock, aber das Gesamtkonzept des Films hat wenig mit Hitchcock zu tun. Bei Hitchcock identifiziert man sich normalerweise mit einer Person, die unschuldig eines Verbrechens bezichtigt wird. Wir haben es hier aber mit einer tatsächlichen Mörderin zu tun, und ich versuche zu erreichen, dass der Zuschauer sie dennoch akzeptiert."

Truffauts Aussage ist etwas pauschal. In Hitchcocks Filmen Vertigo, Psycho und Marnie sind die Hauptfiguren ebenfalls an Verbrechen beteiligt. Bei allen handelt es sich um Frauen. In Shadow of a Doubt (Im Schatten des Zweifels, USA 1943) steht zudem ein Mörder im Mittelpunkt. Charakteristisch für Truffaut ist allerdings, dass er die Rolle der Mörderin einer Frau überträgt, der seine ganze Sympathie gilt. Als Julie Kohler verkörpert Jeanne Moreau zudem ein Selbstbewusstsein, das Hitchcock allgemein nur Männern zugestand und das ganz im Gegensatz zu der Figur der Judy in Vertigo steht.

Drehbuch/Romanvorlage

Truffauts Film basiert auf den Kriminalroman "The Bride Wore Black" (1940) des US-amerikanischen Autors Cornell Woolrich, der auch die Vorlage zu Hitchcocks Das Fenster zum Hof (1954) lieferte. Bis auf den veränderten Schluss und die französisch adaptierten Namen übernahm Truffaut die Geschichte nahezu vollständig, verlegte die düstere Atmosphäre jedoch ins sonnige und farbenfrohe Südfrankreich – ein Experiment, das ihm (im Gegensatz zu vielen seiner Zuschauer/innen) später nicht mehr gefiel: Truffaut fand den Film zu "hell" und wegen zu vieler Tagszenen zu wenig geheimnisvoll.

Wie in Hitchcocks Filmen sind weite Passagen dialogfrei. Die anfallenden Dialoge zum Thema Leben und Liebe sind wie in vielen französischen Filmen der 1960er lockerer und weniger mit moralischen Argumenten unterfüttert als im Amerika der 1950er. Dies gilt etwa für den flapsigen Junggesellendialog, auf den der erste Mord folgt, aber auch für die Gespräche zwischen Julie und ihren männlichen Opfern.

Als Rahmenhandlungen fungieren die Rückblenden, die Stück für Stück Julies Geschichte und Motivation erzählen. Deren Plausibilität steht, wie bei Hitchcock, nicht unbedingt im Vordergrund. So bleibt völlig offen, woher Julie – im Gegensatz zur Polizei – die Namen der Mörder ihres Mannes kennt.

Filmfiguren

Im Mittelpunkt der Geschichte steht mit Julie Kohler eine bedingungslos Liebende, eine Trauernde und eine Mörderin, die einem subtilen Racheplan folgt und diesen mit aller Gründlichkeit zu Ende führt. Durch Musik, Kostüm und Maske und die Nahaufnahmen, in denen Jeanne Moreau als Julie einen tragischen und geheimnisumwitterten Blick zeigt, wird Julie Kohler (frz. colère: Zorn) zu einer mysteriösen Schönheit stilisiert. Wie Madeleine/Judy in Vertigo scheint sie darüber hinaus, durch die Trauer um ihren Mann, im Kontakt mit den Toten zu stehen: "Ich bin bereits tot". Im Kontrast zur farbenfrohen Umgebung trägt sie ausschließlich weiße oder schwarze Kostüme (gelegentlich auch eine Kombination) und verweist damit auf ihre Doppelrolle als Braut und Witwe. Ihr Auftritt ähnelt vielen weiblichen Hauptfiguren bei Hitchcock und verkörpert darüber hinaus – anlehnend an Werke des Film Noir – eine Femme fatale, die die Schwächen ihrer männlichen Opfer ausnutzt und sie entsprechend zu beherrschen weiß. Ihre Opfer sind fünf Männer, laut Truffaut eine "Musterkollektion der verschiedensten Typen".

Julie Kohler lässt jeden der Männer auf eine ihrer Ansicht nach zum jeweiligen Charakter passende Weise sterben: Den Frauenheld Bliss stößt sie bei seiner Verlobungsparty vom Balkon, den schüchternen Trinker Coral tötet sie durch vergifteten Arrak, den Politiker Morane sperrt sie in eine luftdichte Abstellkammer ein, wo er jämmerlich erstickt. Ihrem vierten Opfer, dem Kunstmaler Fergus, steht Julie als Jagdgöttin Diana Modell und erschießt ihn dann mit Pfeil und Bogen. Ihr letztes Opfer, der kriminelle Schrotthändler Delvaux, wird von ihr im Finale im Gefängnis mit einem Brotmesser erstochen. Dass in der jeweiligen Todesart auch das auf unterschiedliche Weise pervertierte Verhältnis des Opfers zu Frauen zum Ausdruck kommt, ist Teil ihres Racheplans.

Besetzung

Die Rolle der Julie wird von Jeanne Moreau verkörpert, einer bedeutenden Schauspielerin und Charakterdarstellerin des französischen Films des 20. Jahrhunderts. Bereits in Truffauts Jules und Jim hatte sie die Hauptrolle übernommen. In Die Braut trug schwarz verkörpert sie nicht die Jugend im Stil der glatten Hollywood-Schönheiten, sondern eine gereifte und gezeichnete Frau. Dies passt zum realistischen Blick auf Leben und Alltag des späten Truffaut, der – anders als Nouvelle Vague-Kollegen wie Jean-Luc Godard – reifen Erwachsenenfiguren den Vorzug gab. Die Darsteller der männlichen Opferrollen sind in Frankreich zu dieser Zeit bekannte Film- und Theaterschauspieler. Hervorzuheben ist Charles Denner als Fergus, den Truffaut mehrmals in meist schrulligen, sympathischen Rollen besetzte.

Spannung

Schnelle Actionsequenzen im Stile der in den 1960er-Jahren beliebten James-Bond-Filme findet man nicht, Truffaut setzte wie Hitchcock auf Suspense und schwarzen Humor. Die Einstellungen sind für einen Kriminalfilm sehr lang, die Erwartungen und Vorahnungen an den jeweils kommenden Mord werden bewusst durch verzögernde Momente gesteigert. Ein Beispiel ist der verzögerte Mord am Kunstmaler Fergus, den Julie sympathisch findet und der ihr Gesicht über die Jahre immer wieder gezeichnet hat. Im größeren Kontext des Films arbeitet Truffaut mit zwei verschiedenen Formen von Suspense.

Fragt das Publikum zunächst nach dem Motiv ihrer Taten, ist dieses Rätsel nach dem dritten Mord gelöst: Julie rächt den Tod ihres Mannes. Ab diesem Punkt ist die Frage, ob die weiteren Morde gelingen und ob Julie gefasst wird. Truffaut spielt hier geschickt mit dem Suspense-Modell Hitchcocks: Die vorzeitige Auflösung des Mordfalls in Vertigo ist nur ein Beispiel. Noch berühmter ist der verblüffende Tod der Hauptfigur zur Mitte des Films in Psycho, der den Suspense ganz auf den Täter lenkt. Eine krönende Überraschung à la Hitchcock (Surprise) bildet schließlich der letzte Mord im Gefängnis.

Kamera, Licht und Montage

Wie Vertigo spielt auch Truffauts Film bei helllichtem Tag. Die Entsprechung zu Scotties Tagtraum – eine betäubte Wahrnehmung bei vollem Bewusstsein – ist Julies traumatische Trauer um ihren Mann. Erzeugt wird dieser tranceartige Zustand wie bei Hitchcock durch lange, suggestive Kamerafahrten vor allem zu Beginn des Films. In diesen zitatartigen Einstellungen inszeniert Truffaut die Cote d’Azur wie der Brite in Vertigo das hügelige San Francisco. Die Distanz – die Kamera geht Julie hier gewissermaßen voraus – spiegelt zugleich die berechnende Kühle der Hauptfigur, die jeden ihrer Schritte plant.

Die Eingangssequenz zollt dem Meister noch direkter Tribut: Julies Transport großer Geldbündel in einem Koffer ergibt innerhalb der Handlung wenig Sinn, dasselbe Motiv findet sich jedoch in Psycho (1960) sowie Marnie (1964). Julies Erscheinen auf dem Bahnsteig schließlich zitiert ebenso deutlich Marnie. Im Weiteren schwankt die Kamera zwischen Hitchcocks suggestiver Bildsprache und Truffauts eigenem Stil.

Ganz nach Truffauts eigenem Nouvelle Vague-Stil ist ihm das natürlich wirkende Sehen auf das Geschehen wichtig: Schnitte und Kamerabewegungen sind deswegen selten abrupt oder als besonderes Kunstelement herausgestellt. Einige wichtige Momente und Elemente werden allerdings, wie bei Hitchcock, durch Großaufnahmen hervorgehoben (etwa Julies im Wind fliegendes Halstuch, der Plattenspieler beim zweiten Mord, Julies Schrei bei einem ersten Schuss auf Fergus). Die Rückblenden, die Julies Vorgeschichte enthüllen, sind die einzigen Teile des Films, in denen die Kamera die Bildausschnitte und Kamerawinkel variiert, um in Form eines Puzzles allmählich Julies Motivation zu enthüllen. Die Schnittfolge ist jedoch, zugunsten der Kamerafahrten, deutlich langsamer als in den meisten heutigen Kriminalfilmen oder auch bei Hitchcock. Die Lichtverwendung und -führung wirkt großteils natürlich. Dabei handelt es sich oft um Außenaufnahmen. Auch das Atelier des Malers wird durch das hereinfallende Sonnenlicht offen gestaltet. Die Stimmung ist dadurch weniger klaustrophobisch.

Musik

Die Musik des Films stammt vom Komponisten Bernard Herrmann, der zuvor auch bei Vertigo und weiteren berühmten Hitchcock-Filmen wie Der unsichtbare Dritte und Psycho mit Truffauts Vorbild zusammen gearbeitet hatte. Herrmann komponierte daneben die Musik zahlloser Filmklassiker von Citizen Kane (USA 1941, R: Orson Welles) bis Taxi Driver (USA 1976, R: Martin Scorsese). Mit Truffaut arbeitete er erstmals im Jahr 1966, und zwar für den Film Fahrenheit 451.

Wie die meisten seiner Arbeiten ist auch der Score zu Die Braut trug schwarz symphonisch komponiert, gespielt von großem Orchester. Er schwillt meist dann an, wenn Julie auf dem Weg zu einem ihrer Morde ist, begleitet sie in motivhafter Form durch den gesamten Film und erzeugt damit eine mysteriöse Aura, die die Protagonistin bis zum Schluss ausstrahlt. Julie wird somit musikalisch ähnlich leitmotivisch eingeführt wie zum Beispiel die kriminelle Marnie in Hitchcocks Film Marnie, in dem die Musik ebenfalls eine Komposition Herrmanns ist. Diese Ähnlichkeit war von Truffaut gewollt. Er übernimmt dieses Markenzeichen, um beim Zuschauer die Assoziation mit Hitchcock-Filmen zu wecken. In Kontrast dazu stehen wie in Vertigo klassische Musikstücke anderer Komponisten, hier Felix Mendelssohn Bartholdys Hochzeitsmarsch sowie das Mandolinenkonzert von Antonio Vivaldi.

Genrebezug

Truffaut selbst sagte über den Film: "Meine Vorstellung war, dass die Bilder eine Kriminalgeschichte erzählen sollten und der Dialog eine Liebesgeschichte." Tatsächlich verbirgt sich unter der kriminalistischen Rachegeschichte ein urfranzösisches Thema: aus einer amour fou entwickelt sich ein crime de passion. Die kühle Julie erweist sich als eine leidenschaftlich Liebende, die für die Liebe zu ihrem verstorbenen Mann über Leichen geht. Einerseits gleicht sie damit Scottie in Vertigo, andererseits wäre eine solch starke Frauenfigur bei Hitchcock undenkbar.

Doch neben dem versteckten Liebesfilm und Melodram ist Die Braut trug schwarz ein Film Noir sowie ein Thriller in bester Hitchcock-Manier, so spannend wie mysteriös, und damit auch eine cineastische Hommage an ein berühmtes Vorbild, die nie in die Parodie abgleitet, sondern die verschiedenen Genres elegant vermischt.

Rezeption

Die Braut trug schwarz war ein weltweiter Erfolg, mit 1,2 Millionen Zuschauern und Zuschauerinnen in Frankreich und einer Nominierung für den amerikanischen Golden Globe. Truffaut selbst äußerte sich später kritisch über den Film und bemängelte dessen Helligkeit sowie die episodische Struktur. Mit Das Geheimnis der falschen Braut drehte er dennoch 1969 eine weitere Hitchcock-Hommage, die insbesondere das Doppelgängermotiv von Vertigo aufgreift. Ein direkter Einfluss auf spätere Filme ist schwer zu belegen.

Weibliche Rachefiguren gibt es seit der Antike, etwa Euripides’ Medea. Beispiele aus der neueren Filmgeschichte sind Quentin Tarantinos Martial-Arts-Drama Kill Bill: Vol. 1 & Vol. 2 (USA 2003/2004) oder der japanische Kultfilm Shurayuki-hime (Lady Snowblood, J 1973, R: Toshiya Fujita), auf den sich Tarantino bezieht.

Fussnoten

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